Onlinespeicher ist gerade ein ganz heißes Ding. Durch die fallenden Datenübertragungs- und Speicherungskosten gingen in letzter Zeit einige Onlinespeicherdienste ans Netz. Die bekanntesten Vertreter werden Dropbox, das besonders unter OS X-Nutzern bekannt ist, das GMail Drive und Backupdienste wie Mozy sein. Weitere große sind Microsofts Windows Live-Dienst SkyDrive, Gigabank, sowie MyDrive und das GMX Mediacenter. Doch nun schickt sich ein neuer Mitbewerber an, die ganze Dateispeicherungstechnik im Internet zu revolutionieren: Wuala. [voilà]
Was macht Wuala besser als alle anderen? Schauen wir uns deren Technik an. Hinter jedem der oben genannten Dienste steht ein Unternehmen, das diesen Speicherplatz als Dienstleister auf seinen Servern anbietet. Man hat eine Weboberfläche oder ein Client-Programm, über das man die Dateien mehr oder weniger komfortabel und schnell zu seinem Anbieter hochladt. Der versichert bei einigen dann auch eine mehrfach redundante interne Datensicherung. Wenn man bei den meisten dieser Dienste mehr Speicherplatz nutzen möchte, als man in der kostenlosen Einstiegsversion bekommt, muss man zahlen, logisch, das ist das Geschäftsmodell der Anbieter. Meiner Meinung nach sind die nun allesamt existenzbedroht.
Was macht Wuala nun anders? Erinnern wir uns an das ewige Studienprojekt für ein P2P-Netzwerk der “dritten Generation”, Freenet. (Kontextinfos bei “Filesharing, dritte Generation”). Die erste Generation der von der Medienindustrie verhassten Netze läutete anno 1998 Napster mit der zentralistischen serverbasierten Anfrage bei Napster um Dateien und ein Weiterleiten von diesem auf die lokalen Speicherorte bei den Nutzern ein, in der zweiten Generation wurde dann alles zentralserverlos (Gnutella). Die dritte, zu der auch das Freenet gehört, geht nun so weit, dass die Daten überhaupt nicht mehr auf bestimmten nachvollziehbaren Rechnern liegen, sondern verschlüsselt und mit einem Hash irgendwo redundant verteilt im Netzwerk. Das Netzwerk, zu dessen Rechenwerk jeder Teilnehmer-PC gehört, hat eine Selbsterhaltungsfunktion und kopiert selbstständig Dateifragmente irgendwelcher Dateien auf weitere Rechner. Jeder Nutzer muss auf seiner lokalen Festplatte dem Freenet Speicherplatz zuteilen, den es dann mit fremden, verschlüsselten Daten füllt. Der Einsteller der Daten hat durch Sicherheitsschlüssel immer noch die Möglichkeit, die Dateien etwa offline zu nehmen, dann läuft das wie eine Dominobahn durch die Schwarm-PCs, die Fragmente davon gespeichert haben.
Wuala nutzt genau dieses mächtige dezentrale Grundkonzept von Freenet und erweitert es um echte Dateisystemfunktionalität. Zugegebenermaßen ist Wuala nicht ganz dezentralisiert, aber der Reihe nach.
Ich melde mich mit meinen Benutzerdaten in einer lokal laufenden Java-Applikation, die es für Linux, Mac OS X und Windows gibt, an. Ich komme in einen Dateimanager, in den ich wie ich möchte per Ziehen und Ablegen lokal gespeicherte Dateien in eine noch leere Ordnerhierachie kopieren kann. Dabei spielt die Dateigröße keine Rolle, ich habe aber erst einmal nur ein GByte frei. Will ich das erhöhen, gebe ich Wuala in den Einstellungen beliebig viel Platz auf meiner Festplatte frei, auf dem es Dateien aus dem Netzwerk ablegen darf und erhalte, proportional zu meiner Onlinezeit, im Optimalfall bei 24h täglich, das Gleiche an Speicherplatz im Netzwerk zurück. Bevor ich das kann, muss ich erst die magische, sich langsam errechnende und bestätigende 17%-Onlinezeit erreichen, wenn der Rechner täglich 10h läuft, geht das in weniger als einer Woche.
Lege ich Dateien in Wuala ab, werden sie vom Programm verschlüsselt und ich kann entscheiden, ob sie jeder im Netzwerk sehen und laden darf, nur meine Freude, nur ein bestimmter Freund, oder ob sie privat sind. Je nach dem werden die Schlüssel automatisch im Hintergrund verteilt und eingerichtet. (Mehr Informationen zur Technik gibt es im Golem-Artikel vom November 2007) Da es in Wuala das ganze “soziale” Wischiwaschi à la Freunde und “Gruppen” gibt (aber glücklicherweise keine programminterne Kommunikationsfunktion außer Kommentare auf Dateien), kann man sich wohl denken, dass es da eindeutigen Missbrauch gibt. Mein Freund David (davidak Weblog), der den Unter-18-Filter aus hat, erzählt mir von ganz bösen roten Bereichen mit auch viel illegalem Inhalt… Andere Dateien wie “normale” Filme und Musik scheinen dagegen in Wuala nicht hoch im Kurs zu liegen. Wenn ihr also ernsthaft die interessanten Dateiherunterladevorschläge im “Welt”-Portal nutzen können wollt, empfehle ich ganz klar, den Filter einzuschalten, ansonsten ist Wuala der reinste Sündentempel und für nichts anderes zu gebrauchen.
In diesem “Welt”-Portal stößt man recht häufig vor allem auf ganz interessante Videos (- normale Videos!) und das lässt sich dann fast wie ein Youtube nutzen, aber zum Teil in HD-Qualität. Videos, ein gutes Thema. Wuala bindet sich beim Laufen als Netzwerkfreigabe (auf Linux über NFS) ein, auf die man genau so aus allen Desktopapplikationen heraus Dateien kopieren und verschieben kann. Lasse ich ihn mehrere große fressen, erscheinen sie nach dem Verschlüsseln sofort im Dateisystem und werden vom Wuala-Hintergrundprozess häppchenweise hochgeladen (und meine Freunde werden sogar darauf aufmerksam gemacht!). Das funktioniert so nicht nur mit meinen eigenen Dateien, sondern auch mit denen von Freunden und der “Welt”: Im Mountpoint meines Wuala-Zugangs sehe ich meinen Account nebst denen meiner Freunde als Ordner, öffne ich über den Wuala-Client einen Ordner oder eine Datei eines fremden Benutzers, wird dieser kurzzeitig im Mountpoint neben meinen Freunden angezeigt.
So ähnlich kann man sich dann auch vorstellen, wie es läuft, wenn ich ein Video über den Wuala-Client von irgendwoher starte: Nach kurzem Puffern (auf je mehr Rechnern die Datei liegt, desto schneller wird sie zu mir dezentral übertragen) läuft es an und ich kann darin, als läge es lokal, im Ablauf springen. Sehr, sehr geil. Wenn ich sehe, dass der Benutzer im gleichen Ordner noch andere Dateien hat, die mir gefallen, dann lade ich sie herunter (dabei werden sie entschlüsselt auf eine normale Festplattenpartition gelegt und ich kann alles damit tun), oder gleich den ganzen Ordner! Es ist eine neue, es grämt mich es zu sagen, soziale Art des Filesharing!
Jede in Wuala gespeicherte Datei und jeder Ordner bekommt eine eindeutige URL, etwa hier der Link auf mein Nutzerkonto: http://wua.la/frumble
An der Stelle wird es jetzt echt übelst geil, denn heute, am 14. August, startet Wuala die Public Beta – bisher lief alles unter einer Closed Alpha und man brauchte eine Einladung und in diesem Zuge geht auch die neue “Weboberfläche” an den Start. Das heißt, dass nun jeder, egal ob er Wuala installiert hat oder nicht und ob er einen Account hat oder nicht, aus dem Web Wuala-Links anklicken kann und die Dateien und Ordner sichten und laden! Ermöglicht wird das durch einen Java “Web-Start”, endlich bekommt eine Java-Installation wieder einen Sinn.
Das Teil wird das Web rocken, denn jetzt kann jeder beliebig große Dateien anderen verfügbar machen! Das wird Blogs, Chats, E-Mail, ja, vielleicht sogar die bestehenden Videoportale erobern!
Dabei möchte Wuala natürlich einerseits möglichst kein Warez-Club werden und keine Probleme mit der Industrie bekommen, aber auf der anderen Seite natürlich die Nutzer halten. Es gibt eine Möglichkeit, “problematischen Inhalt” zu melden. Wer das bei allem, was er sieht, tut, den würde ich fast schon als Spaßverderber einordnen, es machen wohl auch nicht so viele und selbst die Entwickler kommentieren Dateien, bei denen klar sein sollte, dass sie ohne Recht auf Wuala liegen. Ich weiß nicht, wie die schweizerische Gesetzeslage da aussieht, ob die erst etwas löschen müssen, wenn sie darauf hingewiesen werden, oder präemptiv wie in Deutschland für alle Urheberrechtsverstoße haften.
Wuala ist noch nicht so stabil, wie man es sich erhofft. Die Linux-Version hält mittlerweile schon viel aus, blubbert aber öfter noch bei zu viel Transfer gleichzeitig ab. Das wird schon, mehr Kummer macht mir, dass es noch keine 64-Bit-Version gibt, so, dass ich es mit viel Gefrickel über Java32 laufen lassen muss. Die Mac-Version scheint noch buggyer zu sein und die Windows-Version nach meinen Informationen die beste. Um den Entwicklern zu helfen, kann man sehr einfach einen Bugreport auf getsatisfaction stellen. Ich und Freunde haben schon mehrere gemacht und fast ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen, in mehreren Fällen waren die Probleme im nächsten Update schon behoben.
Analog zu den klassischen Onlinefestplatten lässt sich auch bei Wuala noch Extraspeicher kaufen. Das geht los bei 10 GByte für 25€ und endet bei einem TByte für 1000€ im Jahr. Ich nehme an, dann schalten sie selber entsprechend große Festplatten zum Schwarm dazu. Eine weitere Einnahmequelle der Entwickler sind die “Werbeposter” von Amazon, die bei “Welt”-Suchen rechts in einem niedlichen Randstreifen angezeigt werden.
Ich prognostiziere, dass irgendwann ein reiferes Freenet Wuala ablösen wird, denn Wuala ist proprietär und proprietäre Dinge mögen sich zwar lange halten können, aber werden, das zeigt uns die Geschichte, auf früh oder spät durch die Marktwirtschaft, Nutzerwünsche und der dynamischeren, offenen Entwicklung von anderem, von offenen Technologien verdrängt. Was das verhindern könnte, wäre dass der Quellcode veröffentlicht wird – auch der serverseitige. Überlegungen gibt es schon dazu, aber auch ich stimme dem Vorentscheid zu, dass es noch zu früh dafür ist, die Software sollte erst noch weiter reifen.
In den letzten Wochen war Wuala täglich immer ein begeisterndes Gesprächsthema unter meinen Freunden. Die Updates, das was da gerade passiert und seine neuen Möglichkeiten sind enorm faszinierend. Ich möchte den schweizer Entwicklern aufrichtig meine Hochachtung für diesen Geniestreich darbringen und euch zu eurer Arbeit gratulieren! Ihr werdet wahrscheinlich sehr viel Geld damit machen und das Web um ein bisher rein fantistisches Element bereichern! Doch bitte bleibt standhaft und lasst euch nicht von Google, Yahoo! oder Microsoft schlucken, wenn ihr das clever haltet, könnt ihr aus eigenem Antrieb noch gigantisch groß werden.
Wenn Du dich jetzt bei Wuala anmelden willst, dann schreibe doch einen Kommentar, damit ich dir eine Einladung – die Du seit der Beta eigentlich nicht mehr brauchst – schicken kann. Dann bekomme ich ein GByte von denen geschenkt. Wenn Du magst…
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Zwar keine Computernachricht, aber erfreulich: Im November startet die siebte Staffel von