Frumble201

Es gibt viele Nicht-Geeks, die sich in den letzten Jahren für Linux auf dem Desktop entschieden haben, und es ist toll, dass es sie gibt! Das zeigt, wie weit wir in Benutzerfreundlichkeit sind.
Der Ubuntu-Installationsassistent trifft, etwa bei der Partitionierung, also der Aufteilung der Festplatte, sehr undifferenzierte, pauschale Entscheidungen, wenn man ihn auf den Mach-alles-für-mich-Werten belässt, was die meisten Nutzer ja tun, weil sie sich nicht trauen, selbst über das System zu bestimmen, sondern das System bestimmen lassen.

Für wen ist diese Anleitung? Ich weiß es selber nicht so genau. Sie ist ein seltsamer Mischling zwischen persönlichem Blog-Eintrag und einer Tipp-Sammlung. Sie richtet sich sicher nicht an Ubuntu-Einsteiger, sondern eher an die, die schon mehrmals ein Ubuntu installiert haben, die sich aber immer den Vorentscheidungen des Installationsassistenten gebeugt haben und nun mal von Grund auf alles richtig machen wollen. Ich will damit keine schrittweise Anleitung, sondern Anregungen und Ideen geben und auf Möglichkeiten der Konfiguration aufmerksam machen. Der rote Faden ist ein ›Upgrade‹ auf das neue Ubuntu 9.04, das Ende April herauskam.

Meine Haltung zu Upgrades
Upgrades sind Aktualisierungen von Systemen oder Programmen auf die nächste ›große‹ Version mit größeren Änderungen. Man kann Windows, Mac OS X und Linux-Distributionen auf die nächste große Veröffentlichungsversion upgraden, ohne seine Systemeinstellungen, Programme und Dateien zu verlieren, theoretisch. Praktisch ist das unter Windows so, dass ein Upgrade ein meistens sowieso schon altes/benutztes/mit Software bespieltes und von Fehlern duchlöchertes Windows-System noch mal zerkratzt, so dass man zwar in den meisten Fällen ein benutzbares System erhält, es aber einfach nicht rund läuft.
In der Theorie ist das Upgrade eines Linux- oder sonst wie unixiiden Systems das sauberste, das man durchführen kann, weil die Systembestandteile sehr klar deklariert sind, jede Datei versioniert, die Programme dabei eher evolutionäre als revolutionäre Änderungen erfahren und außer dem Systemkern auch noch die allermeisten darauf laufenden Applikationen, da sie aus dem Paketserver-Pool der Linux-Distribution stammen, mitaktualisiert werden.
Wann sollte man also dennoch eine Neuinstallation als Upgrade in Betracht ziehen? Vier mögliche Gründe:

  • Das System läuft irgendwie nicht mehr zuverlässig, oder so, wie es sollte
  • Man hat das System ›verkonfiguriert‹
  • Man hat im Laufe der Zeit so viele zusätzliche Programmtitel zum Testen installiert, dass die Menüs prallvoll sind und man hat keine Lust, von Hand auszumisten (wobei dann auch nur die Programme selber und nicht ihre mitgezogenen Abhängigkeiten mitentfernt würden)
  • Man möchte auf eine intelligentere Partitionierung umstellen

Seht ihr eurer System in einem der Punkte beschrieben, dann rate ich euch wirklich: Macht eine Neuinstallation statt eines Upgrades. Das fühlt sich auch allein ideologisch schon besser an.

Zur Konfiguration
Ein grundlegender Unterschied zum Microsoft-System: Mit Windows hat man immer Arbeit, ein Linux dagegen läuft in der Regel, nachdem man einmal eine hohe Konfigurationshürde erreicht hat, sehr lange ziemlich gut.
Ich selbst schiebe die Installation einer neuen Version immer einige Zeit vor mir her, weil es halt wirklich Arbeit ist. Dann nehme ich mir mehrere Tage einige Stunden das System vor, für Ubuntu 9.04 habe ich geschätzte 16h gebraucht, bis alles so lief, wie auf meiner vorigen Installation. Diese Zahl ist ungeschönt, aber ich will bemerken, dass ich ein Perfektionist bin, dann der Entwickler von Fertibunti (was auch Zeit kostete), wirklich viel individuell haben möchte, und dass gerade mein Rechner (gemäß meinem Fachwissen, es darf ja nicht einfach funktionieren… Ich staune, wie toll sich die Computer meiner Freunde, die nicht so versiert sind, einer Ubuntu-Installation fügen…) mir gerne dazwischenfunkt.

Das, was wohl auf einem Windows-System am meisten Zeit verschlingt, ist die Installation von Software. Die Installation. Die Setups sind unglaublich lahm und umständlich. Die Einrichtung des Systems macht man bei Windows mehr oder weniger nebenher.

Durch die geniale Paketverwaltung von Linux-Distributionen nimmt dort die Nachinstallation zusätzlicher Programme den kleinsten Teil der Nacharbeit ein. Benutzt ihr mein Fertibunti, das automatisch alles Notwendige und noch ein bisschen mehr nachinstalliert und einrichtet, kommt ihr zeitlich wirklich gut damit weg. Auf einem halbwegs aktuellen Rechner sollte das mit DSL 16.000 nicht über eine Stunde dauern. Umgerechnet auf die Zeit, die diese Programmfülle durch den typischen Windows-Installationsweg vernichten würde, wären das sicher über sechs Stunden Arbeit, und dabei macht Fertibunti alles automatisch.

Wir sichern…
Bevor wir neuinstallieren, sollten wir natürlich die wesentlichen Dinge unseres noch laufenden Systems sichern, ein paar, die mir wichtig erscheinen:

  • /etc/fstab
  • /etc/X11/xorg.conf
  • /etc/apt/
  • /boot/grub/menu.lst

Überhaupt wäre eine Komplettsicherung des Systems auf eine andere Festplatte/Partition ratsam. Ich empfehle dafür sbackup.

Hat man /home noch nicht auf einer separaten Partition (dazu später mehr), so muss man natürlich auch alle seine sichtbaren und versteckten Dateien in seinem ›Heim-Ordner‹ sichern. Dabei kann es vorkommen, dass einige Dateien sich nicht kopieren lassen, weil etwa die persönlichen Rechte nicht dazu ausreichen. Es kann gesagt werden, dass die alle nichts Wichtiges sind, fast immer auch nur sehr klein. Einfach überspringen, das macht später nichts aus.

Woran dann fast niemand mehr denkt, sind ›Sicherungen‹ von allgemeinen Systemzuständen. Ich rate, Bildschirmfotos zu machen:

  1. Vom Desktop mit offenem Nautilus-Fenster (so hat man die laufenden Panel-Applets und die Nautilus-Lesezeichen festgehalten)
  2. Falls man ein alternatives Anmeldefenster installiert hat, den Anmeldefenstermanager öffnen und sich den Namen des Themas rausschreiben, damit man es später wieder auf Gnome-Look.org findet
  3. Eventuell schauen, wie man den Drucker konfiguriert hat
  4. Von Synaptic (-Paketverwaltung) → Ursprung → Lokal/* (unter den Subkategorien von Lokal werden alle installierten Pakete gelistet, die nicht über die System-Quellen von Apt installiert wurden)
  5. Von GParded mit den Partitionen (Mountpunkte) (Wenn noch nicht installiert: Paket gparted installieren und dann über System → Systemverwaltung → Partition Editor starten)

Die Bildschirmfotos von GParded und eine Kopie der Datei /etc/fstab legt ihr nun auf einen USB-Stick, bereit für die Installation.

64-Bit?
Das ist eine Frage, die sehr oft in Linux-Foren gestellt wird: Soll ich die 32-Bit-, oder die 64-Bit-Version installieren?
In den Foren melden sich dann oft die, die sagen, dass es sich nicht lohnt, weil man den Unterschied fast nicht spürt, oder nur in pompösen Datenbankanwendungen.

Ob man die 64-Bit-Version installieren sollte, wenn der Prozessor 64-Bit unterstützt? Ich beantworte das mit einem klaren Ja, warum nicht!, mit einer Einschränkung: Hat man unter 1 GB RAM, könnte es besser sein, noch ein 32-Bit-System zu installieren.
64-Bit bringt keine Nachteile mehr. Flash läuft gut, Java gibt es, Multimediacodecs machen seit Jahren keine Probleme mehr. Warum also sollte man auf ein bisschen Mehrleistung verzichten, wenn es die Hardware hergibt?
Auch bei der Softwareauswahl muss man keine Abstriche machen, praktisch 1:1 hat man die gleiche Fülle wie ein 32-Bit-Nutzer in den Quellen zur Verfügung.
Linux war der erste Kernel für die AMD64-Plattform (die auch heute Intel-Prozessoren implementieren, wenn sie 64-Bit-Code ausführen) und damit zum ersten Mal in seiner Geschichte die Präferenz- und Standardplattform für eine neue Rechnerarchitektur. Es läuft toll darauf.
Anders als die 64-Bit-Versionen von Windows und Mac OS X kommt eine 64-Bit-Linux-Distribution ausschließlich mit 64-Bit-Software daher und jedes Programm, das man über die Paketverwaltung nachinstalliert, ist auch für 64-Bit gebaut, abgesehen von einigen proprietären Dingen wie Flash, Adobe Air oder Zattoo, die immer noch eine Kompatibilitätsschicht benötigen, was aber auch wenig Probleme macht. Bis auf die codegeschlossenen Applikationen hat man dann tatsächlich ein massiv 64-bittiges System, ist das nicht cool? Vergleicht das mit Windows, wo noch nicht mal Microsoft seine Produktpalette wenigstens zu einem nennenswerten Teil in 64-Bit anbietet, von den Drittanbietern ganz zu schweigen!

/boot und /home als separate Partitionen
In einer Standardinstallation sind /boot und /home Unterverzeichnisse der „/“-Partition. Im Prinzip kann man jedes Verzeichnis einer Linux-Distribution aber auf eine separate Partition auslagern. Das bringt für mich vor allem Systemsicherheit mit sich: Ich weiß genau, dass der Kernel und die GRUB-Konfiguration auf dieser ersten kleinen Partition liegen, außerdem erlaubt es mir so, der übersichtlichen Konsequenz wegen, nur /boot als primäre Partition anzulegen und alle weiteren Partitionen als logische in einem erweiterten Container zu erstellen.
/home als separate Partition sollte Pflicht sein: Ist das System beschädigt und startet nicht mehr, kann man ›einfach‹ Linux noch einmal installieren und wieder die entsprechende Partition als /home einhängen und man hat sofort seine individuelle Desktop-Konfiguration und sein Heimatverzeichnis. Theoretisch ist es auch möglich, für mehrere Linux-Distributionen wie Ubuntu, Fedora und SUSE die gleiche Home-Partition anzugeben (was aber an der unterschiedlichen installierten Software dann in Menüs nicht gut aussieht). Und sowieso, weil ich so oft neuinstalliere, wäre es furchtbar umständlich, jedes mal /home zu sichern und später zurückzuspielen.

Option 1: Eine frische Installation mit ganz neuer Partitionierung
Ich will hier nicht auf die einzelnen Schritte eingehen, weil ich einfach davon ausgehe, dass ihr ein ›Upgrade‹ machen wollt und schon mit früheren Installationen Erfahrungen sammeln konntet. Nicht schaden kann es, wenn ihr euch den Wikipedia-Artikel zu Partitionen durchlest, besonders die Sache mit primären, erweiterten und logischen Partitionen solltet ihr später können.

Zunächst ein ›Insider‹: Den Computer ausschalten und ein paar Minuten vor Beginn der Installation abkühlen lassen. Das ist wahrscheinlich vollkommen sinnlos, aber es gibt einem ein gutes Gefühl; wie »Jetzt ruhst Du dich noch einmal aus und dann geht es konzentriert los.«
Auch das Zimmer mal gut durchlüften, damit man selbst genug Frischluft hat, um kühl denken zu können. Vernachlässigt das nicht, es ist ungeheuer wichtig, bei der Partitionierung keine Fehler zu machen.

Startet von der CD, wählt ›Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert)‹ aus dem Bootmenü und wartet, bis die Oberfläche geladen ist.

Bei einer vollkommenen Neuinstallation (oder eben wenn man die Festplatte komplett neu einteilen möchte) mit dem Partitionseditor (unter System → Systemverwaltung) Platz für /boot, /, /home und swap schaffen.
Legt dann 4 neue Partitionen für Ubuntu an (Dateisystem alle Ext4 bis auf Swap, da wählt ihr ›Linux-Auslagerungsspeicher‹)

  • /boot : 200 MB
  • / : 10-20 GB
  • swap : Mindestens so groß wie der verbaute Arbeitsspeicher, aber nicht mehr als doppelt so viel
  • /home : mindestens 10 GB

Zu /home : Kommt darauf an, wie ihr vor habt, eure Nutzerdateien zu verwalten. Man kann entweder wirklich /home nutzen, um dort seine Bilder, Videos und die Musiksammlung unterzubringen, spricht nichts dagegen. Ich habe, um flexibler zu sein mit anderen Distributionen, auf /home nur das Nötigste, also Konfigurationsdateien und meinen Podcasts-Ordner liegen und nutze die Partition mehr oder weniger als temporäres Abstelllager von Arbeitsdateien und speichere meine ›Eigenen Dateien‹ auf einer anderen Partition. Aber spricht wie gesagt nichts dagegen, /home für alles zu nutzen.

Bleibt zu sagen, dass ihr die Partitionierung mit GParted durchführen solltet, bevor ihr das Setup mit dem Icon auf dem Desktop startet.

Folgt dem Assistenten wie gewohnt, bis ihr gefragt werdet, wie ihr die »Festplatte vorbereiten« möchtet. Dort wählt ihr »Partitionen manuell festlegen (fortgeschritten). Darauf seht ihr eure vorhin angelegte Partitionierung und könnt den Partitionen Einhängepunkte (auch ›Mountpoints‹) und Dateisysteme zuweisen (sollte natürlich wieder alles Ext4 sein, bis auf die Swap).

Option 2: Neuinstallation über Vorgängerversion von Ubuntu
Nach dem Starten von CD (analog zur vorherigen Option, mit ›Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert)‹ ) den vorbereiteten USB-Stick mit den Bildschirmfotos und der fstab einstecken, dann den Installationsassistenten starten. Der USB-Stick sollte automatisch eingehängt und geöffnet werden. Der Installationsassistent wird uns gleich anbieten, den USB-Stick wieder auszuhängen, was wir aber dankend verneinen.

Fall 1: Ihr habt im vorherigen Ubuntu noch keine separate /boot- und /home-Partition gehabt. Vor der Neuinstallation sichertet ihr also euer ganzes Benutzerverzeichnis unter /home inklusive aller versteckter Ordner auf DVD oder eine andere Partition oder Festplatte. Jetzt wollt ihr diese Partitionen anlegen, das geht am besten mit dem Partitionseditor (unter System → Systemverwaltung). Der sollte noch vor dem Installationsassistenten gestartet werden.
Verschiebt, ändert Größen und löscht nach euren Wünschen vorhandene Partitionen, um, falls ihr das braucht und in der alten Installation gemerkt habt, dass ihr mehr Platz für z.B. /home benötigt, als zuvor die Partition hergegeben hat.

Fall 2: Ihr habt schon eine /boot- und eine /home-Partition und seid damit zufrieden. Bestens.

Die wichtigsten Mountpunkte gemäß meiner alten Belegung wieder zugewiesenIm Installationsassistenten dann zunächst /boot, /, /home und swp (wieder) besetzen. Zum Formatieren davon nur die /boot- und /-Partition vormerken (bei Fall 2)! Dateisystem der Wahl für /boot, / und /home (nur bei Fall 1 natürlich auch /home formatieren) ist das neue schnelle Ext4.

Jetzt kommen unsere Bildschirmfotos von GParted vom Vorsystem ins Spiel. Öffnet sie vom USB-Stick und richtet die Mountpunkte der anderen Partitionen getreu diesen Bildern ein. Dabei immer als Dateisystem das wählen, was schon im Hauptfenster in der Spalte “Verwendung” steht. Der Mountpunkt muss mit der Tastatur eingegeben werden (etwa /media/sdb8) – eben so, wie er früher schon war, gemäß dem Bildschirmfoto.
Alle Mountpunkte gemäß meiner alten Belegung wieder zugeteilt
Übrigens: Hat man in der vorherigen Installation einigen Partitionen noch gar keine fixen Mountpunkte verpasst, bietet sich nun die Gelegenheit dazu. Heißt die Partition etwa /dev/sda10, so kann man sie als /media/sda10 einhängen lassen. (Bitte nicht beachten, dass ich in nebenstehendem Bild in den Mountpunkten immer sdb statt sda, wie das /dev-Gerät heißt, eingebe. Das hat esoterisch-unerklärliche technische Gründe, irgendwie zusammenhängend mit meinem BIOS. Einfach nicht beachten. Auch bitte im Bild nicht darum kümmern, dass zwei Partitionen im Fensterfoto des Partitionseditors vom alten Ubuntu als “unbekannt” markiert sind; ich hatte diese schon als Ext4 benutzt, aber die dort eingesetzte Version des grafischen Partitionsmanagers unterstützte zu dem Zeitpunkt noch kein Ext4.)
Versucht nicht, meine Partitionierung zu verstehen. Macht euch nur klar, wie ihr die alten Belegungen der Mountpunkte übernehmt. Dieser Dialog ist der fordernste und gefährlichste am ganzen Betriebssystem.

Die Partitionierung, egal wie frustierend sich das Werkzeug gebärdet, unbedingt gewissenhaft und mit größter Konzentration durchführen, dabei mehrmals die Angaben auf Mountpunkte und Formatierungen überprüfen, gegebenenfalls hier sogar eine kleine Pause einlegen, wieder an den PC gehen und noch einmal alles überprüfen und überdenken; vielleicht will man ja etwas doch anders machen. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich, eine intelligente und maßgeschneiderte Festplattenaufteilung zu haben.

Sodann das erledigt ist, werdet ihr nach euren Anmelde- und Benutzerdaten gefragt. Führt ihr ein “Upgrade” durch, dann müsst ihr natürlich euren Benutzer wieder so nennen, wie er schon zuvor hieß. Hattet ihr mehrere Konten, dann erstellt jetzt einfach eines der Konten, später im installierten System lassen sich dann noch weitere Benutzer hinzufügen (es geht dabei nur um die Registrierung beim System an sich, eure Benutzerdaten sind ja auf der separaten Home-Partition (Fall 2) oder spielt ihr später von der Sicherung zurück (Fall 1)).Die Übersichtsseite des Ubuntu-Installationsassistenten kurz vor dem Startschuss
Nachdem euch der Assistent noch gefragt hat, ob ihr von einem installierten Windows-System Benutzerdaten importieren wollt (tut’s nicht!), seht ihr auf einer Übersichtsseite noch einmal alle auszuführenden Aktionen und Einstellungen. Vergewissert euch dort erneut von der Richtigkeit der Formatierungsaufgaben. Dann sollte die CD werkeln und Ubuntu 9.04 auf eure Festplatte schaufeln.

Erste Aufgaben nach dem „Upgrade“
Fall 1: Ihr habt eine Standardinstallation vor euch, nichts ist eingerichtet.
Spielt von eurem Backup, seien es DVDs oder eine Backup-Partition, wieder eure ganzen versteckten und nicht versteckten Dateien eures alten /home/$BENUTZERNAME$ zurück, wenn ihr gefragt werdet, wie ihr mit schon vorhandenen Dateien verfahren wollt, sagt, er soll sie überschreiben.
Am Kritischten dabei sind die Benutzerrechte, dass die stimmen. Bekommt ihr Probleme dabei, fragt mich hier in den Kommentaren oder im Ubuntuusers.de-Forum.

Fall 2: Da ihr euer /home behalten habt, sollte euer gewohnter Desktop wieder vor euch erscheinen:
Die Grundausstattung - man beachte die fehlenden Programme hinter den Verknüpfungen

Fall 1+2 anschließend:
Ihr seht, dass die Panels sehr leer aussehen, oben links sind Platzhalter für einige Starter und oben rechts ist die Begrenzung der Benachrichtigungsfeld-Symbole viel zu weit links. Das kommt schlicht daher, dass noch nicht alle Programme installiert sind, die ihr/ich in eurer vorherigen Installation hattet, die liefen, und von denen ihr Starter angelegt habt.
Jetzt geht es also an das Installieren dieser zusätzlichen Pakete.
Dafür, und um überhaupt mal eine ansehnliche Auswahl von – aus meiner Sicht – unentbehrlichen Anwendungen zu bekommen, lege ich euch mein Fertibunti-Script ans Herz. Es erweitert selbständig die Paketquellen um z.B. Medibuntu, Wine und VirtualBox und installiert alle nötigen Mediacodecs, „echte“ Multimediasoftware, Internetprogramme wie Skype, Filezilla, Firefox 3.5 und Midori und eben viele Systemerweiterungen und -Programme wie VirtualBox, Compiz Fusion-Plugins, volle PulseAudio-Kontrollapplets, Envy, Gnome Do und so weiter. In meinem Freundeskreis ist das sehr beliebt und es funktioniert auch wirklich.
Außerdem konfiguriert Fertibunti ganz zart den Desktop, stellt auf das chice Gnome-Thema „Neue Welle“ um und installiert einen hübscheren Anmeldebildschirm.
Man könnte es als die eierlegende Wollmilchsau für die Neuinstallation eines Ubuntu-Systems bezeichnen.

Der fertige Desktop - so könnte es aussehen *höhö*

Einrichtungstipps
Nach Fertibunti geht es dann an die Einrichtung der Hardware (DAS ist es, was bei mir immer so viel Zeit kostet). Normal sollte alles Wichtige schon laufen, Drucker lassen sich grafisch einrichten etc.. Wenn ihr eine ATI- oder Nvidia-Grafikkarte habt, empfehle ich, zur Installation des Treibers EnvyNG zu nutzen (Anwendungen → Systemwerkzeuge → EnvyNG) , und nicht den von Ubuntu selbst vorgeschlagenen Treiber (weil EnvyNG einen neueren kennt).
Weiter geht es mit den Applikationen, die nicht in den Quellen sind, und von deren Liste ihr euch vor der Neuinstallation in Synaptic ein Foto gemacht habt (das war das unter Ursprung → Lokal/*).

Wollt ihr den Bootmanager anpassen, eignet sich der (von Fertibunti installierte) StartUp-Manager (System → Systemverwaltung → StartUp-Manager). Damit lassen sich unzählige Einstellungen komfortabel ändern, z.B. das als Standard zu startende Betriebssystem, die Wartezeit und die Bildschirmauflösung des Bootbildes. Ganz nett finde ich auch, über das Deaktivieren des Häkchens bei ›Zeige Bootmenü‹ überhaupt erst mal kein Bootmenü anzuzeigen, sondern es erst durch Drücken von Esc einzublenden, was den Systemstartprozess konsistenter erscheinen lässt.

Um nicht unnötig auf / Platz zu verschwenden, ist es klug, in Synaptic unter Einstellungen → Dateien → Temporäre Dateien → ›Heruntergeladene Paketquelldateien nach der Installation löschen‹ zu aktivieren (und einmal den Knopf ›Alle Paketdateien im Zwischenspeicher löschen‹ zu betätigen).

Wer sich noch nicht intensiver damit beschäftigt hat, sollte auch unbedingt einmal die Auswahl an Panel-Applets durchwühlen. Einfach einen Rechtsklick auf eines der Panels und ›Zum Panel hinzufügen …‹ wählen. Was ich absolut empfehlen kann:

  • Tomboy – Eine intelligente Notizenverwaltung, die für mich eines der Highlights von Gnome darstellt – ist mir absolut unbegreiflich, warum Canonical das nicht in der Standardinstallation gleich im Panel aktiviert
  • Systemmonitor – Eine Live-Systemlastenanzeige über CPU und bei Interesse auch Speicher, Netzwerk, Swap, Last und Festplattenaktivität. Wie kann man ohne eine Lastenanzeige arbeiten?!
  • Überwachen der Prozessortaktstufen – manuelle Regelung der Prozessortaktstufen. Das kann für Notebook-Besitzer zum Stromsparen interessant sein, und ist es umgekehrt, wenn der Kernel bei HD-Videos einfach nicht richtig hochtakten will, wie er es sollte (hier ein Foreneintrag zu dem Problem)
  • Netzkerküberwachung – Ein Applet, das hauptsächlich blinkt, wenn Daten übertragen werden, oder das ein durchgestrichenes Symbol zeigt, wenn man keine Verbindung hat (ich nutze an meinem Desktop-PC das, weil ich auf den großen Netzwerkmanager verzichte)
  • Medien-Applet – Superpraktisches Pulldown-Menü mit einer Liste aller verfügbaren Partitionen, und mit Aushängeknopf
  • Deskbar – Universalsuche mit individuell zuschaltbaren Plugins. Sucht nach Anwendungen, Kontakten, Dateien (über Tracker), kann auf Twitter und identi.ca veröffentlichen, kann im Web suchen und so weiter. Kann man sich vorstellen wie der Spotlight-Knopf in Mac OS X. Eine ideale Ergänzung zu Gnome Do (manches geht mit Gnome Do schneller, manches mit der Deskbar)
  • Fisch – Klickt man darauf, öffnet sich ein „Glückskeks“ mit Sinnsprüchen, Witzen oder Wissenswertem, dank Fertibunti sogar auf Deutsch. Man sollte aber unbedingt in den Einstellungen die Pause nach jedem Einzelbild der Schwimmanimation auf 10 Sekunden hochsetzen, denn sein Gezappel hält sonst keiner aus
  • Temperaturindikator – ist in der Uhr schon integriert. Klickt auf die Uhrzeit und expandiert unten ›Orte‹. Über ›Bearbeiten‹ lässt sich dann der Wohnort (oder eine Stadt nahe des Wohnorts) bestimmen
  • Zeiterfassung – Eine Art Stoppuhr mit genauer Protokollierung der Art der Arbeit. Ist leider sehr manuell und bringt nur etwas, wenn man sich auch streng an sein eingegebenes Thema hält, ohne abzuschweifen. Dann bietet es aber eine grafisch nette Analyse der Tätigkeiten und Zeiten.

Ich hoffe nun, euch einige interessante Anregungen für zukünftige Installationen gegeben zu haben. Eine Neuinstallation lohnt sich wirklich bei vielen Nutzern statt eines Upgrades, vor allem, da die Systeme oft schon einige holprige Upgrades hinter sich haben. Wenn es Probleme gibt, dann… ähm, nun ja, das ist so eine Sache. ;) Fragt besser nicht mich, sondern im Ubuntuusers.de-Forum, da bekommt ihr schnell kompetente, nette Hilfe.

Lange Zeit hielt ich mich vom Thema Microblogging zurück. Mir war ziemlich klar, dass wenn ich damit jetzt auch noch anfinge, ich mir eine weitere ›Web-Sucht‹ schaffen würde.

Auf die Idee des Microbloggings kam 2006 Twitter.com, ein Startup von unter anderem Evan Williams, ein Mitbegründer von Blogger.com. Die Idee ist so simpel wie komplex zu erklären: Ein Nutzer schreibt ›was er gerade tut‹ in ein Eingabefeld, hat dafür 140 Zeichen, und ›Freunde‹, die ihn auf Twitter abonniert haben, bekommen diese Zeile auf ihrer persönlichen Twitter-Seite angezeigt. Die Wenigsten schreiben wirklich davon, was sie gerade tun, sondern es sind eher ›in den Raum gepustete Bemerkungen‹, Kommentare und kleine Konversationen. Im Video Twitter in Plain English ist das auch noch mal sehr schön erklärt.
Weil das so alleine langweilig wäre, gibt es auch viele Desktop- und Mobilanwendungen, um auf die Twitter-API zuzugreifen und ›Tweets‹ zu lesen und zu verfassen. Will man auf einem Kommentar antworten, schreibt man den Nutzer mit @Name an, will man nichtöffentliche Direktbotschaften verschicken, schreibt man ein d Name und dahinter jeweils den Inhaltstext.
Wie es sich für ein Web 2.0-Angebot gehört, gibt es kurioserweise noch kein Geschäftsmodell. Twitter sagt zwar, sie hätten eines, das auf zusätzlichen Leistungen basiert, die bald eingeführt werden sollen, sagen aber noch nichts Konkretes.

Twitter ist also eine Mischung aus Chat und Gästebuch, Blog und SMS.
Auch wenn sich das so profan als unglaublich belanglos und öde anhört, ist man doch sehr schnell von der neuen Kommunikationsplattform fasziniert und kommt nicht mehr von ihr los. Beim Nutzen von Twitter bekommt man Einblick in die Privatsphäre und den Alltagsablauf von anderen Menschen und entwickelt dafür eine spezielle Form der Sozialkompetenz, beständiges Interesse für andere, kann sie in ihren Kompetenzfeldern um Hilfe zu bitten, entwickelt Einfühlungsvermögen, Respekt, ›Ambient Awareness‹ und fühlt sich allgemein weniger alleine. ;)

Nun, Twitter hat aber einen ganz großen Nachteil an sich: Es ist ein proprietäres, unfreies, in sich geschlossenes System. Heute spielt sich erneut ab, was vor ± 15 Jahren mit E-Mails war: Nutzer von AOL und CompuServe konnten nur Nutzern ihres eigenen Dienstes E-Mails schreiben, erst später wurde die Einschränkung aufgehoben.

Man macht sich also voll von Twitter, der Twitter-Software, der Twitter-API und von überhaupt den Servern des Unternehmens abhängig. Auch falls der, man ist geneigt, ihn Monopolist zu nennen, seine AGBs ändert und Dinge einbaut, wie beispielsweise von ICQ und Facebook vorgemacht, die dem Anbieter das Copyright (!!) an allen über das System versandten Botschaften einräumen, und er sich natürlich Zensurmöglichkeiten offenhält, ist man weiterhin an Twitter wegen all seinen Kontakten dort gebunden. Haargenau gleich übrigens bei ICQ, Skype und allen sozialen Netzwerken (kommt natürlich darauf an, bei welchem Anbieter das mit nationalen Recht vereinbar ist, in Deutschland etwa sind die Urheberrechte unübertragbar). Denkt auch an die ganz handgreiflichen Nachteile eines zentralisierten Systems: ›Vorprogrammierte‹ Server-Überlastungen, bei Twitter kommt das mehrmals täglich vor.
Das alles birgt eine große Gefahr in sich und widerstrebt mir persönlich als Open Source-Verfechter absolut.

Im Mai 2008 startete ich meinen Tumblelog wegen exakt dem Punkt, dass ich das zentralisierte Twitter nicht nutzen möchte.
An meinem Geburtstag im September schließlich gab ich mir selbst nach und verfiel den Freuden des Systems.

Keine drei Monate später, im frühen Januar 2009, stieß ich auf das Laconica-Projekt. Laconica scheint die Lösung für alle Zentralisierungs-, Vertrauens- und Kompatibilitätsprobleme zu sein, die mit Twitter bestehen. Zwar gibt es eine Reihe weiterer Twitter-Nachahmer, doch diese haben Laconica alle mindestens eines hinterher: Sie sind wieder geschlossene Systeme.
Das unter AGPL stehende freie Laconica wurde 2008 vom Kanadier Evan Prodromou mit genau diesem Ansatz entwickelt, eine Microblogging-Software zu schaffen, die dezentral wie das Chatprotokoll Jabber eingesetzt werden kann. Auf seiner Referenzinstallation (und derzeit noch der der größten) identi.ca kann ein Nutzer nicht nur Botschaften eines identi.ca-Nutzers abonnieren, sondern auch die eines jeden anderen Nutzers eines Anbieters einer Laconica-Installation. Etwa einmal im Monat gibt es ein Laconica-Update, die Weiterentwicklung ist also im vollen Gange. Auf Basis des gemeinsamen und im Rahmen des Projektes entwickelten OpenMicroBlogging-Protokolls, kann auch bereits eine kleine Anzahl anderer Microblogging-Systeme mit Laconica-Konten kommunizieren.
Die meist genutzten deutschsprachigen Installationen von Laconica sind bleeper.de und zwitscher.at, eine Liste mit allen Servern gibt es auf der Laconica-Projektseite.

Noch einige weitere interessante Funktionen, die Laconica von Twitter abheben:

  • XMPP/Jabber-Schnittstelle rein und raus für die ›Dents‹ (›Tweets‹)
  • SMS-Versand der Botschaften
  • OpenID-Authentifizierung (fakultativ)
  • Cross-Posting zu Twitter
  • integrierte Hashtags
  • Gruppen – ist man in einer, bekommt man alle Botschaften von anderen mit !Gruppenname vorangestellt zugeliefert und kann selber so an eine breite Interessensschafft z.B. interessante Links liefern
  • URL-Kürzung mit wählbarem Dienst
  • Mehrsprachige Oberfläche (!!)

Wie Twitter bietet auch Laconica eine API für Desktop- und Mobilanwendungen an, die schon einige ›Twitter-Clients‹ implementiert haben, man also wie aus einem Chat-Programm heraus schreiben und lesen kann.

Warum bringe ich den Artikel jetzt? Ich möchte die Menschen so schnell wie möglich auf die reale Twitter-Alternative aufmerksam machen. Es ist höchste Zeit und nun nötig, dass sich da etwas bewegt. Wir wollen keinen Monopolisten auf dem Gebiet Microblogging – die meisten ehemaligen strammen Twitter-Konkurrenten sind eingegangen, weil sie nur ihr geschlossenes Netz kannten und wenig Nutzer hatten.
Aktuell ist die ›Marktsituation‹ so: Auf Laconica treiben sich Tech-Geeks und Nerds herum, speziell aus dem Open Source-Umfeld. Auf Twitter sind Blogger, Podcaster, leider noch die allermeisten Geeks, und der ›Mainstream‹.

Wer (außer mir ;) ) noch großen Einfluss hat, sind Zeitungen. Viele bieten Twitter-Feeds und manchmal Twitter-Aktionen an. Auch die Betreiber von Gewinnspielen, bei denen man etwas über Twitter posten muss, um mitzumachen, wären ein gutes Vorbild für das Laconica-Rollout. Ich finde es sogar für diese ›Mächtigen‹ ein journalistisches und freiheitliches Armutszeugnis, nur einen Anbieter, und eben den geschlossenen zu unterstützen.

Dann sollten die ganzen Web-Twitter-Tools Laconica-Konten lernen irgendwie zu unterstützen. Diese Drittanbieterwerkzeuge für Twitter machen denke ich einen signifikanten Teil des Langzeitspaßes von Twitter aus.

Es muss jetzt etwas passieren. Facebook hat Twitters Kernfunkionalität auch schon als ›Status‹ kopiert und jetzt muss schnellstmöglich Laconica bekannt gemacht werden, ehe Facebook – und das tut es allen Ernstes hierzulande schon bei Über-40-Jährigen – auf dem Gebiet der Quasi-Standard wird – und vor einem Facebook als Microblogging-Monopolist habe ich noch sehr viel mehr Angst als vor Twitter.

Nun, die Technik ist da, die Seiten sind da, die Benutzer kommen langsam und ihr könnt neue begeistern! Schaut euch mal bleeper.de an, registriert euch, macht es euch profiltechnisch gemütlich und schaut ein wenig umher, wen ihr interessant findet zu ›connecten‹ und macht vor allem mehr Leute auf das Laconica-System aufmerksam. Microblogging ist keine Randgruppenerscheinung mehr und als solche darf es dafür nicht nur einen zentralen, proprietären und übermächtigen Anbieter geben!

Linkempfehlungen ;) :
Meiniges Bleeper-Profil
, Twitter-Profil und eine Podcast-Episode zum Thema vom Hackerfunk.

Update vom 10. September 2009:
Laconica wurde umbenannt zu Status.net. Man kann auf der gleichnamigen Seite eigene Status.net-Installationen anlegen, vom Prinzip her gleich wie Wordpress-Installationen auf wordpress.com, oder sich die gesamte Software herunterladen und selbst installieren. Nicht verwirren lassen. Weiterhin gibt es natürlich Bleeper.de, Identi.ca und die anderen Laconica/Status.net-Seiten, da ändert sich überhaupt nichts.

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Durch einen schon etwas älteren Beitrag vom Januar im Ubuntuusers-Forum, bin ich darauf gekommen: Eine Anleitung, wie man in Compiz die “Wunderlampenanimation” auf eine Welle zurückhackt.
Worum geht’s? Wir alle kennen vermutlich den “Genie-Effekt” in Aqua auf Mac OS X, wenn man ein Fenster ins Dock minimiert. In der Anfangszeit von Compiz war davon ein 1:1-Nachbau im Paket, eben diese Animation beim Minimieren der Fenster. Das ging so Angang 2006 bis Herbst 2007, als die Compiz-Entwickler auf ein Softwarepatent von Apple aufmerksam gemacht wunden – Apple hat sich tatsächlich die Animation patentieren lassen, zum Glück ist das noch nicht in der EU möglich. (Auch noch mehr Elemente von Aqua sind patentiert, sehr, sehr hässliche Sache, in KDE4 spürt man richtig, wie die Entwickler um diese Patente herumbauen mussten.) Daher ist seitdem die Wunderlampenanimation mit mindestens drei “Wellen” im Code, das Fenster schwingt also beim Einsaugen und die Wellen lassen sich in den Einstellungen zwar überzeugend mit zig Parametern konfigurieren und noch mehr hinzufügen, aber das ganze ist doch eher unschön. Jetzt gibt es eine Möglichkeit, ein binär installiertes Compiz nachträglich ohne Quellcodeänderung wieder so zu hacken, dass der Effekt keine statt drei Wellen hat.
Ich gehe im Folgenden davon aus, dass ihr Ubuntu 8.04 und das Compiz-Backports-Repos von Intrepid für Compiz 0.7.6 eingeschalten habt:

  1. sudo gedit /usr/share/compiz/animation.xml (in Kubuntu “kate” statt gedit schreiben)
  2. Suchen nach <short>Magic Lamp Max Waves</short>
  3. Ein paar Zeilen darunter steht <min>3</min> – ersetzt die 3 durch eine 0 und speichert die Datei ab
  4. Wir installieren einen Hex-Editor: sudo apt-get install ghex
  5. sudo ghex2 /usr/lib/compiz/libanimation.so → Bearbeiten → Suchen, in der rechten Fensterspalte (der kleineren) “magic_lamp_max_waves” eingeben (einfügen geht leider nicht) und auf “Weitersuchen” klicken.
  6. Im Hauptfenster wird jetzt die Stelle rot markiert, das Suchfenster könnt ihr über “Abbrechen” schließen. Eine Zeile unter der Stelle in der rechten Fensterspalte steht wieder ein <min>3</min>, dass ihr ebenfalls auf 0 ändert und dann die Datei abspeichert.
  7. In diesem Augenblick wird vermutlich der Fenstermanager durch die X.org-Fehlerprävention automatisch auf Metacity gewechselt. Gebt einfach in Alt+F2 oder ein Terminal compiz –replace ein (zwei Bindestriche), um Compiz wieder zu starten.
  8. Das war’s auch schon. Jetzt noch in CCSM (dem Einstellungsmanager) im “Animationen”-Modul unter “Animation ‘Minimieren’” die Wunderlampe als Minimiereffekt einstellen.

So sieht das dann aus:

Aber es ist ja nicht so, dass man als Compiz-Benutzer auf die Wunderlampe angewiesen wäre, es gibt in CCSM noch sage und schreibe 17 andere Minimieranimationen zur Auswahl, bisher habe ich alternativ “Zoom” genutzt, das dem Minimiereffekt von Aero Glass ähnelt. Doch die Wunderlampe ist natürlich das Sahnehäubchen. =) Der Hack ist meines Wissens absolut legitim und legal für Privatpersonen – innerhalb der EU so wie so für alle Personen.

Nachtrag:
Die Anleitung funktioniert nachweislich auch mit dem in Ubuntu 8.10 bis 9.10 enthaltenen Compiz Fusion! =)

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Ab Ubuntu 9.04 empfehle ich diese Anleitung nicht mehr! Die Tracker-Suche ist besser geworden und jetzt sogar ressourcenschonender als Beagle!

In Ubuntu wird seit 7.10 die Tracker-Suche vorinstalliert. Mehr als vorinstalliert wird sie zwar befremdlicherweise nicht – der Nutzer muss sie selbst einschalten und konfigurieren – aber sie ist die Standard-Desktopsuchmaschine. Bis 7.10 hatte ich Beagle benutzt und bin dann mit 7.10 auf Tracker gewechselt, weil Beagle damals mehr an der Leistung zehrte. Aber nicht nur das war der Grund, warum Canonical Tracker und nicht Beagle vorinstallierte: Während Tracker in C++ geschrieben ist, ist Beagle ein Mono/C#-Programm, es war also auch eine politische Entscheidung.

Nun hörte ich in der letzten Zeit vermehrt in Foren, dass Beagle in den neueren Versionen und auch durch ein beschleunigtes Mono schneller geworden sei als Tracker. Heute hatte ich dann mal die Eingebung, ihn noch mal auszuprobieren, weil Tracker wirklich nicht toll ist: Das Ding frisst unfassbare Ressourcen und indexiert anscheinend täglich einmal die Festplatte neu. Und tatsächlich: Beagle ist die schnellste Desktopsuchmaschine, die ich kenne, schneller noch als Spotlight (Google Desktop zählt mal nicht, obwohl es das auch für Linux gibt, das ist aber böhöhöse) und findet auch alles. Momentan ist er noch an der Erstindexierung, aber schon da fühlt sich das System nebenher benutzbarer an als mit laufendem Tracker. Gut, Tracker hat mich nie am Arbeiten gehindert, aber ich habe die Systemlastanzeige im Panel und wenn ständig, auch wenn ich nur schreibe und ein paar kleinere Apps offen haben, da der Pegel auf 100/50% springt, trifft das bei mir einen empfindlichen Nerv. Die Rechenleistung schenke ich lieber BOINC und dem World Community Grid, denn der Rechner ist ja mit dem Athlon64 X2 5200+ EE und 2 GB RAM nicht unbedingt langsam – aber nicht einer Systemsuchmaschine die eigentlich nur funktionieren soll. Mir kommt es auch sonst so vor, als wäre Beagle die reifere Software. Es nutzt z.B. inotify vom Linux-Kernel, wovon ich direkt bei Tracker nichts gefunden habe, wird also wie Spotlight vom Kernel über Dateisystemänderungen benachrichtigt und kann so schnell neue Dateien erfassen und gelöschte aus dem Index entfernen, sehr fein. Genauso wie Tracker lässt sich auch Beagle komfortabel in die Deskbar einbinden, die modulare Allzwecksuchmaske von Gnome.

So installiert und konfiguriert ihr Beagle auf einem Ubuntu Hardy:

  1. Zwei Desktopsuchmaschinen sollten nie gleichzeitig laufen, darum löscht zu erst Tracker: sudo apt-get purge tracker tracker-search-tool
  2. Installiert Beagle aus den Paketquellen: sudo apt-get install beagle python-beagle
  3. Neu anmelden.
  4. Über AnwendungenZubehörSuchen die grafische Oberfläche starten und über SuchenEinstellungen in seine Einstellungen gehen.
  5. Im Reiter Indizierung (müsste eigentlich korrekt “Indexierung” heißen, da indiziert keiner was) unter Allgemein noch weitere zu indexierende und überwachende Pfade angeben und unter Datenschutz falls gewünscht Pfade oder Dateimuster, die nicht indexiert werden sollen.
  6. Im Reiter Backends reichen mir die Plugins “Files”, “NautilusMetadata”, “Pidgin”, “Tomboy” und “applications”. Eventuell brauche ich Tomboy und applications nicht noch mal, weil ich meistens eh über die Deskbar suche und dort auch entsprechende Suchmodule für diese Dinge laufen habe, aber mal schauen.
  7. Falls man es nicht braucht, über SystemEinstellungenSitzungen das “Beagle Search Tool” aus dem Autostart nehmen, der Such-Daemon läuft trotzdem (das nicht da rauslöschen!), dann vielleicht zur einfacheren Erreichbarkeit, und wenn man die Deskbar nicht nutzt, den Starter aus AnwendungenZubehör zusätzlich auf das Panel ziehen.
  8. Neu anmelden (oder Beagle neustarten, aber neu anmelden ist schöner).
  9. Ganz lange warten. Wenn der Such-Daemon einschlafen sollte/(sich killt? → Systemüberwachung, da sollte er, wenn er läuft, mit 19 Nice sitzen), über das “Search Tool” suchen und den Daemon, wenn aufgefordert, über den angebotenen Knopf neu starten.

Damit wär eure Konfiguration fertig und ihr könnt irgendwann, wenn der Index mal was hergibt, damit Suchen und Finden. Über beagle-status auf der Konsole lässt sich übrigens die aktuelle Beagle-Operation mitverfolgen. Demnächst werde ich noch probieren, die aktuelle Version 0.3.8 von der Projektseite selber zu compilieren, die wird wohl nicht mehr in Hardy eingepflegt und soll einige Fehler beheben.

Nachtrag vom 31. August 2008: Beagle ist wirklich viel schneller als Tracker und braucht beträchtlich weniger Ressourcen. Er macht das, was man von einer Desktop-Suchmaschine erwartet und so habe ich ihn auch gleich in Fertibunti mit aufgenommen.
Wer die aktuelle Version 0.3.8 und nicht die veraltete 0.3.3 aus Hardys Quellen nutzen möchte, kann sich auf getdeb.net die 0.3.8 schön vorcompiliert ziehen. Trotzdem sollte “python-beagle” aus den Quellen installiert werden (da ist es egal, dass die veraltet sind), wenn man nachher die Deskbar als Frontend nutzen will.

Stolz verkünde ich das Erscheinen von Fertibunti 3.9! Nachdem 3.8 schon auf Ubuntu Hardy Heron wechselte und es zwischenzeitlich fast wöchentlich Zweipunktversionen mit Paketauswahländerungen gab, bringt Fertibunti 3.9 einige große Neuerungen mit sich.
Durch ein diff der 64- und 32-Bit-Version stellte ich erst einmal fest, dass beide seit Hardy die exakt gleichen (Meta-)Pakte installieren, so gibt es jetzt also nur noch eine Version gleichsam für 64- und 32-Bit-Systeme. Dann bin ich von Sun Java auf OpenJDK umgestiegen und habe mehrere kleine Apps hinzugefügt, auch von getdeb.net sowie außerdem Opera. Weil viele Ubuntu-Nutzer irgendwie keinen Plan haben, wo sie zur Oberfläche Gnome passende Hintergrundbilder herbekommen sollen und auch meistens keine Bestreben zeigen, sich überhaupt auf eine Suche zu begeben, verlinke ich auf ein selbauserlesenes, optionales Archiv-Paket mit eben zu Ubuntu und Gnome passenden Hintergrundbildern, die meisten kommen von gnome-look.org.
Ganz ähnlich, aber im Grunde noch viel schlimmer sieht es auf den heimischen Compiz Fusion-Installationen aus: Nichts ist ordentlich benutzbar konfiguriert. Compiz bietet so ein unglaubliches Potenzial und so eine grenzensprengende Produktivitätserhöhung, die man sich nicht träumen lässt, aber man muss sich damit beschäftigen. Fertibunti 3.9 empfiehlt optional, meine Konfiguration zu laden, die es als Profil herunterlädt. Ich hoffe, die Leute werden nach dem Aktivieren und dem plötzlichen Auftreten von den verschiedensten grafischen Aktionen durch Ausprobieren lernen können, wie man’s richtig nutzt.
Apropos Compiz: Um aktuellere Pakete zu bekommen, habe ich ein zusätzliches, aber wirklich stabiles Repository für die 0.7.6-Pakete in die sources.list eingebunden.
Im Script wurden viele heimtückische Schreibfehler berichtigt und natürlich ganz groß: Fertibunti bekommt ein neues Logo! Es entstand wie so oft zusammen mit Tim B. über lange E-Mail-Machbarkeitsstudien. Und ist es nicht großartig? Danke, lieber Tim!
Die offizielle Fertibunti-Schreibweise änderte sich von “fertibunti” mit kleinem F zu Fertibunti mit großem, möglich war dies leider nicht im Logo, weil die Ubuntu-Schriftart keine Großbuchstaben unterstützt.

Und hier: TADA! Überraschung! Mit FertiKunti gibt es nun auch einen Kubuntu-Ableger!
“Natural” schrieb in den Kommentaren zu Fertibunti (der themennähehalber inzwischen gelöscht), er habe es auf Kubuntu angepasst und so kamen wir ins Gespräch. Eine Kubuntu-Version wollte ich eigentlich schon 2006 basteln, aber mir hat immer die Motivation gefehlt, weil ich niemanden kannte, der KDE als Hauptoberfläche einsetzt. Nach auch da mehreren E-Mails hatten wir eine gelungene Paketauswahl für den Ubuntu-Spin und auch hier hat Tim geradezu selbstaufopfernd ein Logo entworfen:

Viele der Programme der Gnome-Version sind auch in der KDE-Version und natürlich alle oben schon genannten Neuerungen von Fertibunti 3.9. Ein Fertibunteee für den EEE-PC mit Xubuntu ist von mir auch schon geplant und wird wahrscheinlich noch dieses Jahr erscheinen, wenn ich genug EEE-Nutzer finde, um mit ihnen eine optimale Paketauswahl ausmachen zu können. Warum Fertibunti bei so vielen Änderungen immer noch bei Version 3 steht: Auf die 4 will ich erst steigen, wenn ich mich endlich dazu aufraffen kann, eine grafische Oberfläche dafür zu schreiben, quasi als Motivation. ;)

Ich glaube, die neue Version und der neue Ableger sind sehr gelungen und können vielen Neueinsteigern helfen, schnell an ein sehr benutzbares Linux-System zu kommen. Übrigens ist Ferti* nicht nur für Einsteiger… Aber ihr lasst euch ja eh nicht belehren. ;)

Fertibunti-Seite
FertiKunti-Seite

Der kleine amerikanische Linux-Komplettsystemhersteller system76 hat Ubuntu-Sticker für PC-Gehäuse gedruckt und verschenkt sie netterweise an die Fans weltweit. Auf der Seite ubuntu.kamerastars.de gibt es Adressen für Deutsche und Schweizer, die mit ihrem Betriebssystem angeben möchten. Schickt man einen vorfrankierten Rückumschlag dorthin, kommen eine Weile später, bei mir waren es anderthalb Monate, die “bestellten” Sticker. “Bestellt” hatte ich vier, gekommen sind gleich 6, auch nicht schlecht.

Macht sich doch gut neben dem anderen Angeb-Sticker, ge? Der war in der Motherboard-Schachtel des neuen Fertig-Rechners meines Bruders, obwohl da auch nur ein X2 verbaut war. Der Rechner im Bild ist meiner. ;) Auf der linken Rechnerseite sitzt auch noch ein schön mittig platzierter Apple-Sticker (die Seite ist an der Stelle nicht perforiert). =)

Wie ich am Freitag schrieb, wollte ich mit der Installation von Hardy noch ein bisschen warten. Das habe ich jetzt getan und dann gestern gedacht, es reicht jetzt, um den Problemen aus dem Weg zu gehen und ich habe, rein aus Interesse, ob es jetzt auch bei mir tut, ein Upgrade von Gutsy auf Hardy versucht. Und wie klar: Es funktionierte noch mit keiner Ubuntu-Version auf meinem Rechner, die Aktualisierungsverwaltung wurde beim “Säubern der Paketliste”, oder so was, grau und “sudo top” sagte mir, dass ganz hart gzip und tar arbeiteten. Das taten sie dann, eine halbe Stunde lang. Dann wurde die Festplatte ruhig und das graue Fenster blieb. Lustig, genau so war es bei mir schon immer.

Ich lud den Torrent der 8.04 64-Bit-Desktop-CD und brannte das Abbild. Gleich beim Bootpromt öffnet sich automatisch das Sprachwahlmenü, endlich, das die Leute nicht gleich beim Bootpromt Deutsch auswählten, war der seltsame Hauptgrund dafür, dass bei vielen das System halb auf Englisch blieb. So wie ich das überblicke, ist das erste Mal jetzt in Hardy die Bootoption auf der Desktop-CD, direkt die grafische Installation ohne Gnome außen rum zu starten, was vermutlich die RAM-Anforderungen etwas heruntersetzt und die Leute nicht gleich zur Alternate-CD zwingt.

Bei der Installation gab’s keine Probleme (besonders unterhaltsam war unter Feisty und Gutsy, dass sich das Fenster mit der Fortschrittsanzeige irgendwie schloss, aber das System weiterinstallierte…), aber beim ersten Start in GRUB kam ein unglaublich fetter Fehler “ans Tageslicht”: Alle Ubuntu-Kernels verwiesen darin auf (hd0,10), waren aber auf (hd1,10)!! Mit “e” und dem Editieren innerhalb GRUBs startete das System dann auch bei mir und ich änderte gleich manuell in der /boot/grub/menu.lst die falsche Festplattenangabe. Zur Erklärung: Das System nimmt ganz einfach an, dass es auf der ersten Festplatte installiert sei und schreibt gleich mal “(hd0″ in die menu.lst bei der Installation und passt nur noch die Partitionsnummer an! So ein Fehler darf doch bei einer LTS-Version nicht passieren! Und ich dachte, da gab es eine Betaphase!

Als das System dann lief (und sogar nach einem Kaltstart di-rekt(!!) in den X-Server hineinstartete!) fiel gleich mal auf, dass keine anderen Partitionen eingehängt waren, als die, denen ich bei der Installation Mount-Punkte gab (wie hat das Gutsy gemacht?). Die anderen konnte ich Doppelklicken und mit meinem Passwort dann auch mounten, wobei die erste Angeklickte /media/disk wurde, die zweite /media/disk-1 usw.. Sehr unchic, letztendlich habe ich die /etc/fstab editiert.

Interessantes Neues in Gnome 2.22:

  • Beim Klicken auf einen Programmstarter im Panel zoomt und blendet der sich dabei aus, wie schon der Anklick-Effekt im Konqueror seit einiger Zeit. Irgendwie passt das aber nicht in Gnome.
  • Die Anzeige der Ressourcen in der Systemüberwachung ist nun sehr hübsch in Cairo gerendert und macht jetzt auch auf Mehrkernsystemen was her (Foto gibt’s bei Suzan).
  • Cheese ist überraschenderweise nicht in Hardy vorinstalliert, obwohl es seit Gnome 2.22 mit Gnome gebundelt werden sollte, findet sich aber in den Quellen und hat bei mir meine Samsung Pleomax SamPwc3800N-Webcam das erste mal ohne manuelle Treiberinstallation erkannt (was aber nicht an Cheese, sondern der verbesserten Hardwareerkennung liegt)
  • Die Deskbar lässt sich auch endlich wieder “im Panel ankleben”, was dann wie Spotlight aussieht, aber leider hat ihr Rahmen dann eine fixe Größe, wird also nicht länger und man muss mit dem Mausrad durch die Liste scrollen (nur, wenn Tracker nicht läuft…).

Neues beim System:

  • Hardy ist eine Geschwindigkeitsakete, es bootet schneller, als mein OSx86, braucht also gefühlte 20 sec bis zum Anmeldebildschirm. Gnome 2.22 ist auch noch mal bedeutend schneller geworden.
  • Durch die verbesserte automatische Hardwareerkennung und -einrichtung in X.org 7.3 wurden alle Sondertasten meiner Razer Diamondback und Logitech G3 sofort nutzbar gemacht, echt cool. Die ließen sich ohne weiteres mit Compiz-Befehlen (mit ccsm) belegen. Klar ist dabei, dass ich nicht auf jede Maus andere Funktionen mappen kann, die Belegungen sind also bei beiden automatisch gleich (auch, wenn die Tasten dann real anders am Gehäuse angeordnet sind).
  • Ja, ja, ja!! ENDLICH hat jemand das Problem mit dem ruckelnden H.264-GStreamer-Plugin auf 64-Bit-Systemen gelöst!
  • Auch die “fortunes-de” (deutsche “Glückskeks-Sprüche”) sind wieder nicht-abgeschnitten und mein Wanda-Fisch-Applet lebt wieder, wie in Feisty (natürlich mit 10 sec Pause nach jedem Einzelbild). :)
  • Auch endlich, hosianna, ist die Tracker-Suche ernsthaft benutzbar.

Was mich weiters stört:

  • Der aufgefrischte Anmeldebildschirm verlangt von den Nutzern immer noch ab, Passwort UND Benutzername einzutippen. Warum?! In den Anmeldefenstereinstellungen (aus Gnome heraus) lässt sich ohne Nachinstallation ein sogar noch schöneres Thema wählen, das eine Benutzerliste bietet.
  • Die Tracker-Suche richtet sich offenbar wieder nicht automatisch ein, so dass man, wenn man sie benutzen möchte, erst in ihren – wenigstens grafischen – Einstellungen herumputschen muss.
  • Zwar installiert sich offenbar gleich das ganze Compiz Fusion mit (bei Gutsy nur compiz-core) aber es fehlen “wichtige” neue Plugins wie Freewins und ccsm zum Einrichten der Effekte wird immer noch nicht mit dem System installiert.
  • Das Totem-Youtube-Plugin muss erst in Totems-Plugin-Verwaltung aktiviert werden und ich glaube nicht, dass es dann so leicht von Leien in der Seitenleiste gefunden wird. Sehr schwach, wenn man bedenkt, dass Canonical mit diesem Plugin wirbt. Das Teil, das eigentlich aus Gnome 2.22 kommt, ist auch nicht der Bringer, man kann keine Kommentare lesen, keine schreiben, sieht keine Text-Beschreibungen, kann nicht im Video zeitlich herumspringen und kann keine Wiedergabelisten mit YouTube-Videos anlegen.
  • Ich dachte, man kann jetzt in den Müll geworfene Dateien wieder in ihren Ursprungsordner wiederherstellen?
  • Viele Programme sind bei weitem nicht auf dem aktuellsten Stand! Transmission und gPodder sind die Paradebeispiele.
  • Die sehr gute Seite getdeb.net, die aktuelle Versionen von guten Gnome-Programmen anbietet, die oft noch nicht in die offiziellen Ubuntu-Repos aufgenommen wurden, hat kein eigenes Repos, man muss immer auf die Seite gehen. Dafür gab es zu Gutsy-Zeiten ein inoffizielles Repos, das immer alle .DEBs bei sich spiegelte und das ich auch in fertibunti benutzte, um ein paar hervorragende Programme nachzuinstallieren. Die Jungs haben mit Hardy offenbar keine Lust mehr, das Repos zu pflegen, sehr schade.
  • Wie man die neuen Features von Pulse Audio nutz, z.B. die Lautstärke einzelner Applikationen anpassen oder die gesamte Tonausgabe auf einen anderen Rechner verschieben, habe ich noch nicht herausgefunden.
  • Dank eines falschen Kernels “ruckelt” oft schon bei wenig Auslastung die Tonausgabe (ähm, ich habe einen Athlon64 X2 5200+ EE und 2 GB RAM, aber egal^^). Matthias hat da in Z! auch was darüber gesagt.
  • Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, mit PolicyKit ganz einfach mir als Normalbenutzer die Rechte zum Installieren von Paketen und Nutzen der Paketverwaltung zu geben… Geht nicht.
  • Wenn man in Fedora das root-Passwort eingibt, beginnt ein Zeitraum, in dem man alle Admin-Werkzeuge ohne erneute Passwortabfrage nutzen kann. Warum gibt es das nicht in Ubuntu?! Das nervt gottes (nehme ich zurück, das wurde durch ein Update wieder nachgeliefert).
  • Ich finde in den Quellen kein Sun Java-Browser-Plugin in der 64-Bit-Version (aber Java 1.6/6). Das 1.6er/6er-Plugin gab es schon in Gutsy nicht, weil es anscheinend Probleme mit dem Code auf 64-Bit gibt, aber man konnte sich dann immer noch ein Java 1.4-Plugin installieren. Jetzt gibt’s gar kein Java mehr im Browser, bis auf das Frickelzeug IcedTea, das sich in den Quellen befindet.
  • Das Medibuntu-Repos installiert mir Skype 2.0 mit lustigen Tricks, damit es auf 64-Bit läuft. Zumindest haben die Freaks es hinbekommen, dass meine Webcam darin erkannt wird (war unter Gutsy nicht so, wenn ich 2.0 von skype.com installiert hab, obwohl der Treiber lief), aber wie in der “offiziellen” Version, sehe ich auch in der “Medibuntu-Version” keine Avatare. Spitze.
  • Alle paar Stunden hängt Compiz so, dass ich zwar noch Veränderungen auf dem Bildschirm sehe und die Maus bewegen kann, aber nicht mehr eingreifen. Dann hilft, sich auf einer Textkonsole anzumelden (Strg + Alt + z.B. F1) und einmal “killall compiz” durchzujagen. Dann kann man wieder (mit Strg + Alt + F7) auf X.org wechseln und sollte wieder die Macht über das System haben. Das Problem hatte ich zuletzt mit Feisty, es liegt aber vermutlich nicht an Ubuntu, sondern an der Compiz-Version.
  • Ein Bug von 2005 kehrt wieder: Man kann Esperanto nicht als Gnome-Sprache festlegen.
  • Und noch ganz, ganz viele kleine andere Probleme, die ich teilweise irgendwie gelöst und schon verdrängt habe.

Ansonsten, wenn man das so sagen kann, bin ich mit dem System zufrieden. ;) Ich bin aber der Ansicht, dass Canonical noch eindeutig mehr Zeit in den Raum vergehen lassen hätte sollen, um das System anwenderfreundlich zu machen. In dem jetzigen Zustand habe ich ernsthafte Bedenken, es Freunden zu empfehlen.
Fertibunti ist jetzt schon größtenteils auf Hardy angepasst, was mich noch von der Veröffentlichung zurückhält, ist das getdeb.net-Repos und die nun fehlenden Pakete, die ich gerne auch damit installieren lassen würde. Vielleicht kommt das ja doch noch für Hardy… Ich gebe den Jungs bis Sonntag Zeit, es sich noch mal zu überlegen, dann gibt es, mit oder ohne die getdeb-Extras, fertibunti 3.8 in einer leichten und fetten Version, jeweils für 32- wie 64-Bit-Systeme. Tim hat mich auch noch auf die Idee gebracht, eine speziell auf eeebuntu zugeschnittene Version zu erstellen, mal sehen, ob und wann ich dazu komme.

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Die neuen HTML 5-Spezifikationen schlagen vor, dass es einen einheitlichen Video (und Audio?)-Standard geben sollte, den alle Browser ohne Zusatzprogramme unterstützen sollten. Da fallen einem einige Formate ein, die dafür in Frage kämen: WMV, DivX, XviD, H.264. Das Problem bei diesen Codecs ist, dass sie alle lizenziert werden müssen, wegen zu offensichtlicher MPEG 4-Implementation stellen die freien XviD-Entwickler sogar nur den Quellcode ohne Binärdateien auf ihre Seite (ein ähnliches Problem haben die Entwickler des freien mp3-Encoders LAME).

Nun sollte also ein alternativer lizenz- und softwarepatentfreier Codec gefunden werden, den die Browser-Hersteller implementieren können. Der erste, an den man da denkt, ist ganz klar Theora (seit kurzem vielleicht auch noch Dirac/Schrödinger, aber den konnte ich noch nicht testen), zusammen mit Vorbis als Audio-Codec und am Besten Ogg, OGM oder Matroska als Containerformat. Theora entstand aus dem einst proprietären Codec VP3 von On2, und wird von freien Entwicklern der Xiph-Fundation entwickelt, der von On2 dazu unwiderrufliche Lizenzen zur Nutzung der entsprechenden (On2-eigenen) Patente eingeräumt wurden. Der Codec ist also lizenz- und “patentfrei”, erst mal. Das ganz große Problem ist, dass massig Trivialsoftwarepatente in den USA eingereicht wurden und man heute keinen neuen Codec mehr entwickeln kann, ohne gegen einen Haufen davon zu verstoßen. Ein Glück, dass wir das auf absehbare Zeit nicht in der EU haben werden. Theora muss dutzende Softwarepatente umschiffen, kann unter anderem deshalb auch B-Frames, eine Technik, auf die jeder Microsoft-Entwickler innerhalb einer Arbeitsstunde kommen würde, nicht implementieren. Trotzdem macht der Codec eine sehr gute Figur, Tests von mir mit einer schon veralteten Version (Alpha 7) erreichten bis auf Artefakte im Schwarzbereich, die aber bei der aktuellen Beta 2 deutlich zurückgegangen sind, praktisch H.264-Niveau, auch wenn es die Welt nicht wahrhaben will.

Nokia meldete sich Ende 2007 von einer Reihe anderer “finanzstarker Großunternehmen” (ich sehe da vor allem Apple und Microsoft als die heimlichen Mitstreiter, die im Internet jeweils ihre eigenen Formate durchsetzen möchten) vorgestoßen als erstes: Man sei bei Ogg Theora nicht vor “U-Boot-Patenten” geschützt, jenen Trivialpatenten, deren Eigentümer sich erst melden, wenn sie mit der Verklagung von den pösen Nicht-Lizenzierern was für sich herausholen können. Das ist richtig, aber der Chef der Xiph-Fundation entgegnet, dass es auch bei H.264 das Problem gäbe und die MPEG LA, die Lizenzen vergibt, sogar schon eindringlich warnt, dass es “möglicherweise” Patente gäbe, die nicht ihnen gehörten, die aber auch auf H.264 angewendet werden könnten. Er führt fort, dass etwa Samsung und Microsoft auf Ogg Theora setzen (Microsoft, so unglaublich es klingt, in Xbox 360 und Windows-Spielen) und damit die Rechtssicherheit schon von so großen Unternehmen bestätigt wurde. Ach, und die Union hinter Nokia wünscht sich auch einen Codec mit DRM-Möglichkeit. Jetzt wurde Ogg Theora aus dem HTML 5-Entwurf gestrichen. Subber.

Hier kommt Sun ins Spiel, die Firma, die sich nicht richtig entscheidet, ob sie nun Open Source will, oder nicht, und wenn doch, wie weit sie gehen möchte. Sie haben eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, die einen Codec mit (Code-?)Namen “OMS” auf Basis des 1990 vorgelegten H.261 mit Vorbis für Audiospuren und vermutlich dem hauseigenen, irgendwie freien, DRM-System DReaM zurechtfrickeln soll. Sie begründen ihre Wahl auf H.261 damit, dass sein 17-jähriger Patentlaufzeitraum abgelaufen sei und es somit patentfrei sei, man wolle es aber noch ein bisschen “aufmotzen”, bei dieser Arbeit aber unter strenger Kontrolle darauf achten, dass keine neuen Patente verletzt würden, was, wie ich schon ausführte, unmöglich geworden ist, denn man kann auch nicht mal schnell alle Video-Codec-Patente greppen, diese Trivialpatente lesen sich mitunter wie “Übertragung digitaler Video-Streams über TCP/IP”. Und H.261 war die Vorlage des 1991 vorgestellten MPEG-1; erinnern wir uns, das wurde auf Video-CDs eingesetzt. Und davon die VORLAGE.

Bei so viel Dummheit musste ich laut und gequält aufschreien. Was will Sun damit erreichen? Einen historischen Schrott-Codec als Grundlage für einen Standard in Browsern für Online-Videos einreichen?! Mit einer Entwicklungszeit von nur wenigen Monaten, damit er es noch in HTML 5 schafft?! Hä?! Sogar Adobe setzt jetzt bei Flash 9 auf H.264, um die allgemeine Qualität seiner weit verbreiteten Flash-Videos zu erhöhen. Das W3C hat mit dem Nachgeben gegen die Nokia-Union die einzigartige Chance verspielt, Adobe in seinem Marktmonopol bein Online-Videos zurückzuweisen. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf ein innovatives und starkes Microsoft Silverlight 2 – hinter dem ich absolut stehe, weil es Microsoft ausreichend offen gestaltet und Novell bei einer Linux-Version unterstützt; und wir brauchen auch einen Konkurrenten zu Animierter-Webseiten-Technologie (wie sie Flash bisher als einzige bietet), – die würde uns Ogg Theora nicht bieten.
Ich mutmaße, Sun möchte sich mit seinem seltsam anmutenden Engagement mit OMS nur wieder einmal in der Web-Entwicklung als immer noch großer Player darstellen, nachdem der “Hype” um Java versiegt ist. Was da rauskommen wird, wird absoluter Technikmüll sein, und höchstens aus Mitleid und Mitspiel-Willen vom W3C für HTML 5-Browser vorgeschrieben werden. Wobei sie das eigentlich nicht nötig haben, ihnen gehört seit Februar 2008 MySQL, aber das scheint noch nicht in alle Abteilungen durchgedrungen zu sein.
Übrigens: Opera zeigte schon 2007 auf einer internen Technikdemo einen eigenen in seinen Browser eingebetteten Ogg Theora-Player und überlegte, wann sie ihn in die offizielle Version mitaufnehmen sollen.

Nachtrag vom 07. August 2008: Firefox 3.1 bekommt vorläufig auch ohne die entsprechende HTML 5-Spezifikation den Video-Tag und native Ogg Theora-Unterstützung, Opera wird auch noch dieses Jahr eine Gold-Version mit Video-Tag und Ogg Theora herausgeben. Bleiben Microsoft mit dem IE8 (die sagen, sie werden keine Tags einer noch unfertigen Spezifikation implementieren – dabei muss man wissen, dass sie erst endgültig in die Spec aufgenommen werden, wenn es ein paar Implementierungen gibt) und Apple mit Safari, das sein eigenes Süppchen kocht, à la: “Bääääh, wir haben aber QuickTime und H.264, wir werden kein freies Format unterstützen!” Google Chrome bekommt Theora sehr wahrscheinlich auch schon bald, aber den Browser seh ich nicht so sehr als ein Benutzerprodukt, wie als Technikdemo des Machbaren – gerade deswegen gehe ich davon aus, dass Theora bald Einzug halten wird.