Linux
Fertibunti 3.9 ist FertiK!
2
Stolz verkünde ich das Erscheinen von Fertibunti 3.9! Nachdem 3.8 schon auf Ubuntu Hardy Heron wechselte und es zwischenzeitlich fast wöchentlich Zweipunktversionen mit Paketauswahländerungen gab, bringt Fertibunti 3.9 einige große Neuerungen mit sich.
Durch ein diff der 64- und 32-Bit-Version stellte ich erst einmal fest, dass beide seit Hardy die exakt gleichen (Meta-)Pakte installieren, so gibt es jetzt also nur noch eine Version gleichsam für 64- und 32-Bit-Systeme. Dann bin ich von Sun Java auf OpenJDK umgestiegen und habe mehrere kleine Apps hinzugefügt, auch von getdeb.net sowie außerdem Opera. Weil viele Ubuntu-Nutzer irgendwie keinen Plan haben, wo sie zur Oberfläche Gnome passende Hintergrundbilder herbekommen sollen und auch meistens keine Bestreben zeigen, sich überhaupt auf eine Suche zu begeben, verlinke ich auf ein selbauserlesenes, optionales Archiv-Paket mit eben zu Ubuntu und Gnome passenden Hintergrundbildern, die meisten kommen von gnome-look.org.
Ganz ähnlich, aber im Grunde noch viel schlimmer sieht es auf den heimischen Compiz Fusion-Installationen aus: Nichts ist ordentlich benutzbar konfiguriert. Compiz bietet so ein unglaubliches Potenzial und so eine grenzensprengende Produktivitätserhöhung, die man sich nicht träumen lässt, aber man muss sich damit beschäftigen. Fertibunti 3.9 empfiehlt optional, meine Konfiguration zu laden, die es als Profil herunterlädt. Ich hoffe, die Leute werden nach dem Aktivieren und dem plötzlichen Auftreten von den verschiedensten grafischen Aktionen durch Ausprobieren lernen können, wie man’s richtig nutzt.
Apropos Compiz: Um aktuellere Pakete zu bekommen, habe ich ein zusätzliches, aber wirklich stabiles Repository für die 0.7.6-Pakete in die sources.list eingebunden.
Im Script wurden viele heimtückische Schreibfehler berichtigt und natürlich ganz groß: Fertibunti bekommt ein neues Logo! Es entstand wie so oft zusammen mit Tim B. über lange E-Mail-Machbarkeitsstudien. Und ist es nicht großartig? Danke, lieber Tim!
Die offizielle Fertibunti-Schreibweise änderte sich von “fertibunti” mit kleinem F zu Fertibunti mit großem, möglich war dies leider nicht im Logo, weil die Ubuntu-Schriftart keine Großbuchstaben unterstützt.
Und hier: TADA! Überraschung! Mit FertiKunti gibt es nun auch einen Kubuntu-Ableger!
“Natural” schrieb in den Kommentaren zu Fertibunti (der themennähehalber inzwischen gelöscht), er habe es auf Kubuntu angepasst und so kamen wir ins Gespräch. Eine Kubuntu-Version wollte ich eigentlich schon 2006 basteln, aber mir hat immer die Motivation gefehlt, weil ich niemanden kannte, der KDE als Hauptoberfläche einsetzt. Nach auch da mehreren E-Mails hatten wir eine gelungene Paketauswahl für den Ubuntu-Spin und auch hier hat Tim geradezu selbstaufopfernd ein Logo entworfen:
Viele der Programme der Gnome-Version sind auch in der KDE-Version und natürlich alle oben schon genannten Neuerungen von Fertibunti 3.9. Ein Fertibunteee für den EEE-PC mit Xubuntu ist von mir auch schon geplant und wird wahrscheinlich noch dieses Jahr erscheinen, wenn ich genug EEE-Nutzer finde, um mit ihnen eine optimale Paketauswahl ausmachen zu können. Warum Fertibunti bei so vielen Änderungen immer noch bei Version 3 steht: Auf die 4 will ich erst steigen, wenn ich mich endlich dazu aufraffen kann, eine grafische Oberfläche dafür zu schreiben, quasi als Motivation.
Ich glaube, die neue Version und der neue Ableger sind sehr gelungen und können vielen Neueinsteigern helfen, schnell an ein sehr benutzbares Linux-System zu kommen. Übrigens ist Ferti* nicht nur für Einsteiger… Aber ihr lasst euch ja eh nicht belehren.
Ubuntu-Sticker
0Der kleine amerikanische Linux-Komplettsystemhersteller system76 hat Ubuntu-Sticker für PC-Gehäuse gedruckt und verschenkt sie netterweise an die Fans weltweit. Auf der Seite ubuntu.kamerastars.de gibt es Adressen für Deutsche und Schweizer, die mit ihrem Betriebssystem angeben möchten. Schickt man einen vorfrankierten Rückumschlag dorthin, kommen eine Weile später, bei mir waren es anderthalb Monate, die “bestellten” Sticker. “Bestellt” hatte ich vier, gekommen sind gleich 6, auch nicht schlecht.
Macht sich doch gut neben dem anderen Angeb-Sticker, ge? Der war in der Motherboard-Schachtel des neuen Fertig-Rechners meines Bruders, obwohl da auch nur ein X2 verbaut war. Der Rechner im Bild ist meiner.
Auf der linken Rechnerseite sitzt auch noch ein schön mittig platzierter Apple-Sticker (die Seite ist an der Stelle nicht perforiert). =)
Ubuntu Hardy-Installationsbericht
4Wie ich am Freitag schrieb, wollte ich mit der Installation von Hardy noch ein bisschen warten. Das habe ich jetzt getan und dann gestern gedacht, es reicht jetzt, um den Problemen aus dem Weg zu gehen und ich habe, rein aus Interesse, ob es jetzt auch bei mir tut, ein Upgrade von Gutsy auf Hardy versucht. Und wie klar: Es funktionierte noch mit keiner Ubuntu-Version auf meinem Rechner, die Aktualisierungsverwaltung wurde beim “Säubern der Paketliste”, oder so was, grau und “sudo top” sagte mir, dass ganz hart gzip und tar arbeiteten. Das taten sie dann, eine halbe Stunde lang. Dann wurde die Festplatte ruhig und das graue Fenster blieb. Lustig, genau so war es bei mir schon immer.
Ich lud den Torrent der 8.04 64-Bit-Desktop-CD und brannte das Abbild. Gleich beim Bootpromt öffnet sich automatisch das Sprachwahlmenü, endlich, das die Leute nicht gleich beim Bootpromt Deutsch auswählten, war der seltsame Hauptgrund dafür, dass bei vielen das System halb auf Englisch blieb. So wie ich das überblicke, ist das erste Mal jetzt in Hardy die Bootoption auf der Desktop-CD, direkt die grafische Installation ohne Gnome außen rum zu starten, was vermutlich die RAM-Anforderungen etwas heruntersetzt und die Leute nicht gleich zur Alternate-CD zwingt.
Bei der Installation gab’s keine Probleme (besonders unterhaltsam war unter Feisty und Gutsy, dass sich das Fenster mit der Fortschrittsanzeige irgendwie schloss, aber das System weiterinstallierte…), aber beim ersten Start in GRUB kam ein unglaublich fetter Fehler “ans Tageslicht”: Alle Ubuntu-Kernels verwiesen darin auf (hd0,10), waren aber auf (hd1,10)!! Mit “e” und dem Editieren innerhalb GRUBs startete das System dann auch bei mir und ich änderte gleich manuell in der /boot/grub/menu.lst die falsche Festplattenangabe. Zur Erklärung: Das System nimmt ganz einfach an, dass es auf der ersten Festplatte installiert sei und schreibt gleich mal “(hd0″ in die menu.lst bei der Installation und passt nur noch die Partitionsnummer an! So ein Fehler darf doch bei einer LTS-Version nicht passieren! Und ich dachte, da gab es eine Betaphase!
Als das System dann lief (und sogar nach einem Kaltstart di-rekt(!!) in den X-Server hineinstartete!) fiel gleich mal auf, dass keine anderen Partitionen eingehängt waren, als die, denen ich bei der Installation Mount-Punkte gab (wie hat das Gutsy gemacht?). Die anderen konnte ich Doppelklicken und mit meinem Passwort dann auch mounten, wobei die erste Angeklickte /media/disk wurde, die zweite /media/disk-1 usw.. Sehr unchic, letztendlich habe ich die /etc/fstab editiert.
Interessantes Neues in Gnome 2.22:
- Beim Klicken auf einen Programmstarter im Panel zoomt und blendet der sich dabei aus, wie schon der Anklick-Effekt im Konqueror seit einiger Zeit. Irgendwie passt das aber nicht in Gnome.
- Die Anzeige der Ressourcen in der Systemüberwachung ist nun sehr hübsch in Cairo gerendert und macht jetzt auch auf Mehrkernsystemen was her (Foto gibt’s bei Suzan).
- Cheese ist überraschenderweise nicht in Hardy vorinstalliert, obwohl es seit Gnome 2.22 mit Gnome gebundelt werden sollte, findet sich aber in den Quellen und hat bei mir meine Samsung Pleomax SamPwc3800N-Webcam das erste mal ohne manuelle Treiberinstallation erkannt (was aber nicht an Cheese, sondern der verbesserten Hardwareerkennung liegt)
- Die Deskbar lässt sich auch endlich wieder “im Panel ankleben”, was dann wie Spotlight aussieht, aber leider hat ihr Rahmen dann eine fixe Größe, wird also nicht länger und man muss mit dem Mausrad durch die Liste scrollen (nur, wenn Tracker nicht läuft…).
Neues beim System:
- Hardy ist eine Geschwindigkeitsakete, es bootet schneller, als mein OSx86, braucht also gefühlte 20 sec bis zum Anmeldebildschirm. Gnome 2.22 ist auch noch mal bedeutend schneller geworden.
- Durch die verbesserte automatische Hardwareerkennung und -einrichtung in X.org 7.3 wurden alle Sondertasten meiner Razer Diamondback und Logitech G3 sofort nutzbar gemacht, echt cool. Die ließen sich ohne weiteres mit Compiz-Befehlen (mit ccsm) belegen. Klar ist dabei, dass ich nicht auf jede Maus andere Funktionen mappen kann, die Belegungen sind also bei beiden automatisch gleich (auch, wenn die Tasten dann real anders am Gehäuse angeordnet sind).
- Ja, ja, ja!! ENDLICH hat jemand das Problem mit dem ruckelnden H.264-GStreamer-Plugin auf 64-Bit-Systemen gelöst!
- Auch die “fortunes-de” (deutsche “Glückskeks-Sprüche”) sind wieder nicht-abgeschnitten und mein Wanda-Fisch-Applet lebt wieder, wie in Feisty (natürlich mit 10 sec Pause nach jedem Einzelbild).
- Auch endlich, hosianna, ist die Tracker-Suche ernsthaft benutzbar.
Was mich weiters stört:
- Der aufgefrischte Anmeldebildschirm verlangt von den Nutzern immer noch ab, Passwort UND Benutzername einzutippen. Warum?! In den Anmeldefenstereinstellungen (aus Gnome heraus) lässt sich ohne Nachinstallation ein sogar noch schöneres Thema wählen, das eine Benutzerliste bietet.
- Die Tracker-Suche richtet sich offenbar wieder nicht automatisch ein, so dass man, wenn man sie benutzen möchte, erst in ihren – wenigstens grafischen – Einstellungen herumputschen muss.
- Zwar installiert sich offenbar gleich das ganze Compiz Fusion mit (bei Gutsy nur compiz-core) aber es fehlen “wichtige” neue Plugins wie Freewins und ccsm zum Einrichten der Effekte wird immer noch nicht mit dem System installiert.
- Das Totem-Youtube-Plugin muss erst in Totems-Plugin-Verwaltung aktiviert werden und ich glaube nicht, dass es dann so leicht von Leien in der Seitenleiste gefunden wird. Sehr schwach, wenn man bedenkt, dass Canonical mit diesem Plugin wirbt. Das Teil, das eigentlich aus Gnome 2.22 kommt, ist auch nicht der Bringer, man kann keine Kommentare lesen, keine schreiben, sieht keine Text-Beschreibungen, kann nicht im Video zeitlich herumspringen und kann keine Wiedergabelisten mit YouTube-Videos anlegen.
- Ich dachte, man kann jetzt in den Müll geworfene Dateien wieder in ihren Ursprungsordner wiederherstellen?
- Viele Programme sind bei weitem nicht auf dem aktuellsten Stand! Transmission und gPodder sind die Paradebeispiele.
- Die sehr gute Seite getdeb.net, die aktuelle Versionen von guten Gnome-Programmen anbietet, die oft noch nicht in die offiziellen Ubuntu-Repos aufgenommen wurden, hat kein eigenes Repos, man muss immer auf die Seite gehen. Dafür gab es zu Gutsy-Zeiten ein inoffizielles Repos, das immer alle .DEBs bei sich spiegelte und das ich auch in fertibunti benutzte, um ein paar hervorragende Programme nachzuinstallieren. Die Jungs haben mit Hardy offenbar keine Lust mehr, das Repos zu pflegen, sehr schade.
- Wie man die neuen Features von Pulse Audio nutz, z.B. die Lautstärke einzelner Applikationen anpassen oder die gesamte Tonausgabe auf einen anderen Rechner verschieben, habe ich noch nicht herausgefunden.
- Dank eines falschen Kernels “ruckelt” oft schon bei wenig Auslastung die Tonausgabe (ähm, ich habe einen Athlon64 X2 5200+ EE und 2 GB RAM, aber egal^^). Matthias hat da in Z! auch was darüber gesagt.
- Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, mit PolicyKit ganz einfach mir als Normalbenutzer die Rechte zum Installieren von Paketen und Nutzen der Paketverwaltung zu geben… Geht nicht.
- Wenn man in Fedora das root-Passwort eingibt, beginnt ein Zeitraum, in dem man alle Admin-Werkzeuge ohne erneute Passwortabfrage nutzen kann. Warum gibt es das nicht in Ubuntu?! Das nervt gottes (nehme ich zurück, das wurde durch ein Update wieder nachgeliefert).
- Ich finde in den Quellen kein Sun Java-Browser-Plugin in der 64-Bit-Version (aber Java 1.6/6). Das 1.6er/6er-Plugin gab es schon in Gutsy nicht, weil es anscheinend Probleme mit dem Code auf 64-Bit gibt, aber man konnte sich dann immer noch ein Java 1.4-Plugin installieren. Jetzt gibt’s gar kein Java mehr im Browser, bis auf das Frickelzeug IcedTea, das sich in den Quellen befindet.
- Das Medibuntu-Repos installiert mir Skype 2.0 mit lustigen Tricks, damit es auf 64-Bit läuft. Zumindest haben die Freaks es hinbekommen, dass meine Webcam darin erkannt wird (war unter Gutsy nicht so, wenn ich 2.0 von skype.com installiert hab, obwohl der Treiber lief), aber wie in der “offiziellen” Version, sehe ich auch in der “Medibuntu-Version” keine Avatare. Spitze.
- Alle paar Stunden hängt Compiz so, dass ich zwar noch Veränderungen auf dem Bildschirm sehe und die Maus bewegen kann, aber nicht mehr eingreifen. Dann hilft, sich auf einer Textkonsole anzumelden (Strg + Alt + z.B. F1) und einmal “killall compiz” durchzujagen. Dann kann man wieder (mit Strg + Alt + F7) auf X.org wechseln und sollte wieder die Macht über das System haben. Das Problem hatte ich zuletzt mit Feisty, es liegt aber vermutlich nicht an Ubuntu, sondern an der Compiz-Version.
- Ein Bug von 2005 kehrt wieder: Man kann Esperanto nicht als Gnome-Sprache festlegen.
- Und noch ganz, ganz viele kleine andere Probleme, die ich teilweise irgendwie gelöst und schon verdrängt habe.
Ansonsten, wenn man das so sagen kann, bin ich mit dem System zufrieden.
Ich bin aber der Ansicht, dass Canonical noch eindeutig mehr Zeit in den Raum vergehen lassen hätte sollen, um das System anwenderfreundlich zu machen. In dem jetzigen Zustand habe ich ernsthafte Bedenken, es Freunden zu empfehlen.
Fertibunti ist jetzt schon größtenteils auf Hardy angepasst, was mich noch von der Veröffentlichung zurückhält, ist das getdeb.net-Repos und die nun fehlenden Pakete, die ich gerne auch damit installieren lassen würde. Vielleicht kommt das ja doch noch für Hardy… Ich gebe den Jungs bis Sonntag Zeit, es sich noch mal zu überlegen, dann gibt es, mit oder ohne die getdeb-Extras, fertibunti 3.8 in einer leichten und fetten Version, jeweils für 32- wie 64-Bit-Systeme. Tim hat mich auch noch auf die Idee gebracht, eine speziell auf eeebuntu zugeschnittene Version zu erstellen, mal sehen, ob und wann ich dazu komme.
Hat dir der Artikel weitergeholfen und ist dir diese Arbeit vielleicht 1€ wert? Spende ihn mir per PayPal und motiviere mich für weitere Arbeiten auf diesem Qualitätsniveau!
Sun verbrennt Geld bei Codec-Entwicklung
0Die neuen HTML 5-Spezifikationen schlagen vor, dass es einen einheitlichen Video (und Audio?)-Standard geben sollte, den alle Browser ohne Zusatzprogramme unterstützen sollten. Da fallen einem einige Formate ein, die dafür in Frage kämen: WMV, DivX, XviD, H.264. Das Problem bei diesen Codecs ist, dass sie alle lizenziert werden müssen, wegen zu offensichtlicher MPEG 4-Implementation stellen die freien XviD-Entwickler sogar nur den Quellcode ohne Binärdateien auf ihre Seite (ein ähnliches Problem haben die Entwickler des freien mp3-Encoders LAME).
Nun sollte also ein alternativer lizenz- und softwarepatentfreier Codec gefunden werden, den die Browser-Hersteller implementieren können. Der erste, an den man da denkt, ist ganz klar Theora (seit kurzem vielleicht auch noch Dirac/Schrödinger, aber den konnte ich noch nicht testen), zusammen mit Vorbis als Audio-Codec und am Besten Ogg, OGM oder Matroska als Containerformat. Theora entstand aus dem einst proprietären Codec VP3 von On2, und wird von freien Entwicklern der Xiph-Fundation entwickelt, der von On2 dazu unwiderrufliche Lizenzen zur Nutzung der entsprechenden (On2-eigenen) Patente eingeräumt wurden. Der Codec ist also lizenz- und “patentfrei”, erst mal. Das ganz große Problem ist, dass massig Trivialsoftwarepatente in den USA eingereicht wurden und man heute keinen neuen Codec mehr entwickeln kann, ohne gegen einen Haufen davon zu verstoßen. Ein Glück, dass wir das auf absehbare Zeit nicht in der EU haben werden. Theora muss dutzende Softwarepatente umschiffen, kann unter anderem deshalb auch B-Frames, eine Technik, auf die jeder Microsoft-Entwickler innerhalb einer Arbeitsstunde kommen würde, nicht implementieren. Trotzdem macht der Codec eine sehr gute Figur, Tests von mir mit einer schon veralteten Version (Alpha 7) erreichten bis auf Artefakte im Schwarzbereich, die aber bei der aktuellen Beta 2 deutlich zurückgegangen sind, praktisch H.264-Niveau, auch wenn es die Welt nicht wahrhaben will.
Nokia meldete sich Ende 2007 von einer Reihe anderer “finanzstarker Großunternehmen” (ich sehe da vor allem Apple und Microsoft als die heimlichen Mitstreiter, die im Internet jeweils ihre eigenen Formate durchsetzen möchten) vorgestoßen als erstes: Man sei bei Ogg Theora nicht vor “U-Boot-Patenten” geschützt, jenen Trivialpatenten, deren Eigentümer sich erst melden, wenn sie mit der Verklagung von den pösen Nicht-Lizenzierern was für sich herausholen können. Das ist richtig, aber der Chef der Xiph-Fundation entgegnet, dass es auch bei H.264 das Problem gäbe und die MPEG LA, die Lizenzen vergibt, sogar schon eindringlich warnt, dass es “möglicherweise” Patente gäbe, die nicht ihnen gehörten, die aber auch auf H.264 angewendet werden könnten. Er führt fort, dass etwa Samsung und Microsoft auf Ogg Theora setzen (Microsoft, so unglaublich es klingt, in Xbox 360 und Windows-Spielen) und damit die Rechtssicherheit schon von so großen Unternehmen bestätigt wurde. Ach, und die Union hinter Nokia wünscht sich auch einen Codec mit DRM-Möglichkeit. Jetzt wurde Ogg Theora aus dem HTML 5-Entwurf gestrichen. Subber.
Hier kommt Sun ins Spiel, die Firma, die sich nicht richtig entscheidet, ob sie nun Open Source will, oder nicht, und wenn doch, wie weit sie gehen möchte. Sie haben eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, die einen Codec mit (Code-?)Namen “OMS” auf Basis des 1990 vorgelegten H.261 mit Vorbis für Audiospuren und vermutlich dem hauseigenen, irgendwie freien, DRM-System DReaM zurechtfrickeln soll. Sie begründen ihre Wahl auf H.261 damit, dass sein 17-jähriger Patentlaufzeitraum abgelaufen sei und es somit patentfrei sei, man wolle es aber noch ein bisschen “aufmotzen”, bei dieser Arbeit aber unter strenger Kontrolle darauf achten, dass keine neuen Patente verletzt würden, was, wie ich schon ausführte, unmöglich geworden ist, denn man kann auch nicht mal schnell alle Video-Codec-Patente greppen, diese Trivialpatente lesen sich mitunter wie “Übertragung digitaler Video-Streams über TCP/IP”. Und H.261 war die Vorlage des 1991 vorgestellten MPEG-1; erinnern wir uns, das wurde auf Video-CDs eingesetzt. Und davon die VORLAGE.
Bei so viel Dummheit musste ich laut und gequält aufschreien. Was will Sun damit erreichen? Einen historischen Schrott-Codec als Grundlage für einen Standard in Browsern für Online-Videos einreichen?! Mit einer Entwicklungszeit von nur wenigen Monaten, damit er es noch in HTML 5 schafft?! Hä?! Sogar Adobe setzt jetzt bei Flash 9 auf H.264, um die allgemeine Qualität seiner weit verbreiteten Flash-Videos zu erhöhen. Das W3C hat mit dem Nachgeben gegen die Nokia-Union die einzigartige Chance verspielt, Adobe in seinem Marktmonopol bein Online-Videos zurückzuweisen. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf ein innovatives und starkes Microsoft Silverlight 2 – hinter dem ich absolut stehe, weil es Microsoft ausreichend offen gestaltet und Novell bei einer Linux-Version unterstützt; und wir brauchen auch einen Konkurrenten zu Animierter-Webseiten-Technologie (wie sie Flash bisher als einzige bietet), – die würde uns Ogg Theora nicht bieten.
Ich mutmaße, Sun möchte sich mit seinem seltsam anmutenden Engagement mit OMS nur wieder einmal in der Web-Entwicklung als immer noch großer Player darstellen, nachdem der “Hype” um Java versiegt ist. Was da rauskommen wird, wird absoluter Technikmüll sein, und höchstens aus Mitleid und Mitspiel-Willen vom W3C für HTML 5-Browser vorgeschrieben werden. Wobei sie das eigentlich nicht nötig haben, ihnen gehört seit Februar 2008 MySQL, aber das scheint noch nicht in alle Abteilungen durchgedrungen zu sein.
Übrigens: Opera zeigte schon 2007 auf einer internen Technikdemo einen eigenen in seinen Browser eingebetteten Ogg Theora-Player und überlegte, wann sie ihn in die offizielle Version mitaufnehmen sollen.
Nachtrag vom 07. August 2008: Firefox 3.1 bekommt vorläufig auch ohne die entsprechende HTML 5-Spezifikation den Video-Tag und native Ogg Theora-Unterstützung, Opera wird auch noch dieses Jahr eine Gold-Version mit Video-Tag und Ogg Theora herausgeben. Bleiben Microsoft mit dem IE8 (die sagen, sie werden keine Tags einer noch unfertigen Spezifikation implementieren – dabei muss man wissen, dass sie erst endgültig in die Spec aufgenommen werden, wenn es ein paar Implementierungen gibt) und Apple mit Safari, das sein eigenes Süppchen kocht, à la: “Bääääh, wir haben aber QuickTime und H.264, wir werden kein freies Format unterstützen!” Google Chrome bekommt Theora sehr wahrscheinlich auch schon bald, aber den Browser seh ich nicht so sehr als ein Benutzerprodukt, wie als Technikdemo des Machbaren – gerade deswegen gehe ich davon aus, dass Theora bald Einzug halten wird.
Betriebssysteme im Vergleich: Windows, Mac OS X und Linux beim Weekend-Trash
0Nach langatmigen E-Mail-Verhandlungen mit den Jungs vom Weekend-Trash-Podcast, konnte ich sie davon überzeugen, einen eigenen Feed, nur für ihre Hörspiele einzurichten und dort schon ihren neuesten Geniestreich, von der restlichen Sendung losgelöst, hochzuladen. Quasi exklusiv kann ich ich Euch hier die Datei als erster anbieten.
(Da es sich für Frumble201 nicht lohnt, wenn ich auch noch einen Flash-Player als Plugin einbinden würde, gibt’s das jetzt halt mal nicht zum Sofortanhören wie auf Podcast-Blogs gewöhnt.)
In der zwölfminütigen Auseinandersetzung wird auf vergnügliche Weise stilistisch zwischen der Sendung mit der Maus und Löwenzahn auf die drei wichtigsten Betriebssysteme eingegangen.
Los geht es mit dem Windows-Benutzer Jens-Uwe, der an einem sehr gut belüfteten Rechner… Ja, was macht man denn bei Unreal Tournament? “Was, öhm. Man Tööötääät! Töötäään! Jetzt geh weg und lass mich SPIELEEN!!”
Weiter geht es mit dem Mac-Nutzer John Doh, der den Apple-Produktkatalog der letzten fünf Jahre in echt sein Eigen nennt, und einen “pimped hybrid car in trendy wide”.
[...] Der John Doh, der macht meistens Screencasts, denn da gibt’s die meisten Programme für. Und die lädt er dann mit seinen Podcasts, Video-Podcasts und ganz vielen hippen, trenden Videos auf .Mac hoch; da zahl er für 100$ im Jahr, und freut sich einen feuchten Keks. Hier John Doh, hast nen Keks. Und bei .Mac, können sich die ganzen anderen Leute, die so im Internet unterwegs sind, das gaaanz langsam runterladen.
Und Linux:
[...] Das heißt, man kann sich das jederzeit kostenlos aus dem Internet herunterladen, nur nicht mit dem Internet Explorer; obwohl, das geht auch, aber der stürzt dann ab und dann ist alles weg. Also vielleicht mit dem Firefox.
Eine Erklärung, was denn Open Source ist, darf natürlich auch nicht fehlen:
[...] Das heißt, jeder kann sich mal so ein Programm für Linux angucken und dann kann er einfach mal das verbessern, was er findet, was nicht so gut ist. Natürlich muss er davon auch Ahnung haben, aber das muss man bei Linux eigentlich so wie so.
[...] Das Problem bei wabbeligen Fenstern ist: Mit denen kann man sich so richtig toll seinen Computer kaputt machen. Einmal einen falschen Schalter gedrückt, schon ist alles weg. Naja gut, auf jeden Fall für lebende Menschen, für nichtlebende Menschen, für die ist das egal, denn die arbeiten ja immer noch auf der Konsole, und finden das ganz toll. Da programmieren sie z.B. Treiber, oder lustige Effekte, die man auf den Desktop schalten kann. Nur haben die leider wenig Ahnung, wie man das so machen kann, dass es andere Leute verstehen. Aber dafür wird es immer besser.
Weiter geht es mit einem Überblick, wie man auf den Systemen jeweils Programme installiert:
[...] So, jetzt hatte der Windows-User einen Bluescreen. “Blue” heißt blau und “Screen” heißt Bildschirm. Ein blauer Bildschirm. Das kommt immer, wenn der Windows-PC sich sagt: “Ich stürz jetzt mal ab, und zwar komplett.” Dann steht da so ein toller Fehlercode drauf, den kann man dann im Internet suchen und dann findet man meistens – NICHTS. Mit dem Fehlercode, da können übrigens nur Nichtmenschen was mit anfangen. Und die, die sind bei Windows auch ganz toll aufgeschmissen, weil die, die können auch die Windows-Konsole nicht benutzen, denn die funktioniert zwar, aber die kann nix.
[...] Und wenn man mal ein Programm braucht, was jetzt nicht in der Paketverwaltung drin ist, dann sucht man sich einfach einen Nichtmenschen, und der bastelt das dann mit der Konsole zusammen. Fertig.
Das abschließende Fazit ist auch ein Brüller:
[...] Alle Νichtmenschen, oder die, die gerne mal was ausprobieren wollen, die sollten Ubuntu oder Linux nehmen. Die hippen Kids und die ganz tollen Neureichen, die nehmen einen Mac. Und alle, die so bisschen… Zocker sind, oder einfach kein Geld haben, oder einfach kein Qualitätsbewusstsein, die nehmen Windows. Oder, weil sie Solitär spielen wollen.
Das ist doch wirklich endgeil, oder? Und man könnte fast meinen, sie wollen mir gefallen, weil ich mal einen Kommentar auf ihrem Blog geschrieben habe, sie sollten doch auch mal Linux in ihrer Sendung erwähnen. Rausgekommen ist fast eine kleine Gehirnwäsche, die auf die absurden Besonderheiten der Betriebssysteme aufmerksam macht, das verdient meinen allergrößten Respekt, ich hätte einen so guten Gesamteindruck und solche Umsetzungsideen nie gehabt. Schaut doch mal beim Weekend-Trash vorbei, hört ein paar Folgen und abonniert sie, die könnten die nächste Dingolstadt Comedyshow werden!
AmaroK-Tipp: Nicht unterstützte Dateien automatisch beim Übertragen auf den iPod in MP3s konvertieren
7Während ich heute intensiv Harry Potter 7 zu Ende hörte (ich bin mit einer Hörspanne von zwei Monaten dabei wohl der Langsamste auf dem Planeten) hatte ich viel Zeit, mich wieder einmal innigst mit meiner Musikbibliothek und meinem iPod zu beschäftigen. Doch noch ein ganz heißer Insider zu Harry Potter: Ich kann euch zwitschern, dass er doch nicht stirbt.
Ein Problem, das ich bisher immer mit meiner Musikbibliothek hatte war, dass sehr viele meiner Stücke in Ogg Vorbis sind und ich auch neue CDs eher in dieses Format als in ein anderes rippe, weil mir seine Freiheit zusagt und die Qualität besser als bei MP3 bei gleicher Dateigröße ist. AAC ist ganz nett, aber nicht frei und mir ist auch insgesamt das Frauenhofer Institut wegen seiner Lizenzpolitik unsympathisch. Aufwendige Hörspiele in heruntergerechnetem Souround-Klang kommen gar noch ins verlustfreie FLAC-Format.
Das ist so lange prima, wie ich die Musik und Hörspiele nur auf meinem PC abspielen will, sollte auch nichts ausmachen, er hat hier die beste Tonanlage. Mein alter i.Beat classico FM kann mit vielen Abstürzen mit Ogg Vorbis umgehen, den habe ich aber bis für Audio-Aufnahmen ausgemustert und nutze nur noch meinen iPod nano G3 mit 8 GB, der sich seit der libgpod 0.6 auch von Linux aus beschreiben lässt.
Der iPod akzeptiert nur MP3, AAC, WAV, und diverse Apple-eigene (Kopierschutz-)Formate, ist also sehr unbrauchbar, wenn es um das Abspielen von Ogg Vorbis geht. Auch Rockbox oder iPod Linux lassen sich auf den G3 wegen einer verschlüsselten Firmware und neuer Hardware, für die es anscheinend noch keinen Compiler gibt, nicht installieren, ich bin also auf Gedeih und Verderb der Apple-Firmware ausgeliefert und meine Ogg Vorbis-Dateien mussten bisher im wahrsten Sinne des Wortes “zu Hause” bleiben.
Aber jetzt habe ich eine kleine fantastische Funktion in AmaroK entdeckt: Es kann nicht kompatible Dateien “on-the-Fly” während einer Übertragung auf einen iPod oder ein anderes mobiles Abspielgerät in MP3 konvertieren, diese MP3s übertragen und nach der Übertragung vom Computer gleich wieder löschen! So bleibe ich meinen Prinzipien treu, auf freie Software und Standards zu setzen und kann trotzdem meine Musik auf dem iPod hören! Natürlich unstimmig, dann überhaupt einen iPod zu kaufen, aber von der Benutzerfreundlichkeit, dem Design und den Features sind die schlicht die besten. Bis auf den Ton vielleicht, naja, da stinken sie doch gegenüber der Konkurrenz stark ab, aber der ist noch gut hinnehmbar und meine Sennheiser CX 500 federn das ein bisschen ab.
So funktioniert’s: In AmaroKs Einstellungen auf “Media-Player” klicken und rechts neben dem aufgelisteten mobilen Abspielgerät (es muss angesteckt sein) auf das Zahnradsymbol gehen. Dann einfach “Vor der Übertragung umwandeln” aktivieren und darunter den Knopf “Umwandlung in das vom Player bevorzugte Format (mp3) – Nur wenn nötig” und je nach Gedüngen darunter noch “Umgewandelte Dateien nach der Übertragung entfernen”. Damit das dann auch funktioniert, muss das Paket “soundkonverter” und unter Umständen noch “vorbis-tools” installiert sein (hat bei mir ohne funktioniert). Vermutlich muss man dann erst einmal SoundKonverter starten und einrichten, das weiß ich nicht mehr, weil ich es schon davor installiert hatte und dann werden in Zukunft ganz unbemerkt von einem und “objektorientiert” unpassende Dateien in Ogg Vorbis oder FLAC während der gewohnten Übertragung aus AmaroK heraus auf das mobile Abspielgerät in MP3s mit anscheinend variabler Bitrate zwischen 160 und 180 kb/s konvertiert. Das dauert eine Weile, vom Fortschritt kann man sich ja aber über die Systemüberwachung, respektive das Systemmonitor-Applet überzeugen. Bei der Konvertierung werden nicht nur die Vorbis-Tags in ID3-Tags übernommen, sondern sogar die in AmaroK eingestellten Cover in die MP3s geschrieben (da AmaroK aus Lizenzgründen – hallo FHI! – im restlichen Programm keine Cover in MP3s schreiben kann, und man sich bei schon auf dem Computer als MP3s gespeicherten Stücken die Cover als cover.jpg in das Albenverzeichnis legen muss, obwohl die ID3-Tags das, anders als leider der Ogg-Container, bei dem man das immer so machen muss, unterstützen, ist das erwähnenswert, weil während der Konvertierung die Cover ja an der einzigen Stelle im Programm offensichtlich in die ID3-Tags geschrieben werden!). Qualität geht also logischerweise verloren und es lässt sich scheinbar auch nicht einstellen, wie viel kb/s die MP3s haben sollen, aber doch kann man so auch unterwegs auf seine ganze Musik zurückgreifen und dafür ist diese Lösung wirklich glänzend!

