Frumble201

Meines Erachtens herrschen im Verständnis der männlichen Sexualität ein paar äußerst populäre Missverständnisse vor, mit denen ich mich unwohl fühle.
Naturgemäß sind die, die am wenigsten Ahnung davon haben, die Frauen. Darum richte ich mich in dieser Auseinandersetzung in erster Linie an die Frauen.
Aber, und das ist das ungeheuerliche an diesem vorherrschenden Fehlglauben, auch die Männerwelt begreift ihren eigenen Prozessehergang nicht und handelt sich so Unmengen an Problemen und Versperrungen ein.
Zeit, es klarzustellen.

Die Selbstbefriedigung der Männer bleibt für die Frauen ein immer mehr oder minder großes Mysterium. Da sie die Beharrlichkeit nicht nachvollziehen können, erklären sie es für sich als unendliche männliche Wollust und einen unvernünftigen Trieb. Tatsächlich sieht es aber so aus, dass wir nicht aus Trieb, sondern aus Drang handeln: Unsere Hoden produzieren immerzu Samenzellen, die eine Reifungszeit benötigen und schließlich auch nicht ewig auf den nächsten Geschlechtsverkehr warten können, weil ihre Qualität zerfällt. Das bedeutet also, die Samen müssen raus – und das ist der biologische und urnatürlichste Entledigungsdrang des Mannes.

Doch so simpel erklärt ist es nicht. Einhergehende Symptome bei zunehmendem Drang:

  • Blase wird empfindlicher und man kann doch nicht auf’s Klo… (es kommt einfach nichts, so, als wäre der Schlauch verstopft) → tut weh
  • man steht unter Strom, findet im Bett nicht zur Ruhe
  • fühlt sich in seinem Körper ›blockiert‹, ja, das Wort passt, blockiert von unterhalb des Nabels bis zu den Intimitäten
  • ein warmes Feuer, dass in einem zwischen Nabel und Intimbereich entbrennt, und rückwärts in einer Energiebahn über die Wirbelsäule den Rücken hochzieht, bis es schließlich fühlbar den Kopf umschließt und umfließt
  • man empfindet einen Begriff von Rot, Wille, Energie, Entschlossenheit, Ausdauer, Leidenschaft
  • man ist fühlbar nicht mehr in seiner Mitte, kann auch unter größer Anstrengung nicht mehr in seine Mitte finden
  • kann sich nur noch kurz konzentrieren, Gedanken werden hastig, abgehakt und man springt von einem zum anderen im Wahn
  • man kann sich für nichts mehr begeistern
  • → dabei ist einem selbst meistens gar nicht unmittelbar klar, woran es liegt

Doch trotz allem, gelingt es einem, diese Energie (→ Leidenschaft) zu kontrollieren, kann man sie nutzen, um gewaltige geistige Leistungen zu vollbringen, aber dazu braucht es Übung, einen reinen Verstand, Bewusstheit um die Tat und die Zielidee und keinen Zwang und Druck von außen.
Mit diesem Feuer umzugehen, stellt eine der größten Herausforderungen im Umgang des Geistes mit dem Körper dar. Und man kann sich an seiner Energie wortwörtlich verbrennen.
Aus diesem Wissen und den oben genannten Symptomen können wir schließen, dass während der Zeit des erhöhten Entledigungsdranges eine Blockierung dieser Energie stattfindet; eine Blockierung und gleichzeitig ein Überlauf eines Puffers/Staus, der, unkontrolliert und sich dessen nicht bewusst, zu verheerenden Taten nach außen führen kann.

Diese Energie entspringt dem physischen Körper und fließt über in die Seele. Nehmen wir das an, ließe sich erklären, warum eine physisch-biologische Blockierung dort ein unvorhersehbares Wirken auf unser Seelenbefinden hat. Ich nehme an, dieses Feuer haben auch Frauen. (Das Energiezentrum sind nicht die inneren Sexualorgane, sondern die Kraft entspringt aus dieser Gegend des Körpers, eine wichtige Unterscheidung.)

Überlegung:
Können diese Symptome denn alle sein, wenn es nur um die Ausscheidung von angestautem Sperma geht? Ist das nicht “zu viel”, sind die Auswirkungen auf Verfassung und Seele nicht zu groß? Eine Antwort könnte uns das nähere Verstehen des schon angesprochenen “Feuers” liefern; es ist doch eine überaus faszinierende Beobachtung.
Wäre es nicht logischer, den Entledigungsdrang rein gedanklich auslösen zu lassen, durch (einem mit dem Harndrang vergleichbaren) “Trieb”, möglichst im Begatten einer Frau, genau so, wie es heute plump der Großteil der Menschen auffasst? – Hier liegt das Verständigungsproblem: Zu dominante und schnellentschlossene Logik gegen die Wahrheit und noch unverstandene Komplexität und Bedeutung der Sexualität im Spirituellen. Wir übersehen irgendetwas. Etwas sehr wichtiges.

Die Männer, die es nicht tun, sind entweder impotent, oder haben solche starken Komplexe aus z.B. religiöser Überzeugung, dass sie die Abläufe ihres Körpers damit (über-)steuern und aussetzen können (was auf das gleiche hinausläuft). Und wenn sie diese Kontrolle nicht erreichen, dann findet alle paar Tage eine Zwangsausschüttung des drängenden Spermas bei Nacht statt. Soviel dazu.

Um auf den Punkt zu kommen: Ich fühle mich bei dieser Vorstellung der Frauen diskriminiert als triebgeleiteter Lüstling, der “ständig nur an Sex denkt” und getadelt gehört. Wir haben das nun einmal in unserer Natur, aber es ist wesentlich anders geartet, als der populäre Glauben bei Frauen wie auch Männern in dieser Sache sich befindet. Folgend will ich nun meine Betrachtung dazu euch ausbreiten.

Eine Entledigung von dem Zeug kann auch weitgehend ohne “unreine Gedanken” ablaufen. Darum lehne ich den Titel ›Selbstbefriedigung‹ ab und plädiere, es in dieser Form der körperlichen Nötigung als ›Entledigungsdrang‹ zu bezeichnen, wie oben schon mehrmals geschehen.

Meine Beobachtung ist die folgende: Wenn man schon dazu genötigt wird, versucht man wenigstens, das Beste daraus zu machen. Es ist eine Nötigung, die aber richtig geleitet zu Genuss führen kann.

  • → die Kunst ist die Erzeugung von Genuss und von Steigerung derselben
  • → das ist, wo erst Triebhaftigkeit und Begehren einsetzt; – auf der geistigen Ebene! (Etwas anderes, was oft irrtümlicherweise als Begehren deklariert wird, ist in Wahrheit die Sehnsucht nach Liebe und wird vom Verstand zu oberflächlich bearbeitet.)
  • → ein Verlangen, das man nicht mehr fähig ist zu befriedigen, Sucht (“Suche”) nach immer stärkerem Reiz aus weiterem Fehlverständnis

Was ist demnach Wollust beim Mann? Was ist Triebhaftigkeit, Begierlichkeit bei ihm (Extrem: Vergewaltiger)? Womöglich nur ein Ergebnis des Verstandes aus Überzeugungen über seinen Körper, womöglich mit einer neuen Art der Aufklärung im Grundkeime vermeidbar.

Es gibt keinen Orgasmus-Drang. Es gibt nur den Drang zur Ausscheidung unseres Spermas; nur als sekundäre Wichtigkeit möglichst in einer Frau. Wir glauben – und dieser Glaube scheint sich instinktiv zu ergeben und nicht durch Wissen überspielbar zu sein – durch mehr und mehr Reize – Stimulationen des Dranges, Erhöhungen des Bedürfnisses, der “Lust” – unseren Orgasmus in seiner Stärke und Länge – die größte Fehlannahme überhaupt – steigern zu können. (Erinnerung: Bekanntermaßen zielt das männliche Sexualverlangen im allerersten auf einen Orgasmus ab.)
Der Orgasmus verheißt die “Füllung der Leere”, die Befriedigung des Verlangens, der Lust. Daher die Annahme, eine große Leere verhieße einen großen Orgasmus.
Doch aus Erfahrung wissen wir, diese Hoffnung wird nicht adäquat befriedigt. Wir machen das Beste daraus und versuchen, uns an der Zunahme der Leere, des größerwerdenden Verlangens, zu ergötzen.
Aus Erkenntnis wissen wir, dort, wo das Verlangen über die Befriedigung hinausgeht, bleibt entsprechend viel Verlangen bestehen.
Was passiert mit diesem unbefriedigtem Verlangen bei der Selbstbefriedigung und beim Sex? – Ist es wohl das, was uns danach mit beklemmender Sehnsucht übermannt und schwächt?

Die Logik verlangte somit, uns kein höheres Verlangen zu setzen, als wir uns selbst fähig sind zu befriedigen. Aber ist das überhaupt möglich? Ich glaube, unter speziellen Bedingungen ist es das, und allen Anschein nach liegt das Potenzial einer Erfüllung dieser Bedingungen in der Liebe.
Geartet in einem wahren Verschmelzen der Seelen, nicht nur während des Aktes, möglich sicher für jeden nur mit einer arg eingegrenzten Art von Menschen mit einer ähnlichen Schwingungsreife, einer gemeinsamen Grundlage.

Einmal genauer dieses Missverständnis des eigenen Körpers betrachtet:
Durch den populären Glauben, Zug in das Materielle, in das Sinnliche, damit weitere Entfernung von der Ursprungsenergie. Glauben, man hätte es mit einer Begierde zu tun und zielgerichtiges Stärken dieses Irrglaubens durch Zuführung von geistigen (Gedanken) und materiellen (Bildern) “Befriedigungsgütern”. Was man damit jedoch nur erreicht, ist ein Ansteigen der Stimulation und letztlich eine Verfangenheit in dem Glauben der Sinnlichkeit. (Siehe meine Beobachtung oben)
Nichterkennen, dass jeder Triebimpuls nicht durch den Körper sondern durch den Verstand ausgelöst wird.
Man spürt nur den Druck und denkt sich: »Ich brauch mal wieder ‘ne Entladung« – man glaubt, der Druck sei ein Trieb und werde durch Reize ausgelöst und der (absurde) Weg der Ent-Pressur wäre wieder durch Reize, was die oben skizzierte vollkommene Verfangenheit in der materiellen Sinnlichkeit bedeutet.

Das Verhältnis zum Entledigungsdrang und der Selbstbefriedigung, das wir anstreben sollten: Begreifen und Erkennen der Energie und bewusstes Einsetzen als Facette der Lebenskraft. Komplex- und vorbehaltloses Annehmen der natürlich gegebenen Sexualität als das, was sie ist, ohne sie zu überbewerten. Sich den Forderungen des Körpers fügen, ohne der Sinnlichkeit zu verfallen. Bewusstmachung der Tatsache, dass Triebhaftigkeit und Begehrlichkeit Produkte des Verstandes in einer spezifischen Kultur sind.

Ich erkenne drei Grundarten, durch die ein Seximpuls in einem Manne angestoßen werden kann:

  1. Körperlich – Entledigungsdrangs des angestauten Spermas
  2. Gedanklich – durch jegliche Art von Verheißung von Vergnügen: Erotik, Stimulation, Vorstellung; alles letztlich durch den Verstand
  3. In Liebe – komplex mit instinktivem Familiensinn, Herbeisehnen der größtmöglichen physischen Nähe des Partners, Erstreben einer wahren Einigkeit

Die Übergänge sind fließend, üblich sind natürlich generell mehrere der Gründe zusammen.

Da die Frau keinen biologischen ›Druck‹ hat, gibt es bei ihr nur zwei der Impuls-Gründe: Den gedanklichen und den in Liebe. Das erklärt in einem geschlossenen Gesamtbild logisch viele Unterschiede ihres Sexualitätsbedürfnisses zu dem des Mannes. Was faszinierend ist, ist dass auch Frauen die Selbstbefriedigung üben – zwar weit weniger und unregelmäßiger als die Männer (ist ja klar, da keine Nötigung) – aber sie tun es ebenfalls. Es muss bei ihnen also rein gedanklich ausgelöst werden, durch wahre Lust oder das Sehnen nach Liebe/Zärtlichkeiten – und all das scheint meine Ansicht zu bestätigen, dass da irgendetwas in uns ist, das sich anstauen, blockieren und überlaufen kann.
Das Thema finde ich sehr spannend, vielleicht kann ich hierzu ja noch eine Gastautorin gewinnen. ;)

Selbstverständlich liegt in den von mir als ›gedanklich‹ bezeichneten Gründen auch in der tiefsten Schicht ein instinktiver Arterhaltungstrieb – der allerdings ständig wacht – und es obliegt dem Ermessen des Geistes und Verstandes, ob er ihn bei einer Person zulassen möchte oder nicht. Man kann sich das vorstellen als eine Seeräuber-Besatzung, die bei jedem Handelskreuzer am Horizont an die Kapitäns-Kajüte klopft, um einen Angriff vorzuschlagen. Der Kapitän trifft die persönliche Entscheidung und die Besatzung ist ihm loyal ergeben. Und es gibt raffsüchtige Käptens und intelligente Käptens.
Darum finde ich die populäre Behauptung infam und verantwortungsverneinend, die sich über die Nichtachtung dieser Beobachtung hinwegsetzt. Der Verstand entscheidet, nicht untergründige animalische Triebhaftigkeit!

Zu Pornografie
Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass Pornografie ein Suchtmittel ist. Die Sucht, die ›Suche‹, nach immer größerer Lust, immer größerer Leere, im Erwarten der Füllung durch einen ebenso großen Orgasmus (was, wie ich gezeigt habe, eine Fehlkausalität ist). Gerade hier haben wir es mit dem angeführtem Missverständnis des eigenen Körpers zu tun.

Lasst mich eine kleine Geschichte erzählen:
Ich war vor einigen Wochen das erste mal auf einer LAN-Party bei Klassenkameraden eingeladen. Da ich mit den Spielen nichts anfangen konnte, habe ich die ganze Nacht lang an den Rechnern herumgeschraubt, sie ausgemistet und optimiert…
Gegen Mitternacht ging es los mit einer mich ganz und gar entsetzenden Regung in den Jungs: Sie zeigten einander ihre Bewegtbildsammlungen und gingen auf Porno-Seiten. Schauten mit dem größten Vergnügen johlend Schwulen-Pornos, empfahlen über den Tisch rufend Aufnahmen mit älteren und brüstigeren Frauen, versammelten sich von Zeit zu Zeit um einen der Rechner, um das Spektakel gemeinsam zu erleben… – Die sind 16.
Staunend über dieses schamlose Rudelverhalten werkelte ich derweil unbeirrt an meinen mir selbst gestellten Aufgaben weiter.

Das war doch nichts Schönes! Wenn ich mir so etwas anschauen wollte, dann sollte es doch wenigstens ästhetisch ansprechend, spannungsgeladen, mit mit sich identifizierbaren Charakteren sein.

Was ich dort – ausdrücklich nur aus den Augenwinkeln gezwungenermaßen – mitsehen musste, war die totale Hemmungslosigkeit, ein Nicht-Respekt und eine Respektlosigkeit vor der Würde des Körpers und des Menschen, billigst produziert, ohne verbleibenden Reiz, weil alle Reize mit einem Mal offen ausgespielt wurden.

Die ›Player‹ schauten sich das über eine halbe Stunde lang an, die Nacht über immer wieder eine Session, bis sie wieder auf ihre Spiele kamen. – Direkt danach wurde niemand auffällig mit einem Toilettengang.
Kann das sein?! Was haben die mit sich gemacht?! Eine halbe Stunde lang diese erschlagende Reizüberflutung, ohne zu ejakulieren?!

Ich war schockiert bei denen.
Ich nahm ich mir vor, nie mehr auf eine LAN-Party zu gehen, auf der es keine weiblichen Teilnehmer gibt, die das dann nicht durch ihre bloße Anwesenheit schon in Grenzen halten würden.

Anscheinend ist der Konsum von Pornografie längst dermaßen sozial akzeptiert – was bedeutete, dass es ›jeder‹ sieht – dass eine Legitimierung eingesetzt hat, die ich absolut ablehne. Niemand war dort verschämt, fand die Bilder irgendwie grenzwertig; alle persönliche ›Geheimhaltung‹ und Scham wurde fallengelassen. Nach aktuellen Erhebungen surft monatlich mehr als 1/3 der deutschen Jugendlichen mindestens einmal auf Sex-Seiten, Jungen UND Mädchen eingeschlossen.

Teils wird in den Videos Sexualgewalt mit brutalen Praktiken als Lustgewinn dargestellt. Generell ist der Verkehr dort ohne Liebe. Das ganze ist gefühllos.
Sex ohne Liebe wird die Menschen immer schwächen. In den Videos werden gefühllose animalische Exzesse zelebriert, die die eigentlich vorhandene menschliche Erkenntnis darüber vergessen lassen können.
Daneben werden den Jungen und Mädchen falsche Körper- und Leistungsideale weisgemacht, wie Potenz, Ausdauer, Brüste, und so weiter. Das erzeugt Leistungsdruck, und so fühlt man sich nie ›gut genug‹.

Außerdem bekommt man ein heimtückisch gefälschtes Bild der Frau zu Gesicht, das einzig patriarchalischen Männerfantasien entspringt:

  • Sie ist die persönlichkeitslose Dienerin des Mannes
  • Objektisierung der Frau
  • → der Mann ist das dominante Element, die einzige Aufgabe der Frau besteht darin, den Mann zu befriedigen
  • → das Sehen bewirkt bei jüngeren Mädchen (insbesondere der unteren Bildungsschicht) Vorbild-Prägungen, was äußerst unemanzipiert und schade für sie selbst ist
  • → Pornos sind eine Gefahr der Beeinflussung auf Vorstellungen von Sexualität, Liebe, Gender, Körperbau, Gefühlszulassung, Emanzipation.

Wer behauptet, er habe ›Interesse‹ oder ›Neugier‹ daran, er wolle etwas daraus lernen, dem nehme ich das nicht ab. So was heuchlerisches habe ich lange nicht mehr gehört. Das sind höchstens drittklassige sekundäre Gründe, worum es denen geht, ist in allererster Linie Selbstbefriedigung.
Wer sich wirklich für neue Techniken interessiert, der tut besser daran, sich in die Literatur zum Thema einzulesen.
Was ich ebenfalls schon als Begründung gehört habe ist das “Lernen von Verzögerung” des Orgasmus’ und der Ejakulation. Oh-mein-Gott! Das ist wohl das, was meine Klassenkollegen zur Vollendung gebracht haben. Eine Ent-Sensibilisierung durch eine immer höher angesetzte Reizbarkeit ( – und Verfallen in die materielle Sinnlichkeit).
Die Lösung, werte Herren, wenn ihr meint, zu schnell zum Erguss zu kommen, ist die “Start/Stop”-Technik, und die ist ohne den Effekt, seine ganze Reizwahrnehmung abzustumpfen, und dabei lustvoller.

Ich bin kein konservativer Verbots-Vorderer von Pornografie; ich störe mich an den typischen Mit-Eigenschaften des “Genres”. Ich kann niemanden ändern, aber ich hoffe, mit dieser Ausbreitung ein paar Jungen und Männern ein Bewusstsein dafür gegeben zu haben, was sie da konsumieren, aus welchen falschen Annahmen der Kausalität, und was es für längerfristige Auswirkungen auf sie haben kann.
Fragt euch doch mal, ob ihr diesen Reiz-Orkan denn wirklich braucht. Er entsensibilisiert euch für die kleinen Reize im realen Leben, die subtilen Gesten, Anmerkungen, ja, Lächeln eines Mädchens. Kann sich das noch einer von euch vorstellen, durch das charmante, zarte Lächeln einer Dame, in die ihr nicht verliebt seid und bei der ihr nicht rountinegemäß zu erst den Körperbau abgecheckt habt, dass euch ein zartes Lächeln von ihr hin und weg reißt?

It might be cool...Wenn man diesen wöchentlichen Entledigungsdrang unkompliziert (vorzugsweise durch den Geist und ohne sich impotent auf Lebenszeit zu machen) abstellen könnte, wär ich der erste, der Hier! ruft. Aber wirklich. Mich nervt das. Ich strebe nach Vergeistigung und möchte so wenig wie möglich mit meinem Körper zu tun haben (ja, wir Jungen können uns so eine Einstellung viel eher erlauben und durchziehen…), und wenn ich auch weiß, dass der Wunsch mit dieser Konsequenz verfolgt nicht ganz der richtige Weg sein kann… (Bild: xkcd)

Letztendlich schließe ich hier meine Ausführungen und hoffe, ein besseres Verständnis den Frauen für den männlichen Entledigungsdrang, und auch den Männern eine wahrere Vorstellung ihrer Sexualitätswesenheit vermittelt haben zu können. Für Kommentare und Meinungen bin ich dankbar und hätte auch sehr gerne einmal die Meinungen und Auffassungen der weiblichen Leser dazu gehört.

Nachtrag vom 02. Juni:
Wie sich in einer Diskussion auf Bleeper herausgestellt hat, gibt es Unklarheit mit meiner Definition von ›Sinnlichkeit‹. Sinnlichkeit ist passives Erleben mit Betörung des Geistes. Sie hindert uns an der Erkenntnis, sie ist entwicklungshemmend. Man darf sie als Mensch genießen, aber sollte sie nicht mit dem Lebenszweck verwechseln. Sie ist ein Schleier, den es wahrzunehmen gilt, um ihn für den Weg der Erkenntnis vollbewusst aus eigener Entscheidung abziehen zu können.

Es gibt viele Nicht-Geeks, die sich in den letzten Jahren für Linux auf dem Desktop entschieden haben, und es ist toll, dass es sie gibt! Das zeigt, wie weit wir in Benutzerfreundlichkeit sind.
Der Ubuntu-Installationsassistent trifft, etwa bei der Partitionierung, also der Aufteilung der Festplatte, sehr undifferenzierte, pauschale Entscheidungen, wenn man ihn auf den Mach-alles-für-mich-Werten belässt, was die meisten Nutzer ja tun, weil sie sich nicht trauen, selbst über das System zu bestimmen, sondern das System bestimmen lassen.

Für wen ist diese Anleitung? Ich weiß es selber nicht so genau. Sie ist ein seltsamer Mischling zwischen persönlichem Blog-Eintrag und einer Tipp-Sammlung. Sie richtet sich sicher nicht an Ubuntu-Einsteiger, sondern eher an die, die schon mehrmals ein Ubuntu installiert haben, die sich aber immer den Vorentscheidungen des Installationsassistenten gebeugt haben und nun mal von Grund auf alles richtig machen wollen. Ich will damit keine schrittweise Anleitung, sondern Anregungen und Ideen geben und auf Möglichkeiten der Konfiguration aufmerksam machen. Der rote Faden ist ein ›Upgrade‹ auf das neue Ubuntu 9.04, das Ende April herauskam.

Meine Haltung zu Upgrades
Upgrades sind Aktualisierungen von Systemen oder Programmen auf die nächste ›große‹ Version mit größeren Änderungen. Man kann Windows, Mac OS X und Linux-Distributionen auf die nächste große Veröffentlichungsversion upgraden, ohne seine Systemeinstellungen, Programme und Dateien zu verlieren, theoretisch. Praktisch ist das unter Windows so, dass ein Upgrade ein meistens sowieso schon altes/benutztes/mit Software bespieltes und von Fehlern duchlöchertes Windows-System noch mal zerkratzt, so dass man zwar in den meisten Fällen ein benutzbares System erhält, es aber einfach nicht rund läuft.
In der Theorie ist das Upgrade eines Linux- oder sonst wie unixiiden Systems das sauberste, das man durchführen kann, weil die Systembestandteile sehr klar deklariert sind, jede Datei versioniert, die Programme dabei eher evolutionäre als revolutionäre Änderungen erfahren und außer dem Systemkern auch noch die allermeisten darauf laufenden Applikationen, da sie aus dem Paketserver-Pool der Linux-Distribution stammen, mitaktualisiert werden.
Wann sollte man also dennoch eine Neuinstallation als Upgrade in Betracht ziehen? Vier mögliche Gründe:

  • Das System läuft irgendwie nicht mehr zuverlässig, oder so, wie es sollte
  • Man hat das System ›verkonfiguriert‹
  • Man hat im Laufe der Zeit so viele zusätzliche Programmtitel zum Testen installiert, dass die Menüs prallvoll sind und man hat keine Lust, von Hand auszumisten (wobei dann auch nur die Programme selber und nicht ihre mitgezogenen Abhängigkeiten mitentfernt würden)
  • Man möchte auf eine intelligentere Partitionierung umstellen

Seht ihr eurer System in einem der Punkte beschrieben, dann rate ich euch wirklich: Macht eine Neuinstallation statt eines Upgrades. Das fühlt sich auch allein ideologisch schon besser an.

Zur Konfiguration
Ein grundlegender Unterschied zum Microsoft-System: Mit Windows hat man immer Arbeit, ein Linux dagegen läuft in der Regel, nachdem man einmal eine hohe Konfigurationshürde erreicht hat, sehr lange ziemlich gut.
Ich selbst schiebe die Installation einer neuen Version immer einige Zeit vor mir her, weil es halt wirklich Arbeit ist. Dann nehme ich mir mehrere Tage einige Stunden das System vor, für Ubuntu 9.04 habe ich geschätzte 16h gebraucht, bis alles so lief, wie auf meiner vorigen Installation. Diese Zahl ist ungeschönt, aber ich will bemerken, dass ich ein Perfektionist bin, dann der Entwickler von Fertibunti (was auch Zeit kostete), wirklich viel individuell haben möchte, und dass gerade mein Rechner (gemäß meinem Fachwissen, es darf ja nicht einfach funktionieren… Ich staune, wie toll sich die Computer meiner Freunde, die nicht so versiert sind, einer Ubuntu-Installation fügen…) mir gerne dazwischenfunkt.

Das, was wohl auf einem Windows-System am meisten Zeit verschlingt, ist die Installation von Software. Die Installation. Die Setups sind unglaublich lahm und umständlich. Die Einrichtung des Systems macht man bei Windows mehr oder weniger nebenher.

Durch die geniale Paketverwaltung von Linux-Distributionen nimmt dort die Nachinstallation zusätzlicher Programme den kleinsten Teil der Nacharbeit ein. Benutzt ihr mein Fertibunti, das automatisch alles Notwendige und noch ein bisschen mehr nachinstalliert und einrichtet, kommt ihr zeitlich wirklich gut damit weg. Auf einem halbwegs aktuellen Rechner sollte das mit DSL 16.000 nicht über eine Stunde dauern. Umgerechnet auf die Zeit, die diese Programmfülle durch den typischen Windows-Installationsweg vernichten würde, wären das sicher über sechs Stunden Arbeit, und dabei macht Fertibunti alles automatisch.

Wir sichern…
Bevor wir neuinstallieren, sollten wir natürlich die wesentlichen Dinge unseres noch laufenden Systems sichern, ein paar, die mir wichtig erscheinen:

  • /etc/fstab
  • /etc/X11/xorg.conf
  • /etc/apt/
  • /boot/grub/menu.lst

Überhaupt wäre eine Komplettsicherung des Systems auf eine andere Festplatte/Partition ratsam. Ich empfehle dafür sbackup.

Hat man /home noch nicht auf einer separaten Partition (dazu später mehr), so muss man natürlich auch alle seine sichtbaren und versteckten Dateien in seinem ›Heim-Ordner‹ sichern. Dabei kann es vorkommen, dass einige Dateien sich nicht kopieren lassen, weil etwa die persönlichen Rechte nicht dazu ausreichen. Es kann gesagt werden, dass die alle nichts Wichtiges sind, fast immer auch nur sehr klein. Einfach überspringen, das macht später nichts aus.

Woran dann fast niemand mehr denkt, sind ›Sicherungen‹ von allgemeinen Systemzuständen. Ich rate, Bildschirmfotos zu machen:

  1. Vom Desktop mit offenem Nautilus-Fenster (so hat man die laufenden Panel-Applets und die Nautilus-Lesezeichen festgehalten)
  2. Falls man ein alternatives Anmeldefenster installiert hat, den Anmeldefenstermanager öffnen und sich den Namen des Themas rausschreiben, damit man es später wieder auf Gnome-Look.org findet
  3. Eventuell schauen, wie man den Drucker konfiguriert hat
  4. Von Synaptic (-Paketverwaltung) → Ursprung → Lokal/* (unter den Subkategorien von Lokal werden alle installierten Pakete gelistet, die nicht über die System-Quellen von Apt installiert wurden)
  5. Von GParded mit den Partitionen (Mountpunkte) (Wenn noch nicht installiert: Paket gparted installieren und dann über System → Systemverwaltung → Partition Editor starten)

Die Bildschirmfotos von GParded und eine Kopie der Datei /etc/fstab legt ihr nun auf einen USB-Stick, bereit für die Installation.

64-Bit?
Das ist eine Frage, die sehr oft in Linux-Foren gestellt wird: Soll ich die 32-Bit-, oder die 64-Bit-Version installieren?
In den Foren melden sich dann oft die, die sagen, dass es sich nicht lohnt, weil man den Unterschied fast nicht spürt, oder nur in pompösen Datenbankanwendungen.

Ob man die 64-Bit-Version installieren sollte, wenn der Prozessor 64-Bit unterstützt? Ich beantworte das mit einem klaren Ja, warum nicht!, mit einer Einschränkung: Hat man unter 1 GB RAM, könnte es besser sein, noch ein 32-Bit-System zu installieren.
64-Bit bringt keine Nachteile mehr. Flash läuft gut, Java gibt es, Multimediacodecs machen seit Jahren keine Probleme mehr. Warum also sollte man auf ein bisschen Mehrleistung verzichten, wenn es die Hardware hergibt?
Auch bei der Softwareauswahl muss man keine Abstriche machen, praktisch 1:1 hat man die gleiche Fülle wie ein 32-Bit-Nutzer in den Quellen zur Verfügung.
Linux war der erste Kernel für die AMD64-Plattform (die auch heute Intel-Prozessoren implementieren, wenn sie 64-Bit-Code ausführen) und damit zum ersten Mal in seiner Geschichte die Präferenz- und Standardplattform für eine neue Rechnerarchitektur. Es läuft toll darauf.
Anders als die 64-Bit-Versionen von Windows und Mac OS X kommt eine 64-Bit-Linux-Distribution ausschließlich mit 64-Bit-Software daher und jedes Programm, das man über die Paketverwaltung nachinstalliert, ist auch für 64-Bit gebaut, abgesehen von einigen proprietären Dingen wie Flash, Adobe Air oder Zattoo, die immer noch eine Kompatibilitätsschicht benötigen, was aber auch wenig Probleme macht. Bis auf die codegeschlossenen Applikationen hat man dann tatsächlich ein massiv 64-bittiges System, ist das nicht cool? Vergleicht das mit Windows, wo noch nicht mal Microsoft seine Produktpalette wenigstens zu einem nennenswerten Teil in 64-Bit anbietet, von den Drittanbietern ganz zu schweigen!

/boot und /home als separate Partitionen
In einer Standardinstallation sind /boot und /home Unterverzeichnisse der „/“-Partition. Im Prinzip kann man jedes Verzeichnis einer Linux-Distribution aber auf eine separate Partition auslagern. Das bringt für mich vor allem Systemsicherheit mit sich: Ich weiß genau, dass der Kernel und die GRUB-Konfiguration auf dieser ersten kleinen Partition liegen, außerdem erlaubt es mir so, der übersichtlichen Konsequenz wegen, nur /boot als primäre Partition anzulegen und alle weiteren Partitionen als logische in einem erweiterten Container zu erstellen.
/home als separate Partition sollte Pflicht sein: Ist das System beschädigt und startet nicht mehr, kann man ›einfach‹ Linux noch einmal installieren und wieder die entsprechende Partition als /home einhängen und man hat sofort seine individuelle Desktop-Konfiguration und sein Heimatverzeichnis. Theoretisch ist es auch möglich, für mehrere Linux-Distributionen wie Ubuntu, Fedora und SUSE die gleiche Home-Partition anzugeben (was aber an der unterschiedlichen installierten Software dann in Menüs nicht gut aussieht). Und sowieso, weil ich so oft neuinstalliere, wäre es furchtbar umständlich, jedes mal /home zu sichern und später zurückzuspielen.

Option 1: Eine frische Installation mit ganz neuer Partitionierung
Ich will hier nicht auf die einzelnen Schritte eingehen, weil ich einfach davon ausgehe, dass ihr ein ›Upgrade‹ machen wollt und schon mit früheren Installationen Erfahrungen sammeln konntet. Nicht schaden kann es, wenn ihr euch den Wikipedia-Artikel zu Partitionen durchlest, besonders die Sache mit primären, erweiterten und logischen Partitionen solltet ihr später können.

Zunächst ein ›Insider‹: Den Computer ausschalten und ein paar Minuten vor Beginn der Installation abkühlen lassen. Das ist wahrscheinlich vollkommen sinnlos, aber es gibt einem ein gutes Gefühl; wie »Jetzt ruhst Du dich noch einmal aus und dann geht es konzentriert los.«
Auch das Zimmer mal gut durchlüften, damit man selbst genug Frischluft hat, um kühl denken zu können. Vernachlässigt das nicht, es ist ungeheuer wichtig, bei der Partitionierung keine Fehler zu machen.

Startet von der CD, wählt ›Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert)‹ aus dem Bootmenü und wartet, bis die Oberfläche geladen ist.

Bei einer vollkommenen Neuinstallation (oder eben wenn man die Festplatte komplett neu einteilen möchte) mit dem Partitionseditor (unter System → Systemverwaltung) Platz für /boot, /, /home und swap schaffen.
Legt dann 4 neue Partitionen für Ubuntu an (Dateisystem alle Ext4 bis auf Swap, da wählt ihr ›Linux-Auslagerungsspeicher‹)

  • /boot : 200 MB
  • / : 10-20 GB
  • swap : Mindestens so groß wie der verbaute Arbeitsspeicher, aber nicht mehr als doppelt so viel
  • /home : mindestens 10 GB

Zu /home : Kommt darauf an, wie ihr vor habt, eure Nutzerdateien zu verwalten. Man kann entweder wirklich /home nutzen, um dort seine Bilder, Videos und die Musiksammlung unterzubringen, spricht nichts dagegen. Ich habe, um flexibler zu sein mit anderen Distributionen, auf /home nur das Nötigste, also Konfigurationsdateien und meinen Podcasts-Ordner liegen und nutze die Partition mehr oder weniger als temporäres Abstelllager von Arbeitsdateien und speichere meine ›Eigenen Dateien‹ auf einer anderen Partition. Aber spricht wie gesagt nichts dagegen, /home für alles zu nutzen.

Bleibt zu sagen, dass ihr die Partitionierung mit GParted durchführen solltet, bevor ihr das Setup mit dem Icon auf dem Desktop startet.

Folgt dem Assistenten wie gewohnt, bis ihr gefragt werdet, wie ihr die »Festplatte vorbereiten« möchtet. Dort wählt ihr »Partitionen manuell festlegen (fortgeschritten). Darauf seht ihr eure vorhin angelegte Partitionierung und könnt den Partitionen Einhängepunkte (auch ›Mountpoints‹) und Dateisysteme zuweisen (sollte natürlich wieder alles Ext4 sein, bis auf die Swap).

Option 2: Neuinstallation über Vorgängerversion von Ubuntu
Nach dem Starten von CD (analog zur vorherigen Option, mit ›Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert)‹ ) den vorbereiteten USB-Stick mit den Bildschirmfotos und der fstab einstecken, dann den Installationsassistenten starten. Der USB-Stick sollte automatisch eingehängt und geöffnet werden. Der Installationsassistent wird uns gleich anbieten, den USB-Stick wieder auszuhängen, was wir aber dankend verneinen.

Fall 1: Ihr habt im vorherigen Ubuntu noch keine separate /boot- und /home-Partition gehabt. Vor der Neuinstallation sichertet ihr also euer ganzes Benutzerverzeichnis unter /home inklusive aller versteckter Ordner auf DVD oder eine andere Partition oder Festplatte. Jetzt wollt ihr diese Partitionen anlegen, das geht am besten mit dem Partitionseditor (unter System → Systemverwaltung). Der sollte noch vor dem Installationsassistenten gestartet werden.
Verschiebt, ändert Größen und löscht nach euren Wünschen vorhandene Partitionen, um, falls ihr das braucht und in der alten Installation gemerkt habt, dass ihr mehr Platz für z.B. /home benötigt, als zuvor die Partition hergegeben hat.

Fall 2: Ihr habt schon eine /boot- und eine /home-Partition und seid damit zufrieden. Bestens.

Die wichtigsten Mountpunkte gemäß meiner alten Belegung wieder zugewiesenIm Installationsassistenten dann zunächst /boot, /, /home und swp (wieder) besetzen. Zum Formatieren davon nur die /boot- und /-Partition vormerken (bei Fall 2)! Dateisystem der Wahl für /boot, / und /home (nur bei Fall 1 natürlich auch /home formatieren) ist das neue schnelle Ext4.

Jetzt kommen unsere Bildschirmfotos von GParted vom Vorsystem ins Spiel. Öffnet sie vom USB-Stick und richtet die Mountpunkte der anderen Partitionen getreu diesen Bildern ein. Dabei immer als Dateisystem das wählen, was schon im Hauptfenster in der Spalte “Verwendung” steht. Der Mountpunkt muss mit der Tastatur eingegeben werden (etwa /media/sdb8) – eben so, wie er früher schon war, gemäß dem Bildschirmfoto.
Alle Mountpunkte gemäß meiner alten Belegung wieder zugeteilt
Übrigens: Hat man in der vorherigen Installation einigen Partitionen noch gar keine fixen Mountpunkte verpasst, bietet sich nun die Gelegenheit dazu. Heißt die Partition etwa /dev/sda10, so kann man sie als /media/sda10 einhängen lassen. (Bitte nicht beachten, dass ich in nebenstehendem Bild in den Mountpunkten immer sdb statt sda, wie das /dev-Gerät heißt, eingebe. Das hat esoterisch-unerklärliche technische Gründe, irgendwie zusammenhängend mit meinem BIOS. Einfach nicht beachten. Auch bitte im Bild nicht darum kümmern, dass zwei Partitionen im Fensterfoto des Partitionseditors vom alten Ubuntu als “unbekannt” markiert sind; ich hatte diese schon als Ext4 benutzt, aber die dort eingesetzte Version des grafischen Partitionsmanagers unterstützte zu dem Zeitpunkt noch kein Ext4.)
Versucht nicht, meine Partitionierung zu verstehen. Macht euch nur klar, wie ihr die alten Belegungen der Mountpunkte übernehmt. Dieser Dialog ist der fordernste und gefährlichste am ganzen Betriebssystem.

Die Partitionierung, egal wie frustierend sich das Werkzeug gebärdet, unbedingt gewissenhaft und mit größter Konzentration durchführen, dabei mehrmals die Angaben auf Mountpunkte und Formatierungen überprüfen, gegebenenfalls hier sogar eine kleine Pause einlegen, wieder an den PC gehen und noch einmal alles überprüfen und überdenken; vielleicht will man ja etwas doch anders machen. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich, eine intelligente und maßgeschneiderte Festplattenaufteilung zu haben.

Sodann das erledigt ist, werdet ihr nach euren Anmelde- und Benutzerdaten gefragt. Führt ihr ein “Upgrade” durch, dann müsst ihr natürlich euren Benutzer wieder so nennen, wie er schon zuvor hieß. Hattet ihr mehrere Konten, dann erstellt jetzt einfach eines der Konten, später im installierten System lassen sich dann noch weitere Benutzer hinzufügen (es geht dabei nur um die Registrierung beim System an sich, eure Benutzerdaten sind ja auf der separaten Home-Partition (Fall 2) oder spielt ihr später von der Sicherung zurück (Fall 1)).Die Übersichtsseite des Ubuntu-Installationsassistenten kurz vor dem Startschuss
Nachdem euch der Assistent noch gefragt hat, ob ihr von einem installierten Windows-System Benutzerdaten importieren wollt (tut’s nicht!), seht ihr auf einer Übersichtsseite noch einmal alle auszuführenden Aktionen und Einstellungen. Vergewissert euch dort erneut von der Richtigkeit der Formatierungsaufgaben. Dann sollte die CD werkeln und Ubuntu 9.04 auf eure Festplatte schaufeln.

Erste Aufgaben nach dem „Upgrade“
Fall 1: Ihr habt eine Standardinstallation vor euch, nichts ist eingerichtet.
Spielt von eurem Backup, seien es DVDs oder eine Backup-Partition, wieder eure ganzen versteckten und nicht versteckten Dateien eures alten /home/$BENUTZERNAME$ zurück, wenn ihr gefragt werdet, wie ihr mit schon vorhandenen Dateien verfahren wollt, sagt, er soll sie überschreiben.
Am Kritischten dabei sind die Benutzerrechte, dass die stimmen. Bekommt ihr Probleme dabei, fragt mich hier in den Kommentaren oder im Ubuntuusers.de-Forum.

Fall 2: Da ihr euer /home behalten habt, sollte euer gewohnter Desktop wieder vor euch erscheinen:
Die Grundausstattung - man beachte die fehlenden Programme hinter den Verknüpfungen

Fall 1+2 anschließend:
Ihr seht, dass die Panels sehr leer aussehen, oben links sind Platzhalter für einige Starter und oben rechts ist die Begrenzung der Benachrichtigungsfeld-Symbole viel zu weit links. Das kommt schlicht daher, dass noch nicht alle Programme installiert sind, die ihr/ich in eurer vorherigen Installation hattet, die liefen, und von denen ihr Starter angelegt habt.
Jetzt geht es also an das Installieren dieser zusätzlichen Pakete.
Dafür, und um überhaupt mal eine ansehnliche Auswahl von – aus meiner Sicht – unentbehrlichen Anwendungen zu bekommen, lege ich euch mein Fertibunti-Script ans Herz. Es erweitert selbständig die Paketquellen um z.B. Medibuntu, Wine und VirtualBox und installiert alle nötigen Mediacodecs, „echte“ Multimediasoftware, Internetprogramme wie Skype, Filezilla, Firefox 3.5 und Midori und eben viele Systemerweiterungen und -Programme wie VirtualBox, Compiz Fusion-Plugins, volle PulseAudio-Kontrollapplets, Envy, Gnome Do und so weiter. In meinem Freundeskreis ist das sehr beliebt und es funktioniert auch wirklich.
Außerdem konfiguriert Fertibunti ganz zart den Desktop, stellt auf das chice Gnome-Thema „Neue Welle“ um und installiert einen hübscheren Anmeldebildschirm.
Man könnte es als die eierlegende Wollmilchsau für die Neuinstallation eines Ubuntu-Systems bezeichnen.

Der fertige Desktop - so könnte es aussehen *höhö*

Einrichtungstipps
Nach Fertibunti geht es dann an die Einrichtung der Hardware (DAS ist es, was bei mir immer so viel Zeit kostet). Normal sollte alles Wichtige schon laufen, Drucker lassen sich grafisch einrichten etc.. Wenn ihr eine ATI- oder Nvidia-Grafikkarte habt, empfehle ich, zur Installation des Treibers EnvyNG zu nutzen (Anwendungen → Systemwerkzeuge → EnvyNG) , und nicht den von Ubuntu selbst vorgeschlagenen Treiber (weil EnvyNG einen neueren kennt).
Weiter geht es mit den Applikationen, die nicht in den Quellen sind, und von deren Liste ihr euch vor der Neuinstallation in Synaptic ein Foto gemacht habt (das war das unter Ursprung → Lokal/*).

Wollt ihr den Bootmanager anpassen, eignet sich der (von Fertibunti installierte) StartUp-Manager (System → Systemverwaltung → StartUp-Manager). Damit lassen sich unzählige Einstellungen komfortabel ändern, z.B. das als Standard zu startende Betriebssystem, die Wartezeit und die Bildschirmauflösung des Bootbildes. Ganz nett finde ich auch, über das Deaktivieren des Häkchens bei ›Zeige Bootmenü‹ überhaupt erst mal kein Bootmenü anzuzeigen, sondern es erst durch Drücken von Esc einzublenden, was den Systemstartprozess konsistenter erscheinen lässt.

Um nicht unnötig auf / Platz zu verschwenden, ist es klug, in Synaptic unter Einstellungen → Dateien → Temporäre Dateien → ›Heruntergeladene Paketquelldateien nach der Installation löschen‹ zu aktivieren (und einmal den Knopf ›Alle Paketdateien im Zwischenspeicher löschen‹ zu betätigen).

Wer sich noch nicht intensiver damit beschäftigt hat, sollte auch unbedingt einmal die Auswahl an Panel-Applets durchwühlen. Einfach einen Rechtsklick auf eines der Panels und ›Zum Panel hinzufügen …‹ wählen. Was ich absolut empfehlen kann:

  • Tomboy – Eine intelligente Notizenverwaltung, die für mich eines der Highlights von Gnome darstellt – ist mir absolut unbegreiflich, warum Canonical das nicht in der Standardinstallation gleich im Panel aktiviert
  • Systemmonitor – Eine Live-Systemlastenanzeige über CPU und bei Interesse auch Speicher, Netzwerk, Swap, Last und Festplattenaktivität. Wie kann man ohne eine Lastenanzeige arbeiten?!
  • Überwachen der Prozessortaktstufen – manuelle Regelung der Prozessortaktstufen. Das kann für Notebook-Besitzer zum Stromsparen interessant sein, und ist es umgekehrt, wenn der Kernel bei HD-Videos einfach nicht richtig hochtakten will, wie er es sollte (hier ein Foreneintrag zu dem Problem)
  • Netzkerküberwachung – Ein Applet, das hauptsächlich blinkt, wenn Daten übertragen werden, oder das ein durchgestrichenes Symbol zeigt, wenn man keine Verbindung hat (ich nutze an meinem Desktop-PC das, weil ich auf den großen Netzwerkmanager verzichte)
  • Medien-Applet – Superpraktisches Pulldown-Menü mit einer Liste aller verfügbaren Partitionen, und mit Aushängeknopf
  • Deskbar – Universalsuche mit individuell zuschaltbaren Plugins. Sucht nach Anwendungen, Kontakten, Dateien (über Tracker), kann auf Twitter und identi.ca veröffentlichen, kann im Web suchen und so weiter. Kann man sich vorstellen wie der Spotlight-Knopf in Mac OS X. Eine ideale Ergänzung zu Gnome Do (manches geht mit Gnome Do schneller, manches mit der Deskbar)
  • Fisch – Klickt man darauf, öffnet sich ein „Glückskeks“ mit Sinnsprüchen, Witzen oder Wissenswertem, dank Fertibunti sogar auf Deutsch. Man sollte aber unbedingt in den Einstellungen die Pause nach jedem Einzelbild der Schwimmanimation auf 10 Sekunden hochsetzen, denn sein Gezappel hält sonst keiner aus
  • Temperaturindikator – ist in der Uhr schon integriert. Klickt auf die Uhrzeit und expandiert unten ›Orte‹. Über ›Bearbeiten‹ lässt sich dann der Wohnort (oder eine Stadt nahe des Wohnorts) bestimmen
  • Zeiterfassung – Eine Art Stoppuhr mit genauer Protokollierung der Art der Arbeit. Ist leider sehr manuell und bringt nur etwas, wenn man sich auch streng an sein eingegebenes Thema hält, ohne abzuschweifen. Dann bietet es aber eine grafisch nette Analyse der Tätigkeiten und Zeiten.

Ich hoffe nun, euch einige interessante Anregungen für zukünftige Installationen gegeben zu haben. Eine Neuinstallation lohnt sich wirklich bei vielen Nutzern statt eines Upgrades, vor allem, da die Systeme oft schon einige holprige Upgrades hinter sich haben. Wenn es Probleme gibt, dann… ähm, nun ja, das ist so eine Sache. ;) Fragt besser nicht mich, sondern im Ubuntuusers.de-Forum, da bekommt ihr schnell kompetente, nette Hilfe.

Lange Zeit hielt ich mich vom Thema Microblogging zurück. Mir war ziemlich klar, dass wenn ich damit jetzt auch noch anfinge, ich mir eine weitere ›Web-Sucht‹ schaffen würde.

Auf die Idee des Microbloggings kam 2006 Twitter.com, ein Startup von unter anderem Evan Williams, ein Mitbegründer von Blogger.com. Die Idee ist so simpel wie komplex zu erklären: Ein Nutzer schreibt ›was er gerade tut‹ in ein Eingabefeld, hat dafür 140 Zeichen, und ›Freunde‹, die ihn auf Twitter abonniert haben, bekommen diese Zeile auf ihrer persönlichen Twitter-Seite angezeigt. Die Wenigsten schreiben wirklich davon, was sie gerade tun, sondern es sind eher ›in den Raum gepustete Bemerkungen‹, Kommentare und kleine Konversationen. Im Video Twitter in Plain English ist das auch noch mal sehr schön erklärt.
Weil das so alleine langweilig wäre, gibt es auch viele Desktop- und Mobilanwendungen, um auf die Twitter-API zuzugreifen und ›Tweets‹ zu lesen und zu verfassen. Will man auf einem Kommentar antworten, schreibt man den Nutzer mit @Name an, will man nichtöffentliche Direktbotschaften verschicken, schreibt man ein d Name und dahinter jeweils den Inhaltstext.
Wie es sich für ein Web 2.0-Angebot gehört, gibt es kurioserweise noch kein Geschäftsmodell. Twitter sagt zwar, sie hätten eines, das auf zusätzlichen Leistungen basiert, die bald eingeführt werden sollen, sagen aber noch nichts Konkretes.

Twitter ist also eine Mischung aus Chat und Gästebuch, Blog und SMS.
Auch wenn sich das so profan als unglaublich belanglos und öde anhört, ist man doch sehr schnell von der neuen Kommunikationsplattform fasziniert und kommt nicht mehr von ihr los. Beim Nutzen von Twitter bekommt man Einblick in die Privatsphäre und den Alltagsablauf von anderen Menschen und entwickelt dafür eine spezielle Form der Sozialkompetenz, beständiges Interesse für andere, kann sie in ihren Kompetenzfeldern um Hilfe zu bitten, entwickelt Einfühlungsvermögen, Respekt, ›Ambient Awareness‹ und fühlt sich allgemein weniger alleine. ;)

Nun, Twitter hat aber einen ganz großen Nachteil an sich: Es ist ein proprietäres, unfreies, in sich geschlossenes System. Heute spielt sich erneut ab, was vor ± 15 Jahren mit E-Mails war: Nutzer von AOL und CompuServe konnten nur Nutzern ihres eigenen Dienstes E-Mails schreiben, erst später wurde die Einschränkung aufgehoben.

Man macht sich also voll von Twitter, der Twitter-Software, der Twitter-API und von überhaupt den Servern des Unternehmens abhängig. Auch falls der, man ist geneigt, ihn Monopolist zu nennen, seine AGBs ändert und Dinge einbaut, wie beispielsweise von ICQ und Facebook vorgemacht, die dem Anbieter das Copyright (!!) an allen über das System versandten Botschaften einräumen, und er sich natürlich Zensurmöglichkeiten offenhält, ist man weiterhin an Twitter wegen all seinen Kontakten dort gebunden. Haargenau gleich übrigens bei ICQ, Skype und allen sozialen Netzwerken (kommt natürlich darauf an, bei welchem Anbieter das mit nationalen Recht vereinbar ist, in Deutschland etwa sind die Urheberrechte unübertragbar). Denkt auch an die ganz handgreiflichen Nachteile eines zentralisierten Systems: ›Vorprogrammierte‹ Server-Überlastungen, bei Twitter kommt das mehrmals täglich vor.
Das alles birgt eine große Gefahr in sich und widerstrebt mir persönlich als Open Source-Verfechter absolut.

Im Mai 2008 startete ich meinen Tumblelog wegen exakt dem Punkt, dass ich das zentralisierte Twitter nicht nutzen möchte.
An meinem Geburtstag im September schließlich gab ich mir selbst nach und verfiel den Freuden des Systems.

Keine drei Monate später, im frühen Januar 2009, stieß ich auf das Laconica-Projekt. Laconica scheint die Lösung für alle Zentralisierungs-, Vertrauens- und Kompatibilitätsprobleme zu sein, die mit Twitter bestehen. Zwar gibt es eine Reihe weiterer Twitter-Nachahmer, doch diese haben Laconica alle mindestens eines hinterher: Sie sind wieder geschlossene Systeme.
Das unter AGPL stehende freie Laconica wurde 2008 vom Kanadier Evan Prodromou mit genau diesem Ansatz entwickelt, eine Microblogging-Software zu schaffen, die dezentral wie das Chatprotokoll Jabber eingesetzt werden kann. Auf seiner Referenzinstallation (und derzeit noch der der größten) identi.ca kann ein Nutzer nicht nur Botschaften eines identi.ca-Nutzers abonnieren, sondern auch die eines jeden anderen Nutzers eines Anbieters einer Laconica-Installation. Etwa einmal im Monat gibt es ein Laconica-Update, die Weiterentwicklung ist also im vollen Gange. Auf Basis des gemeinsamen und im Rahmen des Projektes entwickelten OpenMicroBlogging-Protokolls, kann auch bereits eine kleine Anzahl anderer Microblogging-Systeme mit Laconica-Konten kommunizieren.
Die meist genutzten deutschsprachigen Installationen von Laconica sind bleeper.de und zwitscher.at, eine Liste mit allen Servern gibt es auf der Laconica-Projektseite.

Noch einige weitere interessante Funktionen, die Laconica von Twitter abheben:

  • XMPP/Jabber-Schnittstelle rein und raus für die ›Dents‹ (›Tweets‹)
  • SMS-Versand der Botschaften
  • OpenID-Authentifizierung (fakultativ)
  • Cross-Posting zu Twitter
  • integrierte Hashtags
  • Gruppen – ist man in einer, bekommt man alle Botschaften von anderen mit !Gruppenname vorangestellt zugeliefert und kann selber so an eine breite Interessensschafft z.B. interessante Links liefern
  • URL-Kürzung mit wählbarem Dienst
  • Mehrsprachige Oberfläche (!!)

Wie Twitter bietet auch Laconica eine API für Desktop- und Mobilanwendungen an, die schon einige ›Twitter-Clients‹ implementiert haben, man also wie aus einem Chat-Programm heraus schreiben und lesen kann.

Warum bringe ich den Artikel jetzt? Ich möchte die Menschen so schnell wie möglich auf die reale Twitter-Alternative aufmerksam machen. Es ist höchste Zeit und nun nötig, dass sich da etwas bewegt. Wir wollen keinen Monopolisten auf dem Gebiet Microblogging – die meisten ehemaligen strammen Twitter-Konkurrenten sind eingegangen, weil sie nur ihr geschlossenes Netz kannten und wenig Nutzer hatten.
Aktuell ist die ›Marktsituation‹ so: Auf Laconica treiben sich Tech-Geeks und Nerds herum, speziell aus dem Open Source-Umfeld. Auf Twitter sind Blogger, Podcaster, leider noch die allermeisten Geeks, und der ›Mainstream‹.

Wer (außer mir ;) ) noch großen Einfluss hat, sind Zeitungen. Viele bieten Twitter-Feeds und manchmal Twitter-Aktionen an. Auch die Betreiber von Gewinnspielen, bei denen man etwas über Twitter posten muss, um mitzumachen, wären ein gutes Vorbild für das Laconica-Rollout. Ich finde es sogar für diese ›Mächtigen‹ ein journalistisches und freiheitliches Armutszeugnis, nur einen Anbieter, und eben den geschlossenen zu unterstützen.

Dann sollten die ganzen Web-Twitter-Tools Laconica-Konten lernen irgendwie zu unterstützen. Diese Drittanbieterwerkzeuge für Twitter machen denke ich einen signifikanten Teil des Langzeitspaßes von Twitter aus.

Es muss jetzt etwas passieren. Facebook hat Twitters Kernfunkionalität auch schon als ›Status‹ kopiert und jetzt muss schnellstmöglich Laconica bekannt gemacht werden, ehe Facebook – und das tut es allen Ernstes hierzulande schon bei Über-40-Jährigen – auf dem Gebiet der Quasi-Standard wird – und vor einem Facebook als Microblogging-Monopolist habe ich noch sehr viel mehr Angst als vor Twitter.

Nun, die Technik ist da, die Seiten sind da, die Benutzer kommen langsam und ihr könnt neue begeistern! Schaut euch mal bleeper.de an, registriert euch, macht es euch profiltechnisch gemütlich und schaut ein wenig umher, wen ihr interessant findet zu ›connecten‹ und macht vor allem mehr Leute auf das Laconica-System aufmerksam. Microblogging ist keine Randgruppenerscheinung mehr und als solche darf es dafür nicht nur einen zentralen, proprietären und übermächtigen Anbieter geben!

Linkempfehlungen ;) :
Meiniges Bleeper-Profil
, Twitter-Profil und eine Podcast-Episode zum Thema vom Hackerfunk.

Update vom 10. September 2009:
Laconica wurde umbenannt zu Status.net. Man kann auf der gleichnamigen Seite eigene Status.net-Installationen anlegen, vom Prinzip her gleich wie Wordpress-Installationen auf wordpress.com, oder sich die gesamte Software herunterladen und selbst installieren. Nicht verwirren lassen. Weiterhin gibt es natürlich Bleeper.de, Identi.ca und die anderen Laconica/Status.net-Seiten, da ändert sich überhaupt nichts.

Im Vorfeierlaune auf ihr abgeschlossenes Abitur im nächsten Jahr, luden die Abi-2010er in unserer Schule vergangene Woche für eine Diskothekenveranstaltung in eine diesbezüglich bekannte Einrichtung in Reutlingen ein.
Noch nie hat es mich zu Veranstaltungen mit vielen Menschen hingezogen, erst recht nicht dorthin, wo laute Musik spielt, und dann noch Musik, mit der ich nichts anfangen kann. Wie ich es aber schon letztes Jahr anfingt, wollte ich mich selbst in eine solche Situation bringen; selbst die Erfahrung machen. Ohne Selbsterfahrung darf ich weder darüber im Negativen, noch im Positiven sprechen, und gewiss fehlt mir so lange die Qualia und somit das Verständnis um die Motivation der anderen, zu solchen Veranstaltungen zu gehen.

Es war kurz vor 22:00 Freitagabend. Vor dem Eingang der Einrichtung, die ich im Folgenden mit F4 abkürzen werde (um nicht den vollen Namen zu schreiben und dann durch Suchmaschinen nach diesem gefunden zu werden), drängelte sich eine Schlange von Jugendlichen in den Pavillon vor den Eingang, um nicht vom Nieselregen erwischt zu werden. Lange stand ich unter dieser keine zehn Meter langen Überdachung, wartend, von einem der ›Pförtner‹ meinen Personalausweis kontrollieren zu lassen – das erste Mal überhaupt mit meinen 17 ½ Jahren, dass ich ihn brauchte. Dann ging es durch einen Treppengang, der auf mich wie der auf abenteuerlich metallplattierte Wartebereich zu einer Achterbahn wirkte, um darauf hin den Wegzoll in Höhe von 3,50€ zu begleichen. Der Herr vor mir behauptete, 18 zu sein und auf Aufforderung, seinen Ausweis zu zeigen, ließ er diesen in seinem Geldbeutel-Karten-Netz. Als er dann unter größter Anstrengung der Kassiererin trotzdem als unter 18 erkannt wurde, musste ich staunen, welche Moral hier herrschte. Denn selbst wenn er sich hätte reinmogeln können, wenn etwas passieren würde, bekäme F4 die Schwierigkeiten…
Ich bekam einen Stempel auf meine untere Handsehne und bog um eine Ecke. Mit meinem Blick nach rechts sprangen aus einer abgegrenzten Zone zwei Mädchen aus meiner Klasse auf, begrüßten mich überrascht, und fragten, was ich denn hier machte. Da wurden meine Jackentaschen grob von einem Wächter aufgerissen, ich: »Schauen Sie, das sind ist nur mein Brillen-Etui und in der anderen ein zusammengestopfter Schal.« Nett hier, haha… Ich fragte eine der Klassenkameradinnen, ob es nicht eine Garderobe gäbe, um meine Jacke aufzuhängen, und ich wurde auf eine lange Schlange um eine Steinmauer herum verwiesen. Dort stand ich dann gute 10 min an, musste einen weiteren Euro zahlen und bekam das Nummernetikett meines Kleiderbügels, der vom Personal mit meiner Jacke in den langen Stangenreihen versenkt wurde.

Kaum auf dem Weg ins Geschehen, wurde ich schon von von ein paar weiteren netten Bekannten überrascht begrüßt. Danach erforschte mein Blick zum ersten Mal die Präsenz dieser Lokalität. Gerade vor mir eine Tanzfläche, weiter davor auf einer Anhöhe ein Pult mit dem DJ, rechte Seite entlang der Tanzfläche eine Bar, linke Seite und in einer Herumführung einer Begrenzung zum Eingang hin eine niedrige Plattform mit Bänken. Beidseitig neben dem DJ-Pult standen je drei übereinandergestellte Bildschirme, die Silhouetten mit wechselfarbigen Hintergrund von sich lüstern räkelnden, scheint’s kaum bekleideten, jungen Frauen zeigten, ohne dabei die Visualisierung an die Stimmung der Musik anzupassen. Über mir verstreut an der Decke des Raumes Disco-Kugeln, an den Seitenlängen feste Lichterinstallationen.
Sollte mir dieses Ambiente dank filmischer Bildung nicht neu sein (bis auf die Damen), war es noch mal etwas völlig anderes, tatsächlich selbst darin zu stehen. Zaghaft infusionierente ich mich entlang der rechten Seite ins Geschehen. OK… Also, die tanzten hier, anscheinend in Stilfreiheit, jeder für sich. Mein Blick klebte auf den DJ, wie auf einen Gruppen-Yoga-Trainer. Rhahr… Ich riss mich los und versuchte mich zur Musik zu bewegen. Die ersten zehn Minuten starrte ich immer gebannt auf den DJ, das muss sehr außergewöhnlich ausgesehen haben, wie sich da einer irgendwie anstellt zu tanzen und unentwegt gebannt seinen Blick und Kopf auf den Musik-Mischer richtet… Diese Unsinnigkeit begriff ich zwar recht schnell, aber brauchte doch über zehn Minuten, mich von der Gestalt dort oben zu verabschieden und zu probieren, Menschen ins Gesicht zu sehen.
Das klappte erst mal auch nicht so recht, ich war so befangen fasziniert von der grellen Lichterinstallation. Einfarbige helle Scheinwerfer an der Decke, eine sture Abfolge hintereinander durchgehend und dann die Intermezzos mit Farbenspielen von irgendwoher; ich versuchte eine Logik darin zu erkennen, aber fand keine.

Nach einer Verschnaufpause am Rand und einem zweiten Start wagte ich mich noch einmal in das Getümmel und bekam die Anteilnahme nun bewusster hin. In den Bewegungen der anderen konnte ich keine Schwärme und Laufwege erkennen. Es schien, jeder entschied aufgrund eigener, mir unbekannten Motive, einen bestimmten Punkt aufzusuchen.
Mir kam auch ein hilfreicher Gedanke, der mir über die mir eigene Zurückhaltung hier ein Stück weit hinweg half: Ich dachte mir, es ist Fasching, es macht nichts aus, wenn Du da jetzt mitmachst. Außerdem fällt es geradezu auf, sich nicht so leidenschaftlich wie die anderen zu verhalten.

Zur Musik: Gespielt wurden schlecht-gecoverte Versionen von Stücken auf gefährlich großen Lautsprechern mit äußerst schlechten Tonhöhen.
Wenn der Mann schon nicht selber singt, könnte er dann nicht wenigstens die Originale spielen? Sind die Lizenzkostendifferenzen da so ausschlaggebend?
Ansonsten liefen, ja, ich kenne mich da nicht aus, ich denke Techno- und House-Titel. Nichts besonderes, keines davon markant melodisch, alles nebliges Gesabbel, um den Tieftöner ins Schwingen zu bringen.

Auf der Tanzfläche lagen Flaschen. Ist denn das erlaubt, Getränke da mit rauf zu nehmen? Jedenfalls sammelte ich ein paar auf und brachte sie zur Theke; ich fühlte mich dafür verantwortlich, dass niemand zu Schaden kommt, gerade wenn ich so etwas mitbekomme. Je später es wurde, umso enger und dichter ward die Gesellschaft auf der Fläche. Gerempelt und weggedrückt zu werden, wurde legitim, auch wenn es meinem Gefühl nach jeder versuchte, bei anderen zu vermeiden. Ach übrigens, das Alter hab ich noch ganz vergessen: Die Palette fing bei 16-Jährigen an (wenngleich ich mich wunderte, wie viele Menschen schon 16 sein mögen und nicht danach aussehen – bislang dachte ich immer, nur ich sähe nicht altersgemäß aus…), erreichte ihre Dichte bei 17- und 18-Jährigen und ging entfernt in weit geringerem Ausmaße hoch bis noch vielleicht 22.
Im Suchen in der Menge konnte ich nur äußerst wenige Brillen ausmachen. Ein Zeichen…? ;)

Auf dem Ausklang der linken Seite bemerkte ich bald ein paar Jungen aus einer Parallelklasse und wurde hergewunken. Interessant zu sehen, wie die ›abgingen‹, wohl unter Alkoholeinfluss.

Muss ich noch erwähnen, dass ich keinen Alkohol trank? Ich trank sogar gar nichts von den dort feilgebotenen Getränken; das Billigste fing bei 1,80€ an. :D So verwendete ich beherzt auf dem Klo-Waschbecken meine Hände als Trinkschale… (Meine Eltern erzählten mir übrigens, »zu ihrer Zeit« wäre im Eintrittspreis einer Diskothek immer schon ein Getränk inbegriffen gewesen…)

Mich kannten erstaunlich viele Leute und ich haderte immer mit meinem schlechten Namensgedächtnis, das mich aber meistens dann doch im Stich ließ. Öfters wurde ich in begeisterten Ton auf bestimmte Mädchen meiner Klasse angesprochen… (»Hey, Du bist doch bei DER in der Klasse?…«)

Damit eröffne ich ein neues Thema. Ein Vorfall, der mich beschäftigt hat:
Ein Mädchen, das in einer Dreiergruppe mit Freundinnen dastand, sprach mich gegen die Musik kämpfend an: »Hi! Woher kommst Du?« »Hm, was sagt man da gewöhnlich?«, fragte ich verdutzt und lächele verschreckt. »Aus welcher Stadt? Reutlingen oder so?« »Ja, Reutlingen.« »Cool.« – Sie drehte sich kurz um, und hat wahrscheinlich darauf gewartet, dass ich sie gleich wieder anspreche. Habe ich aber nicht.
Jaaa, ich weiß, was ich falsch gemacht habe und wie ich es hätte richtig tun können. Aber ich weiß, was mir in dem Moment durch den Kopf ging.
Das hätte genauso gut ein Junge sein können (wie es mir dann im Laufe des Abends noch ein paar mal ähnlich passierte) – ich kann keinen Smalltalk führen. In drei Wörtern und ihrer ganz eigenen Aussprache liegen für mich auch schon zig abstrakte Möglichkeitswelten einer Deutung und ich versuche instinktive Rückschlüsse auf den Gedankengang des Gegenübers zu ziehen. In solch einer Situation mit Fremden bin ich nicht selten partout überlastet; ich bekomme zu viel Input rein und eröffne zu viele Bearbeitungsschritte, bis ich dann eigentlich zur Beurteilung kommen sollte, aber mich mein Denken lähmt. Ich weiß nicht mehr, wie viele Selbsterinnerungen und Geschichten mir in dieser einer Sekunde in das Bewusstsein kamen, die in sich dann auch teils wieder emotionale Reaktionen auslösten.

Und überhaupt zu erst einmal war ich verdammt verschreckt, von einem Mädchen angesprochen zu werden.
Was ich nach außen von meinem Ich zeige, ist meinem Eindruck nach nur ein schwacher Abdruck meines wahren Selbst. Darum sehe ich andere, die sich für diesen Maxi interessieren, den sie erleben, nie wirklich für mich interessieren, sondern für dieses unfertige, makelhafte, kommunikations- und gemeinschaftsunfähige Ich, und das bin nicht ich, das ist das, was ich gerade so von mir zeigen kann. Dass es mir so ergeht, ist eine Folge von dem, dass ich eben seit Jahren nur daheim sitze, auf hohem Niveau mit hellen Köpfen chatte und meine eigentliche Entwicklung in dem Bereich dort stattfand – gerade umgekehrt zu der des ›Normalen‹. (Das wird natürlich von niemandem so anerkannt…) Da gewinnt die Beschreibung ›Kopfmensch‹ eine ganz neue Größe.
Ganz sachte erhebt sich in mir langsam die Idee, dass ich vielleicht doch nicht so schlecht nach außen bin wie ich denke… Jedoch werde ich Annäherungsversuche von Jungen wie auch von Mädchen wohl erst in mir auf der entscheidenden Ebene für relevant und ›echt‹ halten können, wenn mir mein Selbstwertgefühl für mein äußeres Ich andere Dinge reflektiert.

Beim Tanzen spielte mich mancher einer Mädchengruppe zu oder ich bekam Avancen – hui… *fröstel* – Intuitiv, und das ist traurig, das Wort in dem Kontext verwenden zu müssen, wand ich mich ab oder wich aus. Der Grund… Ich glaube, ich will fair sein, fair und ehrlich. Wegen meiner speziellen Sicht auf mein inneres und äußeres Ich möchte ich niemanden mit dem ›falschen‹ beschäftigen oder konfrontieren. Und ein Bisschen bin ich auch entsetzt über das Gegenüber, dass es sich für so einen interessiert – und gebe ihm damit einen Stempel »Irrer«. Oh ja, das ist nicht gut… Es erstaunt mich zwar, dass diese Erkenntnis bei so etwas wie einer Disco kommt (das hatte wahrscheinlich irgendeinen Grund in der neuen Situation und anderen angeregten Hirnarealen), aber hier ist es mir nur bewusst geworden; die wahren Erlebnisse, die dieses Phänomen bei mir aufzeigen, erlebte ich schon lange Zeit im Alltag.

Wenn ich in anscheinender Irrationalität (die in ihrer Absurdheit Sinn eröffnet) Witze und Bemerkungen mache, werde ich in meinem Umgang in der Schule meistens nicht verstanden und für einen Außenseiter erklärt (dabei sind meine Bemerkungen doch oft eigentlich so clever…).
Hier drehte sich das um: Waren bisher die anderen die rein Rationalen und für mich Verständnislosen, ließen diese nun jede tiefere Logik fallen und verhielten sich so irrational, wie ich selten Jugendliche erlebe.
Doch es war kein Chaos, keine Anarchie der Bestrebungen; diese ihre neue Art hatte einen ganz eigenen Taktgeber, etwas, was ich nicht verstehe. In sich Freude und Lust am gegenwärtigen Sein, in dem Moment lebend, anscheinend verbindend in der Menge und dann doch egoistisch.

Diesen Bewusstseinszustand kenne ich von mir nicht, ich kann ihn so nicht erleben. Ich bin ständig am allumfassenden Analysieren, Abwägen, Beurteilen, Mustererkennen und prognostizieren. Und natürlich möchte ich alles wahrnehmen und mitbekommen, was sich in meiner Umgebung abspielt. Die Konsequenzen daraus würden manche eine Konzentrationsstörung nennen, aber das ist es nicht, es ist der Wille nach Wissen, nach Macht, nach einer Waffe gegen andere, in dem ich besser und weiter bin als sie; ich bin mir dessen bewusst, dass sie nur in meinem Kopf sein kann.
Ist diese meine Hochanalyse-Praxis doch auf die Menge einer Schulklasse eingespielt, bekomme ich bei so viel Input wie auf einer Disco damit den totalen Overhead. Es stresste mich ungeheuer, diese vielen Informationen wahrzunehmen, zu verarbeiten, zu bewerten und abzulegen, diese vielen feinen Informationen, von denen ich sicher bin, dass andere sie nicht wahrnehmen. Das ist eine verflixte Begabung, mehr Details wahrzunehmen, aber sie dann auch verarbeiten zu müssen. Und andere können ihre Mitmenschen ganz ausblenden und nur für sich leben, das kann ich nicht. Ich habe nicht Furcht vor Bloßstellung, ich habe eine zu starke ›Menschenliebe‹, das Bedürfnis, Hilfe zu geben, wo es nur in meinen Möglichkeiten liegt. Und so selbstverständlich das für mich ist, so stark vermisse ich es ungläubig überrascht an anderen.

Nun, das forderte also für mich eine sehr hohe Konzentration. Dazu kam meine Unerfahrenheit beim Tanzen, so dass ich mich umschaute und eine Geste nach der anderen versuchte zu lernen. In der Hauptzeit dann war das immer noch eine hohe Konzentrationsaufgabe: Ich konnte das alles nicht intuitiv, wie offenbar die Menge hier, ich war im Kopf hellwach und wirklich angespannt im absoluten Stress, wie ich mich hier positioniere, möglichst ohne lächerlich zu wirken und zu stark aufzufallen.
Hätte ich mittendrin die Wahl bekommen, eine Französisch-Arbeit zu schreiben, oder in dieser ›Matrix‹ weiterzumachen, hätte ich gerne die Arbeit gewählt, ehrlich (wenn es aber auch nur ein wirklicher Matrix-Wechsel gewesen wäre, sprich, die Welt dort ohne mich nicht mehr weitergelaufen wäre, denn das hielt mich auch dort und ließ mich nicht nach Hause wandern, neben meinem Ehrgeiz für meine Selbsterfahrung).

Gespräche mit intellektuellem Charakter waren bei dem ›Lärm‹ unmöglich. Das gehört aber wahrscheinlich zum Konzept einer Disco; sich nicht mehr durch bloße Kopf- und sprachliche Ausdrucksstärke etablieren zu können und somit alle in begrenztem Maße gleichzumachen.

Kurze Zeit bevor der DJ die anwesenden Unter-18-jährigen aufrief, sich langsam auf die Heimreise zu machen, erschienen noch ein paar weitere Klassenkameradinnen von mir, die mich auch überrascht begrüßten. Ich nehme an, die ließen sich einen ›Muttizettel‹ ausfüllen, um länger bleiben zu dürfen. Ich verabschiedete mich von ein paar Bekannten, die ich noch sah.
An der Garderobe stand ich erst über 10 min falsch an (war aber damit nicht alleine!) und wurde, als ich einen Warteplatz am Tresen einforderte, der mir nach dieser Zeit schon lange zustand, von einem betrunkenen Proleten, der gerade erst in die Schlange kam und auch etwa mein Alter hatte (wenn dabei auch immens bespeckter gebaut) mit beiden Händen nach hinten geworfen. Brüll, Quak, Plutsch… »Gaaanz ruhig.«, ich beschwichtigte mit einer Handgeste. »Gaaanz ruhig. Ich tu dir nichts, ich will keinen Streit. Ich war trotzdem vor dir, und das weißt Du.« »Jetzt bin ich aber vorne!!« – Ich dachte mir nur, das ist Karma, ich brauch ihm nichts zurückzuzahlen, das kommt auf ihn ohne mein Zutun zurück. Und genau da wurden unsere Traube auf die eigentliche Schlange von einem dieser Wächter aufmerksam gemacht.

Raus ging es wieder durch den Eingang, wie einfallslos. ;) Den gleichen Abenteuerattraktionen-Gang zurück, hinaus in den Regen, der mittlerweile stärker geworden war. Ich lief den Weg zu Fuß nach Hause, bald rannte ich, und nahm die Brille ab, denn ohne sie sah ich mittlerweile besser als mit ihr. Ich kam, am Oberkörper glücklicherweise wenig benässt, um kurz vor ein Uhr Nachts daheim an.

Mein Fazit:
Gerade diese Erkenntnis, dass mein äußeres Selbstbewusstsein tief im Keller ist, hat den Besuch gelohnt. Das Bewusstsein darum habe ich aus dem Sinn verloren, ich hatte das schon mal. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt hin zu einer Konsolidierung und schließlich einem heilenden Lösungsprozess.

Die zwei Stunden, die ich dort war, konnte ich mich wahrlich nicht amüsieren. Zu intensiv die Eindrücke, zu groß der Stress, zu viel Kopfarbeit. Zu viele Dinge, die ich nicht kenne und nicht kann. Ich fühlte mich in jedem Moment als Fremdkörper. Einer, der die Regeln nicht kennt, der nicht weiß wie gespielt wird, und der nicht den Bewusstseinszustand dieser Mengengruppe teilt.

Ich möchte noch anmerken, dass die meisten meiner hier beschriebenen Gedanken mir nicht erst bei der Arbeit an diesem Artikel kamen, sondern unmittelbar während meinem Aufenthalt in der Disco. Die haben mich natürlich dann auch noch mal bekümmert und resigniert.
Kann mir bitte irgendjemand bestätigen, dass das nicht normal ist? Danke.

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Den vergangenen Spätabend war ich mit meiner Mutter in einer Lesung Christian Brückners des kalten Herzens von Wilhelm Hauff im Kubus in Nagold als ein noch ausstehendes Geburtstagsgeschenk. Es war davor nicht geplant, hier darüber zu berichten, heute wollte ich eigentlich über den ersten Tag meines Berufspraktikums bei 21TORR schreiben, aber das da erscheint mir als ebenso berichtenswert.
Wie ich von der Agentur nach hause kam, hatten wir nicht mehr viel Zeit, zu essen, meine Mutter ist auch gerade erst gekommen und so reichte es nur noch für Toastbrote mit Streichkäse (keine Ahnung, wie sie auf diese schräge Kombination kommt). Mir war ziemlich klar, dass mir das nicht reichen wird und ich ernsten Hunger mitbringe, sagte das auch mehrfach im Auto, aber die Zeit bis zu Beginn der Veranstaltung reichte einfach nicht mehr. In Nagold angekommen, fragten wir uns mühsam durch das Städtchen bis zum Kubus durch, fanden ihn, betraten ihn, und sahen nur noch alte Leute. Die Zeit hätte dann noch locker gereicht, nach der Platzbelegung noch einmal aufzustehen und uns/mir draußen etwas zu essen zu suchen, denn die Theke des Veranstaltungshauses schankt nur Getränke aus, nicht einmal Brezeln hatten sie, aber das wurde mir ausgeredet, an die genaue Argumentationskette kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich sagte meiner Mutter eindringlich, nachdem ich versucht hatte, das Programmheft zu lesen und zu verstehen: “Ich bin hungrig und ich habe Durst. Ich kann mich so nicht konzentrieren. Und wenn ich nur etwas trinke, bekomme ich wohl noch mehr Hunger und muss womöglich noch auf’s Klo.” Subber war dann so richtig, dass die Senioren um uns sich nicht nur fesch rausgeputzt hatten, sondern auch hingebungsvoll parfümiert. Vor mir saß ein Mann mit Glatze, der roch (oder stank) so nach dem Zeug, dass es eine echte Zumutung war. Dann war auch die gesamte Hallenluft nicht der letzte Schrei, wäre das viele Parfüm nicht gewesen, hätte ich mir zugefächert.
Die Lesung begann. Herr Brückner hat zweifelsohne eine beeindruckende Stimme und man kann ihn dabei auch noch gut anschauen, seine Haltung kommt sehr anmutig herüber. Die Ankündigung, das Stück ginge 90 Min, geteilt in zwei Parts à 45 Min mit 15 Min Pause, rief ich mir immer und immer wieder ins Gedächtnis – “Es gibt Hoffnung!”. Ich spürte auf dem Stuhl, wie ich sehr schlapp wurde, immer öfter die Augen schloss (denn es gab ja auch im Grunde nichts zu sehen) und nach geschätzten 15 Min schlief ich ein. Einen eigen-relativen Augenaufschlag später reckte ich schon wieder den Kopf, aber gleich musste ich feststellen, dass ich einen Zeitsprung in der Lesung gemacht haben musste, da sprachen Personen, die noch gar nicht eingeführt worden waren und es ging um Problemlösungen, deren Auslös-Zwänge mir komplett fremd waren. Ich nahm es zur Kenntnis und versuchte, den Faden wieder zu finden. Mein erster Gedanke war zwar echt der traurige “Das ist jetzt aber nicht wie in der Schule hier?! Das kann doch nicht sein?! Ich war doch aufmerksam!”, doch das erschien mir dann auch, meinem strahlenden Selbstbewusstsein sei Dank, zu unrealistisch. In der Pause fragte ich sofort meine Mutter, ob ich geschlafen hätte, und sie bejahte das auf “geschätzte 20 Min” und dass sie mich nicht habe wecken wollen, weil ich so unauffällig schlief und sie befürchtete, dass ich laut würde, wenn sie mich weckte.
Ich war weder vor der Lesung recht müde, noch danach, was war da nur los? Wie schon gesagt war die Hallenluft schrecklich vorverdaut und das radikale Parfümzeug lag darin. Ich schätze mal ganz stark, dass ich eingeschlafen bin, weil ich zu wenig Sauerstoff abbekam. Eine gewagte These, aber dahinter stehe ich. Wie das der Rest der Mannschaft ohne Ohnmachtseintritte verkraftete, ist mir zwar ein Rätsel (wie war das mit, das Gehirn verbrauche ~20% des ins Blut geleiteten Sauerstoffs…? Ist meins so exzentrisch im Einsatz gewesen, dass man Teile hat stilllegen müssen, um den Körper nicht zu schädigen? *höhö*), aber die saßen auch nicht alle hinter diesem Wahnsinnigen, der vielleicht nicht nur den Sauerstoff verscheuchte, sondern auch Giftgase injizierte.

Begleitend, oder “unterbrechend” zur Lesung spielten zwei Saxophonisten, ein Fagottist und ein besonderer Schlagzeugkünstler mit einer Glasorgel und diversen Holzkästchen, der exzellent war. Bei diesen drei Blasinstrumenten habe ich immer das Gefühl, ich höre eine Audiodatei mit zu geringer Bitrate, das Vibran scheppert so derb mit. Und was die spielten, meine Güte… Als Kenner von Filmmusik fühlte ich mich andauernd in der falschen Oper, wenn die Musik wieder mal so gar nicht passend zur Lesung war, z.B., wenn man es gerade von einem Raum voller pochender Herzen hat: “Dudeldidudeldidumdumdidudel…” Das mag ja “anspruchvollste klassische Musik” sein, wie der Bürgermeister (?) zu Beginn betonte, aber mich hat sie mehr aus der Geschichte herausgerissen, als sie intensiviert. Das Werk soll es im Frühling 2009 auch auf CD geben, von, und ich schreibe es rückwärts, weil mir bewusst ist, welche Zerstörgewalt Blogs haben, noitide legi-ees. Die Aufführung war ihre Premiere eines Stückes für Erwachsene und die (einzige?) Live-Premiere dessen vor Publikum.

In der Pause war dann meine Mutter unwillig und zu unflexibel, schnell etwas zu essen mit mir zu suchen (boah!). Könnte ich auch theoretisch alleine, aber dann hätte ich keine Uhr, erst mal kein Geld und ich taumelte nach dieser Luftinhalation eh erst mal nur umher. In der zweiten Hälfte nach der Pause suchte ich mir einen Platz in der Empore über den unteren Stuhlreichen und dort war glücklicherweise auch direkt ein Belüftungsloch in der Decke, es ließ sich also aushalten.

Nach der Lesung sah ich außer mir nur noch zwei Mädchen, die wohl nicht so alt waren, wie sie aussahen, der Rest war sicher 40+.
Dieser Vorfall hat mich sehr mitgenommen, wenn man mich chemisch an meinem Körper angreift, ist absolut Schluss. Ich bin es gewohnt, dass ich außernormale mentale Kontrolle über meinen Körper habe, mit so was wird sie mir genommen. Soll mir das irgendwelche Grenzen aufzeigen…?
Für die Zukunft kann mich das lehren, dass wenn ich gleich schon spüre, dass ich mich in einem Raum nicht wohl fühle, ich sofort eine Lösung für mich suchen sollte.

Vorgestern zog es mich, nachdem der Film jetzt doch schon seit Ende September läuft, ins Kino in Pixars achten Animationsfilm WALL·E. Prinzipiell widerstrebt es mir, in einen Film zu gehen, der so viel Fernseh- und Plakatwerbung bekam, die, so witzig sie ist, doch mit der Zeit auch ziemlich genervt hat. Mit Werbung will ich weitermachen: Es war ein sehr großer Fehler von mir, alle veröffentlichten Trailer schon lange vor dem Kinogang gesehen zu haben. Die Charaktere und ihre Bewegungsweisen überraschten mich keinen Deut mehr, das wurde mir deutlich, als die “Mitinsassen” der Vorstellung zu Momenten ge-oht und ge-wowt haben, die mir nur noch den Kopf schräg legten und in meinem Gesicht ein erwartendes Lächeln hervorriefen.
Das Kino: Seit dem in tiefem Christentum braven Prinz Kaspian hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr in das Reutlinger Cineplex zu gehen. Das Bild war grauenhaft verzerrt, hatte viele Fehler und der Ton war viel zu leise. Halten konnte ich mir den Vorsatz nur bis über Batman – The Dark Knight, für den ich mit meiner Mutter nach Stuttgart ins Cinemaxx fuhr – ein komplett anderes Kinoerlebnis, wenn es jetzt noch digital wäre, könnte man das die Perfektion nennen. Für WALL·E war mir dann doch der Weg alleine nach Stuttgart zu umständlich und ich hätte dabei die irre Bahn bemühen müssen (Gott bewahre) und so reservierte ich mir online eine Karte für 18:30, sprintete um 18:34 von daheim los, kam um wohl 18:40 am Kino an und hatte noch Zeit, auf’s Klo zu gehen, ehe der Vorfilm, Presto (den ich Schelm natürlich auch schon kannte) begann. Also, fände ich mich um mein Zeitmanagement nicht cool, wäre ich der Werbung wegen dem Kino ja sauer… Die Tüte billiges Supermarkt-Popcorn unter der Jacke wurde ebenso wenig ausgemacht, wie der HD-Camcorder; ne, das war jetzt Spaß. ;) (Ja, das war Spaß! Ehrlich!)
In dem Saal war zwar das Bild erträglich, aber mal so was von klein (geschätzte 12m-Leinwand waagrecht) und der Ton wieder erstaunlich leise und absolut unspektakulär, dass ich mich frage, wohin diese Kino-Kette ihr Geld aus den Wucher-7€-Karten und Wucher-Fressalien pumpt.
Zur Handlung an sich will ich nicht viele Worte verlieren, da gibt es die zugemüllte Erde und die Menschen, die vor 700 Jahren in einem Luxus-Freizeit-Raumschiff das Weite gesucht haben (unter ihnen sind übrigens nur Weiße und Schwarze, aber keine Mischungen und keine Gelbhäuter) und die Erde einer Schar “Waste Allocation Load Lifter”, kurz WALL·E, zum Aufräumen überlassen haben. Nach dieser Zeit ist der einzige übriggebliebene dieser Roboter so weit, dass er ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat, und sich die Abende über Filme auf einem iPod Video (5G?) ansieht. Anscheinend reicht ihm seine Kakerlake als Kumpane nicht und so hält er seine eigenen Hände bei “Hello, Dolly!” – bis ein Erkundungsschiff mit der anfangs noch recht aggressiven Roboterdame EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) die Erde besucht – und er sich spontan in sie verliebt. Dann wird sie natürlich wieder abgeholt, nachdem sie etwas auf der Erde gefunden hat, und WALL·E klemmt sich mit an den Transporter, bis er schließlich auf den Spaceliner zu einer Horde anderer Roboter kommt und er diverse kleine irrwitzige “Abenteuer” mit EVE gegen das Zentralorgan des Schiffes, die HAL 9000-Humage “OTTO”, der die Menschen nicht zurück zur Erde lassen will, besteht, als dann der von Übereifer gepackte Kapitän es gegen OTTO aufnimmt und die Menschheit irgendwie gerettet ist – denn sie kann jetzt zurück zur Erde…

Die Handlung spielt bei WALL·E eindeutig eine untergeordnete Rolle und kommt narratorisch lange nicht an einen Ratatouille oder Nemo heran. Die ersten dreißig Minuten kommt der Film ganz ohne Worte aus, eine beeindruckende Leistung für einen Animationsfilm. Die künstlerische Perfektion der Landschaften, Roboter und des Alls so wie der Mimik der Roboter – was sich alleine schon unglaubwürdig und fast unmöglich anhört – sind die Ausmachungen des Films. Action gibt es verhältnismäßig wenig, dafür eine Menge Slapstickeinlagen und, in einem für Pixar bis dato ganz neuem Verhältnismaß, bezaubernd viel Liebe. Die Liebe ist hier Handlungsmotor, wie ich es zuletzt bei einem Disney-Film wie Die Schöne und das Biest (1991) erlebt hatte. Vielleicht gerade darum, sollten sich Eltern auf den ein oder anderen Gähner ihrer Kinder während denn tiefen LCD<->Fernglas-Blicken gefasst machen, grundsätzlich sollte man schon etwas mit dem Thema Liebe anfangen können.
Interessant für Geeks: Jonathan Ive von Apple (Pixar gehört ja quasi Steve Jobs) durfte an EVE mitbasteln, macht man sich das bewusst, sieht das spitze, weiße, eigerförmige Wesen aus wie ein (retro-)futuristischer iPod. Auch bei jedem “Neustart” von WALL·E und dem dann ertönenden Mac-Startsound musste ich wiehern und erbrachte mir so unverständnisvolle Blicke meiner Nebensitzer ein. Den in einem Pixar-Film obligatorischen Pizza-Planet-Truck konnte ich diesmal nirgends sichten, vielleicht irgendwo in all den Schrottbergen auf der Erde?
Ein Logikfehler, der mich nicht loslässt: Warum bitte entschied die Firma “Buy’n Large”, die das Luxus-Raumschiff gebaut hat und der offenbar auf der Erde alles gehörte (Resident Evils Umbrella Corp. lässt grüßen), schon vor 700 Jahren, dass die Menschheit nie auf die Erde zurückkehren dürfe? Wurde da etwa geschnitten? Ich verstehe es nicht, das ist sinnlos. Ich hatte eine KI-Verschwörung größten Ausmaßes in Erinnerung an “I, Robot”s V.I.K.I. erwartet, aber hier sind die Roboter nur die Sklaven-Diener der verfetteten und durch die schwache Gravitation unbeweglich gewordenen Menschen ohne echten eigenen Standpunkt. Das mag auf Kinder vielleicht weniger komplex und verstörend wirken (immerhin bedeutete ein eigener Standpunkt der Roboter schlussfolgerichtig, dass sie sich gegen die Menschen richten könnten und das hat Angst-Potenzial) aber für mich fehlt so der Ausmacher des Roboter-Genres und einmal mehr begriff ich den Film als für Kinder gemacht. Ja, wäre da nicht das Ding mit der Liebe, paradox, nicht wahr? Das Thema der Umweltverschmutzung wird eher komödiantisch vorgesetzt, als für Ratatouilles Gourmet “Ego” raffiniert zubereitet. Da hätte ich doch wirklich mehr erwartet, es hätte die Geschichte exzellent hergegeben. Etwas verwirrt bin ich über das Ende, als die inzwischen lebensfernen Menschen auf die immer noch vermüllte Erde (OK, SPOILER-ALARM! Aber gebt’s zu, Leute, darauf wärt ihr auch selber gekommen) zurückkehren und das als glückliches, erstrebenswertes Ziel sehen – für mich ist das ihr sicherer Tod, aber na gut. Die Wikipedia “schreibt”, im Abspann sähe man, wie sich die Körper der fettleibigen Monster zurückentwickelten und wie die Erde wieder ein Paradies würde; ich blieb bis nach dem Abspann im Kino, nach der diesmal sehr übersichtlichen Aufzählung der deutschen Synchronstimmen ging direkt das Projektorlicht aus und der Vorhang fiel.

Unter’m Strich bleibt ein fantastischer Familienfilm mit Stoff für alle Altersgruppen, der Erwachsene über die zahlreichen Anspielungen auf Klassiker der Science-Fiction zum Schmunzeln bringt und Kinder über WALL·Es tollpatschig-süßes Verhalten zum Lachen. Ansonsten bietet “WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf” eine, wie von Pixar gewohnt, erneut maßstabheraufsetzende Optik und erstmals eine Spur Dystropie.

Für Interessierte empfehle ich noch drei Blog-Artikel, die ich sehr erhellend fand und aus denen ich ganz frech ein paar Ideen für mich klaute:

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Die am Dienstag vorgestellten MacBooks sind ja erst mal sehr, sehr lecker anzusehen. Aus einem Guss hergestellter Rumpf, Oberteil mit Bildschirm komplett überzogen mit Glas, auch an den Seiten, Multitouch-Trackpad, schnelle Graka, dünner als die letzen und natürlich ein neues edleres Design machen schon einiges her. Ich will hier nicht auch noch die Details aufzählen, das können andere besser als ich (und haben es eh schon getan), ich will auf was anderes nur kurz hinweisen:
Die neuen MacBooks haben keinen FireWire-Port mehr. Das hat nur noch das um 600€ teurere MacBook Pro. Apple waren die ersten, die den BUS Mitte der 90er in Endanwenderprodukten verbauten und bald wurde er zum Standard für Kameras, externe Festplatten und sogar der iPod >4G konnte nur FireWire. USB kam etwas später um ‘98 in die Standard-PCs und wurde der de facto-Standard für Druckeranschlüsse, Webcams, Fotokameras, Scanner und so weiter. Was die Masse nicht weiß, ist dass USB nicht einfach eine Konkurrenztechnologie zu FireWire von Intel und Microsoft ist, USB ist FireWire technisch weit unterlegen. USB ist nur eine Gerät-zu-Wirt-Leitung, einzelne Geräte können sich ohne Tricks nicht untereinander unterhalten und der Wirt muss pro Sekunde zig hundertmal eine Anfrage an das Gerät schicken, ob es was Neues zu sagen hat, weil es selber nicht autark raussenden kann. Das hat seinen Vorteil im Chipherstellungspreis für die Geräte, aber sonst auch irgendwie gar keinen. FireWire-Geräte können untereinander Ad hoc-Netzwerke aufbauen, senden selbständig, haben eine stabilere Leitung, eine effektiv höhere Übertragunsleistung und sehen als Stecker schöner aus. Und es fällt im Computer der Rechenaufwand weg, den die CPU bei USB hat, die Geräte anzufragen und die Antworten auszuwerten. (Mehr zu USB vs. FireWire bei MacTV und Chaosradio Express.)

Jetzt lässt also Apple FireWire bei den “billigen” MacBooks für 1200€ und 1500€ komplett weg und zwingt alle, die auf FireWire gesetzt haben, das teurere MacBook Pro zu kaufen. Vielleicht, weil die Rechenleistung des MacBooks mittlerweile zu üppig ist, und um trotzdem noch die Pro-Nutzer für das teurere Gerät gewinnen zu können? Das erinnert mich gerade sehr an Microsofts Ankündigung seiner neuen Programmiersprache “M” im nächsten Visual Studio, wahrscheinlich auf der Sprache “D” aufbauend, die Modelle nur auf dem Microsoft SQL-Server ablegen kann. Das entspricht unter ferner liefen “embrace, extend and extinguish” (“annehmen, erweitern und auslöschen”) und schafft dabei sehr clever ein neues Zwangsmonopol (da Zwangsabhängigkeit). Die Strategenabteilung ist die am grandiosesten besetzte bei Microsoft, keine Frage.
Zurück zum MacBook: Seht ihr, was ein Monopolist für Macht hat? Apple ist einer, weil nur sie OS X auf ihren Rechnern verkaufen und es gibt viele Leute, die von OS X abhängig sind oder einfach nicht mehr anders arbeiten wollen. Die Macs im Speziellen hatten mit FireWire auch immer eine sogenannte “Target Disk Mode”-Funktionalität, über die sich die Festplatte des Rechners extern über FireWire auslesen lassen konnte, auch wenn der Mac beschädigt war. Dieses für Firmen wohl bislang recht herausstechende Alleinstellungsmerkmal der Macs gegenüber anderen Computern fällt damit beim günstigen MacBook weg. Auch ich empfehle allen Leuten, die eine FireWire-Schnittstelle in ihrem Computer haben, wann immer möglich FireWire-Geräte zu nutzen, etwa als externe Festplatte oder als Kamara-Überspielkabel. Gerade bei zeitkritischen Dingen wie Echtzeitvideo ist der Scheduler in FireWire USB um Äonen voraus (schafft also mehr ab und erzeugt weniger fehlerhafte Bits) – was bei externen Festplatten die Übertragungsqualität und -Geschwindigkeit erhöht. Für mich ist das keine ideologische Frage, sondern ganz klar Techniküberlegenheit.

Der Type im schwarzen Rollkragenpulli übrigens schon dazu: “Actually, all of the new HD camcorders of the past few years use USB 2.” und “The new HD camcorders start around $500.”. Oh yeah! Diesmal zieht sein reality distortion field aber nicht ganz. Bald ein halbes tausend entrüsteter, bis vor dieser Detailbekanntgabe potenzieller Käufer, lehnen sich gegen diese Entscheidung Apples schon im offiziellen Apple Support-Forum auf.
Warum mich das so als Nicht-Mac-Nutzer aufregt und bewegt? Ich sehe Apple als den Gründer von FireWire und den Quasi-Standard in der professionellen Medienproduktion. Wenn Apple FireWire nicht mehr verbaut (was ich mir durchaus auch in zukünftigen Pro-Modellen vorstellen kann), dann wird der Rest der Industrie garantiert nachziehen und das wäre so unglaublich schade, weil wir dann ein weiteres Mal bessere Technologie zugunsten von billigerer und schlechterer aufgeben und verlieren.

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»In einem Traumland kam von 50 Jahren ein kleines Pferd zur Welt. Es verliebte sich in ein Stachelschwein, dann bekamen sie kleine Esel. Es waren fünf Stück. Eines war so groß wie ein Hochhaus, das andere so klein wie ein Atom; die anderen sind gestorben, das war traurig. Die Mama war so traurig, dass sie sich einbetonniert hat, der Papa ertrank in Tränen.«
Nennt es was ihr wollt, interpretiert hinein, was ihr wollt.
Danke an Sunna aus meiner Klasse, es hier einem Weltpublikum präsentieren zu dürfen. Die objektive Schöpfungshöhe dieser Prosa ist es einfach wert. ;)