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Politikum: Die Chromifizierung von Android

Wenn ich mir überlegen müsste, was ich das Unsympathischte an Android finde, würde ich auf die heimtückische Standardaktivierung des Tracken des Standortverlaufs, der umgebenden Funknetze und Senden der Daten an Google verweisen. Das geht gar nicht! Anscheinend aktiviert sich das Tracking durch bestimmte Google-Updates auch immer wieder selbst. Aber das ist nicht Android Open Source Project (AOSP), das sind die proprietären Play Services und sind Googles Erweiterungen.

Kapitel:
1 – Can’t put me finger on what lies in store,
But I fear what’s to happen all happened before.

2 – Die Play-Services-Verträge
3 – Proprietarisierung in Häppchen
4 – Warum „Chromifizierung“?
5 – Absoluter Kontrollwillen

1 – Can’t put me finger on what lies in store,
But I fear what’s to happen all happened before.

Ich habe um CyanogenMod gebangt, als es hieß, Google wolle das Unternehmen für 1 Mrd. Dollar aufkaufen. Dass sie auf das Angebot nicht eingegangen sind, spricht sehr für ihre Integrität! Denn was macht eigentlich CyanogenMod? Seit Google mit spätestens Kitkat (4.4) begonnen hat, mehr und mehr der vormals unter freier Lizenz mit offenen Quellcode stehenden integralen Systemkomponenten proprietär zu forken, mit Google-Diensten zu verknüpfen und sie als Standard-Apps auf ihren Nexus-Geräten zu pushen, ist das Team von CyanogenMod dabei, freie Alternativen für Googles proprietäre Apps zu schreiben und Android damit „Google wegzunehmen“, wie es der CEO formuliert hat.

Google hat einerseits seine durchaus berechtigten Anliegen, die Plattform möglichst homogen und mit den bestmöglichen Design zu gestalten. Dass Googles Android-Designer besser sind als die Teams der OEMs, müssen wir gar nicht erst ausdiskutieren. Google hat Interesse daran, seine Plattform in der besten Form an seine Nutzer zu bringen, nicht einer verhunzten Oberfläche und mit umständlichen Standard-Apps der OEMs. Der große Vergleich zur Android-Plattform ist iOS und Google hat größtes Interesse, dass sein System in Gänze und inklusive Standard-Apps – auf jedem Gerät – den Vergleich mit Apples Software standhalten kann. Das ist neben der festen Integration ihrer ‚Cloud‘-Dienste der eine Grund für ihre zunehmende Proprietarisierung von Android.

2 – Die Play-Services-Verträge
Über die Play-Services-Verträge werden den OEMs enge Auflagen gemacht, wie sie ihre Distribution/ROM zu gestalten haben – die Liste wächst jährlich und die Daumenschrauben werden enger. Ein Android-Gerät ohne Play Services ist in der westlichen Welt nichts wert.
Inbegriffen in den (nicht öffentlichen) Play-Services-Verträgen ist beispielsweise die Klausel, dass Googles strategisch relevanteste Apps im Standardbildschirm des Launchers sofort oder über einen Ordner erreichbar sein müssen.

Vom Play Store abgesehen kümmern sich die Play Services auf Android um eine ganze Menge Dienstleistungen, die im weitesten Sinne Netzkonnektivität fordern. Google Cloud Messaging (GCM) ermöglicht Apps das Pushen von Benachrichtigungen, anstatt dass die App selber in Intervallen einen Abgleich mit einer Adresse durchführen müsste. Die Maps-API integriert Googles Kartendienst unkompliziert in viele Apps, der Google Location Service stellt genauere und schnellere Ortung durch WLAN- und Funkmasten-Triangulation bereit, usw.. Die Finesse der Verträge und das Dilemma für die OEMs einmal nur am Beispiel des Location Services betrachtet: Der Vertrag schreibt ihnen die Standard-Nutzung von Googles Ortungsdienst vor, der durch jeden Nutzer automatisch (und in der Regel komplett ohne sein Wissen) auch noch verbessert wird. Würde ein OEM aus den Verträgen aussteigen, hätte er weder Anspruch auf Integration von Googles Ortungsdienst, zudem müsste er auch noch eine eigene weltweite Triangulations-Datenbank aufbauen, um vergleichbare Ergebnisse liefern zu können (Mozilla sind mit ihrem unabhängigem FirefoxOS die ersten, die versuchen, eine freie Datenbank zu schaffen). Wer ein AOSP-ROM ohne das „Sideloaden“ der Play Services betreiben möchte, steht sehr schnell deppert im Regen.

Kurze Strategieanalyse: Warum macht Google das? Es gab in den letzten Jahren vermehrt Gerätehersteller, die sich dem Diktat der Play-Services-Verwendung widersetzt haben. Dazu gehören Amazon, Xiaomi, nicht zuletzt das aufmüpfige Samsung, das gern mal mit dem ein oder anderen Gerät mit Tizen gedroht hat. Dass Samsung überhaupt ein so starkes Interesse an Tizen verfolgt, kommt auch nicht von ungefähr: Man wird unruhig, weil Google den OEMs nach und nach die Unterscheidbarkeit von Mitbewerbern nimmt, weil sie proprietäre Apps nicht mehr nach Gutdünken verunstalten können. Samsung wird in dieser Entwicklung ein Android-OEM von hunderten, teils günstiger produzierenden Smartphones, ohne sich von ihnen merklich differenzieren zu können. Ein Bein in einem alternativen OS zu haben, ist einerseits wirksames Verhandlungsmittel mit Google, andererseits der Notfallplan, falls es Google einmal übertreibt. LG verfolgt mit dem Aufkauf von webOS übrigens dieselbe Taktik. Ein bisschen vergleichbar hierzu ist, wie Apple seit NeXTStep x86-Builds von Darwin (dem Unterbau von OS X) gepflegt hat und den x86-Wechsel von PPC schließlich 2005 relativ schmerzfrei über die Bühne ziehen konnte, als IBMs Architektur an ihre Grenzen kam. Es ist eine Sicherheit, nicht zuletzt eine ökonomische.

Eine wertvolle Seitenepisode zum Verständnis von Samsungs Macht als größter Android-Gerätehersteller und Googles Kontrollwillen über die Plattform, ist die Spekulation, dass Motorola von Google nicht aus freien Stücken wieder verkauft wurde. Als in 2013 die Gerüchte und Hinweise von Samsung auf Tizen-Smartphones und ‚Wearables‘ stärker wurden, überraschte im Januar 2014 die Meldung, dass Samsung, nach Gesprächen mit Google, die eigenen Modifikationen an der Oberfläche zurückfahren und stattdessen auf mehr Apps und Dienste von Google setzen wolle. Einen Tag später wurde berichtet, dass Google Motorola wieder verkaufen wolle. Man sei ja nur an den Patenten interessiert gewesen. – Gar nicht daran, durch einen eigenen starken OEM im Fall des Bruches mit Samsung wenigstens einen Hersteller unter voller Kontrolle zu haben, der die eigene Android-Vision umsetzen und den man im Ernstfall durch die eigene Werbeplattformen stark pushen könnte.
Hier geschah ganz klar ein Deal. Beide Seiten sind extrem argwöhnisch voreinander: Google sieht seinen größten und daher wertvollsten OEM taktisch mit eigenen Apps und Diensten zündelnd drohen, Samsung sieht sich immer weiter unter einem Plattformdiktat, das es ihnen a) erschwert, durch ‚Mehrwertdienste‘ an ihren Geräten noch zusätzlich Geld zu machen, b) Unabhängigkeit unmöglich macht, sondern c) in absolute Abhängigkeit zu Google treibt. In Anbetracht dessen, dass Samsung gekuscht hat und seine Anpassungen in Folge schrittweise zurückgenommen hat – und dass Google durch den Verkauf von Motorola bei Beibehalten der Patente quasi kein Risiko eingegangen ist – sieht es nach außen aus, als ob Google hier einmal, mit größter Vorsicht, bei Samsung auf den Tisch gehauen hätte.

3 – Proprietarisierung in Häppchen
Für Android wartet Google auch noch den alten kargen AOSP-Browser, weil sie, nach eigener Aussage, einen freien Browser in Android erhalten wollen und Chrome proprietär ist (es gibt kein „Chromium“ für Android, nur die Engine, aber nicht die Oberfläche). Dasselbe Spiel läuft seit einer Weile mit vielen Apps: Die Bildergalerie soll durch G+ Fotos abgelöst werden, die proprietär ist, auch die AOSP-Kamera wird nicht weiterentwickelt, die haben sie geforkt und nennen das proprietäre Produkt nun Google Camera. Die AOSP-Music-App wurde seit Jahren nicht angefasst, nur noch die proprietäre Play-Music-App wird weiterentwickelt. So geht es auch bei Lollipop nun mit E-Mail und Kalender weiter: Sie lassen den alten AOSP-Mailclient fallen und integrieren dafür IMAP in die proprietäre Gmail-App. Analog betritt ein Google Calendar die Bühne. Diese „Chrome-ification“, wie sie in der Szene genannt wird, betrifft sogar bereits den Launcher: Ab spätestens Kitkat wurde dieser proprietär geforkt und integriert nun die Google-Suche auf der linkesten Spalte. Ein Google-Fork bedeutet jeweils gleichzeitig, die freien Komponenten nicht weiterzuentwickeln. Über kurz oder lang müssen OEMs (und Geeks) die Nutzung der freien Komponenten einstellen, oder sie mit mehr Aufwand selber weiterentwickeln.

Damit macht Google seinen OEMs das Leben schwer, denn die können nun nicht mehr einfach die hübsch von Google gewartete und weiterentwickelte AOSP-Kamera-App anpassen, sondern müssen eine eigene schreiben, die auch noch mit der aktuellen Systemversion kompatibel ist. Das erhöht die Entwicklungskosten signifikant und führt tendenziell dazu, dass OEMs den Aufwand scheuen und gleich auf Googles proprietäre Apps setzen – womit dann auch die Google-Dienste wieder mehr genutzt werden und in Googles Idealvorstellung die Plattform für ihre Nutzer unersetzlich wird.
Ziel ist es, Marktmacht bei sich zu zentralisieren. OEMs, die keine Play-Services-Verträge mit allen Lizenzbedingungen unterschreiben, bekommen die guten Apps nicht – Android wird für sie dadurch gewissermaßen ausgemergelt. Googles härteres Vorgehen lässt sich als direkte Reaktion auf die Android-Forks von Amazon („FireOS“) und Xiaomi („MIUI“) ohne Play Services verstehen.
Wir können nur darauf hoffen, dass CyanogenMod und Co. ausreichend Ressourcen finden werden, um die AOSP-Teile als freie Software weiterzuentwickeln, woran sie auch bereits sitzen.

Google ist deswegen nicht gleich ‚evil‘, aber das Unternehmen will eben mit seiner Plattform Geld verdienen und ungern durch Drittfirmen, die darauf aufbauen, die eigene Relevanz an Markt verlieren. Das ist sogar noch auf einer menschlichen Ebene nachvollziehbar.
Ein kleines schmutziges Detail ist hier der Machtkampf, der sich die letzten Jahre offenbar innerhalb Googles zwischen Andy Rubin, dem Gründer des ursprünglichen Android-Unternehmens, und Googles Führern ausgetragen hat. Rubin soll sich jahrelang für die Unabhängigkeit von AOSP eingesetzt haben, sich gegen die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen gewehrt und auch die Motorola-Übernahme nicht gutgeheißen haben. Dann wurde er gegangen. Ausgerechnet Sundar Pichai, der Projektleiter des Chrome-Teams, der sich wiederholt für die Proprietarisierung von Komponenten ausgesprochen hatte, ist auch zum neuen Kopf der AOSP-Entwicklung berufen worden. Zwei Monate zuvor wurde im Google Campus eine metallene Android-Statue montiert.

4 – Warum „Chromifizierung“?
„Chrome“ ist mehr als der Webbrowser des Unternehmens, den sie primär aus strategischem Antrieb entwickelt haben, um nicht Mozillas Suchmaschinen-Standardeinstellung-Verträgen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Die Kontrolle über nutzerfreundliche Privatsphäreeinstellungen zu erhalten, ist ein willkommener Bonus. „Chrome“ ist mittlerweile eine Marke, die von mehr Nutzern direkt mit Google assoziiert wird als „Android“. „Chrome“ ist der Weg für Google, Nutzer tatsächlich an seine Dienste zu binden, bei denen ihnen schon im Vornherein klar ist, dass sie es mit Google zu tun haben, was einer direkteren Bindung entspricht.

Unter „Chromifizierung“ sammelt die F-/OSS-Community Strategieentscheidungen Googles, die der Chrome-Philosophie folgen und damit der Idee eines offenen Webs und offenem Systems widersprechen. Auf Android bezogen wäre das die oben angesprochene Vernietung von AOSP mit den proprietären Play Services, die durch raffinierte OEM-Verträge de facto ein vernünftig nutzbares AOSP ohne Play Services für alle Seiten ausschließt. Im Webbereich wird häufig die gefühlte Trägheit der Google-Dienste Gmail, YouTube und Co. in Firefox kritisiert, die bisweilen Mutmaßungen einer Absicht zulässt. Googles Vorstoß mit seinen „Chrome Apps“ ist eine ganz besonders deutliche Verletzung der Prinzipien des offenen Webs. Chrome Apps sind weniger Webseiten als Anwendungen, die nur in der Chrome-Runtime laufen. Mit Webtechnologien wurde eine Parallelplattform auf Basis von Chrome-APIs geschaffen – übrigens das Gegenteil dessen, wie Mozilla bei Firefox OS vorgeht. Googles Strategie entspricht damit mit frappierender Ähnlichkeit dem Credo „Embrace, Extend and Extinguish“, mit dem es Microsoft zu gerechter Berühmtheit bei den Kartellbehörden gebracht hat. Dabei darf nicht die wachsende Relevanz von ChromeOS vergessen werden. Noch weiter gedacht fragt der Analyst Benedict Evans in einem klugen Text: „This however leads to a deeper Android question – what will Google be offering in 5 years? Will we, say, be buying Chrome phones on which Android is a legacy run-time?“

Chromifizierung ist das äußerliche Darstellen als offen, obwohl innerlich Stein um Stein der proprietäre Grenzwall errichtet wird. Niemand hat die Absicht…

5 – Absoluter Kontrollwillen
Der Plattform-Branch „Android Wear“ ist nicht einmal freie Software. Android Wear ist ein proprietäres Produkt, basierend auf internen Forks von AOSP, die Google dank seiner Apache-Lizenz nicht öffnen muss. Alles, was Google bisher von Android Wear offengelegt hat, sind einige Happen modifizierter GPL-Code von Drittprojekten. Dasselbe gilt im Übrigen für Android Auto und Android TV.

Hier zeigt sich an einem Glanzbeispiel die Notwendigkeit von radikalen Copyleft-Lizenzen wie der GPL – die Google wie der Teufel das Weihwasser meidet. So nutzen sie sogar grundsätzlich bei AOSP die „Bionic“-Tools statt eines GNU-Userlands. Damit zeigen sie sich prinzipiell bereit, ihre Plattform bis in die Systemtools komplett zu proprietarisieren.
Der Linux-Kernel unter GPL 2 entzieht sich ihnen dabei, aber selbst der wäre durch ein BSD-Derivat austauschbar, Apple zeigt mit XNU auf iOS und OS X, dass das mit genügend Mitteln machbar ist. Dass Google den Schritt ginge, zeichnet sich momentan zwar noch nicht ab, ist aber technisch wohl leichter umsetzbar, als man meinen mag, wenn man sich vor Augen führt, dass kaum etwas bei AOSP typischen Linux-Protokollen entspricht. Von der Interprozesskommunikation, über den Display-Server, zu den Schnittstellen für GPU-Treiber – alles oberhalb des Linux-Kernels ist Googles Süppchen. – Bis heute noch in den essentiellen Komponenten mit freiem Rezept.

Aber so beunruhigend sich all das anhört: Letztlich zeigt es, dass das Prinzip freie Software bei AOSP bislang funktioniert und da lohnt es sich, die Sache mal aus der radikalen F-/OSS-Perspektive von Glyn Moody zu betrachten.
Nun will Microsoft in CyanogenMod investieren. Dass sie sonderlich viel Einfluss auf das Projekt haben werden, bezweifle ich, sie wollen offensichtlich vor allem Google ans Bein pinkeln. Für Normalnutzer und uns freiheitsliebende Nerds ist das im Endeffekt ein Geschenk.

Hin und dort geblieben: Mein Wechsel von iOS zu Android

Diesem Text muss ich voranstellen, dass er ein Gemisch aus eineinhalb Jahren Notizen ist. Aus einer Reihe persönlicher Umstände heraus habe ich nicht den Antrieb gefunden, ihn auszuformulieren. Er war essayistisch angelegt, doch was das Bedeutungsbröckeln der Zeit übrig gelassen hat, ist ein fragmentarischer Prozessbericht einer inneren Prioritätenverschiebung. Den habe ich mir über mein Material zur Aufgabe gemacht, als Konfliktlösung mit mir selbst zu dokumentieren.
An manchen Stellen ist der Eindruck schon von den eigenen aktualisierten Gedanken überholt, daher kann es zu gewissen Brechungen der Meinung kommen. Ich habe versucht, die Gedanken zu meinen Beobachtungen zu bewahren, während ich sie spezifischer kontextualisiert habe.

Kapitel:
1 – Winds in the east, mist coming in. Like somethin‘ is brewin‘, about to begin.
2 – Ärger über iOS 7
3 – Die Selbstrechtfertigungsphase
4 – Eigene Prioritätenverschiebung: Vom Schauwert der UI zum Nutzwert
5 – Jailbreak: Das notwendige Übel
6 – Mehr Groll
7 – Die süße Verheißung
8 – Das LG G2
9 – Heute und die Zukunft

1 – Winds in the east, mist coming in. Like somethin‘ is brewin‘, about to begin.
Wer zu den ganz Tapferen gehört und meinen letzten Android-Artikel bis zu Ende gelesen hat, weiß, das mich das Nexus 7 2012 damals zumindest milde gestimmt hatte. „Ein Komplementär-Gerät; ein sehr attraktives Lesegerät“, bezeichnete ich es noch, doch für mich nur in Kombination mit meinem iPhone als Haupt-Mobilgerät erträglich. Auch für einige signifikante Verbesserungen an Dritt-Apps seit meiner damals letzten Android-Inspektion im Frühjahr 2012 fand ich schon lobende Worte. Ich hatte Grund zum Optimismus, dass der aktive Umsetzungswille im Ökosystem um sich greifen würde.

Mitte 2013 war mein Nexus 7 vor allem eines: Träge, weil die von Asus verbaute Billig-eMMC offenbar kein TRIM umsetzt. Aber die Apps darauf waren deutlich besser geworden, sehr viel besser. Auf einmal war da mit Falcon Pro sogar ein Twitter-Dritt-Client, der sich vor Tweetbot kaum zu verstecken brauchte. – Das war für mich ein „Oho, aha!“-Moment. Immer mehr Android-Apps brachten innovative Ideen in das Feld, die ich mir immer öfter auch auf iOS wünschte. Ich kam ins Grübeln, ins Abwägen.

2 – Ärger über iOS 7
Die Vorstellung von iOS 7 hat mich kalt gelassen, mehr noch: Schockgefrostet. Was ich da gesehen hatte, fand ich einfach ’nicht schön‘. Selbst die größten Fanblogs und vernarrtesten Podcasts rügten die folgenden Monate die Umsetzung des neuen Designkonzeptes. Farbverläufe aus Paletten zum Brechen, Hitlerscheitel-Ladeanzeigen, Icons mit dem ästhetischen Charme einer Waschmaschinenarmatur. Meine im Wortsinne ‚oberflächliche‘ Liebe zu iOS fühlt sich von Ive hintergangen. Hier war ein Punkt gekommen, an dem wir uns auseinander gelebt hatten. Es war schön mit Dir, aber auf dem Weg, den Du eingeschlagen hast, kann ich nun nicht mehr hinter Dir stehen wie früher.

Während alle nur über das flache Design sprachen, hat kaum wer daran erinnert, dass iOS 7 aus Nutzersicht nicht viel mehr als ein neuer Skin war. Apple ging kein Risiko ein, überholte weder das Springboard (‚Homescreen‘), weder führte es sich aktualisierende, widgetartige Icons ein, noch wurden Nutzerbeschränkungen wie das leidige Thema Standardbrowser gelockert. Es blieb das meiste beim Alten, das aber nun in Transparenz- und Milchglasoptik, denn die hatte Microsoft ja mit Windows 8 begraben.

3 – Die Selbstrechtfertigungsphase
Mein iPhone 4s (2011) kommt bei neuen Apps jetzt öfters ins Schwitzen, Webseiten könnten auch gerne etwas schneller laden und überhaupt habe ich Lust auf ein neues Gerät. Irgendwie ist mir auch der Bildschirm zu klein geworden. Früher natürlich wie alle über die riesigen Android-Smartphones gelacht, jetzt würde ich gerne mal mehr Text und Informationen auf dem Display sehen können. Das im Herbst 2013 erschienene iPhone 5s ist mir so tatsächlich zu klein. Es ginge noch… Aber eigentlich ist mir das Display zu klein geworden, für das, wie ich das Gerät nutzen möchte.

Die Enttäuschung über iOS 7 ist für mich noch kein Wechselgrund, aber ein guter Anlass, mir abermals intensive Gedanken zu meiner Systemwahl zu machen. Ich bin immerhin jemand, der einen kritischen Android-Artikel in Buchlänge verfasst hat. Noch immer stehe ich hinter dem meisten, was ich damals geschrieben hatte. Der daraus folgenden Präferenzkonsequenz nicht mehr zu folgen, fällt mir schwer. Normalerweise bin ich nach überlegten technischen Entscheidungen sehr prinzipientreu – aber sie gelten mir nun nicht mehr wie vor über einem Jahr. In meinen Prioritäten hat sich etwas geändert. Ich gehe in mich, um herauszufinden, wo ich meinen Prinzipienbruch sehe und finde ein kleines Kapitel, ähnlich einer Vorbehaltsklausel, in meinem Text: Ich bin Linux-Nutzer geworden, weil ich damit „mehr Freiheiten, mehr Wahl, mehr Möglichkeiten“ hatte. Es ist verdammt noch mal nicht (nur) philosophisch, es ist auch, weil mir die Plattform am besten gestattet, mich auszuleben.

[Android] bietet mir weniger Möglichkeiten bei weniger Eleganz. Zu den Möglichkeiten zähle ich bei iOS die Jailbreak-Apps dazu, und selbst die sind wie gesagt besser als die nativen Funktionen von Android und seinen Market-Crap-Apps.

Das meiste in diesem folgenden Satz, stelle ich fest, hat sich mittlerweile in meiner Wahrnehmung aufgehoben. Es gibt auf Android mehr zu tüfteln und langsam werden die Tüftelmöglichkeiten qualitativ hochwertiger und interessanter als die iOS-Standards.

Ich bin nicht für Monopole oder geschlossene Systeme, aber ich bin für gute Software, für die beste Software – sowohl in Plattformarchitektur, als auch Benutzbarkeit – adäquat für den Zweck, für den sie gefordert ist.

Ich bin also Utilitarist. Ich nutze Plattformen, weil sie die besten für meine Anforderungen sind, zum Zeitpunkt t=n. Meine Anforderungen ändern sich in der Zeit, ebenso wie sich die Plattformen durch die Zeit ändern. Dass wir uns auf immer linear, proportional zueinander bewegen, ist so unwahrscheinlich, wie dass wir uns überhaupt in derselben Achsendimension befinden und nicht nur einen parallelen Moment hatten, in dem wir uns zuwinkten.

4 – Eigene Prioritätenverschiebung: Vom Schauwert der UI zum Nutzwert
Ich komme zu dem Schluss: Android ist meine Plattformzukunft. Ich finde iOS 7 nicht sonderlich hübsch, weder von den Icons, noch von den UI-Elementen. Da ist das jetzt der perfekte Zeitpunkt, um gleich auf Android zu wechseln, bevor ich mich mit dem Hammer an iOS 7 gewöhne. Ja, Android ist noch immer nicht so elegant wie iOS, aber es ist für mich nun weniger relevant. Ich merke, wie ich diese Design-Bestaunphase langsam durch habe. Und ich bin schließlich Linux-Nutzer – ich freue mich über jede Software, die erst mal das macht, was ich funktional erwarte, nettes Aussehen ist dann ein luxuriöses Extra obendrauf. – Trotzdem ist es ein Plus, wenn sie nicht wie iOS 7 aussieht.

Es gibt 2013 auch immer mehr stylische Apps für Android. Das Problem an ihnen ist, dass häufig klar ist, dass sie keine nativen Widgets verwenden, sondern ihren eigenen ‚Skin‘. Das erinnert an die wilden Zeiten von Windows XP, in denen jedes bessere Tool seinen eigenen Widget-Stil hatte (wobei da wirklich von Vergangenheit zu deren bei Windows bis heute nicht als angemessen erscheint). Den Grund sehe ich hauptsächlich darin, dass Android immer noch zu fragmentiert ist und neue Widgets aus Holo [und Material Design] nicht auf allen Geräten genutzt werden können. Dabei kommen dann teilweise auch Apps bei heraus, die optisch ihren iOS-Versionen nachempfunden sind. Gerade jetzt mit iOS 7 gab es viele unglückliche Android-Ports. Mit der Verwendung von nicht systemeigenen Widgets verhalten sich dann auch Zieh-, Tab- und Scroll-Aktionen anders als ’normal‘ und das führt alles zu noch weiterer Inkonsistenz. Aber das sind die prominenten Ausnahmen von der Regel.

5 – Jailbreak: Das notwendige Übel
Das Upgrade auf iOS 7 lasse ich vorerst aus, werde erst im Spätherbst auf 7.1 aktualisieren, und lache mir bei jedem Frustkommentar über die 7.0-Instabilität auf Twitter ins Fäustchen.
Ein Jailbreak ist auch noch nicht erschienen, ohne wäre iOS für mich bis vor 7.0 schwer ertragbar gewesen. Ich habe übrigens nie Software illegal darüber beschafft und im Gegenteil sogar für einige nützliche Systemerweiterungen im Cydia-Store Geld ausgegeben! Einige Beispiele, weshalb ich jailbreakte:

  • „NC-Settings“ gab mir über Jahre Schnelleinstellungen für WLAN, Flugmodus und Helligkeit, die iOS absurderwiese in seiner „Einstellungen“-App vergraben hat. Erst iOS 7 reichte mit dem „Control Center“ diese Grundfunktionalität, die ich dutzende Male täglich brauche, nach. Finally.
  • Das schwachsinnige Bedienkonzept für Benachrichtigungen: Um Sie zu entfernen, gibt es keine Wischgeste, sondern ich muss den fitzeligen X-Button drücken. Eine Jailbreak-Erweiterung schaffte Abhilfe.
  • F.lux für das Entfernen von blauem Licht, das nachts im Dunkeln in den Augen brennt.
  • Der notwendige Doppelklick auf den Home-Button für das Multitasking nervt! Es ist langsam und jedes Mal denke ich dabei daran, wie ich die physische Taste nun +1 in die geplante Obsoleszenz schicke. Eine Jailbreak-Erweiterung erlaubte mir praktische Wischgesten von den Seiten, um in den App-Wechsler zu gelangen und sogar von den Bildschirmseiten direkt die App zu wechseln. Hört sich hakelig und mit vielen Apps kollidierend an, hatte aber eine sehr raffinierte Erkennungsmethodik.
  • Der Standardbrowser!! OMG!! Lasst mich doch den verdammten Standardbrowser wählen! Weil iCab Mobile Vollbildmodus, Adblocker und Integration von Firefox Sync hat, ist er meine absolute Präferenz. Aber erst durch eine Jailbreak-Erweiterungen werden mir Links aus Apps in ihm statt in Safari geöffnet.
  • Zum Musikbespielen ist iTunes erforderlich. Ich bin Linux-Nutzer. Was ich seit meinem iPod nano 2007 tat, war abenteuerlich: Eine Windows-VM hatte per virtuellem Netzwerk Zugriff auf meinen Medienordner im Linux-Dateisystem, den ich in iTunes warf. Per USB-Durchreichung klappte dann ein Sync, mal mehr, mal weniger. Das hat mich alles extrem viele Schmerzen gekostet, denn wenn iTunes schon lahm ist, ist es in einer VM mit Netzwerkordnern fünfmal so lahm. Aber ich nahm das viele Jahre lächelnd in Kauf, weil mir die Mobilgeräte und ihre Software so gefallen haben.
    Nein, die iPod-Tools für Linux haben nie gut funktioniert und sind keine Alternative. Ab iOS 5 konnten sie dann übrigens nicht einmal mehr Apples dreiste Datenbankverschlüsselung umgehen. (Die einzige gangbare Alternative wären Dritt-Apps, die sich ohne iTunes mit eigenen Medien füllen lassen, aber ich wollte unbedingt die großartige iPod-Musik-App nutzen.)
    Wäre das noch nicht genug, drangsaliert Apple einen selbst bei eigener, vollkommen DRM-freier und nicht bei iTunes gekaufter Musik mit dem irren Rechtemanagement: Einmal hatte ich Probleme mit meiner Windows-VM, so dass ich sie neuinstallieren musste. Das frische iTunes verweigerte dann aber die Zusammenarbeit mit meinem iPhone, weil es mit einem anderen Computer eingerichtet worden sei. Übrigens trotz gleichem iTunes-Profilordner. Ich hätte iOS automatisch „löschen“ lassen sollen, also zurücksetzen und alles in neuem Profil neu einrichten. Meine Systemeinstellungen wären wohl noch über die Apple-ID und das Backup zurückgespielt worden, aber ich hätte dadurch auch meine ganze Jailbreak-Tools-Konfigurationen verloren, was mir schon bei Major-Releases von iOS gereicht hat. – Und da bleibt ja zumindest durch das Vollbackup das Profil erhalten! Das kleine Jailbreak-Tool „Multilib“ erlaubte mir dann, dem zeitaufwendigen Prozedere zu entgehen und iTunes eine frische Mediendatenbank auf dem iPhone zu präsentieren.

Fakt ist: All das bekomme ich ohne Verrenkungen und Schmerzen auf Android geboten.

6 – Mehr Groll
Nach meinen Android-Erfahrungen bemerkte ich zudem negativ:

  • Die iOS-Systemtastatur regt mich nur noch auf, dieses Stück Dreck ist nicht weiterentwickelt worden seit iPhone OS 1! Eine unsägliche Autokorrektur (nein, ganz ohne ist es schlimmer) und seit ich von Android Swype kenne, ist sie nur noch anachronistisch, langsam und umständlich.
  • Die Nichtanpassbarkeit der „Teilen-Funktion“, die bei Android systemweites Weitergeben an andere Apps erlaubt [kam halbwegs mit iOS 8, ist trotzdem nicht so flexibel].

Nicht zuletzt: Geld! Ich sehe die Gier nicht mehr ein! Die 32 GiB-iPhones wurden seit dem 4s mehrmals im Preis angehoben, womit es als Direktkauf teurer wurde, als mein Kein-Mobilfunktarif-Ratenzahlung-iPhone-4s zuletzt! Es ist nicht abzusehen, dass sich die Entwicklung noch rückgängig machen würde und soll ich mich bei all den Kompromissen, die ich mit dem System eingehe, wirklich an eine Plattform mit nur einem Gerätehersteller binden, dessen Preisdiktat ich auf Gedeih und Verderb auf ewig ausgeliefert bin?!

7 – Die süße Verheißung
An Android finde ich nichts besonders wundervoll, so wie es mir früher iOS angetan hatte. Es ist eine sehr rationale statt emotionale Entscheidung.

Als grundfest überzeugter Firefox-Nutzer am Desktop habe ich Interesse daran, meine Tabs, den Verlauf und Co. auch mit meinen Mobilgeräten zu syncen. Firefox für Android ist anders als Chrome für Android freie Software, durch Add-Ons vielseitig anpassbar und erweiterbar – etwa durch AdBlock Edge und einen User-Agent-Wechsler – und lässt mich mein ganzes Profil inklusive Tabs zwischen Desktop und Mobilgerät austauschen. Was ihn übrigens darüber hinaus noch von Chromes Sync abhebt, ist die Möglichkeit, vom Mobilgerät direkt Tabs auf den Desktop zu pushen. Firefox für Android nutzt die Gecko-Engine und setzt sich dadurch gegen die bedrohliche Blink-/WebKit-Monokultur im (Mobile-)Web ein.

Im Oktober 2013 hat Twitter bekannt gegeben, zukünftig eine Tablet-UI für den offiziellen Android-Client bereitzustellen. Letztendlich. Bis heute wird diese allerdings nur auf Samsung-Tablets aktiviert, was ich für eine sehr kaputte Werbepartnerschaft halte.
Selbst nutze ich den offiziellen Twitter-Client nur, um zuverlässiger bekommene Favs zu checken, ansonsten setze ich heute auf Tweetings und Talon. Trotzdem habe ich damals gemeint, Twitter habe nun auch endlich den Android-Tablet-Markt als solchen anerkannt und möchte nicht für Tim Cooks Spitzen über das Android-Ökosystem herhalten.

Im August 2013 trug auch die elegante Wecker-App Timely ihren Teil dazu bei, meine Ansichten über Android zu korrigieren. Im Januar 2014 wurde das Entwicklerstudio sogar von Google aufgekauft, trotzdem erschienen seitdem kontinuierlich weitere Updates.

Mir macht die Ankündigung des Entwicklers hinter dem Spiel Badland Freude: Badland – Gewinner des Apple Design Awards 2013 – ich hätte es nie für möglich gehalten, dass noch eine Android-Version erscheint, aber doch. Ich sehe darin den Beweis, dass Entwickler Android nun sehr ernst nehmen und darin einen Markt zum Geldverdienen sehen; es gibt mir einen zuversichtlichen Schub in Richtung meines Entschlusses.

Auch die Schmiede hinter der von mir geschätzten professionellen Video-Kamera-App Filmic Pro geht für eine Android-Version auf Kickstarter. Die Kampagne scheitert am Unterstützerziel – das immerhin die Hälfte erreicht, was an sich beachtenswert ist, weil sich die Entwickler nicht weiter um das Kommunizieren der Kampagne kümmern. Denn die sind damit beschäftigt sind, ihre App um die Eigenheiten von OS 7 zu biegen. Im Nachhinein wird versprochen, die Android-Version noch einmal anzugehen.

Es passiert mehr auf Android, es gibt öfter App-Updates, die was Neues bringen, etwas Altes positiv verändern und alles ist viel mehr im Fluss. Die App-Updates sind im Ökosystem aufregender. Das mag ich!

Exemplarisch ein paar Beispiele an innovativen Launchern, die den Homescreen ersetzen: Die Launcher Aviate und EverythingMe mit lernender ‚KI‘. Oder der Action Launcher. Selber nutze ich Nova (Prime).

Die Wischtastatur Swype hat es mir angetan. Die Wortvorhersage, Autokorrektur, der Gerätesync und die ‚Sondertasten‘-Wischbelegungen für Kopieren und Einfügen sind großartig. Als Bonus gibt es noch die integrierte industrieführende Spracherkennung von Nuance, die auch in der iOS-Tastatur und Siri Verwendung findet.
SwiftKey ist eine Wisch-Tastatur-Alternative, mir sagt jedoch Swype besser zu. [Beide Tastaturen sind mittlerweile auch auf iOS 8 zu haben, aber in einer nicht vergleichbaren Verfassung zu ihren Android-Versionen.]
Ein ganz anderes Konzept verfolgt die Tastatur Minuum, die das Alphabet kompakt auf einem Streifen abbildet und durch Heuristiken eine erstaunliche Autokorrektur beim blinden Tippen gewährleistet. Nicht ganz mein Ding, aber sehr innovativ. [Zugegeben, als Apple mit iOS 8 nach Jahren der Sturheit endlich nachgab und das System für Dritttastaturen öffnete – mit Jailbreak war vorher auch das schon möglich – gab es dort ebenfalls viele innovative Ideen.]

Link Bubble ist eine Knaller-App für mich: Als Standardbrowser gesetzt, öffnen sich Links aus Apps zuerst in einer Blase, ähnlich der vom Facebook Messenger bekannten Chat-Blasen. Diese Blasen lassen sich mit einem Wisch im normalen Browser – bei mir Firefox – öffnen, oder gleich der Link weiterleiten. Ein geniales Konzept, das viel Zeit spart, weil ich beispielsweise während des Ladens in meinen Twitter-Clients weiterscrollen kann und die Webseite bei Nichtinteresse schnell schließbar ist.

Aus meinem 2012er-Artikel über mein Nexus 7:

Es ist viel mehr an ‚mobilem PC‘ als Geräte mit iOS (‚Post-PC‘) und als Ergänzung zu ihnen habe ich es als einen ultramobilen PC. Weil ich ein Geek bin. Ich kann damit Sachen machen, die ich mit iOS nicht machen kann, dafür fummeliger […].

Das ist interessant, denn die Feststellung halte ich noch nicht für überholt, aber meine Wahrnehmung hat sich durch meinen Anspruch auf eine andere Nutzungsweise verändert.
Ich glaube, zum einen haben die schnelleren Geräte einen Anteil daran, die jetzt einen Umgang erlauben, der vor wenigen Jahren nicht denkbar war und daher auch architekturseitig, noch vor Überlegungen zum Design und der Usability, eingeschränkt war. Mit modernen Chips ist prinzipiell die Leistungsfähigkeit eines Desktop-PCs von vor sieben Jahren in einem Smartphone möglich, im Grafikbereich sogar deutlich mehr. Wie ich merkte, dass immer mehr Features am Ultramobilgerät möglich werden, weil sie die Hardware offensichtlich mitmacht, wuchs in mir der Anspruch, mehr und mehr zu nutzen, denn warum auch nicht? Die Standardaufgaben eines Ultramobilgerätes sollen trotzdem elegant und nutzerfreundlich machbar sein, aber es spricht doch nichts dagegen, die Plattform grundsätzlich offen zu gestalten, so dass anspruchsvollere Nutzer damit anstellen können, was sie wollen. Heute habe ich auf Android nicht den Eindruck, dass diese Standardaufgaben in irgendeiner Weise komplizierter als auf iOS sind.

Mit einer Ausnahme: Ich wünsche keinem Normalnutzer, auf Android mit dem Dateisystem (‚Homeordner‘ auf der emulierten SD-Karte) konfrontiert zu werden. Doch auch hier hat Google mit Kitkat (4.4) und Lollipop (5.0) angesetzt und einen sinnvollen Datei-Auswahldialog auf App-Modul-Basis eingeführt. Das Thema ist noch nicht in trockenen Tüchern, aber wir kommen da hin. Android entzieht sich damit auch weiter einer Einkategorisierung in ‚PC‘ oder ‚Post-PC‘, denn obwohl es klassische PC-Vorgänge abstrahiert und versimplifiziert, schafft es keine doktrinalen Beschränkungen (z.B. ‚App-Silos‘ auf iOS) und ermöglicht Power-Usern tiefen Eingriff. Vielleicht ist es einfach nur ein sehr nutzerfreundlicher ‚PC‘.

8 – Das LG G2
Als mein Wechsel feststand, hielt ich Ausschau nach Smartphone-Kandidaten nach meinen Erwartungen. Mir haben am Nexus 5 die Displayqualität, die Kamera und der Akku nicht gefallen, daher sollte es ein anderes Gerät werden. Bei der ‚Premium‘-Variante des Nexus 5 von LG bin ich dann hängen geblieben: Das LG G2 hat einen größeren Akku, eine deutlich bessere 13 MP-Kamera, ein leuchtstarkes 5,2″-IPS-Display mit FullHD bei 424 dpi, auf dem kein Multitouch-Sensorennetz sichtbar ist und Gimmicks wie Doppeltap-Aufwachen und die Geräteknöpfe an der Rückseite.

Meine ursprünglichen Gedanken zur Displaygröße: 5,2″ ist eigentlich zu unbequem, es ‚geht‘ gerade noch so mit einer Hand alles zu erreichen, dafür muss ich aber den Griff oft ändern. Das Nexus 5 mit 4,95“-Display ist näher am Optimum. Viel Platz zum Lesen ist trotzdem fabelhaft und eigentlich wünscht man sich doch immer mehr davon.

Nachteil des G2′: Das vermurkste LG-ROM. Nicht so schlimm wie bei Samsung und durch alternativen Launcher ist man gleich viel davon los, aber trotzdem weniger durchgedacht als Vanilla-AOSP. Hinzu kam, dass das offizielle ROM noch bei 4.2 dümpelte.

Als ich im Frühjahr das Custom-ROM Carbon ROM auf das G2 geflasht hatte, das auf CyanogenMod basiert, nutzte ich fast mit einem Schlag mein iPhone 4s eigentlich gar nicht mehr. Die Nutzung des schnelleren G2′ mit größerem Bildschirm und mit Android 4.4 machte mir viel mehr Spaß!

Das G2 hat einige Schwachpunkte: Es setzt treiberseitig eine aggressive Geräuschunterdrückung bei Mikrofonaufnahmen in Videos um, so dass es dauernd klingt, als würde man in einem schlechten Netz telefonieren. Das ließ sich lange nicht erfolgreich deaktivieren. Ewig geärgert hatte ich mich auch über die unglaublich miesen Videos, die die LG-Kamera-Software und die Dritt-Apps auf Carbon-ROM aufnahmen: Eine Matsch-Bitrate zum Heulen und nicht anpassbar. Dass so etwas durch das QA gelangt, ist schon ein Ding. Die Videos des Nexus 5 sind übrigens nicht besser.
Die Video-Aufnahmen machten mich deshalb so wütend, weil ich weiß, dass man mit heutigen Smartphone-Sensoren phänomenale Ergebnisse erzielen kann, wenn die Software stimmt. – FiLMiC Pro erlaubt auf iOS Bitraten von bis zu 50 MBit und sticht mit der iPhone-Kamera so manches Fernseh-Equipment aus, ermöglicht außerdem Audio-Tracks in PCM. Solche Drittanbieter-Software kann es auf Android kaum geben, weil sie hochangepasst auf nur wenige Geräte ist.

Foto-Apps sind allgemein auf Android defizitär: Professionelle Fotografieoptionen gibt es nicht, alles, was über Filter und Gag-Effekte hinausgeht, sucht man vergebens im Play Store. Das fängt schon so grundsätzlich dabei an, dass die Vanilla-AOSP-Kamera-App und die von mir getesteten anderen keinen Helligkeitspicker getrennt vom Fokus besitzen.

Weil unter der auf CyanogenMod basierenden Distro die Fotos schlechter rauskamen und ich nicht den bei XDA veröffentlichten 4K-Kamera-Hack nutzen konnte, weil er auf den nur im Stock-ROM mitgelieferten Treiber-Blobs aufbaut, musste ich zähnekrirschend wieder auf ein Stock-ROM. Ich hab mir dann damit beholfen, auf eine auf dem Stock-Android basierende, abgeschlankte Distro mit bereits integriertem Root zu wechseln, für die auch regelmäßig Updates erscheinen. Das ROM integriert auch gleich den moderneren Systemstil des später erschienenen LG G3.
Mit dem Rooten des Geräts hatte ich nämlich beim Stock-ROM vormals äußerst schlechte Erfahrungen gemacht: Nach dem nächsten OTA-Update gab es einen Bootloop, aus dem ich nur durch Neuflashen wieder herausgekommen bin. – Das Rooten hatte bei dem LG-ROM also dieselbe restriktivierende Wirkung auf die Updates wie ein Jailbreak auf iOS.

Besagter Kamera-Hack stellte sich als ein ambitioniertes Pimp-Projekt eines fähigen Entwicklers heraus, der die Original-Kamera modifizierte, zahlreiche Bildoptionen bis zur JPEG-Kompression und der Video-Bitrate barg und sogar eine Kompanion-App für die Einstellungen schrieb, mit denen sich auch die lästige Geräuschunterdrückung deaktivieren lässt. Hier gibt es drei 4K-/UHD-Video-Beispiele von mir. Das Reencoding von YouTube reduziert die Bildqualität allerdings radikal.

Eines ist klar: Wenn du von iOS auf Android umsteigen willst, musst du bereit sein, Abstriche zu machen. Das Großartige bei Apple-Produkten ist, dass ihre ausgewiesenen Funktionen – einfach – perfekt funktionieren. Darum auch der Skandal immer, wenn es doch mal Probleme gibt. Bei Android ist es völlig normal, dass Funktionen nicht wie versprochen funktionieren, oder nur leidlich, oder nur furchtbar benutzerunfreundlich. Dafür hat die Plattform andere Qualitäten, die – nach jeweiligem persönlichem Ermessen – wichtiger sein können als Zuverlässigkeit einer Black-Box.

Auf Android habe ich immer das Gefühl, dass ich nicht richtig bestimmen kannst, was im Hintergrund läuft. Das Thema ist super relevant, weil Hintergrunddienste RAM brauchen und Akku fressen. Ich muss mit Drittanbieterwerkzeugen, die Root-Zugriff brauchen, händisch den Autostart säubern (und dabei höllisch aufpassen, was ich deaktivieren darf). Mir ein Rätsel, warum es da keine globale Option in Android für gibt. Wenn ich da ein paar Dinge deaktiviere, muss Firefox gleich nicht mehr so oft Tabs beim Wechsel neuladen, die Auswirkungen spürt man absolut.

Bis iOS 6 war bei iOS das Regelwerk für Hintergrund-Apps noch klar und verlässlich: Nach 10 min werden in den Hintergrund versetzte Apps angehalten, nur Audiowiedergabe durfte weiterlaufen. Ab iOS 7 bin ich mir genauso unsicher, inwieweit meine Apps noch Hintergrunddienste am laufen haben und wie viel bei ihnen noch läuft, nachdem sie in den Hintergrund versetzt wurden. Die Vorteile sind mir einleuchtend, aber die Umsetzung ohne Kontrolle gefällt mir nicht. Es geht schließlich nicht nur um RAM, sondern auch CPU-Zeit und eMMC-Zugriffe.

Stand Frühling 2014: Ich habe diesen Artikel in Herbst begonnen und meine Erwartungen haben sich erfüllt: Android wird erwachsen. Ich war noch nie so zufrieden mit meinem Ultramobilgerät! Unter Android arbeite ich mittlerweile schneller, als jemals mit iOS!

Episode von April 2014: Kürzlich ist mein PC-Motherboard kaputt gegangen und ich musste eine Woche auf Ersatz warten. Mit iOS als komplementäres Gerät wäre das ein viel größeres Problem gewesen. Mit Android konnte ich sogar meine interne HDD mit Linux-Dateisystemen in ein externes Gehäuse stecken und am Tablet auf meine Bibliotheken zugreifen. Auch mein Neo-Tastaturlayout habe ich dort auf die externe Bluetooth-(Apple!-)Tastatur mappen können und hatte damit dasselbe Layout wie am PC (und nicht altbackenes QWERTZ). Android, mit einigem Gefummele kann ( – momentan jedenfalls noch, so lange nicht überall Einschränkungen zugunsten der Sicherheit gemacht werden, alles ist ein zweischneidiges Schwert) ein fast vollwertiges PC-OS sein.
Wie man an meinen Beispielen sieht: Es kommt darauf an, was man tun möchte. Ich mag die Freiheit, zu tun, was ich mit der fähigen Hardware tun kann, eigentlich so sehr, wie ich elegante Usability schätze. Android hat für mich mittlerweile so viele Vorzüge, dass die Freiheitsfeatures zu Usability werden: Ich brauch die Aufgabe nicht über fünf Ecken und dort mit Einschränkungen zu erledigen, sondern ich kann sie wie an einem PC angehen. Und seit einem guten Jahr werden diese Features in breiten Ökosystem sukzessive (und nun: ernsthaft) hübsch, besser integriert und nutzerfreundlicher – Android nähert sich iOS rapide an, ohne seine eigenen Vorzüge aufzugeben.

Android ist mir fast gar nicht bei dem im Weg, was ich machen möchte, während iOS dem ‚Apple-Pfad‘ folgt.

Zu dem Android-Forum XDA möchte ich noch etwas loswerden: Ein sonderlicher Haufen. Wenn du aus dem Linux-Umfeld kommst und Vorstellungen davon hast, wie ein Systemberatungsforum funktionieren sollte, kannst du alles darüber vergessen. XDA liest sich wie eine unglückliche Kombination aus Reddit und Windows-User-helfen-Windows-User-Foren. Das Verstörendste für mich ist, wie wenig technische Details die ROM-Bastler dort angeben – außerdem fehlt in der Regel vom Source jede Spur. ROMs werden angepriesen wie Fun-Apps, Installationshinweise sind dürftig, selbst wenn ein Gerät ein wirklich kompliziertes Prozedere erfordert.
Dass ein Entwickler offenbar kein Interesse hat, zu erklären, was er da wie zusammengebaut hat und welche Probleme ihm dabei begegnet sind, ist meiner Erfahrung nach höchst untypisch für technische Foren. Ich frage mich, aus welchem Hintergrund die Entwickler kommen, oder ob die ROM-Entwicklung vielleicht so leicht ist, dass sie jeder Mausschubser bewältigt – halte ich, gelinde gesagt, für unrealistisch. Anonymität ist darüber hinaus auch ein Thema, das die Angebote fishy macht. Daran scheint sich dort aber offenbar überhaupt niemand zu störend und es wird von der Community nie zum Thema gemacht.

9 – Heute und die Zukunft
Am Ende meiner letzten Android-Auseinandersetzung habe ich formuliert:

Wenn mensch sich auskennt, können die weniger restriktiven Möglichkeiten, die Android einem bietet, Spaß machen, wenn mensch weniger versiert ist, neige ich zu glauben, verwirrt die Inkonsistenz und Unergründbarkeit des Ökosystems nach wie vor stark, und die angesprochenen konzeptionellen Schwächen behalten in jedem Fall ihre Signifikanz.

Android macht mir weiter Spaß, so viel Spaß, weil es so viel zum Ausprobieren und Entdecken gibt und mich das System in meinem Experimentiertrieb nicht kriminalisiert. Auf der Plattform fühle ich mich mit meinen Bedürfnissen ernst genommen.

Die Inkonsistenz der Apps nimmt ab, es hat sich herumgesprochen, dass es Design-Richtlinien gibt und Nutzer Ansprüche stellen, oder zur App-Konkurrenz wechseln. Die „Unergündbarkeit des Ökosystems“, womit ich ungefähr das Verhältnis von Erwartung an Apps und deren Nichterfüllung meinte, wird durch Marktmechanismen behoben.

Das mag meine frühere Aussage nicht durchweg entkräften, aber mir ist es genug. Ich würde heute keinem Touch-Gerät-Einsteiger mehr glühend iOS empfehlen; die Android-Plattform ist reif geworden und was ihr an Nachteil bleibt, gleicht sie durch Vorteile aus.

Zwei ganz gewaltige Defizite zu iOS sehe ich allerdings nach wie vor, die sowohl unbedarfte Anwender, wie auch Power-User betreffen: Die App-Berechtigungen, die man bereits bei der Installation nur alle oder gar nicht akzeptieren kann und vollständiges (!), nutzertransparentes Backup.

Es ist aber so vieles, was ich heute an Android schätze, was ich zuvor nicht hatte, dass ich wirklich nicht weiß, wo anzufangen. Ein visueller Punkt wären z.B. animierte Hintergrundbilder. Ich habe mittlerweile eine ganze Reihe von ihnen gekauft und die sich dynamisch bewegenden 3DPlaneten, –Asteroiden, –Galaxien und –Baumkronen im Wind sind einfach ein Augenschmaus.
Ganz generell gefällt mir auch Lollipops (5.0) Material Design sehr viel besser als die eher ‚kühle‘ flache Designsprache in iOS 7/8.

Ich glaubte lange, dass ich noch ein iOS-Gerät ‚brauchen‘ werde. Mein Plan war, den 2014/-15er-iPod Touch oder ein iPad Mini zu kaufen, aber heute fehlt mir an nichts und ich habe auch nicht mal das Bedürfnis nach den – weniger werdenden – Exklusivspielen, die iOS mir bieten würde. Die Plattform ist wirklich erwachsen geworden. (Zum Vergleich ein Beispiel, was noch Anfang 2012 auf Android unter den aufregendsten Spielen der Plattform lief: Ein Port von Cut the Cope.)
Heute bleibt kaum noch etwas längere Zeit iOS-only, der Android-Markt ist heute so gewaltig, dass er die geringere Kaufbereitschaft seiner Nutzer durch Masse aufhebt.

Mein Nexus 7 habe ich fünf Semester für das Mitschreiben per Bluetooth-Tastatur an der Uni verwendet und wurde im Dezember 2014 von mir durch ein Galaxy Tab 8.4 Pro ersetzt, das ich neu für 220 € ergattern konnte (selbstverständlich in schwarz). Das Tablet ist Samsung-untypisch mit TFT- (wahrscheinlich einfach IPS) statt (Einbrenn-/Waben-)AMOLED-Display und ein Alternativ-ROM hat das Samsung-ROM für mich abgelöst, das nach dem üblichen Wechsel des Launchers auf Nova Prime sogar überraschend erträglich war. Die 16:10-Auflösung von 2.560 x 1.600 auf 8,4“ bei hellen 359 dpi ist fantastisch und der Snapdragon 800 hat, genauso wie in meinem LG G2, noch ordentlich Dampf. Ursprünglich hatte ich vor, das Nexus 9 zu kaufen, als dann aber das Lichtbluten des Displays von vielen Testern bemängelt wurde, sich herausstellte, dass es weder per HDMI, noch DP, noch MHL, Slimport oder sonstigem Port Video-Out kann – was mir ein Nachteil für die Uni ist, denn das Tablet und Smartphone am Beamer zu bedienen ist so verdammt cool – es außerdem wieder nur 2 GiB RAM hat, noch dazu einige Mängel in der Verarbeitung, da hab ich mich umgeschaut. Wahrscheinlich ist 4:3 doch das bessere Seitenverhältnis für Tablets, aber das Nexus 9 hat damit nur 2.048 x 1.536 – und mehr Pixel gewinnt immer!!1 Bin mit meinem Galaxy Tab 8.4 Pro ausgesprochen glücklich, nur der „Samsung“-Schriftzug über dem Display ist mir unter Menschen ein bisschen peinlich.

Ich werde mir wahrscheinlich dieses Jahr dann das noch nicht angekündigte LG G4 zulegen. Doppeltap-Geste ist für mich nicht mehr wegzudenken, die Kamera ist exzellent, das offizielle ROM nicht zu verunstaltet und ich habe das Gefühl, die gesamte Hardware ist wohl durchdacht und stimmig. Das habe ich bei Apple geschätzt und das erwarte ich auch von Android-Hardware. Dass die Geräte ‚perfekt‘ funktionieren, nimmt man bei iDevices so hin, aber das ist Ergebnis von exzessiven Testreihen. Es kann bei Billig-Herstellern so unglaublich viel geschlampt sein: Der Flash-Chip altert zu schnell, ist nicht aus der neuesten Geschwindigkeits-Generation, das RAM ist nicht das Schnellste, das Display zeigt das Multitouch-Sensornetz, bringt zu wenig Helligkeit, hat Lichtbluten oder übersättigte Farben, getränktes Weiß, Wabenstruktur, oder brennt ein (AMOLED), der Kompass hat Neigung, der GPS-Empfang ist schwach, Fotos verwackeln zu leicht, der Akku ist billig und altert zu schnell bei zu wenigen Ladezyklen, die Gerätetasten bekommen Spiel, usw. usf.. – Für das bessere Gefühl bin ich dann auch bereit, einen Premium-Preis zu zahlen.

Ich schiele neugierig auf Jollas Sailfish, das Betriebssystem halte ich für die einzige ernstzunehmende Android-Alternative – wenn Jolla sein Versprechen mal wahr macht und alle Eigenentwicklungen unter freier Lizenz veröffentlicht. Hinter Firefox OS sehe ich keine Vision, außer Me-Too und dem absurden Machbarkeitsbeweis, eine Mobile-UI in Webtechnologien schreiben zu können. Vor allem aber unsympathisch macht sich Mozilla dabei dadurch, dass es sich offen an OEMs und Carrier mittels seiner ‚Anpassbarkeit‘ anbiedert. Ubuntu Phone ist natürlich durch und durch ein schlechter Witz. Tizen scheint zwar auch F/OSS zu sein, seine Entwicklung ist aber sehr stark in das Industriekonsortium eingebunden und Innovation sehe ich da nirgends. Sailfish ist aufregend und cool, weil es von einer kleinen finnischen Entwicklerschmiede aus abtrünnigen Nokialern mit dem neuesten Spielsachen aus dem Linux-Umfeld – wie systemd, PulseAudio, Wayland und Qt QML – gebaut ist, Nutzer zum Anpassen des Systems animiert, und man damit ein echtes GNU/Linux, wie man es vom Desktop schätzt, bekommt. Damit ist Sailfish das exakte Gegenteil von „Google/Android“.

Bevor ihr kommentiert, noch einmal: Dieser Beitrag ist das Produkt von fragmentarischen Absätzen über anderthalb Jahre und daher stellt sich auch so manches Detail heute auf iOS 8 ein wenig anders dar.

Die Android-Enttäuschung – ein Rant mit Katharsis

Das Tablet: Die seit 2010 stets zunehmende Berichtserstattung darüber in meinem täglichen Netz-Konsum erweckte eine Begehrlichkeit in mir. Nicht weil ich eins brauchte, sondern weil ich eins wollte.

Ich bin seit vielen Jahren Linux-Nutzer, Anhänger des Freie-Software-Gedanken und seit Herbst 2009 glücklicher Besitzer eines iPod Touch G3, und kam immer gut ganz ohne Mobiltelefon aus.
Ich höre seit rund sechs Jahren Apple-bezogene Tratsch-Podcasts. Als in ihnen der iOS-Anteil und die offensichtlichen Möglichkeiten immer mehr wurden, musste ich so ein Gerät haben. Aber mich störte immer stärker Apples zunehmend restriktivere und einnehmende Firmenpolitik und die unbrauchbare Linux-Unterstützung. Als die Tablet-Frage für mich im Raum stand, war ich bereit, auf das zu dieser Zeit einen großen Sprung machende Android zu setzen. Der große Schritt war Honeycomb, Android 3.0. Ich sah das Produktvideo und war hingerissen von der gezeigten Frische und Vielfalt der Ideen.

Es stand ein Hardware-Wechsel an, denn die CPU des iPods kam bei Webinhalten immer deutlicher ins Schwitzen und auch seine Auflösung wurde mir zu gering. Immer drängender wurde die Suche nach einer Ablöse. Warum also nicht gleich auf ein Tablet umsteigen?
Das war Hochsommer 2011, und beinahe hätte ich mir ein aktuelles Android-Tablet besorgt, wenn nicht Gerüchte über ein anstehendes Super-Tablet von Asus für den Herbst aufgekommen wären. In einer großen Schulpause schließlich las ich ungeduldig die Nachricht der Produktankündigung bei The Verge und stieß verzückte Schreie aus.

Das 10-Zoll-Tablet sollte den neuen Nvidia Tegra 3 Quad-Code-ARM-Prozessor bekommen, ein S-IPS-Display mit 1280×800 Punkten, eine 8 MP-Kamera mit FullHD-Bildsensor und ein ansteckbares Tastaturdock mit zusätzlichem Akku, der das Ganze zu einer Art Ultrabook macht – wie cool ist das denn? Sogar ein Bild davon nahm ich in meinen Linux-Desktop-Artikel im November mit auf, so begeistert war ich von dem Gerät. Es war völlig klar: Das Transformer Prime war besser als das iPad 2 und sah mit seinen edlen Kreismustern im dünneren Aluminiumgehäuse sogar noch cooler aus.
Es sollte noch bis Mitte Februar 2012 dauern, bis ich mein vorbestelltes Exemplar in Deutschland erhielt. Voller Vorfreude, meinen mobilen Begleiter für die nächsten Jahre gefunden zu haben, packte ich das Tablet aus und spielte auch gleich das bereits erschienene Upgrade für Android 4.0 Ice Cream Sandwich auf. Dann ging ich an, das System zu erforschen – auf den ersten Blick alles ganz nett, ein bisschen arg schwarz, aber nett. Sodann besorgte ich mir Apps, und damit fing es an.

Kapitel:
1 – Schlimmer als gedacht
2 – Netbook-Software
3 – Bedienparadigmen
4 – Technokratisches Missverständnis
5 – Appastrophe
6 – Technische Aspekte: Fröhliche Fragmentierung
7 – Dateisystem auf einem Post-PC-Device
8 – Patentrechtliche Nachteile
9 – Kein Linux, keine offen entwickelte Software
10 – Plädoyer für Ehrlichkeit und Objektivität
11 – Noch einmal etwas zu mir
12 – Definitionsfrage der Objektivität
13 – Mein Prime und ich
14 – Warum ich mir ein Nexus 7 gekauft habe
15 – Es wird besser
16 – Versöhnliche Worte

1 – Schlimmer als gedacht

Es stimmte etwas nicht mit den Apps. Ich hatte diese Apple-Podcasts gehört und ich wusste von Androids Situation. Ich nahm zur Hälfte an, diese Fanboys übertreiben doch nur maßlos. Ich war gefasst darauf, dass das Software-Ökosystem schlecht ist, aber nicht darauf, dass es so schlecht ist!
Ich war erschüttert. Design, Benutzbarkeit, Durchtdachtheit, Kinetik und Geschwindigkeit ausnahmslos aller mir untergekommenen Drittanbieter-Apps waren weit unter ihren jeweiligen Verwandten auf iOS. Es war schockierend, wie schlecht ein App-Ökosystem überhaupt sein kann, wenn mensch aus der Apple-Welt kommt.
Dazu möchte ich meine Beobachtungen und Gedanken los werden.

2 – Netbook-Software

Ich bin ja sogar von meinem Desktop Touch gewohnt. Ich habe seit 2011 ein Magic Trackpad von Apple und die Linux-Unterstützung ist richtig gut. Ich nutze es als meine vierte Maus und es ist mein Meistzeit-Favorit geworden.
Bei Android nun, bei einem Betriebssystem für tastaturlose Touch-Bildschirm-Geräte, frage ich mich, ob ich nicht sogar am Desktop mehr mit Gesten arbeite als auf diesem Mobil-System. Nicht das Android 4+–Grundsystem von Google, daran hab ich wenig zu meckern, sondern bei den Apps. Nicht irgendeine Gruppe Apps, nein, ich spreche vom kompletten Android-Software-Ökosystem. Es ist erschreckend: Die allermeisten Android-Apps profitieren überhaupt nicht vom Multitouchscreen, mensch könnte sie auch genauso gut rein per Mausklick steuern, oder „genauso schlecht“. Es ist eine absolute Seltenheit, dass es vielleicht etwas zum Tabben und Verschieben gibt, oder Gesten, oder UI-Elemente, die auf den Finger dynamisch reagieren, von den fehlenden Animationen jetzt ganz zu schweigen – und der Eindruck überkommt mich, ich hätte es mit einem Haufen Windows-Freeware von Hobby-Entwicklern zu tun. Ja, hässliche Windows-Freeware. Lieblos zusammengehackt. Die inkonsistenten UI-Paradigmen über Apps hinweg bestärken den Eindruck nur noch. Und träge ist das Zeug, Mannomann. Auf einem Quadcore! Hallo Java!

3 – Bedienparadigmen

Es ist stets eine Frage, woraus ein System sich herentwickelt hat. Android-Geräte bekamen erst Post-iPhone einen Touch-Screen verpasst, das ist aber keine Rechtfertigung für die Art, wie App-Oberflächen bei Android-Apps zum Großteil aufgebaut sind: Sie wirken wie heruntergestutzte Desktop-Software mit ganzseitigen Menüs und größeren Klickelementen. – Android-Software ist Netbook-Software, aber ich will APPS! Ich will da keinen PC, ich will mich bei einem ultramobilen Gerät nicht mit PC-Problemen herumschlagen müssen. Genau die wurden aber vielenfalls direkt von der Vorstellung einer PC-Anwendung übertragen; es fand kein Transferprozess für angemessene Bedienung bei einem Gerät mit Multitouchscreen statt.
Eine Menge Android-Apps sind aufgrund des verbreiteten Netbook-Paradigmas enorm fummelig zu bedienen. Aber, wenn ich solche Anwendungsfälle habe, dass ich Software mit Fitzelkram und „Openness“ für skurrile Zusatzfunktionen brauche, dann nehm ich doch lieber gleich einen PC her und mach’s da, mit wirklich leistungsfähiger Software. Und kommt mir nicht mit „Produktivität“! Tablets sind nicht für Produktivität! Wenn ihr mit einem Touchscreen produktiv sein wollt, dann kauft euch einen Tablet-PC mit Windows – da hat Microsoft seit 2001 viel, zum Großteil ungewürdigte, großartige Arbeit geleistet. Es macht schlicht keinen Spaß, Android-Apps zu bedienen; ich will aber mit einem ultramobilen Touch-Screen-Gerät Spaß haben!

4 – Technokratisches Missverständnis

Generell kann ich schon beim Android-Grundsystem einen Hang zum „PC-Konzept minus Etwas“ feststellen. Meine bescheidene Einschätzung ist, dass für die wenigsten Nutzer Androids Technokratie einen Vorteil darstellt.
An der Technokratie Androids habe ich auszusetzen, dass es keine schöne ist, die mensch als Normalnutzer (!!) anpassen kann wie mensch mag, wie bei KDE SC. Die Technokratie liegt im Herz der Android-UI. Mensch bekommt halt dieses technokratische Produkt vorgesetzt und es tut dieses hier und das auf diese bestimmte Art, aber kann es nicht ändern, obwohl die UI durch ihre Technokratie vortäuscht, selbstredend offen für Nutzervorstellungen zu sein, es aber nicht *ist*. Daran störe ich mich bei Android extrem – das OS macht den Spagat zwischen Hersteller-Blackbox und PC-System falsch. Zu viele PC-Paradigmen haben es in das System geschafft und wurden anschließend beschnitten, es scheint, damit mensch die Rechtfertigung hat, zu sagen: „Seht her, wir haben ein neues Mobil-UI geschaffen!“
Das UI-Konzept ist in dieser Hinsicht ein Fehldesign. Das mag bei Tablets mehr auffallen als bei Smartphones, und leider wird mir hier wahrscheinlich niemand, der nicht auch mit iOS durch Benutzung vertraut ist, folgen können.

5 – Appastrophe

Ein ultramobiles Gerät dient keinem Selbstzweck, sondern das System darauf ist das Tor zu kleinen nützlichen – oder unterhaltsamen – Apps. Meine Hauptanwendungen sind unter anderem Twitter-Client und Notizen-App, außerdem noch Webbrowser, E-Mail-Client und Musik-Player. Das sind erst mal schlichte Ansprüche, darum glaubte ich, ich würde keine Schwierigkeiten haben, adäquaten Ersatz dafür auf Android zu finden. Weit gefehlt. Der offizielle Twitter-Client war im Frühjahr extrem träge, sogar einfaches Scrollen in der Timeline ruckelte wie Sau. Die Android-App ist auch bis heute nicht für Tablets angepasst worden. Tim Cook dazu in einem Seitenhieb während der Apple-Keynote zur Vorstellung des iPad G3: »It kind of looks like a blown-up smartphone app, because that’s exactly what it is.«

Alternative Twitter-Clients auf Android habe ich jeden probiert, den ich finden konnte. Alle furchtbar hässlich. Oder hirnverbrannt unbedienbar. Bedienparadigmen wie bei Windows 95. Oder ihnen fehlen die essentiellsten Funktionen. Geht mir weg mit Twitter-Apps auf Android. Die offizielle App scrollt nach mehreren Updates nun zügig, ist aber noch immer kein Vergleich zu Tweetie/der offiziellen Twitter-App auf iOS. Und ein Unterschied wie Tag und Nacht zu Tweetbot.
Ich mache mir eine Menge Notizen über mein Leben, über Gespräche, und ja, mensch will es nicht glauben, über Blog-Artikel. Ich habe rund 15 Notizen-Apps aus dem Play Store ausprobiert; keine, aber wirklich keine kam für mich an die schlichte, elegante, praktische Notizen-App von iOS heran. Ja, die Notizen-App soll aussehen und sich verhalten wie ein Notizbuch und nicht wie ein Texteditor mit Speichern-Knopf, weil es genau das für mich ist! Ein Notizbuch!! Skeuomorphismus FTW! Zudem finde ich es sehr befremdlich, dass Google keine eigene Notizen-App mitliefert.

Die Qualität der meisten Android-Apps wirkt so unglaublich billig. Sie sind zum Großteil geschmacklos entworfen, wie eine PC-Anwendung der alten Schule, aber ohne Design Guidelines. Typische iOS-Apps sind wie Kloster-Abschriften, typische Android-Apps wie aus dem Büro-Nadeldrucker. Fehlende Eleganz festzustellen, ist noch eine wohlwollende Untertreibung. Ich weiß nicht, wie die Nutzer vor der neuen Holo-UI (3.0/4.0) Android-Apps ertragen haben ohne sich zu häuten. Diese Gingerbread-Apps machen nach wie vor den Großteil des Play Stores aus. Für alle mal übertragen auf den PC ist das, wie wenn auf einem Windows Aero Glass-Desktop ein klassisches graues Sperrgut erscheint, das aussieht wie eine technische Zeichnung einer Küche. So fühlen sich Gingerbread-Apps an.

»You are too harsh – Android tablets are great at running benchmarks, who cares about actually using them?« —Kommentar auf The Verge

In iOS fließt alles flüssig ineinander, jede mögliche Systemaktion wird nicht digital bestätigt, sondern wird begleitet von einer angenehmen Animation, denn Animationen erzeugen Gefühle und Emotionen. Das Toolkit zur Entwicklung von iOS-Apps setzt stark auf Core Animation, eine Technologie von Apple, die Übergänge und Animationserstellung extrem vereinfacht, was bedeutet, dass es Usus für iOS-Apps ist, von diesem Framework verstärkt Gebrauch zu machen. Wenigstens Google hat die Wichtigkeit von Animationen mit Android 4.1 endlich kapiert und seine Effekte logischer gemacht und weiter herausgeputzt. Für die Apps aus dem Play Store gilt das aber noch lange nicht und ich bin wenig zuversichtlich, dass sich da in näherer Zukunft was ändert. Die Kultur der Mobil-Märkte ist auch eine völlig andere: Bei iOS werden Apps für unansehnliches Äußeres im App Store von den Nutzern brutal abgestraft, bei Androids Play Store sind die Nutzer offensichtlich schon froh, wenn sie endlich eine App mit der in etwa gewünschten Funktionalität gefunden haben. Eine App im Play Store wegen ihrer Hässlichkeit abwerten? Du wirst zum versponnenen Design-Hipster erklärt. Schließlich war die App kostenlos!
Was auch damit zusammenhängt, dass Bezahl-Apps auf Andoid schlecht laufen. Sei es, weil sie einfach schlecht sind, sei es, weil Kopierkopieren ohne App-DRM so leicht ist, oder sei es, weil Google immer noch nur Kreditkarte als Zahlungsoption für den Play Store akzeptiert und diese zumindest in deutschen Landen eher spärlich anzutreffen sind. Die Folge: Werbebanner in jeder zweiten App. Ich zahle gerne für gute Apps – damit sie gut sind – aber auf Andoid sind offenbar die wenigsten Nutzer bereit, Geld für Software auszugeben.

6 – Technische Aspekte: Fröhliche Fragmentierung

Ich zitiere @gr4y: Android ist das Windows unter den Mobil-Systemen. (Das war noch vor Windows Phone 7.) Auf so viele Arten: Geräte der verschiedensten Hersteller liefern es als den Standard aus, würzen es aber noch mit einer guten Prise Bloatware. Samsung etwa mit Touchwiz, HTC mit Sense, alternative Oberflächen, die große Teile der Google-UI ersetzen, den Stimmen im Netz nach nicht zum Besseren. Hintergrund ist die Differenzierbarkeit und der Gedanke der eingebildeten Kundenbindung – gleiche Sache wie bei Canonical mit Unity. Tatsächlich sind diese Hersteller-eigenen UIs aber der Grund, warum Upgrades auf neue Android-Versionen bei den populärsten Geräten im letzten Jahr im Schnitt neun Monate gebraucht haben, bis sie verfügbar gemacht wurden, denn die Hersteller müssen sie erst noch mit ihren Modifikationen patchen. Neun Monate, in dieser Zeit werden Kinder gezeugt und geboren! Neun Monate müssen Nutzer von Smartphones, die nicht günstiger sind als das iPhone, auf ein System-Upgrade warten. Das macht mich fassungslos. Meistens aber gibt es sowieso keine Upgrades auf die nächste Major-Version des OS, ist ja auch schwierig für einen Hersteller, der im Jahr 50 neue Android-Gerätekonfigurationen auf den Markt wirft.

Zweiter Nebeneffekt dieser Softwaremodifikationen ist, dass Hersteller Android im Grunde schon forken, um z.B. ihre eigenen Konzepte für Multitasking tief in das System zu fräßen, und anfangen, App-Entwicklern eigene APIs für ihre Android-Versionen bereitzustellen, was seinerseits den App-Markt und das Ökosystem weiter fragmentiert.

Das beliebte Argument hierauf: „Dann flash‘ halt CyanogenMod drauf!“, kann nicht ernst genommen werden. Kein Normalbenutzer (übrigens sinkt die Breite der durchschnittlichen Computerkenntnisse von Jahr zu Jahr) kommt damit klar. Dazu kommt erst einmal die Notwendigkeit für einen offenen oder entsperrbaren Bootloader – beim Entsperren oder Cracken erlischt stets die Gerätegarantie – und dann fehlen CyanogenMod eventuell immer noch Treiber für spezielle verbaute Hardware, oder deren exakte Konfiguration ist nicht bekannt, oder andere Dinge sind gar nicht enthalten, weil sie Softwarepatenten unterliegen, die der Hardwarehersteller zwar gezahlt und implementiert hat, CyanogenMod aber nicht. Kurzum, die Sache ist interessant für Geeks, nicht für Lieschen Müller. Nicht so bei Apple: Nach wenigen Wochen sind regelmäßig über 70% der Installationen auf die neueste Softwareiteration aktualisiert. Für Entwickler bedeutet das, sie brauchen sich wenig Gedanken um alte Betriebssystem-Versionen machen und können neue APIs voll ausschöpfen.
Das Windows XP der Android-Reihe ist Android 2.x: Steinalt, technologisch im Jura, aber mensch muss es noch mitunterstützen, weil es viel zu viele Nutzer hat – es kamen sogar bis zur Jahresmitte immer noch neue Smartphones von großen Herstellern wie HTC und Samsung heraus, die auf Android 2.3 setzten. Damit hält mensch die Entwicklergemeinde davon ab, neue APIs von aktuellen Android-Versionen verwenden zu können, weil sie die Kompatibilität mit dem Legacy-Zweig brechen würden. Was eine Gülle!

Eine weitere Parallele zu PC-Windows ist, dass das Betriebssystem auf einer Vielzahl von Geräten läuft. Das bringt Probleme mit sich, denen sich Google noch nicht ausreichend gestellt hat.
App-Entwickler haben aufgrund des fehlenden PCI-Bus der ARM-Architektur und keiner zum BIOS vergleichbaren Standardschnittstelle offenbar keine Chance, herauszufinden auf welchem Chipset ihre App eigentlich läuft. Das artet aus in ein Herumgestochere im Nebel, wie mensch es von den fehlerhaft implementierten OpenGL-Instruktionen bei proprietären Grafiktreibern unter Linux kennt. Entwickler, und ganz besonders Spiele-Entwickler, müssen darum ihre Apps auf den Geräten an sich testen, um Kompatibilität zu gewährleisten. Ein Wahnsinns-Unterfangen.
Und nebenbei lässt sich aus dem Grund der extremen Marktfragmentierung auch nur schlecht die Highend-Hardware der „Flagschiff“-Geräte ausreizen. Apple hat hier durch seine geschlossene Softwareplattform, die nur auf Apple-Hardware läuft, einen himmelhohen Vorteil. Wie PC-Spieleentwickler ihre Titel auf vielen verschiedenen Grafikkarten testen müssen, müssen also auch Android-Entwickler, die ernsthaft beabsichtigen, durch gute Rezensionen Geld zu verdienen, eine aberwitzige Zahl an Android-Geräten im Labor haben. Hier wird ganz klar der Unterschied zum Konsolen-Ansatz von Apple deutlich: Apple verkauft keine mobilen Computer-Konfigurationen, Apple verkauft Plattformen. Plattformen, gegen die sich zuverlässig entwickeln lässt. Den geschlossenen Ansatz will ich so nicht werten, aber es ist Fakt, dass er ihrer Plattform einen ganz enormen Vorteil bringt. Standardisierte Displaygrößen und ihre bestmögliche Ausreizung sind hierbei auch noch ein Thema.

Als Nvidia den Tegra 3-SoC herausbrachte, erhob es seine Hardware kurzum selber zur Plattform und veröffentlichte einen eigenen Meta-App-Store nur mit Tegra 3-Spieletiteln. Das ist kein Scherz – es gibt nur für den Tegra 3 geschriebene, und spezielle Versionen bereits erschienener Titel mit Tegra 3-Optimierung. Da es keine Filteroption im Play Store für auf die eigene Hardware besonders optimierter Titel gibt – was unbegreiflich angesichts der auf dem Markt verfügbaren Menge an komplett verschiedenen Android-Geräten ist – musste sich Nvidia mit einer eigenen App behelfen. – Sogar im technischen PC-Umfeld hat mensch es als Nutzer leichter, für seine Hardware passende Titel zu finden, geben die Hersteller doch Systemvoraussetzungen und empfohlene Konfigurationen an.
Lustig auch, dass manche Spiele, die sich an allgemeine Standards halten, ganz ohne Tegra 3-Optimierung die Hardware nicht ansatzweise auslasten können, weil Nvidia eine nicht standardskonforme Architektur entworfen hat. Es wird also von den Spieleentwicklern verlangt, ihre Titel auf die fragwürdigen Nvidia-Designs zu optimieren; sie müssen sich fast auf low-level-Ebene mit der Chip-Architektur beschäftigen. Und das auf einem Betriebssystem, das eigentlich gerade keine feste Plattform wie Apples Konsolen-Geräte ist. Völlig absurd. Das ist die selbe Situation wie für 3dfx-Karten geschriebene Windows-Spiele in den Neunzigern, als DirectX noch in den Anfängen lag. – Heute lassen sich diese Spiele natürlich nicht mehr nativ spielen. Treffenderweise war es 2000 Nvidia, das 3dfx aufgekauft hat.
Das alles trägt zur weiteren Fragmentierung des Android-Software-Marktes bei.

7 – Dateisystem auf einem Post-PC-Device

»Every once in a while a revolutionary product comes along that changes everything.« —Steve Jobs bei der ersten iPhone-Präsentation 2007

Im Realitätscheck wird schnell klar, dass wir nach wie vor mit Dateien arbeiten und Mittel und Wege finden müssen, mit ihnen angenehmer umzugehen. Apple ging bei iOS den Weg der radikalen Objektivierung: Es gibt Musik, es gibt Bilder, es gibt Apps, es gibt Text und diese Dinge sind, was sie sind – hoch abstrahierte logische Objekte, mit denen der Nutzer nur mehr mit ihrem Noumenon in Beziehung tritt, nicht mit der technischen Einheit einer Datei. Um diese Strategie zu fahren, kam in der iPod-/iOS-Anfangszeit der iTunes-Software auf dem PC die wichtige Aufgabe der Wegabstrahierung aller PC-Verbindungen zu. iTunes ermöglichte dateilose Geräte, auf denen der Nutzer nur noch Entitäten wahrnahm.

Google ging das Android-Design ganz praktisch an: Es hatte ein Linux, auf dem irgendwie das Android-Userland lief, es gab Programme, es gab wie auf jedem ordentlichen Linux-System Nutzer-Profile für diese Programme, und somit ein Homeverzeichnis, in das diese Programme ihre Konfigurationen schrieben und worüber sie Dateien austauschten. Und ganz wichtig: Google, oder das Android-Unternehmen, bevor es von Google aufgekauft wurde, legte dieses grundlegende Systemdesign fest, noch bevor Apple iOS zeigte. Es ist nichts anderes als das klassische PC-Paradigma und bringt Schwierigkeiten auf einem ultramobilen Gerät, die mensch dort nicht haben will.
Einige Apps speichern z.B. geladene Bilder nach ~/Pictures, andere in ihnen eigenen Konfigurationsordner, andere legen einen ganz neuen Ordner an. Bei iOS landet einfach alles im Fotoalbum und es gibt nur dieses eine datenbankgestützte Album mit API für alle Apps.
Es ist bei Android-Apps überhaupt nicht intuitiv ersichtlich, wo Dateien hingespeichert werden; es gibt keine Standards. Als wäre das nicht genug, sieht der Nutzer in seinem Homeverzeichnis auch noch jede Menge nicht versteckte Konfigurationsverzeichnisse seiner Apps. Wobei „sehen“ relativ ist, denn erst mal muss er sich überhaupt einen Dateimanager besorgen, denn Android bringt keinen eigenen mit, obwohl es ein ganz klassisches Dateien-Metapher-System ist.
Wo iOS die Dateiverwaltung mehr oder weniger elegant umgeht, indem es Apps Silos für Dateibestände gibt, die diese per „Öffnen in“-Schnittstelle vom System kontrolliert an andere Apps weiterreichen können, hat Google vollkommen vor der Aufgabe kapituliert, Dateien zu Entitäten zu machen und überlässt die Nutzbarmachung der Datenbestände des Anwenders Drittanbieter-Apps.

Wieder zeigt sich Androids technokratische Seite und speziell die Falschheit, mit der ein Ultramobil-OS vorgetäuscht wird, das dem Nutzer PC-Metaphern bietet, er sie aber tatsächlich nicht nutzen kann, weil sie beim Beschnitt des PC-Konzepts durch zu viele Kompromisse eingerissen, oder Funktionen gar nicht erst implementiert wurden. Was bleibt, ist ein vom mächtigen PC-Konzept nach „unten“ gestutztes Mobil-System, das besser hätte von unten nach oben neu konzeptioniert werden sollen und in Benutzbarkeit gegenüber anderen Systemen den Nachteil hat.
Diese mitgeschleppten PC-Paradigmen, von denen ich spreche, meine ich selbstverständlich nur in der Benutzung. Wie das System seine Informationen intern verarbeitet, ist für den Nutzer zweitrangig. Das UI-Konzept ist nicht konsequent durchgezogen, das System ist nicht das eine, nicht das andere; eine halbe Sache. Ich kann nicht sagen, wie es besser wäre, es ist aber auch gar nicht meine Aufgabe, das zu wissen – ich bin nur ein Nutzer und bewerte die Nutzungserfahrung.

Nach den konzeptionellen Versäumnissen hat Android noch mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: Erstens überhaupt Dateien auf das Gerät bekommen. Es gab nie eine Standardsoftware wie iTunes, die dem Benutzer hilft, seine Medien zusammenzutragen, zu taggen, und Backups zu machen – zu synchronisieren. Alle Android-Geräte-Bespielung ist Datei-orientiert – das dabei eingesetzte MTP ist Datei-Paradigma für den Nutzer und die Realität ist, dass die Auseinandersetzung mit Dateibeständen für den Standardnutzer zu kompliziert ist. Es kann sein, dass Google das Problem der PC-Überspielung nur aussitzt und wartet, bis alles in der Cloud ist – ich glaube aber nicht an diese Vision.

Die zweite Schwierigkeit tritt dann auf, wenn die Dateien verschiedenster Art auf dem Android-Gerät sind: Dateiaustausch zwischen Programmen und Dateiverwaltung. Der Nutzer darf nicht in Konfigurationsverzeichnissen nach Dokumenten suchen müssen; die meisten werden dabei scheitern. Momentan hat Android wie schon gesagt selber nicht mal einen Dateimanager, Google ignoriert das Problem der Dateiverwaltung also.
Da knallen die verschiedensten Paradigmen aufeinander, eine Synthese, oder besser ein integriertes Konzept, wären dringend nötig. Es muss in Googles Interesse liegen, das Homeverzeichnis abzuschaffen; das ist ein ganz tiefer Designfehler, sie müssen davon weg. Interessant wird werden, in welches Verhältnis Windows (8) RT seine Nutzer zu Dateien stellt.
Verbesserung 11. Oktober 2012: Mensch erklärte mir, dass es eigentlich kein „Homeverzeichnis“ bei Android gibt, sondern /storage/sdcard0 bzw. /sdcard faktisch dazu von den Apps missbraucht wird. Es gibt unter /sdcard den sogenannten shared storage, unter /data/data/$Paketname und /sdcard/Android/data/$Paketname den eigentlichen Ort für Konfigurationen von Apps. Das ändert nichts daran, dass /sdcard von einer Vielzahl Apps zur Konfigurationsablage genutzt wird und dass das Homeverzeichnis-Paradigma für das Ablegen aller möglichen Nutzdaten von Apps gebräuchlich ist, was den Nutzer zu der Verwendung eines Dateimanagers zwingt. Android besitzt zwar auch eine API, die die Verwendung von shared storage und dem Konzept des für den Nutzer sichtbaren Dateisystems überflüssig macht, mit der Apps ihre Daten ähnlich wie auf iOS in eigenen Silos ablegen und dann Verweise darauf an andere Apps weitergeben können, jedoch wird diese Möglichkeit im Ökosystem fast nicht genutzt.

8 – Patentrechtliche Nachteile

Das Android-System hat durch Apples Patentkriege, die ich jedoch in keiner Weise gutheiße, nicht wegdiskutierbare Nachteile gegenüber iOS. Dazu gehören für mich zentral das fehlende Bounce-Back, der „Gummiband“-Effekt beim Scrollen am Ende von Inhalten, sowie Scrollen in nur eindimensionaler Richtung mit Einrastung auf die jeweilige Schiene (Webseiten verschieben sich auf iOS nicht nach links oder rechts, wenn mensch vertikal zu scrollen beginnt). Diese Nachteile betreffen das komplette Grundsystem von Google und alle nativen Apps. Erfreulicherweise hat Mozilla bei Firefox für Android beides ungeachtet Apples Patenten implementiert – hoffen wir, dass sie dabei bleiben. Trotzdem gibt es kein systemweites Bounce-Back und damit verliert Android gegenüber der Konkurrenz ein hohes Maß an natürlichem Anfühlen.

9 – Kein Linux, keine offen entwickelte Software

Android ist für mich kein „Linux“, sondern ein Java-Stack, der genauso gut auf Windows laufen könnte. Der Kernel ist ein Linux. Alles darüber intern entwickelte Google-Suppe. Zwar frei, aber so ein Brei ist für mich keine Linux-Plattform, die lebt, die wirklich dynamisch von einer Gemeinschaft und nicht hinter verschlossenen Türen entwickelt wird, und die vor allen Dingen nicht auf dem widerlichen Java basiert. Wie kann mensch nur auf die Idee kommen, ein User Interface und seine Frameworks in dieser unperformanten und schrecklichen Sprache zu schreiben? Kein Wunder wird das mit den hochwertigen Android-Apps nichts, bei dem Entwicklungsprozess! Dagegen ist Objective-C und Xcode von Apple… Ja, was ist es denn, da fehlen mir die Worte, – da ist Xcode dagegen eine Entwicklerhilfe aus den 10er-Jahren dieses Jahrhunderts, während Androids SDK mit Eclipse streng nach den 90ern riecht.

10 – Plädoyer für Ehrlichkeit und Objektivität

Eine These: Von den verhältnismäßig wenigen Nerds, die ihre hohe Anpassungsfreiheit möchten abgesehen, dürfte der Massenmarkt der Android-Smartphones wahrscheinlich nur funktionieren, weil die Konsumenten entweder nicht das Geld für Apples Premium-Preise haben, Produkte von Apple ablehnen, oder noch nie mit iOS in Kontakt gekommen sind. Viele würden die iOS-Umgebung Android vorziehen, können es aber nicht. Und das ist schade, denn für den Normalnutzer ist das System so viel angenehmer.

Ich finde es traurig, dass damit so viele Leute arbeiten müssen. Ohne Polemik, das meine ich so. Ihr tut mir aufrichtig leid, ihr unbedarften Android-Nutzer. Nicht ihr Android-Geeks (die ihr meint, Android sei total das Linux und noch dazu von Google und darum muss mensch es cool finden), ihr sollt ruhig euren Spaß haben. Aber dass dieses System so verdammt viele Leute nutzen müssen, die etwas so viel Menschenfreundlicheres bekommen könnten, macht mich echt traurig. Und nein, es müsste nicht Apple sein, denn auch webOS fand ich gelungen. Aber Android, oh weh, nicht das.
Wann haben wir eigentlich angefangen, alles was Google macht für cool zu befinden? Ich weiß ja, wer mich hier liest und ich sage euch: Eure Identifikation spielt Euch einen Streich: Google sind nicht automatisch die Guten und Google ist nicht hier, um Eure Freie-Software-Ideale zu verwirklichen. Die Philosophien sind dem Konzern in Form von Lizenzen sogar enorm lästig. Das wisst ihr. Aber ihr glorifiziert das System zu eurem Retter der Mobil-Bastillion, zu dem Kämpfer für Freiheit, und habt Euch dabei ein klares Feindbild konstruiert: Apple.

Ich wünsche mir, ihr würdet mal von Eurer ständigen Verteidigerrolle wegkommen. Ihr müsst da nichts verteidigen! Ihr mögt Open Source und Freie Software und ich auch, aber die Android-Plattform ist einfach ein Graus! Ihr fühlt Euch jetzt bestimmt wieder gleich angegriffen, aber macht doch mal den Test und bewertet die Nutzungserfahrung auf einem iOS-Gerät des Bekannten Eurer Wahl mit objektivem Blick ohne den Apple-Ekel.

11 – Noch einmal etwas zu mir

Ich bin Linux-Nutzer seit 2003; meine erste Distribution habe ich eingelegt, da war ich noch auf der Grundschule. Ich bin wahrhaftig beseelt von der Freie-Software-Philosophie und schätze die technischen Möglichkeiten aufs Liebste. Im Jahr 2008 stand ich vor der Entscheidung, weiter Linux als mein Haupt-OS einzusetzen, oder mein bestens funktionierendes OSx86-Hackintosh-System – meine Wahl fiel auf Linux, weil ich damit mehr machen konnte, mehr Freiheiten, mehr Wahl, mehr Möglichkeiten hatte. Obwohl vieles weniger elegant gelöst war. Das ist also meine Tendenz. Bei Android war ich zuversichtlich, mich analog gleich zu verhalten, aber das war nicht der Fall. Kurz gesagt: Es bietet mir weniger Möglichkeiten bei weniger Eleganz. Zu den Möglichkeiten zähle ich bei iOS die Jailbreak-Apps dazu, und selbst die sind wie gesagt besser als die nativen Funktionen von Android und seinen Market-Crap-Apps.
Dann fahr ich halt die Windows-VM mit iTunes hoch, wenn ich Musik auf mein iDevice laden will. Ein wenig Schmerzen mit der ungeliebten aber mächtigen Software (spricht der Hardcore-Amarok-Nutzer…) bei der Medienbestückung stehen in keinem Verhältnis zu den Schmerzen, die mir Android jede Minute des Nutzens verursacht (vom Android-Musik-Player „Google Music“ gegen die geniale iPod-Software auf iOS fang ich erst gar nicht an).
Ja Apple, Du hast mich in Deinem Würgegriff.

12 – Definitionsfrage der Objektivität

Ich behaupte nicht, dass iOS der Weisheit letzter Schluss sei, aber ich meine, es ist im Moment die süßeste Lösung für den Endanwender.
Ich setzte Hoffnung in das freie Open webOS, das vielleicht eine attraktive Plattform für Endanwender und Entwickler darstellen könnte, es sieht aber leider so aus, als wäre webOS schon nur noch im Wartungsmodus bei HP und die exzellenten Entwickler alle von Google geholt. Ob das gut ist, bin ich zwiegespalten.

Ich bin nicht für Monopole oder geschlossene Systeme, aber ich bin für gute Software, für die beste Software – sowohl in Plattformarchitektur, als auch Benutzbarkeit – adäquat für den Zweck, für den sie gefordert ist. Beim Desktop-Linux im Vergleich zu Windows und OS X Aqua ist es wenigstens noch so, dass mensch die Oberfläche besser finden kann – ich schätze mein KDE SC um viele Fähigkeiten, die mir Windows und OS X nicht bieten. Die ganze nerdige Konfigurationssache nehm ich dabei für meinen Teil „in Kauf“. Aber bei Android ist ja nicht mal das gegeben; ich kann mir nicht vorstellen, weshalb ein Normalnutzer Androids Software-Ökosystem dem von iOS vorziehen könnte – rein auf die Benutzbarkeit und Möglichkeiten geschaut.

Aber Mobilgeräte sind ein sehr emotionales Thema, weil mensch viel Zeit mit ihnen verbringt, viele intime Momente, und sie immer dabei haben will. Ich kann verstehen, dass es unterschiedliche Neigungen und Erwartungen gibt.
Achtung, jetzt verwende ich wieder mein bedachtvoll eingesetztes Wort: Ich liebe iOS ähnlich, wie ich meinen durchkonfigurierten Firefox mit seinen drölfzig Add-Ons, und meinen Linux-Desktop mit wabbelnden Fenstern liebe. An diesen Dingen messe ich die Konkurrenz, sie sind für mich der Gold-Standard. Und ohne die charakteristischen Paradigmen dieser Software will ich heute keinen Computer mehr verwenden. Das heißt nicht, dass ich nichts anderes mehr verwenden will, sondern meint, dass das Andere für mich diese Standards einhalten oder überbieten muss, um attraktiv zu sein.

13 – Mein Prime und ich

Science-Fiction trug seit über einem halben Jahrzehnt seinen guten Teil für mich dazu bei, ein Habenwollen-Verlangen nach einem Tablet zu spüren.

Stargate: Atlantis – Season 3 Episode 10: Rodney stellt die McKay-Carter-Gatebrücke vor // Copyright hält Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
Copyright: Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Insgeheim dachte ich immer, ich bräuchte nur so ein Tablet, um auch so cool wie Rodney McKay zu sein. Als ich es jetzt hatte, habe ich gemerkt, es ist gar nicht so cool, und es macht mich weder nach außen toller, noch nach innen aufgeweckter. Es ist letztlich nur ein Gadget, und ich fragte mich, was es eigentlich genau für ein Gewinn war, den ich mir davon für mich erträumte. Oft hatte ich da dieses Bild von mir im Kopf, wie ich vor einem Publikum stehe und einen Vortrag halte – ich weiß gar nicht, über was – und auf meinem supercoolen Tablet mein Verlauf vermerkt ist, und ich locker irgendeine Art Präsentation steuere. – Erhoffte ich mir vielleicht mehr Sicherheit im Auftreten durch clevere Zusatztechnologie? „Angeben“ direkt spielte keine Rolle, nur das Selbstgefühl von jemanden, der weiß, was er tut. Das ist interessant…

Ich machte bald die Erfahrung, dass der Prime nicht wirklich mobil war. Ich konnte ihn horizontal in meine Tragetasche stecken und in die Innenstadt gehen, Tauben fotografieren, mit meiner 600 Euro-Anschaffung posieren, aber zu sonst war er nichts nütze. Kein UMTS, ich musste weiter meinen kleinen MiFi-Router (UMTS-zu-WLAN-Gateway) einschalten, wenn ich Internet wollte. Die eingesteckten Ohrhörer sahen recht lachhaft aus, wenn ich das Tablet wieder vorsichtig in der Tasche verstaute. Einmal nahm ich den Prime zu einem Musical mit, um ihn während der Fahrt als Musikplayer zu nutzen. Das Tablet sollte ja ein iPod-Ersatz sein. Ich konnte im Bus schier nicht tippen, und bei allem, was ich auf dem Bildschirm tat, war es mir unangenehm, ob meine Nachbarn nicht mitlesen würden. Ein viel zu großer Bildschirm. Während des Musicals wusste ich nicht, wo ich den Prime hinlegen sollte, ich hatte keine Tasche dabei – also unter meinen Sitz, aufpassen, dass ihn mir keiner klaut. Ich kam mir reichlich albern vor.

Ich nahm zwar diese Enttäuschung schon wahr, glaubte aber, das würde sich schon noch geben. Ich wollte mich kompatibel zu dem Gerät machen. Bezüglich der verfügbaren Software dachte ich, das muss so, das muss jetzt so weh tun, während du das proprietäre Feld verlässt, und die guten Apps werden sicher bald kommen, Android 4 ist ja eine ganz neue Plattform. Ich kam nie auf die Idee, von meinem Rückgaberecht Gebrauch zu machen, bis das Fenster um war. Ich wollte es eben wirklich gut finden.
Ich darf mich glücklich schätzen, in meiner dritten Nutzungswoche einen kosmischen Wink mit dem Zaunpfahl erhalten zu haben: Auf einmal ging das Tablet nicht mehr an. Der Akku war leer, anschließend ließ es sich nicht mehr aufladen. Alle Tipps des Telefon-Supports halfen nichts, der Prime musste in Reparatur. Eine Reparatur, die fast fünf Wochen dauerte. Bei einem Gerät, das gerade weltweit neu auf den Markt kam. Über den Asus-Support sagt das viel aus. Es musste ein neues Motherboard aus Taiwan bestellt werden, und alle Videos, die ich gemacht hatte, waren damit auch verloren.

In meiner Tablet-Limbo ging mir mit dem Abstand zum Gerät mit einem Mal auf, dass ich gar keine Verwendung für den Formfaktor hatte. 10″ und das Gewicht sind zu unhandlich, um das Gerät einhändig zu halten, in der Wohnung rumzulaufen – und was eigentlich damit zu machen? Ich überlegte angestrengt, aber mir fiel nichts ein, was ich nicht auch schon davor mit dem iPod Touch tun konnte. Auf der Couch surfen? Warum, wenn mein PC vier Meter daneben steht, doch eh den ganzen Tag läuft, und mir einen besseren Browser bietet? Schreiben? Wo soll ich besser schreiben können als an meinem Desktop? Multitouch-Spiele? Ich spiele nicht viel, die Android-Auswahl war kläglich und qualitativ hatte ich schon bessere auf iOS gesehen. Wozu ein Tablet? Ich brauchte kein Tablet. Um das zu realisieren, hat mein Hirn die Medienbeeinflussung von über zwei Jahren meiner Geek-Sozialisation überwinden müssen. In mir brach eine kleine Welt zusammen: Die ganzen Podcasts, die ich über die Jahre gehört hatte, iPad, iPad, iPad, frenetische Tablet-Begeisterng, Ausruf der Post-PC-Ära von allen IT-Medien, fallende PC-Absatzzahlen – das alles sollte keine Bedeutung für meine Computernutzung haben? Was ist mit mir los? Ist es, weil ich ein Geek bin und mit dem Rechner so weit vertraut, dass mir ein vereinfachendes Gerät tatsächlich behindernd vorkommt? Ist es, weil Android so wenig Spaß machte? Galt der Jubel etwa nur für das iPad? Und wieso genau? Ich weiß es bis heute nicht.

Es war ein grundsätzlicher Fehler von mir, zu glauben, ein 10″-Gerät könne mir den 3,5″-iPod Touch ersetzen.

Ergebnis ist jetzt, dass ich das Tablet verkauft habe und mir im März ein iPhone 4S ohne Mobilfunkvertrag über Ratenzahlung bei O2 zugelegt habe. Und damit bin ich glücklich, kam sogar einige Monate ohne Jailbreak aus. Ich verlor beim Verkauf des Asus Transformer Prime gut 160 Euro. Eine teure Einsicht, eine späte Einsicht, aber wenigstens überhaupt eine Einsicht.
Das iPhone 4S ist übrigens mein erstes Handy überhaupt. Ich versetze es aber nur in den Mobilfunkmodus, wenn ich außer Haus twittern oder surfen will, und nutze die Mobiltelefonfunktion überhaupt nicht. Ich will und brauche nach wie vor kein Handy und achte darauf, meine Elektrosmogbelastung so gering wie möglich zu halten.

14 – Warum ich mir ein Nexus 7 gekauft habe

Der Beitrag hätte eigentlich hier zu Ende sein können, aber da ich den Entwurf seit März so lange liegen gelassen habe, haben sich meine Positionen mit den neuen Gegebenheiten der letzten Monate verschoben.
Google hat sein erstes Tablet der Nexus-Reihe herausgebracht, ein 7-Zöller mit Tegra 3-SoC in Zusammenarbeit mit Asus. Das Tablet hat die gleiche Auflösung wie der Prime von 1280×800 in 16:10, die Software kommt aber direkt von Google als absolut vanilla Android mit auch für die nähere Zukunft immer aktuellen, schnellen Updates. Nach dem Review bei The Verge war ich sehr angetan von dem 7″-Tablet für 250 Euro, und als sogar @monkeydom von den Fanboys sich eines zulegte und gar nicht so kritisch davon sprach, entschied ich, dass mir dieser Formfaktor mehr zusagen würde und dass es nicht schaden könnte, auch ein Android-Gerät zu besitzen, und habe mir eines bei Google bestellt.

Tatsächlich ist das Nexus 7 anders als ein 10″-Tablet: Ich kann es einfach mal so in die Hand nehmen und fast wie in einem Smartphone etwas schauen, und ich kann es problemlos mit einer Hand halten – die Größe ist sehr viel praktischer für mein Nutzungsverhalten. Da ich nun schon ein schnelles iPhone als Hauptgerät und für die Mobilnutzung habe, haben sich meine Erwartungen an ein Android-Tablet verändert. Das Nexus 7 ist für mich ein Komplementär-Gerät; ein sehr attraktives Lesegerät.
So allgemein blieb halt das Kitzeln nach einem Tablet-Computer, auch weil ich nicht richtig verstanden hatte, warum der Hype mich nicht mitriss. Apple hat bei der Vorstellung des iPad der dritten Generation alle Konkurrenten an die Wand gefahren: Ein gigantischer Retina-Bildschirm mit 1536×2048 auf 9,7″ und ein SoC, der damit klar kommt. Weil ich aus meiner Erfahrung mit dem Transformer Prime wusste, dass ich 10″ nicht gebrauchen kann, steigerte ich mich auch nicht in einen iPad G3-Kaufenmüssen-Wahn. Ich brauche den Formfaktor nicht, darum auch kein iPad, so einfach.

Eine Bemerkung zum Seitenverhältnis des Nexus 7: 16:10 bei einem Tablet ist optimal für Serien und Webvideos, bei allem anderen fühlt es sich in der Breite beschränkt an. Apple hat richtig daran getan, das iPad 4:3 zu halten, wie eine A4-Seite. Bei Smartphones neige ich dazu, 16:9/10 als besser als 3:2 vom alten iPhone zu beurteilen, weil mensch es anders in der Hand hält (– halten können sollte!) als ein Tablet und das Display generell kleiner ist – bei einem Tablet will mensch in den Content eintauchen, bei einem Smartphone will mensch eine praktische Geräteform, aber dennoch möglichst viel Platz haben. Das Nexus 7 spielt in der Geräteklasse der „Phablets“, es ist zwischen Smartphone und Tablet angesiedelt; ein Kompromiss-Gerät.
Natürlich habe ich die Abwägung zum kolportiert kommenden iPad Air (oder nano, oder mini) gemacht, aber es soll nach aktueller Gerüchtelage aus skalierungstechnischen Gründen von iOS kein Retina-Display bekommen (das wären bei 1024×768 auf 7,85″ 163 ppi), und wie das große iPad ein Seitenverhältnis von 4:3 haben. 4:3 halte ich für vergleichsweise unhandlich bei einem 7,85-Zöller, denn gerade der Vorteil, das Tablet mit nur mit einer Hand halten zu können, dürfte mit 4:3 zunichte gemacht werden.

Das Nexus 7 ist wirklich leicht mit 340 g und dünn mit 10,45 mm. Die gummierte Rückseite fühlt sich fast wie Leder an und schmeichelt der Hand, ohne dem Gerät Robustheit zu nehmen. Ich habe keine Skrupel, es daheim ohne Schutzhülle zu nutzen (was ich bei Apple-Geräten nie tun würde, geplante Obsoleszenz lässt grüßen). Der Soundchip des Tegra 3 ist exzellent, ich sage, deutlich besser als der im iPhone 4S verbaute (ich bin relativ audiophil, weil ich viel orchestrale Filmmusik höre). Die integrierten Stereo-Lautsprecher (die wie Mono klingen) sind schlechter als die des iPhone 4S – scheppernder, können nicht so laut drehen; sie sind nicht miserabel, mensch kann durchaus damit Musik oder einen Podcast hören, und wenn mensch Serien mit dem Gerät schaut, wird mensch wohl sowieso Ohrhörer nutzen. Das IPS-Display ist toll, für Hausbedienung reicht die Leuchtkraft gut, im Freien wird es ein bisschen mühsam. Es ist kein Retina-Bildschirm, das ist deutlich, aber die Pixeldichte ist mit 216 ppi hoch genug, um auch noch kleine Schriften auf breiten Startseiten ohne Zoom lesen zu können (iPad: 132 ppi; iPad G3: 264 ppi, iPhone 4+: 326 ppi). Das Lesegefühl ist nah dran an Retina. Beim typischen Lesen von Artikeln wird sowieso auf die Textbreite gezoomt, und spätestens durch den größeren Abstand zum Gerät bei einem Tablet verliert sich die Unterscheidbarkeit zu Retina-Displays für mich. Sollte es nächstes Jahr noch Geld geben, wäre ich aber an einer aktualisierten Version mit vielleicht 1920×1200 und noch besserem SoC sehr interessiert, denn dieses nicht-ganz-Retina-Gefühl stört mich doch im Moment am meisten am ganzen Gerät.

Das Nexus 7 soll mir kein iPad sein. Das Nexus 7 ist für mich etwas ganz eigenes. Es ist viel mehr an „mobilem PC“ als Geräte mit iOS („Post-PC“) und als Ergänzung zu ihnen habe ich es als einen ultramobilen PC. Weil ich ein Geek bin. Ich kann damit Sachen machen, die ich mit iOS nicht machen kann, dafür fummeliger, aber das ist ok bei dem Preis und der Leistung. Das Gerät ist für mich mehr ein Gadget als ein „Lebensbegleiter“, und als Gadget ist es cool. – Android 4.1 und sein Ökosystem kann für mich ein Gadget sein, das ist doch mal ein Anfang @Google.

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15 – Es wird besser

Auf dem Nexus 7 ist das neue Android 4.1 Jelly Bean vorinstalliert und ich muss schon sagen, ich bin ganz positiv überrascht. Mit „Project Butter“ erhöht Google die Framerate des Systems. Mensch spürt die höheren FPS sehr deutlich, alles reagiert flutschiger, „echter“ – das ist die „Magic“, von der Steve Jobs bei iOS in seinen Keynotes immer gesprochen hat. Mensch bedient einen Touchscreen mit den Fingern und die Reaktion fühlt sich an, als wäre die Software ein realer Gegenstand, ein echtes Objekt. Um diesen Effekt noch zu verstärken, setzt Apple noch verstärkt auf Skeuomorphismus, die Nachbildung von Gegenstandfunktionsprinzipien aus der realen Welt, was besonders in der Mac-Nutzerschaft mit den letzten OS X-Iterationen viele verärgert.
Jedenfalls scheint Google das Problem, dass Mikroruckler sich bisher unvermeidbar aus Androids Softwarearchitektur ergeben haben, mit Jelly Bean weitestgehend geknackt zu haben.

Google vernettere zudem Androids Animationen für typische Systemfunktionalität wie Multitasking, wodurch sich auf seine Art das System nun auch auch „echter“ anfühlt.
Google Now ist nicht Siri, sondern eine abstraktere Such-Ontologie-Behilfung. Für praktische Systemtätigkeiten („schreib eine E-Mail an Lukas, ich komme später, ist das ok, Fragezeichen“, „spiele Musik von Dota Kehr“) ist es nicht zu gebrauchen, dafür überrascht es mit unheimlichen Hilfsangeboten zu nach zuvor in Google gesuchten Veranstaltungen und Adressen. Da wird sicher noch mehr kommen, die Herangehensweise ist aber erst mal beeindruckender als bei Siri.
Die deutsche systemweite Offline-Spracherkennung ist eine feine Sache und funktioniert für mich wesentlich besser als die Internet-benötigende unter iOS. Nur Satzzeichen erkennt Android noch nicht, das ist schade.

Wie bereits angesprochen, bringen aktuelle Versionen von Firefox für Android echtes Bounce-Back und Linienführung in einer Dimension mit. Das war für mich der Punkt, wo ich tatsächlich dachte, jetzt wird die Plattform für mich nutzbar. Ansonsten kommen jetzt so langsam die Tablet-Apps. Pocket für Android ist sehr elegant, sogar mit Android-nativem Text-to-Speech, das iOS für seine Apps noch nicht per API anbietet. Pocket ist mein Read-It-Later-Dienst seit einigen Jahren, und neben der ebenfalls performanter gemachten offiziellen Twitter-App und Firefox zum Nachrichten-Surfen, eine meiner Haupt-Apps auf dem Nexus 7.

Nach wie vor ist die Einrichtung und das Finden von Widgets schmerzhaft. Die oft nicht nutzbaren oder von Apps mitinstallierten hirnrissigen Widgets erinnern mich stark an an den fummeligen Plasmoid-Wahnsinn bei KDE Plasma.

Ich muss zugeben, alles in allem ist Android 4.1 ein bisschen cool.

Google hat kräftig zugekauft, die Übernahme der Sparrow-Entwickler hatte darunter den größten Wow-Effekt auf mich. Kürzlich sind auch einige Palm-Entwickler, die an dem webOS zugrunde liegenden Enyo-Anwendungsframework bauten, zu Google gewechselt. Es ist darum erwartbar, dass sich in Sachen Benutzerfreundlichkeit bei Android bald viel tun wird.
Wenn mensch sich auskennt, können die weniger restriktiven Möglichkeiten, die Android einem bietet, Spaß machen, wenn mensch weniger versiert ist, neige ich zu glauben, verwirrt die Inkonsistenz und Unergründbarkeit des Ökosystems nach wie vor stark, und die angesprochenen konzeptionellen Schwächen behalten in jedem Fall ihre Signifikanz.

Auch iOS hat seine Macken, das ist aber nicht Thema dieses Artikels. Das größte Ärgernis für mich ist, keinen schnellen Zugriff in der „Benachrichtigungszentrale“ auf Schalter für Flugmodus, WLAN und Helligkeit zu haben, was mich seit Jahren veranlasst, meine Geräte zu jailbreaken. Es ist mir schleierhaft, warum Apple seine Nutzer diese essentiellen Parameter nur exklusiv in der Einstellungen-App ändern lässt. Nutzerfeindlich ist auch, keinen Alternativ-Browser als Standard festlegen zu können; der Jailbreak schafft auch hier Abhilfe. Die iOS-Bildschirmtastatur ist offenbar in 2007 stehen geblieben und die Autokorrektur ist furchtbar. Das allein könnte fast schon ein Wechselargument für jemanden sein, wenn da nicht diese guten Apps wären. Das Fehlen von Widgets ist mir ziemlich egal, aber App-Icons sollten mal dynamisch werden (à la WP8-Kacheln), und überhaupt könnte mit dem Springboard mal was passieren.

16 – Versöhnliche Worte

Wo Apple innovationsscheu geworden ist, ist Google kräftig am Umbauen. Google traue ich es zu, dass es in einem Punkt-Update einmal wieder das Multitasking oder den Launcher entscheidend verbessert. Googles UI-Konzepte waren von Anfang an nicht so perfekt integriert durchdacht wie Apples, aber Apples Konzepte bieten ihnen nur noch wenig Spielraum für Veränderungen, um nicht mit ihren Paradigmen zu brechen. Bei Apple weiß mensch, was mensch kriegt, bei Google ist es spannend.
Die aufregendere Entwicklung hat im Moment Android, und es kann als valides Argument gelten, aufregend vor durchdacht und gegossen zu schätzen.

 

So, und ich hab jetzt übrigens das Abi, wurde frisch 21, und werde versuchen, in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft zu studieren. 🙂