Frumble201

Um mich wieder rein zu bringen, ein kleiner Überbrückbeitrag: Ich lebe noch. ;)
Vorletzte Woche war ich mit meiner Klasse vier Tage in Paris und danach von den Eindrücken und -PIEP- so eingenommen, dass ich hier seitdem nichts mehr gebracht habe. Das Problem ist nicht die Zeit, sondern das bedrückende Gefühl, bevor ich mich wieder “draußen als Geek zeige”, einige wichtige Angelegenheiten und persönliche Probleme lösen zu müssen, und mir nichts vorzumachen, anstatt das gleich wieder mit meinem üblichen Tageswerk zu überspülen.
Aber mein Tumblelog bekam in der Zeit immerhin trotzdem drei neue Beiträge, also, wer ihn noch nicht abonniert hat… ;)

Gestern Nacht traf es mich schaudernd: Ich habe keine konkreten Vorstellungen davon, was andere in meinem Alter machen. Mal für Euch im O-Ton, was mein Hirn dazu weiß:”Vielleicht irgendwas mit Sport… Sport den ganzen Nachmittag? Danach vielleicht irgendwas Musikalisches. Und dann schauen sie um fünf ihre Lieblingsserien und machen irgendwo dazwischen… – oder noch vor dem Sport? – ihre Hausaufgaben… Wenn sie fleißig sind, wiederholen sie dann noch den Stoff jedes Fachs für den nächsten Tag und dann… äh… schauen sie einen Blockbuster in Dolby Digital und präsentiert von Radeberger, oder gehen irgendwohin nach draußen und… besaufen sich zu Disco-Musik?”
Was ich dann noch im speziellen über Mädchen weiß, enthalte ich Euch mal besser vor.

Erschreckend. Scheiße, ich hab keinen Plan davon. Man muss es ja so nicht leben, aber man sollte doch zumindest wissen, was die anderen so machen… Ich bin so ein lebensferner Vollidiot.

Jetzt habe ich seit sieben Tagen Pfingstferien – und seit fünf ist Christoph auf Chorreise. Nicht nur der ist weg, auch die meisten anderen aus meiner Klasse, die irgendwie ab und an online waren. Das heißt, bis auf eine Hand voll Geeks bin ich allein. Allein, das war ich schon immer, aber es fiel nie richtig auf, weil ich doch in den Chatprogrammen immer Kontakte zu anderen hatte, die auch noch ein Leben hatten. Das beschränkt sich jetzt auf Leute wie mich, die auch nichts anderes machen, als am Rechner zu sitzen (im Weekend-Trash so treffend “Nicht-Menschen” tituliert) und damit werden gleich viele Themen unmöglich, die mit “normalen” Freunden ohne Probleme funktionierten. Ich will aber nicht immer nur über Technik und Webfunde sprechen, das ist doch langweilig. Und so nüchtern.
Wie war das mit “Ein Mensch braucht täglich mindestens eine zärtliche Berührung, sonst wird er krank”? Das konnte ich bisher mit Chats sehr gut kompensieren (und zugegebenermaßen vielleicht auch noch durch Rumbubeln in der Schule), aber jetzt mit diesen kalten Maschinen am anderen Ende der Leitung erreicht es einen Punkt, der mich psychisch platt macht. Ich habe keine besondere Lust mehr, lang aufgeschobene Dinge zu erledigen oder mir Programm-Dokumentationen reinzuziehen. Ich seh keinen Sinn mehr darin. Ich muss irgendwie unter Leute kommen, sonst richtet mich das zu Grunde. Allein “raus” zieht nicht, das war ich jetzt schon jeden zweiten Tag (na gut, auf die Bank, in den Media Mark, auf die Hausbaustelle…). Und hey, es sind Ferien, und ich verkümmer hier an meiner Einsamkeit. Keine Angst, ich werde schon kein Amokläufer.
Immer wieder überraschend finde ich, wie ich mir selber so leicht solche Probleme eingestehen kann…

Ich bekam durch Zufall mein altes Kinderhoroskop in die Hände, das meine Eltern gleich nach meiner Geburt bei Astrodata anfertigen ließen, und das dann ein paar Monate später im Januar 1992 hier eintraf. Ich bin von seinem Inhalt und seinen Aussagen begeistert, es ist viel drin, auf das ich in den letzten Monaten erst selbst gekommen bin, und als fleißiger Blogabonnent wird man die Stellen sicher erkennen. Anderes ist ganz neu für mich, und erklärt mir Probleme, die ich bisher ganz anders aufgefasst habe. Das Ding ist genial und ohne von Astrodata irgendwas bezahlt zu kriegen, empfehle ich Euch, deren Angebot mal anzusehen, ein Kinderkoroskop wie meins mit 14 Seiten Analysetext kostet grade mal ~40€. Folgend jetzt mal die meiner Ansicht nach interessantesten Stellen (natürlich etwas zensiert ;) ):

M. besitzt ein großes Arbeitsvermögen, das er effizient einzusetzen versucht. Er hat Freude am Konstruieren und Strukturieren, sowie am methodischen Vorgehen. Auch kann er sich völlig auf das konzentrieren, was ihn gerade begeistert, doch neigt er manchmal dazu, zu schwierige Aufgaben und zu viel Verantwortung zu übernehmen, weil er sich gerne unersetzlich fühlt. Mit seinem Ehrgeiz und dem Wunsch, das Unmögliche zu realisieren, kann er sich das Leben erschweren und sich auch überfordern.

M. ist für Vorstellungen und Gefühle äußerst empfänglich, was sich sowohl im zwischenmenschlichen Kontakt als auch in der Kunst und Mystik bemerkbar macht. Er kann daher ein starkes Gefühl für soziale Verantwortung oder für ästhetische Fragen entwickeln.

M. respektiert nicht nur Ordnung und Hierarchie, sondern strebt auch nach unerreichbaren Idealen. [...] Es fällt ihm schwer, seine Gefühle und seine romantische Schwärmerei unter Kontrolle zu halten, so dass diese eine gewisse Gefahr in sich bergen.

[...] Am liebsten würde er eine übersichtliche Formel finden, um die Welt für sich auf einen sauberen Nenner zu bringen [...]. M. ist neugierig, kritisch und geht den Dingen gerne auf den Grund. Er kann sich mit übertriebener Skepsis zeitweise lähmen oder sein Vorgehen unnötig komplizieren, indem er vom Hauptthema abweicht um irgendwelche Details abzuklären.
M. fühlt sich dort am wohlsten, wo er es mit messbaren, objektiven Tatsachen zu tun hat. Er braucht einen festen, normierten Rahmen, in welchem er sich sicher fühlt und auf den er sich beziehen kann. Erst dann wird er seine intellektuellen Qualitäten voll ausschöpfen. Sein Urteil ist dann sachlich und ausgewogen, und er kann eine Vielzahl von Informationen in wenige Sätze packen.
Mit diesen Anlage kann sich M. ein tiefgründiges Wissen und umfangreiche Bildung aneignen [...].

In der Freizeit mag M. Spiele, die das logische Denken, aber auch das Grundwissen sowie das Gedächtnis schulen und entwickeln.
Was bin ich doch für ein Spielkind! :D

Für Sport kann er sich wenig begeistern, er bevorzugt ruhigere Tätigkeiten wie Wandern oder Gymnastik.
Naja, ich möcht auch nicht behaupten, dass mich das groß begeistern würde, aber vielleicht später einmal….

Die Intelligenz von M. sowie sein Sinn für Beziehungen treten besonders in jenen Bereichen auf, die sich mit Logik, Zahlen oder genauen Massen schwer erklären lassen. Dies bedeutet, dass er mehr literarisch als wissenschaftlich veranlagt ist und dass die Wege seines Denkens oft stärker zum Irrationalen als zum Rationalen neigen. Er ist fähig, Zusammenhänge zwischen Menschen und Dingen herzustellen oder eine ganz persönliche Sprache zu erfinden, eine Sprache der Bilder, Eingebungen und Gleichnisse.

M. möchte erraten und erfühlt werden [...].
Das kann ein großes Problem sein, wenn das Gegenüber nicht darauf eingeht, oder es intellektuell nicht packt. Das andere Extrem kenne ich mit Leuten, mit denen ich mir sicher bin, dass sie jede noch so obskure Andeutung und Anspielung verstehen und ich bei ihnen das Spiel dann etwas übertreibe…

M. kann neugierig, scharfsinnig und mit einer wirksamen Intelligenz ausgestattet sein [...].

Mit Saturn im zehnten Haus stellt M. große Ansprüche an sich selbst und wird wahrscheinlich ein recht ehrgeiziger Schüler. Aber gerade dieser große Ehrgeiz kann M. in seinen Erfolgen behindern. Durch seine übergroßen Forderungen an sich selbst und seine eigene Leistung und die entsprechende Angst vor einem Versagen, kann M. in eine Art Bewegungslosigkeit und Blockierung hineingeraten und gerade dadurch Fehler machen oder überhaupt jede Leistung verweigern. Was dann nach außen wie Faulheit aussieht, ist im Grunde genommen eine Lähmung aus Angst, etwas falsch zu machen.
Die Stelle hat mir sehr geholfen und teilweise hatte ich die Erklärung auch schon, ich war mir aber noch sehr unsicher dabei^^. Das Problem ist irgendwie eskaliert, ich vermute durch den Schock, der mich traf, als ich auf das Gymnasium und unter eine Menge Leute, die nicht denken, sondern lernen kam, und ich mich durch meine Faulheit, die doch auch da ist, ungenügend fand.

[...] Er wird als Erwachsener nicht nur den Augenblick und sein Vergnügen intensiv genießen können, sondern vielleicht auch einen Lebensweg einschlagen, wo Arbeit und Vergnügen keine getrennten Bereiche sind.

Sein Hang zur Selbstdarstellung und seine Kreativität könnten ihn dabei den Beruf eines Künstlers, Schauspielers, oder innovativen Geschäftsmannes ergreifen lassen. Seine Liebe zum Risiko und zum Führen von anderen sind gute Voraussetzungen für eine leitende Funktion, die jedoch in einem sehr freien Rahmen ausgeübt werden will. Stoßen Sie sich deshalb nicht an einer gewissen Selbstzentriertheit, und missdeuten Sie diese nicht als Egoismus! Versuchen Sie ihm höchstens einen Sinn für konkrete Realitäten zu vermitteln, damit er später seine mutigen Projekte auch mit Erfolg in die Tat umsetzen kann.

Er ist gerne überall mit dabei und möchte über alles informiert sein, was die Gefahr in sich birgt, dass er vor lauter Informationen und fremden Meinungen zu wenig Zeit hat, um sich auf sich zu besinnen.
Genau darauf kam ich auch vor kurzem!

Die Saturnstellung zeigt an, dass M. große Ansprüche an seine eigen Leistungen stell, sich jedoch oft durch seine eigenen Versagensängste gebremst fühlt. Sein übergroßer Ehrgeiz erlaubt ihm keine Rückschläge und Fehler. Insbesondere befürchtet er Blosstellungen im Klassenbereich oder vor versammelter Familie, später vor der Öffentlichkeit.
Wenn M. lernt, diese Blockierungen zu überwinden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er eine Autoritätsstellung erreichen kann, die ihm auch die Anerkennung der Allgemeinheit und Gesellschaft einbringen wird.
Genauso wichtig wird es für M. sein, dass ihm sein Beruf wirkliche Berufung ist und dieser nicht nur zum Erreichen gesellschaftlicher Macht dient, um den anderen zu zeigen, wie weit man es bringen kann.
Beim Klassenausflug ins Berufsinformationszentrum (BIZ) wurde mir “Beamter beim Geheimdienst” vorgeschlagen; schade eigentlich… ;)

Jedenfalls ist M. fähig, weit gestreckte Ziele konsistent zu verfolgen, wenn es ihm gelingt, seine Selbstzweifel zu überwinden. Es wird ihm helfen, wenn er erkennt, dass Fehler da sind, um daraus zu lernen.

[...] Falls eine Synthese der beiden Seiten gelingt, ist M. zu bedeutenden Leistungen fähig, welche ihm echtes Selbstbewusstsein und einen starken Glauben an seine Fähigkeiten einbringen.

M. hat eine Befähigung für Berufe wie Nationalökonomie, Erzeihungswesen oder Management; Aufgaben also, welche Zukunftsglauben und Optimismus, aber auch Respekt für gesellschaftliche Strukturen verlangen.

Die Stellung des Jupiters weist auf ein optimistisches, fröhliches Temperament hin. M. liebt das Spielerische und amüsiert sich gerne, am liebsten mit ebenso optimistischen, spontanen Freunden. Er geht mit einer positiven Einstellung an die Mitmenschen heran und liebt es, ihnen von seiner Zuversicht und seinem Enthusiasmus etwas abzugeben. Freiheit ist ihm sehr wichtig, und er möchte alle Erfahrungen auf seine eigene Art und möglichst intensiv machen.
Sein Wunsch, sich kreativ auszudrücken, ist groß, wenn er sich auch nicht unbedingt künstlerisch bestätigt.

M. besitzt gute Fähigkeiten, um Arbeit und Spiel miteinander zu verbinden zu können, denn er möchte bei dem, was er tut, mit ganzem Herzen dabei sein. M. kann in einer Tätigkeit vollkommen aufgehen und in seiner Begeisterung die Welt um sich herum total vergessen. Vieles macht er spielerisch, aber mit soviel Engagement und Enthusiasmus, dass er oft mehr erreicht, als andere mit harter Arbeit. Wenn M. lernt, seine Tendenz zur Selbstüberschätzung und Unmäßigkeit etwas zu zügeln, kann er sehr erfolgreich werden, vor allem, wenn es ihm gelingt, aus einem Hobby seinen Beruf zu machen.

Mit einem Spannungsaspekt zwischen Jupiter und Mond ist M. begeisterungsfähig und kontaktfreudig.
M. muss lernen müssen, in Beziehungen von Anfang an natürlich zu sein und sich zu geben, wie er sich fühlt.


Ist doch sehr geil, oder? Egal, wie man zu Horoskopen stehen mag, mich hat’s überzeugt.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr glaubt, ein Buch schreiben zu müssen?

Ich habe ihm jetzt mal nachgegeben. Mal schauen, wie’s wird. ;)

Nachtrag einen Tag später: Das Konzept steht jetzt und es sieht aus, als ob ich mir bei diesem komplexen Vorhaben mein Sprachperfektionismus im Wege stände. Und ich habe Angst, bei der Arbeit, die zu erst einmal eine gigantische Selbstanalyse benötigen würde und die geforderte Philosophie für die Geschichte extrem hart ist und Sphären erreichen würde, in denen ich noch nie war, mir irgendwo meine Seele zerreißen würde und mein Selbstbewusstsein implodieren lassen könnte. Denn der entscheidende Punkt dabei ist, dass die Hauptperson viele meiner Eigenschaften und Zukunftsträume übernimmt und ich damit meine persönliche Lebenshoffnung… auf’s Spiel setz, aufgeb, überziehe und in das Phantastische ziehe?
Deshalb ziehe ich das Projekt vorerst mal zurück, vielleicht sehe ich die Situation anders in z.B. den Sommerferien, ich glaube aber nicht, und so entgeht Euch vermutlich ein phantastischer Politthriller. ;)
Ich entscheide mich also für mein Leben und gegen die Geschichte. Was für eine tiefgründige Entscheidung.

Ich habe mir einen interessanten Vorsatz für diese Ferienwoche gegeben: Ich möchte fünf Tage lang den PC auf’s Nötigste rationalisieren. An drein davon plane ich, ihn erst um 18:00 einzuschalten, für zwei habe ich mir eine komplette Ruhepause verordnet. Warum?

Das letzte Mal war ich vor zwei Jahren mehrere Tage im Urlaub und also von meinem Rechner abgeschnitten. Seitdem gab es verstreut mal einen Tag, an dem wir in der Familie etwas Größeres unternommen haben und der PC somit auch kurzzeitig still stand. Aber mehrere Tage war, zumindest mein neuer Selbstbaurechner vom Juni 2007, glaube ich noch nie aus.

Da greift sich der Durchschnittsverbraucher wohl an den Kopf, betet für mein Seelenheil und möchte mir das Gerät als Entzugsmaßnahme wegnehmen, denn ich bin ja so süchtig. Aber nein, ich bin nicht süchtig, ich bin abhängig. Das ist eine goldfädene Trennlinie, die man da ziehen muss. Ich kann sehr wohl ohne den Rechner auskommen, aber dann bekomme ich sehr schnell die Probleme, keine Kommunikation mehr mit anderen aufbauen, und keine Konversationen mehr führen zu können, völlig von allen Informationen und (IT-)Nachrichten abgeschnitten zu sein und keine Unterhaltung mehr genießen zu können, denn auch die läuft bei mir ausschließlich am Computer über Podcasts und aufgenommene und heruntergeladene Fernsehsendungen ab.

In mir kam schon vor einer Weile der Eindruck auf, dass ich mir einige Lernprobleme in der Schule richtig selber verursache, indem ich in meiner Freizeit so enorm viele Nachrichten lese, und das ja nicht erst seit kurzem, sondern schon seit gut drei Jahren. Diese extreme Fülle und Dichte an Informationen, die sich innerhalb weniger Tage oft selbst revidieren, relativieren und unlogisch machen und diese Fülle an Dingen, bei denen man nur überrascht ist, wenn man neue Innovationen liest, mag es z.B. ein neuer Videocodec sein, der so effizient wie noch kein anderer sein Werk verrichtet, lassen in der Schule einen Egalismus, also den Abbau der kritischen Analyse, das Abnicken von vorgesetztem Stoff und eine Das-ist-nicht-so-wichtig,-das-kommt-ja-eh-bald-wieder-Mentalität entstehen. Jeder kann sich denken, dass das wirklich nicht vorteilhaft im Unterricht ist, und da sich zunehmend weniger (was für ein Wortspiel) des Stoffes daheim wenige Tage vor den Arbeiten aus den Heften oder Büchern in quasi-elitärer Selbstgelehrtheit beibringen lässt, ohne etwas von den Erläuterungen der Lehrer dauerhaft im Kopf behalten zu haben, schlägt sich das auch negativ auf die Noten nieder. Diese dutzenden Nachrichten-Feeds können ein Grund dafür sein, neben meiner Faulheit und einigen zum Lehrplan quergestellten überzeugten Auffassungen über die Relevanz des Stoffes, warum ich, ganz allgemein, ein Problem mit der Schule habe.

Abseits dem stellte ich auch fest, dass mir Zeit für mich, meine Gedanken und meine Umgebung fehlen. Es ist nicht so, dass ich sie nicht hätte. Mir ist oft auch vor dem Rechner langweilig, aber da komm ich nicht auf den Gedanken, mein Zimmer radikal umzustrategen, ein Buch zu lesen, oder zu meditieren.

Darum setze ich mir dieses Experiment an, fünf Tage weitend ohne den Computer zu verbringen und in dieser Zeit absolut keine Nachrichten zu lesen und keine technischen Podcasts zu hören. Ich hoffe sehr, dass ich so “leben” kann, ohne ihn, in dieser Abstinenz, fehlt mir wahrhaftig alles vom Aufgabenplaner über die Musikanlage zum Kommunikator, weil ich fast keine separaten Geräte oder “analogen” Arbeitsmöglichkeiten nutze.

Zumindest morgen/heute wird das aber noch nicht ganz planmäßig funktionieren. Ich muss vorher noch einiges vorbereiten, wie meine Remember The Milk-Aufgaben auf Papier “synchronisieren” und meine neue Musik auf den iPod übertragen (ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den nicht auch aussperren soll, schließlich kann man viel damit machen, im Grunde zu viel, und ich werde dadurch von mir abgelenkt).

Dann kann das eine wirklich spannende Woche werden, in der ich wieder ein Stück weit zu mir selber finden kann und vielleicht bringt sie mich ja sogar dazu, das Haus zu verlassen!

Ab gestern haben wir zwei Wochen Osterferien und für der letzen Schultag wurde von der Schülermitverantwortung ein “Schwof” organisiert. Die bunten Flugblätter enthielten außer in reißerischen Tönen seltsam anmutenden Versprechen und dem Ort und der Uhrzeit keine weiteren Informationen dazu, was es eigentlich genau werden sollte. Nachdem ich mitbekam, dass einige Mitschüler kommen wollten, dachte ich mir, es wäre eine Chance für mich, mal die Jugendkultur aus nächster Nähe beobachten zu können. Da lag ich gar nicht so falsch.

Daheim noch /dev/radio, Z! und Bits und so gehört, machte ich mich in leicht modifiziertem Erscheinungsbild um halb acht auf zur Schule. Vor dem Eingang standen ein paar Mitschülerinnen; warum auch immer davor. Drinnen wurde ich zu erst einmal von zwei fetten Bodyguard, oder “Türstehern” nach dem mitzubringenden Flugblättern angesprochen, die sollten wohl Eindruck machen. Nachdem ich meinen Wegzoll an der Kasse beglichen hatte und meine Jacke zur Aufbewahrung abgab, betrat ich also die umfunktionierte Eingangshalle. In den Ecken standen riesige Lautsprecher mit dicken Kabeln, von oben blitzte es und drehten sich Lichtmuster, vorne erkannte ich eine Bühne. Die Musiker waren noch nicht da, so lange spielte Musik vom Band. Und wie sie spielte! Furchbar laut und grässlich unmelidiös, unausgeglichen und übersteuert, aber ich glaube, das muss so sein. Ich blickte mich verstört um, sah niemand Bekannten und lief an der Bühne vorbei, hinter einer Ecke zu Fußballkickern und Bierbänken. Immer noch kein bekanntes Gesicht. Ich tastete mich zurück zum Eingang, wieder zur Bühne und dann nach draußen, just, da kamen Freunde herein. Ich schloss mich ihnen an, und folgte ihnen mal, was sie taten war nichts anderes, als das, was ich bis dahin tat, den begehbaren Weg immer wieder abwandern, sie wirkten damit nur in einer Gruppe und mit strammen Laufschritt entschlossener und selbstbewusster als ich. Wir wechselten ein paar Worte und irgendwie verlor ich sie. Da traf ich eine Mitschülerin, und fragte sie, ob sie wisse, wo der Rest der Klasse sei. Sie gab zurück, dass einer von ihnen anscheinend “Gras” dabei hätte und die anderen ihm folgten. Ähm, aha. Schockiert verließ ich das Gebäude, sah ein paar Meter vor mir eine große Gruppe Mitschüler beieinander stehen und sich offenbar entschlossen zu haben, in den sehr nahe gelegenen Park abzuwandern. In sicherer Entfernung folgte ich ihnen ein paar Schritte, um meinen Verdacht zu erhärten, kehrte dann ungläubig und entsetzt zurück und fand mich wieder nahe der Bühne vor. Ich bekam hier den totalen Overkill, dieser ungewohnte Extrovertismus der Leute und diese Disco-Stimmung, die ich bisher nur aus Filmen kannte, jetzt war ich hier drin, musste mit der neuen Situation fertig werden. Und das alleine, weil meine einzige Anhaltsperson zu beschäftigt damit war, auf Leute zu zugehen und konfuse Gespräche zu beginnen; absolut legitim und verständlich (für seinen Charakter), aber für mich daher ein ernstes Problem. Er erzählte mir, dass auch er bisher mit der Gegebenheit nichts anfangen könne, weil die gespielte Musik nicht seine wäre und die richtigen Leute fehlten. Ich traf auf eine Gruppe bekannter Leute, die sich offensichtlich mit reinem Alkohol zugepumpt zu haben schien. Einer von ihnen hätte mir unter normalen Umständen ganz egal wie Schmerzen bereiten wollen, nun schüttelte er eifrig meine Hand und leilte Freundschafsgrüße.
Beim Weiterlaufen unterstrich ich in Gedanken mit rotem Marker Sätze in meinem 16 1/2-Artikel (Passwort bis zum 22.03.08:”Hao5z45Aesa&$L€”) und zu gern hätte ich etwas zum Schreiben dabei gehabt, um schon Stichwörter für diesen Text notieren zu können. Auch hätte ich mich gerne zu dem Type am Lichtanlagesteuercomputer gesetzt, aber das passte jetzt hier nicht und es hätte bei dem Lärm auch keinen Sinn gemacht. Ich verbrachte weitere Zeit damit, umherzustreunen, aber auch mir fehlten die richtigen Leute, besonders…

Da bemerkte ich, dass ein paar aus meiner Klasse wieder nach draußen wollten, diesmal aber nur in den Schulhof. Ich lief mit und wir hielten ungefähr an dem Platz, an dem sich auch regulär während den Pausen ein Großteil meiner Klasse einfindet. Das ist bei uns ganz nett und ich kenne keine andere Klasse, die sogar in den Pausen größtenteils zusammen ist. Die anderen tranken böse Flaschen und – rauchten. Aber nicht nur “normale” Zigaretten, sondern, abermals entsetzt, musste ich “fettere Zigaretten” ausmachen, mit größter Wahrscheinlichkeit “Joints”. Aus einem Interview mit einem besonders selbstbewussten Konsumenten: “Weißt Du, wenn ich 16 1/2 bin, hör ich damit auf, wegen dem Führerschein. Oder schon mit 16.” “Das schaffst Du nicht alleine.” “Doch, doch, das schaff ich sicher.” Ganz sicher.
Dann musste ich miterleben, wie eine Mitschülerin, die mich wenige Minuten zuvor noch unerwartet trunkend umarmt hatte, (“Du bist das erste Mädchen seit einem Jahr, das mich umarmt.” “Dann doch gleich noch mal!”) auf einer Bank zusammenbrach. Beruhigend mit anzusehen, dass sich dann die anderen, die mir subjektiv betrachtet von diesem Zustand auch nicht mehr weit entfernt schienen, so rührend um sie kümmerten… (L.:”Och, hast Du geraucht?” “Jähm…” L.:”Ooch, warum machst Du das…?”)
Zumindest hatten Christoph und L. nicht mitgeraucht, das gibt mir eine gewisse weitere Bestätigung in meiner Entschlossenheit, mich von dem ganzen Zeug fern zu halten. Aber getrunken hatte sie und da wurde mir klar, dass ich hier weit und breit wohl der einzige trockene und sachlich denkende neben den fetten Sicherheitleuten war. Das hatten die anderen also getan, als ich im Haus umherlief. Ich hatte mich im Gebäude noch gar nicht umgeschaut, wo es was “zum Trinken” gäbe, irgendwo an der Treppe, aber es war mir zu blöd, da weiter nachzulesen, oder mich kundig zu machen, was man da bekommt und was ich mit 16 bekäme. Außerdem hatte ich noch zu Hause zwei Gläser Volvic getrunken und nun absolut keinen Durst mehr.

Als die eingeladene Band abgezogen war, spielte im Haus wieder erträglichere Musik aus der Konserve. Wären jetzt ein paar Freunde in der Eingangshalle gewesen, ich hätte vielleicht sogar getanzt. Aber schon das Gefühl, hier wirklich als einziger konzentriert eine Bombe entschärfen zu können, machte mir Unbehagen, auch, wenn ich mir so verantwortlicher und wichtiger vorkam. Das war hier etwas, was ich noch nicht begriffen hatte, und ich habe auch keine Interesse, auf diesem Wege noch tiefer in die “Jugendkultur” einzutauchen. Aber ich werde es wahrscheinlich müssen, um auf längere Sicht Verständnis und eine tiefere soziale Kompetenz zu den Leuten aufzubauen, die in dieser speziellen Welt leben oder auch nur von Zeit zu Zeit in sie eintauchen und das als Normalität und Teil ihres Lebens ansehen.

Ich laufe gerade in die Stadt, mache nur eine Pause, um das hier zu notieren.
Was ist geschehen?
Mir ist schwindelig, ich taumle. Mein Mund, voll mit Pfeffer, der nicht nach Pfeffer schmeckt. Aber er fühlt sich so an, irgendwie. Aber mein Mund ist leer. Ich huste.
Ich kneife meine Augen zusammen; ich huste noch mal.
Ich bekomme einen Rechtsdrall, schleife an einer Hauswand entwang, trete mich schließlich mit dem rechten Fuß von der Mauer los.
Ich komme in ein Kaufhaus mit vielen Spiegelungen, ich wende meinen Kopf von ihnen ab, sie schmerzen mir.
Ich schwitze, und doch ist mir kalt.
Ich betrete eine Rolltreppe, fahre nach oben – da ist der Ausstieg, die Begleitlichter an den Seiten machen zwar korrekt den Steigungswechsel mit, fahren aber doch weiter gerade aus; nach oben.
Dieser Pfeffer!
Ich hatte mich dazu gezwungen, in die Stadt zu laufen, alles andere wäre naives Denken gewesen, ich hätte mich zu Hause, in meinem Zimmer, schon wieder davon erholt.
Ich bin wieder draußen, Lichter! – Reflektionen! Warum fallen mir so viele Farben auf? Sie sind wässrig, Aqua. Apropos Apple: Da! ein iPhone? Nein, nur eine Hausklingel, die mit weißem Papiereinschub und greller Hintergrundbeleuchtung rechts von mir abstrahlt. Ob die Bedienung in der Bücherei was gerochen hat? Ich war das nicht! Nein, nein!
Ich stehe an dem Ausgang eines Weges, der zu einer vor ihm gelegenen Autostraße führt. Da fahren Autos, sie haben ihre Lichter an, die auf mich gerichteten Schatten der Lichter, die durch die am Straßenrand geparkten Autos entstehen, lassen den Eindruck eines Kreisels aufkommen, ein komischer Kreisel. Aaah! Ich kneife die Augen zu und packe meinen Kopf mit zwei Händen von hinten und beuge mich rückwärts, weg von diesem Kreisel.
Ich laufe eine Straße entlang. Da, da erlosch doch eine Straßenlaterne, wo ist der Deluminator? Nein, das war doch in Harry Potter.
Ich komme wieder zu Hause an.
Was war geschehen?

Ich bin seit drei Tagen nachmittags 90 Minuten bei einer, durch meine Mutter unter meinem Zeitdruck meines schnellen Bedarfs in der Zeitung gefundenen, neuen Mathe-Nachhilfelehrerin. Die Frau ist gerade noch so erträglich, aber ihre winzige Wohnung stinkt nach Rauch. Das war so schlimm, dass ich am ersten Tag schon in der Wohnung Kopfweh bekam, daheim mussten wir alle meine Klamotten wechseln. Gestern dann war es besser, wie sie selber sagte, hatte sie den ganzen Tag noch keine Pause. Aber heute. Als ich ankam, war es noch annehmbar. Wir fingen an, und sie gab mir, etwa zur Halbzeit, eine Aufgabe, und verzog sich auf’s Klo, gleich nebenan. Ich hörte erst ein Belüftungssystem, dann einen Wasserhahn und dann ein Geräusch entflammenden Feuers. Sie kam zurück, und nein, unbeschreiblich, der Gestank. Das tat sie später noch einmal. Ich verlor meinen Boden, fühlte eine Leere im Bauch. Und in meinem Kopf begannen wilde Zeichentrickfilmfetzen auf Mittelerdelandschaften abzulaufen. Mathe?
Meine Backen hiengen herunter, wurden schwer, meine Lippen hatten kein Gefühl mehr. Trotz meines Zustands bemerkte ich jeweils den Eintritt in ein neues Stadium des regressiven Bewusstseins.
Erlösung, die Sitzung war beendet. Ich schleppte mich aus der Wohnungsdiele, torkelte, verabschiedete mich höflich. Doch die erhoffte Frischluftwelle, die alles wegpusten sollte, kam nicht an. Mein Zustand blieb, verbesserte sich nur geringfügig. Ich hielt meinen Kopf, wollte mich an den Straßenrand kauern, rannte dann aber doch los, los, den Hügel hinab. Dieser schreckliche Nicht-Geschmack in meinem Mund, Wüste; Pfeffer! Ich musste Husten; das war eindeutig Pfeffer. Ich bin gerade so wie so schon erkältet, aber dieser Hustreiz war kein gewöhnlicher, er wurde von etwas anderem ausgelöst.
Ich rannte die Straße hinab, ernüchterte mich, es würde mir nicht helfen, lief normal weiter. Diese Zeichentrickfetzen, was sollte das? Mein Handrücken war rau und feucht.
Die Frau tut mir leid, ehrlich. Was muss das für ein erbärmliches Leben sein, wenn man sich schon an so etwas gewöhnt hat. Ich werde sie zum Ende der Woche absetzen.
(Geschrieben Anfang Februar, jetzt veröffentlicht.)

Ich liebe die Nacht – wenn ich eine Nacht davor ausgiebig schlafen konnte. Ich habe über die letzten 3h einem Geschichtsabgabetext über die soziale Lage der Arbeiter während der industriellen Revolution und ein Deutsch-Biologie-Stundenprotokoll fertig gestellt, und bin mit beiden Ergebnissen sehr bis recht zu frieden. Nachts kann ich viel besser formulieren, mein Geist wird schärfer, ich werde noch philosophischer, als ich diese Last nicht eh schon ständig mit mit trag. ;) Und ja, die Arbeit hat mir sogar Spaß gemacht, jetzt ist halb 3 nachts und ich habe noch Lust, zu bloggen!

OK, ich merke, ich habe schon Tendenzen einen neuen Meisterartikel zu tippen, mit dieser fröhlichen Erkenntnis und dem Wissen, dass meine Nacht nicht mehr lang ist, möchte ich an dieser Stelle schließen. – Und nein, ich habe keinen Kaffee oder irgendwelche anderen konzentrationsfördernden Mittelchen genommen. :)

Ich hatte es schon länger mal vor und ich finde irgendwie, dass sich die kommende Woche gut dafür eignet – jede Nacht schon um 11 Uhr ins Bett gehen. Darauf kam ich über einen Klassenkammeraden, der nicht viel intellektuell drauf hat, aber sich ganz erstaunlich gut Vokabeln merken kann und deutlich mehr vom Unterricht profitiert, als ich und dabei dramatisch mehr Scheiße baut. Das kleine Geheimnis dieses Klassenkammeraden ist, wie ich kürzlich über seinen Vater erfahren durfte, dass er jeden Tag schon um halb neun ins Bett geschickt wird.
So möchte auch ich nun dieses offensichtlich erfolgsversprechende Konzept einmal ausprobieren; bislang lege ich mich im Schnitt erst um 1 – 2e hin und da ich bis dahin meistens harte Denkarbeit leiste, brauche ich in der Regel noch bis zu einer Stunde, um Ruhe zu finden. Normal stehe ich um 7:00 auf, die Schule fängt um 7:35 an.
Hiermit ist meine Ankündigung also raus, ich bin gespannt, wie meine Vitalität sein wird!