Frumble201

Lange Zeit hielt ich mich vom Thema Microblogging zurück. Mir war ziemlich klar, dass wenn ich damit jetzt auch noch anfinge, ich mir eine weitere ›Web-Sucht‹ schaffen würde.

Auf die Idee des Microbloggings kam 2006 Twitter.com, ein Startup von unter anderem Evan Williams, ein Mitbegründer von Blogger.com. Die Idee ist so simpel wie komplex zu erklären: Ein Nutzer schreibt ›was er gerade tut‹ in ein Eingabefeld, hat dafür 140 Zeichen, und ›Freunde‹, die ihn auf Twitter abonniert haben, bekommen diese Zeile auf ihrer persönlichen Twitter-Seite angezeigt. Die Wenigsten schreiben wirklich davon, was sie gerade tun, sondern es sind eher ›in den Raum gepustete Bemerkungen‹, Kommentare und kleine Konversationen. Im Video Twitter in Plain English ist das auch noch mal sehr schön erklärt.
Weil das so alleine langweilig wäre, gibt es auch viele Desktop- und Mobilanwendungen, um auf die Twitter-API zuzugreifen und ›Tweets‹ zu lesen und zu verfassen. Will man auf einem Kommentar antworten, schreibt man den Nutzer mit @Name an, will man nichtöffentliche Direktbotschaften verschicken, schreibt man ein d Name und dahinter jeweils den Inhaltstext.
Wie es sich für ein Web 2.0-Angebot gehört, gibt es kurioserweise noch kein Geschäftsmodell. Twitter sagt zwar, sie hätten eines, das auf zusätzlichen Leistungen basiert, die bald eingeführt werden sollen, sagen aber noch nichts Konkretes.

Twitter ist also eine Mischung aus Chat und Gästebuch, Blog und SMS.
Auch wenn sich das so profan als unglaublich belanglos und öde anhört, ist man doch sehr schnell von der neuen Kommunikationsplattform fasziniert und kommt nicht mehr von ihr los. Beim Nutzen von Twitter bekommt man Einblick in die Privatsphäre und den Alltagsablauf von anderen Menschen und entwickelt dafür eine spezielle Form der Sozialkompetenz, beständiges Interesse für andere, kann sie in ihren Kompetenzfeldern um Hilfe zu bitten, entwickelt Einfühlungsvermögen, Respekt, ›Ambient Awareness‹ und fühlt sich allgemein weniger alleine. ;)

Nun, Twitter hat aber einen ganz großen Nachteil an sich: Es ist ein proprietäres, unfreies, in sich geschlossenes System. Heute spielt sich erneut ab, was vor ± 15 Jahren mit E-Mails war: Nutzer von AOL und CompuServe konnten nur Nutzern ihres eigenen Dienstes E-Mails schreiben, erst später wurde die Einschränkung aufgehoben.

Man macht sich also voll von Twitter, der Twitter-Software, der Twitter-API und von überhaupt den Servern des Unternehmens abhängig. Auch falls der, man ist geneigt, ihn Monopolist zu nennen, seine AGBs ändert und Dinge einbaut, wie beispielsweise von ICQ und Facebook vorgemacht, die dem Anbieter das Copyright (!!) an allen über das System versandten Botschaften einräumen, und er sich natürlich Zensurmöglichkeiten offenhält, ist man weiterhin an Twitter wegen all seinen Kontakten dort gebunden. Haargenau gleich übrigens bei ICQ, Skype und allen sozialen Netzwerken (kommt natürlich darauf an, bei welchem Anbieter das mit nationalen Recht vereinbar ist, in Deutschland etwa sind die Urheberrechte unübertragbar). Denkt auch an die ganz handgreiflichen Nachteile eines zentralisierten Systems: ›Vorprogrammierte‹ Server-Überlastungen, bei Twitter kommt das mehrmals täglich vor.
Das alles birgt eine große Gefahr in sich und widerstrebt mir persönlich als Open Source-Verfechter absolut.

Im Mai 2008 startete ich meinen Tumblelog wegen exakt dem Punkt, dass ich das zentralisierte Twitter nicht nutzen möchte.
An meinem Geburtstag im September schließlich gab ich mir selbst nach und verfiel den Freuden des Systems.

Keine drei Monate später, im frühen Januar 2009, stieß ich auf das Laconica-Projekt. Laconica scheint die Lösung für alle Zentralisierungs-, Vertrauens- und Kompatibilitätsprobleme zu sein, die mit Twitter bestehen. Zwar gibt es eine Reihe weiterer Twitter-Nachahmer, doch diese haben Laconica alle mindestens eines hinterher: Sie sind wieder geschlossene Systeme.
Das unter AGPL stehende freie Laconica wurde 2008 vom Kanadier Evan Prodromou mit genau diesem Ansatz entwickelt, eine Microblogging-Software zu schaffen, die dezentral wie das Chatprotokoll Jabber eingesetzt werden kann. Auf seiner Referenzinstallation (und derzeit noch der der größten) identi.ca kann ein Nutzer nicht nur Botschaften eines identi.ca-Nutzers abonnieren, sondern auch die eines jeden anderen Nutzers eines Anbieters einer Laconica-Installation. Etwa einmal im Monat gibt es ein Laconica-Update, die Weiterentwicklung ist also im vollen Gange. Auf Basis des gemeinsamen und im Rahmen des Projektes entwickelten OpenMicroBlogging-Protokolls, kann auch bereits eine kleine Anzahl anderer Microblogging-Systeme mit Laconica-Konten kommunizieren.
Die meist genutzten deutschsprachigen Installationen von Laconica sind bleeper.de und zwitscher.at, eine Liste mit allen Servern gibt es auf der Laconica-Projektseite.

Noch einige weitere interessante Funktionen, die Laconica von Twitter abheben:

  • XMPP/Jabber-Schnittstelle rein und raus für die ›Dents‹ (›Tweets‹)
  • SMS-Versand der Botschaften
  • OpenID-Authentifizierung (fakultativ)
  • Cross-Posting zu Twitter
  • integrierte Hashtags
  • Gruppen – ist man in einer, bekommt man alle Botschaften von anderen mit !Gruppenname vorangestellt zugeliefert und kann selber so an eine breite Interessensschafft z.B. interessante Links liefern
  • URL-Kürzung mit wählbarem Dienst
  • Mehrsprachige Oberfläche (!!)

Wie Twitter bietet auch Laconica eine API für Desktop- und Mobilanwendungen an, die schon einige ›Twitter-Clients‹ implementiert haben, man also wie aus einem Chat-Programm heraus schreiben und lesen kann.

Warum bringe ich den Artikel jetzt? Ich möchte die Menschen so schnell wie möglich auf die reale Twitter-Alternative aufmerksam machen. Es ist höchste Zeit und nun nötig, dass sich da etwas bewegt. Wir wollen keinen Monopolisten auf dem Gebiet Microblogging – die meisten ehemaligen strammen Twitter-Konkurrenten sind eingegangen, weil sie nur ihr geschlossenes Netz kannten und wenig Nutzer hatten.
Aktuell ist die ›Marktsituation‹ so: Auf Laconica treiben sich Tech-Geeks und Nerds herum, speziell aus dem Open Source-Umfeld. Auf Twitter sind Blogger, Podcaster, leider noch die allermeisten Geeks, und der ›Mainstream‹.

Wer (außer mir ;) ) noch großen Einfluss hat, sind Zeitungen. Viele bieten Twitter-Feeds und manchmal Twitter-Aktionen an. Auch die Betreiber von Gewinnspielen, bei denen man etwas über Twitter posten muss, um mitzumachen, wären ein gutes Vorbild für das Laconica-Rollout. Ich finde es sogar für diese ›Mächtigen‹ ein journalistisches und freiheitliches Armutszeugnis, nur einen Anbieter, und eben den geschlossenen zu unterstützen.

Dann sollten die ganzen Web-Twitter-Tools Laconica-Konten lernen irgendwie zu unterstützen. Diese Drittanbieterwerkzeuge für Twitter machen denke ich einen signifikanten Teil des Langzeitspaßes von Twitter aus.

Es muss jetzt etwas passieren. Facebook hat Twitters Kernfunkionalität auch schon als ›Status‹ kopiert und jetzt muss schnellstmöglich Laconica bekannt gemacht werden, ehe Facebook – und das tut es allen Ernstes hierzulande schon bei Über-40-Jährigen – auf dem Gebiet der Quasi-Standard wird – und vor einem Facebook als Microblogging-Monopolist habe ich noch sehr viel mehr Angst als vor Twitter.

Nun, die Technik ist da, die Seiten sind da, die Benutzer kommen langsam und ihr könnt neue begeistern! Schaut euch mal bleeper.de an, registriert euch, macht es euch profiltechnisch gemütlich und schaut ein wenig umher, wen ihr interessant findet zu ›connecten‹ und macht vor allem mehr Leute auf das Laconica-System aufmerksam. Microblogging ist keine Randgruppenerscheinung mehr und als solche darf es dafür nicht nur einen zentralen, proprietären und übermächtigen Anbieter geben!

Linkempfehlungen ;) :
Meiniges Bleeper-Profil
, Twitter-Profil und eine Podcast-Episode zum Thema vom Hackerfunk.

Update vom 10. September 2009:
Laconica wurde umbenannt zu Status.net. Man kann auf der gleichnamigen Seite eigene Status.net-Installationen anlegen, vom Prinzip her gleich wie Wordpress-Installationen auf wordpress.com, oder sich die gesamte Software herunterladen und selbst installieren. Nicht verwirren lassen. Weiterhin gibt es natürlich Bleeper.de, Identi.ca und die anderen Laconica/Status.net-Seiten, da ändert sich überhaupt nichts.

Und keiner soll was sagen.

Heute führte uns der alljährliche Klassenausflug zu Beginn des neuen Schuljahres nach München in die Bavaria Filmstudios und anschließend in das Stadtzentrum zu einem einstündigen verkrüppeltem Schaut-euch-an-was-euch-gefällt, das zu einem Sucht-euch-so-schnell-wie-möglich-so-viel-wie-möglich-Nahrung,-denn-wir-werden-wieder-vier-Stunden-zurückfahren wurde.
Auf der Rückfahrt ist mir etwas sehr Spannendes passiert: Ich saß mit meinem iPod nano 3G auf meinem Sitzplatz und hörte meine Podcasts durch. Die Situation war ausgesprochen langweilig; daheim laufen die meisten Podcasts parallel zu anderen Dingen, die ich erledige, jetzt war ich also “unterfordert” (ja, ich kann Multitasking im Kopf). Wie so oft suchte ich also in den Einstellungen und den Extras nach einer Beschäftigung; die Spiele fesseln mich nicht, also blieb nicht viel mehr übrig als die Einstellungen der “Anzeigesperre”. – An diesem Punkt verließ mich mein Oberbewusstsein.
Ein paar Sekunden später schockte ich auf: Neben einem Schlosssymbol wurde eine Codeeingabe von mir verlangt. Fuck! Während die schon laufende Folge der Esel- und Teddy-Show lief, versuchte ich eine ganze gute Viertelstunde, durch Logik auf den Pin zu kommen. Ich probierte in den Nummernfeldern mehrere recht clevere Ideen aus, keine führte zum Erfolg. Ich war endgültig resigniert und gab für mich auf. – Mein Unterbewusstsein bevollmächtigte sich wieder mir – und Sekunden später war der iPod über den Code “0002″ wieder entsperrt. Wow. Wie konnte das sein?
Meine These: Ich schuf mir selber ein Problem zum Arbeiten, eine Herausforderung, die ich mit einem Erfolg brauche, um längerfristig mein Selbstbewusstsein und den Spaß an der Arbeit zu behalten, das kommt sicher vom Computer. Als ich oberbewusst aufgab, löste mein Unterbewusstsein die Aufgabe auf. Ich hatte sie nicht gelöst. Nicht mein unterfordertes Oberbewusstsein.

Ich komme darauf, weil es praktisch unmöglich ist, bewusst einen Pin einzurichten und ihn auch noch einmal korrekt zu bestätigen.
Das ist ein hochinteressanter psychologischer Akt, beinahe ein Paradoxon, zumindest eine Lücke im “System” (weil ich extrem analytisch denke), durch die man ein Stückchen “Wahrheit” strahlen sehen kann. Kann man daraus ableiten, dass wir uns alle Probleme durch uns erst selber machen und sie genauso wieder selbst schließen können und sollen? Dass das was wir tun und wie wir sind, unmittelbare Auswirkungen auf unsere uns gegenüber aufkommenden Konfrontationen hat, dass wir uns unsere “Gegner” selber bestimmen, oder dass sie uns folgerichtig zugeteilt werden, damit wir wieder “perfekt” werden können?

Stolz schrie ich den Erfolg im Omnibus einem Freund zu und fühlte mich erst einmal toll – bis mein Analytismus griff und ich verstand: Ich wollte mich wieder besser fühlen und erreichte das durch eine anstrengende und doch aussichtslose Aufgabe, die ich mir, wie ich sie mir selber gestellt hatte, wieder selber beantwortete und ich durch die lange hartnäckige Knobelei und dem letztendlichen Doch-Eureka ein süßes Sieges- und Erfolgsgefühl verspürte. Ein tiefenintelligenter Psychotrick, den wahrscheinlich so nicht viele Leute erkennen würden. Mann, bin ich krank.

Wie putzig: Ein Brief, adressiert an Frumble201, mein Name in Zeile zwei. :D

Drinnen eine USB-LED-Lampe mit zurechtbiegbarem 36 cm-Arm und ein Schreiben, in dem ungewöhnlich und überraschend direkt darauf gekommen wird, dass die Lampe eine Form von Werbegeschenk ist. Der Absender und Intressenhaber, MonsterZeug.de, biete in seinem Online-Shop noch mehr von diesen Dingen an, die man nicht braucht, aber haben will und wo es “noch viel abgefahrenere und coolere Gadgets und Geschenke als die USB-Lampe” gäbe. Jau. ;)

Am Rande wird noch im Schreiben vorgeschlagen, ich könnte ja über meine Erfahrungen mit der Leuchte und MonsterZeug.de bloggen. Dass ich es auch tue, kommt nicht von Bringschuld, sondern weil ich die Idee, Blogger direkt anzuschreiben und dann sogar ihren Namen in die Anrede zu setzen und eine echte Unterschrift darunter zu zwirbeln, so authentisch finde. Den Backlink habt ihr euch verdient.^^

Die Seite ist wirklich ganz nett, solltet ihr mal drüber schauen. Da gibt es mehr als die USB-Raketenwerfer, viel mehr, also, die Seite ist genau genommen gefährlich. ;) Die zwei Wörter werden dort zwar nirgends in den Mund genommen, aber es ist ein Krempelladen für Geeks und Nerds. Ich schrieb mir mal das Sun Jar und Thinking Putty-Schleim auf meine Wunschliste (haha, aber die ist schon lange ;) ). Ach ja, einen 5%-Rabattgutschein auf meinen nächsten Kauf bekam ich auch noch obendrein, ist doch perfekt.
Die Lampe kann ich jetzt zwar so nicht direkt brauchen, weil ich selten mit einem Notebook arbeite, doch LEDs sollen ja lange halten. ;) Sie brennt auch am USB-Hub meiner iMac-Tastatur, vielleicht kommen ja mal dunkle Zeiten (will ich nicht hoffen, das hieße, der Bildschirm täte nicht mehr *hö*). ;) Aber bis ich den Thinking Putty-Schleim habe, kann ich mal das Kabel der Lampe missbrauchen. Die kostet übrigens auf der Seite 9,95€.
Sehr aufmerksam, danke!

Nachtrag vom 29. August 2008: Die Lampe macht sich nachts doch auch bei mir ganz chick, selbst wenn genug Licht wäre, so ein schräger Lichtstrahl quer über die Tastatur kommt echt cool.

Onlinespeicher ist gerade ein ganz heißes Ding. Durch die fallenden Datenübertragungs- und Speicherungskosten gingen in letzter Zeit einige Onlinespeicherdienste ans Netz. Die bekanntesten Vertreter werden Dropbox, das besonders unter OS X-Nutzern bekannt ist, das GMail Drive und Backupdienste wie Mozy sein. Weitere große sind Microsofts Windows Live-Dienst SkyDrive, Gigabank, sowie MyDrive und das GMX Mediacenter. Doch nun schickt sich ein neuer Mitbewerber an, die ganze Dateispeicherungstechnik im Internet zu revolutionieren: Wuala. [voilà]

Was macht Wuala besser als alle anderen? Schauen wir uns deren Technik an. Hinter jedem der oben genannten Dienste steht ein Unternehmen, das diesen Speicherplatz als Dienstleister auf seinen Servern anbietet. Man hat eine Weboberfläche oder ein Client-Programm, über das man die Dateien mehr oder weniger komfortabel und schnell zu seinem Anbieter hochladt. Der versichert bei einigen dann auch eine mehrfach redundante interne Datensicherung. Wenn man bei den meisten dieser Dienste mehr Speicherplatz nutzen möchte, als man in der kostenlosen Einstiegsversion bekommt, muss man zahlen, logisch, das ist das Geschäftsmodell der Anbieter. Meiner Meinung nach sind die nun allesamt existenzbedroht.

Was macht Wuala nun anders? Erinnern wir uns an das ewige Studienprojekt für ein P2P-Netzwerk der “dritten Generation”, Freenet. (Kontextinfos bei “Filesharing, dritte Generation”). Die erste Generation der von der Medienindustrie verhassten Netze läutete anno 1998 Napster mit der zentralistischen serverbasierten Anfrage bei Napster um Dateien und ein Weiterleiten von diesem auf die lokalen Speicherorte bei den Nutzern ein, in der zweiten Generation wurde dann alles zentralserverlos (Gnutella). Die dritte, zu der auch das Freenet gehört, geht nun so weit, dass die Daten überhaupt nicht mehr auf bestimmten nachvollziehbaren Rechnern liegen, sondern verschlüsselt und mit einem Hash irgendwo redundant verteilt im Netzwerk. Das Netzwerk, zu dessen Rechenwerk jeder Teilnehmer-PC gehört, hat eine Selbsterhaltungsfunktion und kopiert selbstständig Dateifragmente irgendwelcher Dateien auf weitere Rechner. Jeder Nutzer muss auf seiner lokalen Festplatte dem Freenet Speicherplatz zuteilen, den es dann mit fremden, verschlüsselten Daten füllt. Der Einsteller der Daten hat durch Sicherheitsschlüssel immer noch die Möglichkeit, die Dateien etwa offline zu nehmen, dann läuft das wie eine Dominobahn durch die Schwarm-PCs, die Fragmente davon gespeichert haben.

Wuala nutzt genau dieses mächtige dezentrale Grundkonzept von Freenet und erweitert es um echte Dateisystemfunktionalität. Zugegebenermaßen ist Wuala nicht ganz dezentralisiert, aber der Reihe nach.
Ich melde mich mit meinen Benutzerdaten in einer lokal laufenden Java-Applikation, die es für Linux, Mac OS X und Windows gibt, an. Ich komme in einen Dateimanager, in den ich wie ich möchte per Ziehen und Ablegen lokal gespeicherte Dateien in eine noch leere Ordnerhierachie kopieren kann. Dabei spielt die Dateigröße keine Rolle, ich habe aber erst einmal nur ein GByte frei. Will ich das erhöhen, gebe ich Wuala in den Einstellungen beliebig viel Platz auf meiner Festplatte frei, auf dem es Dateien aus dem Netzwerk ablegen darf und erhalte, proportional zu meiner Onlinezeit, im Optimalfall bei 24h täglich, das Gleiche an Speicherplatz im Netzwerk zurück. Bevor ich das kann, muss ich erst die magische, sich langsam errechnende und bestätigende 17%-Onlinezeit erreichen, wenn der Rechner täglich 10h läuft, geht das in weniger als einer Woche.

Lege ich Dateien in Wuala ab, werden sie vom Programm verschlüsselt und ich kann entscheiden, ob sie jeder im Netzwerk sehen und laden darf, nur meine Freude, nur ein bestimmter Freund, oder ob sie privat sind. Je nach dem werden die Schlüssel automatisch im Hintergrund verteilt und eingerichtet. (Mehr Informationen zur Technik gibt es im Golem-Artikel vom November 2007) Da es in Wuala das ganze “soziale” Wischiwaschi à la Freunde und “Gruppen” gibt (aber glücklicherweise keine programminterne Kommunikationsfunktion außer Kommentare auf Dateien), kann man sich wohl denken, dass es da eindeutigen Missbrauch gibt. Mein Freund David (davidak Weblog), der den Unter-18-Filter aus hat, erzählt mir von ganz bösen roten Bereichen mit auch viel illegalem Inhalt… Andere Dateien wie “normale” Filme und Musik scheinen dagegen in Wuala nicht hoch im Kurs zu liegen. Wenn ihr also ernsthaft die interessanten Dateiherunterladevorschläge im “Welt”-Portal nutzen können wollt, empfehle ich ganz klar, den Filter einzuschalten, ansonsten ist Wuala der reinste Sündentempel und für nichts anderes zu gebrauchen.

In diesem “Welt”-Portal stößt man recht häufig vor allem auf ganz interessante Videos (- normale Videos!) und das lässt sich dann fast wie ein Youtube nutzen, aber zum Teil in HD-Qualität. Videos, ein gutes Thema. Wuala bindet sich beim Laufen als Netzwerkfreigabe (auf Linux über NFS) ein, auf die man genau so aus allen Desktopapplikationen heraus Dateien kopieren und verschieben kann. Lasse ich ihn mehrere große fressen, erscheinen sie nach dem Verschlüsseln sofort im Dateisystem und werden vom Wuala-Hintergrundprozess häppchenweise hochgeladen (und meine Freunde werden sogar darauf aufmerksam gemacht!). Das funktioniert so nicht nur mit meinen eigenen Dateien, sondern auch mit denen von Freunden und der “Welt”: Im Mountpoint meines Wuala-Zugangs sehe ich meinen Account nebst denen meiner Freunde als Ordner, öffne ich über den Wuala-Client einen Ordner oder eine Datei eines fremden Benutzers, wird dieser kurzzeitig im Mountpoint neben meinen Freunden angezeigt.
So ähnlich kann man sich dann auch vorstellen, wie es läuft, wenn ich ein Video über den Wuala-Client von irgendwoher starte: Nach kurzem Puffern (auf je mehr Rechnern die Datei liegt, desto schneller wird sie zu mir dezentral übertragen) läuft es an und ich kann darin, als läge es lokal, im Ablauf springen. Sehr, sehr geil. Wenn ich sehe, dass der Benutzer im gleichen Ordner noch andere Dateien hat, die mir gefallen, dann lade ich sie herunter (dabei werden sie entschlüsselt auf eine normale Festplattenpartition gelegt und ich kann alles damit tun), oder gleich den ganzen Ordner! Es ist eine neue, es grämt mich es zu sagen, soziale Art des Filesharing!

Jede in Wuala gespeicherte Datei und jeder Ordner bekommt eine eindeutige URL, etwa hier der Link auf mein Nutzerkonto: http://wua.la/frumble
An der Stelle wird es jetzt echt übelst geil, denn heute, am 14. August, startet Wuala die Public Beta – bisher lief alles unter einer Closed Alpha und man brauchte eine Einladung und in diesem Zuge geht auch die neue “Weboberfläche” an den Start. Das heißt, dass nun jeder, egal ob er Wuala installiert hat oder nicht und ob er einen Account hat oder nicht, aus dem Web Wuala-Links anklicken kann und die Dateien und Ordner sichten und laden! Ermöglicht wird das durch einen Java “Web-Start”, endlich bekommt eine Java-Installation wieder einen Sinn. ;) Das Teil wird das Web rocken, denn jetzt kann jeder beliebig große Dateien anderen verfügbar machen! Das wird Blogs, Chats, E-Mail, ja, vielleicht sogar die bestehenden Videoportale erobern!

Dabei möchte Wuala natürlich einerseits möglichst kein Warez-Club werden und keine Probleme mit der Industrie bekommen, aber auf der anderen Seite natürlich die Nutzer halten. Es gibt eine Möglichkeit, “problematischen Inhalt” zu melden. Wer das bei allem, was er sieht, tut, den würde ich fast schon als Spaßverderber einordnen, es machen wohl auch nicht so viele und selbst die Entwickler kommentieren Dateien, bei denen klar sein sollte, dass sie ohne Recht auf Wuala liegen. Ich weiß nicht, wie die schweizerische Gesetzeslage da aussieht, ob die erst etwas löschen müssen, wenn sie darauf hingewiesen werden, oder präemptiv wie in Deutschland für alle Urheberrechtsverstoße haften.

Wuala ist noch nicht so stabil, wie man es sich erhofft. Die Linux-Version hält mittlerweile schon viel aus, blubbert aber öfter noch bei zu viel Transfer gleichzeitig ab. Das wird schon, mehr Kummer macht mir, dass es noch keine 64-Bit-Version gibt, so, dass ich es mit viel Gefrickel über Java32 laufen lassen muss. Die Mac-Version scheint noch buggyer zu sein und die Windows-Version nach meinen Informationen die beste. Um den Entwicklern zu helfen, kann man sehr einfach einen Bugreport auf getsatisfaction stellen. Ich und Freunde haben schon mehrere gemacht und fast ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen, in mehreren Fällen waren die Probleme im nächsten Update schon behoben.
Analog zu den klassischen Onlinefestplatten lässt sich auch bei Wuala noch Extraspeicher kaufen. Das geht los bei 10 GByte für 25€ und endet bei einem TByte für 1000€ im Jahr. Ich nehme an, dann schalten sie selber entsprechend große Festplatten zum Schwarm dazu. Eine weitere Einnahmequelle der Entwickler sind die “Werbeposter” von Amazon, die bei “Welt”-Suchen rechts in einem niedlichen Randstreifen angezeigt werden.

Ich prognostiziere, dass irgendwann ein reiferes Freenet Wuala ablösen wird, denn Wuala ist proprietär und proprietäre Dinge mögen sich zwar lange halten können, aber werden, das zeigt uns die Geschichte, auf früh oder spät durch die Marktwirtschaft, Nutzerwünsche und der dynamischeren, offenen Entwicklung von anderem, von offenen Technologien verdrängt. Was das verhindern könnte, wäre dass der Quellcode veröffentlicht wird – auch der serverseitige. Überlegungen gibt es schon dazu, aber auch ich stimme dem Vorentscheid zu, dass es noch zu früh dafür ist, die Software sollte erst noch weiter reifen.

In den letzten Wochen war Wuala täglich immer ein begeisterndes Gesprächsthema unter meinen Freunden. Die Updates, das was da gerade passiert und seine neuen Möglichkeiten sind enorm faszinierend. Ich möchte den schweizer Entwicklern aufrichtig meine Hochachtung für diesen Geniestreich darbringen und euch zu eurer Arbeit gratulieren! Ihr werdet wahrscheinlich sehr viel Geld damit machen und das Web um ein bisher rein fantistisches Element bereichern! Doch bitte bleibt standhaft und lasst euch nicht von Google, Yahoo! oder Microsoft schlucken, wenn ihr das clever haltet, könnt ihr aus eigenem Antrieb noch gigantisch groß werden.

Wenn Du dich jetzt bei Wuala anmelden willst, dann schreibe doch einen Kommentar, damit ich dir eine Einladung – die Du seit der Beta eigentlich nicht mehr brauchst – schicken kann. Dann bekomme ich ein GByte von denen geschenkt. Wenn Du magst… ;)

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• Kennen keine Zu-Bett-geh-Zeit
• Zeit ist relativ! Und es ist ihnen fast völlig egal, wie lange sie an einem Problem sitzen
• Können sich stundenlang ohne Pause konzentrieren
• Sind absolut nachrichtengeil
• Verkraften es mental, stundenlang Nachrichten und Blogs zu lesen
• Sind äußerst lernbereit
• Sind perfekte Problemverwalter und -Löser (wenn auch mangels codenahem Wissens meistens nur -Umschiffer)
• Sehen Mainstream-Bewegungen immer etwas kritisch und versuchen, möglichst durch intelligente Neuansätze herauszustechen
• Haben ein Nahrungsdefizit, weil sie nicht daran denken, etwas zu essen, oder zu faul sind, sich etwas zu machen
• “Arbeiten” am liebsten alleine und machen in Arbeitsgruppen so viel wie möglich selbst, denn sie halten sich für unersätzlich und ihren Weg und ihre Methode für die einzig richtige (was sie oft ja auch ist ;) )
• Mit ihrer Feinmotorik in den Händen könnten sie auch gut als Uhrmacher Miniatur-Uhrwerke zusammenbauen
• Sie sind so “dynamisch”, dass sie alle zwei Stunden ihr Hintergrundbild passend zu ihrer Stimmung umstellen
• Sie führen To-Do-Listen mit Zeug, das sie nie tun werden, finden es aber beruhigend, es zumindest mal aufgeschrieben zu haben und nennen das dann GTD (Getting Things Done)
• Ihre GTD-Liste wächst exhorbitant proportional zu dem, was sie davon erledigt haben
• Sind mitunter grauenvolle Perfektionisten
• Wenn sie mal raus kommen, freuen sie sich an jedem kleinen Pflänzchen und finden es großartig
• Werden draußen immer wieder mit dem Kopf darauf gestoßen, dass das, so wie sie denken, zu revolutionär und zu vollkommen, hochdimensional und idealistisch ist für unsere jetzige Welt; ihre Gesetze lassen sich nicht darauf anwenden und das deprimiert sie
• Können auch unter großer Müdigkeit beachtliche Leistungen vollbringen
• Multitasken im Kopf perfekt
• Haben die Fähigkeit, sich Sachverhalte innerhalb kürzester Zeit autodidaktisch beizubringen
• Beschäftigen sich zwanghaft ständig mit Neuem
• Sind verdammt aufmerksam (was ihren rein theoretisch einen Vorteil bei den Frauen einbringen müsste)

Das Witzige ist: Das bringt ihnen in der Schule alles gar nichts! Nicht mal das, was sich so anhört, als wäre es vorteilhaft, weil es durch ihre sozialen Dispositionen radikal in seiner Auslebung behindert wird.

Wer diese Charakteristik nicht abbildet, ist kein Geek, wer sie abbildet, hat gute Chancen, ein Klon von mir zu sein. ;) Aber ich habe wirklich versucht, es so allgemein wie möglich zu halten und es mit Freunden abgeglichen.

yigg it!

Der kleine amerikanische Linux-Komplettsystemhersteller system76 hat Ubuntu-Sticker für PC-Gehäuse gedruckt und verschenkt sie netterweise an die Fans weltweit. Auf der Seite ubuntu.kamerastars.de gibt es Adressen für Deutsche und Schweizer, die mit ihrem Betriebssystem angeben möchten. Schickt man einen vorfrankierten Rückumschlag dorthin, kommen eine Weile später, bei mir waren es anderthalb Monate, die “bestellten” Sticker. “Bestellt” hatte ich vier, gekommen sind gleich 6, auch nicht schlecht.

Macht sich doch gut neben dem anderen Angeb-Sticker, ge? Der war in der Motherboard-Schachtel des neuen Fertig-Rechners meines Bruders, obwohl da auch nur ein X2 verbaut war. Der Rechner im Bild ist meiner. ;) Auf der linken Rechnerseite sitzt auch noch ein schön mittig platzierter Apple-Sticker (die Seite ist an der Stelle nicht perforiert). =)

Wieder einmal sind Ferien und wieder stehe ich vor einer kniffligen Aufgabe: Wie soll ich mir die Tag/Nacht-Zeit einteilen?
Fakt ist, dass ich nachts in vielem geistig fitter als tagsüber und mehr philosophisch bin und besser schreiben kann, also vermutlich einfach lockerer. An sich ideal, aber “lernen” kann ich besser am Tag, also Nachrichten lesen, neues Zeug ausprobieren etc; da bin ich akademischer drauf. Wenn ich jetzt clever wäre, würde ich es mir so einteilen, dass ich genug Zeit für beides hab, aber ich bin’s ja nicht und lasse mich zu gern von meinem Belieben treiben und das heißt wie so immer: Lange aufbleiben, mit kranken Leuten chatten [nicht mit dem unter dem Link], kranke Blogs lesen.
Daraus resultierendes Zweifach-Problem: Ich habe, weil ich später aufstehe, weniger Zeit für die “ernsten Dinge” und werde dabei zum Vollblut-Nachtmensch, der schließlich gar nichts mehr bei Tage vor hat, sich keine Ziele setzt und noch seltener als sonst schon raus kommt.

Irgendwie muss und will ich die Choose diese Sommerferien anders auf die Reihe bekommen, das muss doch machbar sein. Und, ähem… Fällt mir gerade auf – ich könnte eigentlich auch mal was anderes machen, als vor’m PC zu sitzen. Tja, alles langweilig. ;) Die Welt da draußen ist scheiße, aber hat ne geile Grafik…
Nach jeden Ferien seh ich die anderen aus der Klasse erholt wieder zurück, ich bin meistens dann total fertig von dem, was ich mental getan hab. Die anderen entspannen in den Ferien, ich lebe geistig auf… Hat Vor- und Nachteile. Ein ganz wuchtiger Nachteil ist, dass ich dann zu Schuljahresbeginn nicht so powern kann, wie die anderen, die sich über die Ferien ihren Kopf geleert haben und was weiß ich nicht alles für Abwechslung hatten, die sie zwar geistig nicht forderte, die sie dann aber ganz leistungsbringgeil macht, wenn sich in der Schule wieder was regt, weil sie ja so lange aus eigener Entscheidung “unterfordert” waren.
Ja, dem Punkt mit dem Entspannen darf ich wohl auch keine zu unwichtige Position in meinem selbstgesteckten Projekt “Transfer” einräumen, an dem ich in der Ausarbeitung bin; – wie übertrage ich mein Interesse, meine Arbeitsbereitschaft und meinen Ehrgeiz vom Computer auf die Schule? Ein spannendes und für mich sehr wichtiges Thema, denn an der Intelligenz scheitert’s sicher nicht. Wenn mir das gelingen sollte, werden sich ein paar nervige Leute vorsehen müssen…

Weiß vielleicht einer von euch, wie ich den Feed meines Tumblelogs mit dem meines normalen Blogs (dieser hier) mergen kann, so dass ihr, wenn ihr den normalen Feed ladet, unter den Beiträgen des normalen Blogs gemischt, noch die aktuellen Beiträge des Tumblelogs direkt aus einem Feed bekommt? Im hochoffiziellen Wordpress-Plugin-Archiv konnte ich keine Erweiterung finden, die einen externen Feed in den eigenen integriert, nur welche, die den Inhalt von externen Feeds dynamisch als Seite anzeigen.
Oder ist das überhaupt so sinnvoll? Eine ernste Frage. Interessiert es euch überhaupt, was da steht? :D
Und die letzten Tage habe ich gemerkt, dass ich lieber auf dem Tumblelog schreibe, weil ich glaube, dass die Themen doch zu “privat” und sehr interessensbegrenzt sind, dass sie die “Allgemeinheit” nicht interessieren und nicht mein mir selbst sehr hoch gesetztes Artikel-Niveau erreichen und erfüllen. Das ist vielleicht ein Fehler, denn gerade sowas macht einen Blog doch aus und der Tumblelog sollte eher eine Linksammelstelle sein, als eine Extrem-Geek-Artikelseite. Ich werde versuchen, das Zeug in Zukunft wieder auf meinem normalen Blog zu schreiben und gezwungenermaßen damit das Niveau heruntersetzen. ;)

Heute ist es wieder so weit: Der internationale Handtuchtag findet zum siebten Mal statt und wie gehabt am 25. Mai. Der Sinn der Aktion ist, Douglas Adams für seine Anhalter-Geschichten zu ehren und das macht man ganz einfach, indem man sich ein Handtuch umwirft. Nebeneffekt ist, dass einen die Leute im besten Fall darauf ansprechen und man ihnen vom Anhalter und die Praktischheit eines Handtuchs erzählen kann. Eine Spaß-Tradition für Geeks und Nerds. Auf der offiziellen Handtuchtag-Seite gibt es noch mehr Infos dazu und natürlich einen Ausschnitt aus dem Buch, der sich lohnt, ausgedruckt zu werden.

Ich werde morgen in der Schule “nachfeiern” und bringe auch ein paar Handtücher für meine Freunde mit. Folgend noch ein schickes Bild, das ich zusammen mit Tim anlässlich des Tages erstellt habe:

Don't Panic - Bild von mir und Tim

Und danke für den vielen Fisch.