Frumble

Frumble

(207 Kommentare, 286 Beiträge)

Dieser Benutzer hat keine Profilinformationen angegeben

Homepage: http://www.frumble.de/blog/

Jabber/GTalk: frumble@jabber.ccc.de

Beiträge von Frumble

Das Mädchen, das kleine Ding

0

Ist euch schon mal das angefügte “-chen” an dem Wort aufgefallen? “Mädchen” ist sexistisch, es ist eine Verniedlichung. Das könnte egal sein, hieße es dagegen nicht ungerechterweise “der Junge”. – Aber halt, da gibt es doch das Bübchen.
Aha, auf der Suche nach einer sprachlichen Gleichwertigkeit zu Mädchen kommen wir auf das Bübchen; spätestens jetzt sollte jedem die antiquierte und unzeitgemäße Sprachfestlegung ins Gesicht springen.

Herkunft des Wortes ist das Diminutiv (Verniedlichungsform) von Magd → die Magd → das Mägdchen → das Mädchen.
Diminutive bekommen einen sachlichen Artikel, da sie als Neutrum behandelt werden. Ein Hauptziel feministischer Sprachpolitik ist die Herstellung von sprachlicher Symmetrie. Wir könnten also einfach das -chen streichen und bekämen eine Mäd – nicht sehr tauglich. Fügten wir analog zu Junge noch ein -e daran, hätten wir eine Mäde. Noch immer wäre damit aber keine Symmetrie hergestellt, besitzt doch die weibliche Form einen Umlaut, – also Made? Nein, doch es ließe sich auch ein -a anhängen, was uns eine Mada einbrächte, nur ist diese Form im Deutschen eher unüblich.

Glücklicherweise hält unsere Sprache noch ein ein Synonym zu Magd parat: Die Maid. Hört sich Magd heute nach bäuerlichem oder Hausangestellten-Kontext und unter Vormundschaft an, hat sich die Maid ihre Reinheit bewahrt, konnte vielleicht sogar noch etwas Prestige als Anrede hoher Frauen (meist mittelalterliche Geschichten mit dem Bezug zur Unvergebenheit) gewinnen.

Graben wir dieses relativ unvorbelastete ursprungsdeutsche Wort hervor, ergibt sich: Die Maid, der Junge, die Maiden, die Jungen – vollständige Symmetrie hergestellt!
Und huch: Jetzt heißt es auch nicht mehr: “Oh, DAS kleine, süße, Mädchen [/Entchen/...]” Das Femininum zieht ein.

Es macht mich wütend, dass ich selbst in wissenschaftlichen Bereichen ausnahmslos Mädchen lesen muss und finde es traurig, dass so viele junge Frauen die sprachlich-patriarchale Verniedlichung mit sich machen lassen. Das Wort hat seine Berechtigung bei Kindern, aber ab dem Alter, in dem man zu ihnen nicht mehr Bübchen sagen könnte, ohne eine gewischt zu kriegen, sollte auch dieses Wort einem angemessenerem weichen.

Meine Bitte ist, euch Gedanken darüber zu machen und euch um das Wort bewusst zu werden. Als ich vor mehreren Monaten darauf kam, beschloss ich, zuerst mich selbst zu ändern. Seitdem gewöhne ich mir an, Maid und Maiden anstatt Mädchen zu sagen und nach einem verwirrten Blick und meiner Begründung kommen meine meist verständnisvollen Zuhörer damit zurecht.

Auch interessant: Mädchen und Bübchen, fembio.org

Nachtrag vom 12. Oktober 2010:
Die letzten Wochen beschäftigte mich hartnäckig die Frage, ob ich nun im Singular Maid oder Maide sagen sollte. Maid ist im Deutschen und Englischen die offizielle Form, das zu seinem Plus. Möchte man aber absolute Symmetrie herstellen, müsste man in der Konsequenz entweder das -e an Junge streichen, oder ein -e an Maid anhängen. Da das eine sprachlich nicht umsetzbar ist, bleibt nur die Änderung zu Maide als Lösung und als Nächstes stellt sich einem dann die Frage ob der akzeptablen Ästhetik und dem Lautbild. Diese möchte ich bejahen und als vorteilhaft bezeichnen: Als Vereinfachung muss beim Plural wie bei Junge nur noch ein -n angehängt werden, das “gehauchte” Maid bekommt mehr Stimme und kann mit geringerer Anstrengung laut betont werden, und letztlich bietet das -e die Chance, die Neubezeichnung als starkes neues Wort zu etablieren, vielmehr noch als mit den leisen Reminiszenzen an Burgfräuleins. Darum lautet meine neue Empfehlung: Die Maide, die Maiden.

Erklärung kultureller Revolutionäre

0

Dies ist ein offenes Experiment.
Ein in Worte fassen von dem, was bereits in der Luft liegt.
Je häufiger diese Erklärung gelesen, gedacht oder ausgesprochen wird, umso mehr wird ihre Energie sich in unserer Welt und Gesellschaft manifestieren.
Wenn du das Gefühl hast, was du hier liest, in dir wiederzufinden, mach es zu deinem Statement.
Finde Wege, die Erklärung zu lesen, sie zu teilen und in Aktion umzuwandeln.

Kulturelle Revolutionäre in 2009…

  • leben, handeln und arbeiten mit und nicht gegen die Natur
  • wissen, dass Leben zu komplex ist, um es zu intellektuell zu verstehen
  • schaffen und unterstützen lokale, autonome Ökonomien
  • wertschätzen und bewahren Vielfalt aller Art
  • wertschätzen und praktizieren gegenseitige Abhängigkeit, da sie wissen, dass nichts getrennt existiert
  • betrachten sich als gleichwertig zu allen Lebensformen
  • beschützen und unterstützen Leben
  • lieben und unterstützen Kinder bedingungslos
  • arbeiten an sich selbst, hin zu grösserer Bewusstheit
  • kennen ökologische Prinzipien und integrieren sie in ihr Leben
  • sehen Musik und Tanz als integrale Bestandteile ihres Ausdrucks und ihrer Kommunikation
  • leben auf einer lebendigen Erde und betrachten sie als heilig
  • wissen wie sie ihre Nahrung anbauen
  • wissen ihre sinnliche Bewusstheit zu schätzen
  • feiern das Leben
  • kooperieren
  • verlagern ihr Denken von ‘Entweder oder’ zu ‘Sowohl als auch’
  • teilen ihr Wissen
  • verstehen und integrieren Prozess, als eine Art und Weise zu sein
  • sind nicht mit ihrem Körper, ihren Gedanken oder Emotionen identifiziert
  • sehen den Verstand als Werkzeug
  • erkennen, dass es kein richtig oder falsch gibt
  • sind nicht mit einem sozialen Etikett, ihrer Vergangenheit oder Zukunft identifiziert
  • sind sich bewusst, dass die Essenz dessen was sie sind, das Leben selbst ist
  • übernehmen Verantwortung für ihre Emotionen
  • sind sich ihrer Beziehungen zu ihrer lebendigen und scheinbar nicht-lebendigen Umgebung bewusst und wertschätzen diese
  • wertschätzen und integrieren die Weisheit von Frauen
  • wertschätzen und integrieren die Weisheit von indigenen Kulturen
  • wertschätzen das Wissen von Generalisten
  • sind sich über Wandel und Veränderung als eines der Kernprinzipien der Evolution bewusst
  • arbeiten in Richtung Diversifikation und Dezentralisierung
  • nehmen an dem Ort an dem sie leben Anteil, und bauen Beziehungen zu ihm auf
  • werden von abhängigen Konsumenten zu verantwortungsvollen Produzenten
  • suchen nach Wegen, um ihre Interessen und Talente entfalten zu können
  • haben den Mut, sich Gesetzen, die Selbstregierung, Selbstversorgung und Selbstbestimmung illegal machen, zu widersetzen und ihnen nicht zu folgen
  • sind über das derzeitige Geldsystem informiert und identifizieren es als kontemporäre Form der Versklavung
  • identifizieren und boykottieren biologische, kulturelle, soziale und philosophische Monokulturen
  • boykottieren Monopole jeglicher Art
  • stellen jeden in Frage, der eine einzelne Lösung vorschlägt
  • wertschätzen Umwelt- und menschliche Ethik mehr als Profit-Maximierung
  • boykottieren Konzerne und Banken, die auf Profit-Maximierung hinarbeiten
  • fordern Land und Wälder als Gemeingut zurück
  • fordern Wasser als Gemeingut zurück
  • fordern biologische Vielfalt und Wissen als Gemeingut zurück
  • sind sich bewusst, dass sie zu jeder Zeit am Prozess der Ko-Kreation teilnehmen
  • erlauben dem Leben, sich durch sie zu entfalten



Berlin, 03/2009

culturalrevolutionaries.org
Creative Commons License

Habt Mut. Die Bewegung wird immer größer. Die Gedanken greifen um sich, berühren stetig mehr festgefahrene Strukturen, und es brizzelt in der Luft.

Mädchengespräche

5

Seit der Pubertät hat sich der Kontakt mit Mädchen für mich auf das Nötigste in der Klasse reduziert, seit da, wo ich es am meisten hätte brauchen können. Ich glaube, das könnte mir wirklich gut tun und heilsame Impulse geben, aber es ist eben immer die heikle Geschlechterthematik dazwischen.

Gespräche mit Mädchen zu führen erfüllt und nützt mir mehr, weil sie realistischer (nüchterner), einfühlsamer, und weniger selbstdarstellerisch sind. Das Problem ist nur, dazu zu kommen: Ich habe stets die Befürchtung, es wirke wie eine blöde Anmache. Dabei will ich doch nur reden…

Da die Frauen durch den Geschlechtstrieb der Männer beständig Anfechtungen finden, ja schon von selbst diesen entgegensehen, sobald ein Mann ihnen nahe kommt, umgeben sie sich notwendigerweise mit einer Reihe schützender Vorurteile, die sie auf Distanz und unter Kontrolle wie Bestimmtheit halten, ganz zurecht.
Daraus folgt eine schnelle Abwehrhaltung in Kontaktversuchen, eine depressive Voreinstellung, die man als Mann erst einmal per Überzeugung bezwingen muss: In die Richtung, dass sie einen interessant oder attraktiv finden und gewähren lassen, oder dass sie einen nicht als Interessenten einschätzen und als keine Gefahr sehen, oder aber sie wehren einen ab.

Bei jeder Handlung frage ich mich: Darf ich das? Ist das zu viel? Was könnte sie da interpretieren?
Ab wann ist es eine Anmache, ab wann fühlt sie sich bedrängt und belästigt, ab wann wähnt sie Gefahr und zieht sich zurück?
Ich will keine belästigen, oder das Gefühl davon aufkommen lassen und ich will nicht, dass sie in den Gattungsinstinkt fallen und sich fürchten, nicht bei mir.

Ich habe mich dazu entschlossen, dieses “Klischee” (es ist ja keines) nicht bedienen zu wollen, und bin auch geflissentlich darum bemüht, unter keinen Umständen dafür gehalten zu werden, auch und besonders unbeabsichtigt.
Ich fühlte mich dabei gewöhnlich, selbstsüchtig, berechnend, unethisch, unaufrichtig, und selbst ertappt als Lüstling, der nur nach einem strebt – so will ich nicht sein!
Ich finde die von den Männern gepflegten weiblichen Umgangsarten in diesem Bereich falsch, ich verachte das und ich will nicht für einen von ihnen, mit diesen niederen Zielen gehalten werden, auf keinen Fall, und schon beim Für-Gehalten-Werden geht es um meine Selbstachtung (“Ich habe versagt und wenn ich so offensichtlich versagt habe, dann bin ich vielleicht wirklich so wie die Gattung, dann beseele ich meine Ethik nicht, dann mache ich mir nur in Idealismus selber etwas vor!”).

Das ist, wenn ich gerne einfach reden würde. Und dann gibt’s da ja noch das andere, dass auch ich hin und wieder Interesse hätte…
Was sich da jetzt in mir auftut, ist ziemlich schwierig für mich. Ich stehe im Konflikt mit meinen eigenen Interessen: Dem weiblichen Geschöpf den vollsten Respekt erweisen (was in seiner Extremausprägung bedeutet, gar keinen Kontaktversuch zu lancieren), oder meinem persönlichen Interesse nachzugehen (oder eben auch nur dem Gesprächswunsch). Und momentan stelle ich den Respekt noch an vorderste Stelle.

Es stellt sich mir auch die Frage, soll es offensichtlich sein, darf es offensichtlich sein, oder darf es das gar nicht, und was bedeutet das im Umkehrschluss für mein erwartetes Verhalten, wenn ich nur eine Gesprächspartnerin möchte? Wie signalisiere ich meine Intention ohne Missverständnisse, besonders dasjenige, das man mich in das Männer-Klischee abstempelt – davor habe ich viel Angst und das führte dazu, dass ich mich aus Unsicherheit die letzten Jahre eigentlich gar nicht mit Mädchen außerhalb meiner Klasse zu sprechen traute.
Wie unterscheiden sich Flirt und eine respektvolle selbstbezweckte Unterhaltung in der Umgangsform?
Und wenn ich Interesse habe, wie soll ich mich verhalten, um dennoch nicht pauschalisiert werden zu können? Wie?!

Ich verhalte mich oft vielleicht auch absichtlich etwas kindisch vor Mädchen, nicht mal, wenn ich einen Gesprächswunsch hätte, sondern schon ganz ohne, um es nicht so erscheinen zu lassen, dass ich mich um ein besonders gutes Bild von mir vor ihnen bemühe und ihnen sofort gefährlich werden könnte als charmanter, heimtückischer Aufreißer, einfach um ihnen die Angst zu nehmen. (Oh Gott, die Abstrußität und Selbstbenachteiligung wird mir erst gerade beim Formulieren klar!)

Die Befürchtung beim blosen Gesprächswunsch in mir ist auch, sie denken gegen Ende des Gesprächs, ich war auf einen Flirt oder ein “Näheranschauen” aus, aber sie hätten mir dann doch nicht gefallen und würden das als Verletzung erleben und mir in Folge entsprechend heimzahlen wollen…

Oder ich habe Angst, dass ich mich, trotz aller Vorsicht, bei Interesse oder Gesprächswunsch, falsch verhielte, so dass mein Kontaktversuch als offensichtlichste Anmache gesehen und (mitleidvoll) belacht wird, denn sie alle haben ja schon viel mehr Erfahrung mit so was…

Ich würde mich in der Schule wirklich gerne mal mit ein paar Mädchen unterhalten, die ich wirklich spannende Persönlichkeiten finde, aber es geht nicht.
Aus dem gleichen Grund habe ich Komplexe davor, mit jungen Unterstuflerinnen ganz harmlosen Austausch zu führen, aus der Sorge, ich würde argwöhnisch als notgeiler Anmacher an jüngeren, oder gar Pädophiler gesehen.

Intergeschlechtliche Kommunikation funktioniert für mich nur rudimentär mit den Mädchen aus meiner Klasse, weil da mittlerweile eine Art familiäres Verhältnis herrscht.
Aber wie soll Geschlechterkommunikation überhaupt mit dem Problem der Geschlechtlichkeit unter sonstigen Normalbedingungen in der Gesellschaft funktionieren? Ist die nicht verdammt in eine Schein-Einigkeit des Fortbestehens des Systems wegen und darunter feindsame Spaltung? Ich will gerne mit nein antworten, doch exakt so erlebe ich es.

Ein Problem scheint auch meine Herzlichkeit und Offenheit zu sein: Wenn ich mich ganz natürlich und offen wie ein Kindergartenkind vor Mädchen verhalte, dann werde ich verschreckt und beängstigt angesehen und mit Rückweichung bestraft. Durch diese (für einen Jungen) unübliche Art aktiviert sich also der weibliche Gefahrenschutz.
Wie kann ich also mit Mädchen als Leutschaft sprechen? Das *ist* meine “verhalte dich einfach ganz natürlich”-Art! Die hab ich mir über die Jahre als reinste Form behalten, alles darüber sind bei mir nur aufgesetzte Schutzhüllen! Und ich will doch in solchen (und Interesse-) Situationen dann aufrichtig und ehrlich “ganz ich selbst” sein!
Wie kann ich da nur zu einer Synthese finden, ohne mich zu verstellen? Brauche ich dafür noch mehr gereiften Charakter?

Dazu kommt noch, überhaupt: wie soll ich es nur schaffen, in einer gesteigerter Verliebtheit (nein, kommt nicht oft vor) vor Begeisterung nicht völlig entzückt und überdreht aufzutreten? Fällt mir sehr schwer.

Hier sollte es bewusst mal nur um meine Sorgen und Befürchtungen vor und bei Mädchengesprächen gehen, die anderen Dinge wie Schüchternheit und fatale Unfähigkeit zum verbalen Gespräch lasse ich bewusst hier raus.
Ich frage mich immer wieder, warum es so mit mir gekommen ist, was ist da nur falsch gelaufen…
Ich habe den leisen Verdacht und Angst vor meinen Untiefen, dass manches davon nur eine Sublimation meiner Sozialinkompetenz sein könnte…
Vielleicht sind meine Einstellungen zu dem Ganzen aber auch goldrichtig, was aber nichts daran ändert, dass ich zuschauen muss, und nur das kann, wie die anderen Jungen dennoch Kumpelinen und Freundinnen haben, halten und bekommen. So komme ich ins Zweifeln und das macht es doppelt schwierig. Sie kriegen es hin und ich nicht, das ist der Punkt.

Man merkt: Ich denke ziemlich viel, ziemlich unterbewusst. Ziemlich ungut oft für mich. Gerade hier.

Das ist wieder eines dieser Beispiele, wo ich denke, ich habe des einen zu viel, während (wahrscheinlich) noch der Reife zu wenig.

Warum schreibe ich das alles jetzt? Weil ich es jetzt kann, weil es mir bewusst wurde, und weil ich es klar für mich machen und für die Fragen endlich Lösungen finden will.

Das Jahr und ich

6

Ein ziemlich unkontrollierter Monolog über das Jahr und was mich gerade beschäftigte. Ich spreche sonst nicht viel, darum ist das formulierungstechnisch nicht ganz so top und das bitte ich euch, mir zu verzeihen. ;)

Warum man sich das ansehen sollte kann ich auch nicht sagen, ihr habt ja aber immer einen Grund. ;)

Gesamtlänge: 24 min (Die Videos sind mittlerweile nicht mehr öffentlich zugänglich)


(weiterlesen …)

Reife + Gedanken

4

Ich habe Angst. Ich nehme nicht am gemeinsamen Reifen meiner Gleichaltrigen teil, bin aber gleichzeitig so depressiv, dass ich mich auch nicht besonders mit anderen großen Themen beschäftige. Sehe ich so.
Weder lese ich dicke Romane, programmiere, bin ein Linux-Crack, designe, interessiere mich groß für Naturwissenschaften, spiele ein Instrument, spiele Theater, schreibe Gedichte, oder lerne Tolkien auswendig.
Ich sitze daheim, mache meine Hausaufgaben viel zu selten selbst, lese Twitter, vielleicht noch ein paar IT-Nachrichtenseiten, microblogge selbst, höre seltener Musik, sehe Filme, lese immer mal wieder Esoterik, Philosophie und etwas Weltliteratur, und reflektiere meine Gedanken.
Dieses Geständnis hier abzugeben, hätte ich mich vor einem Jahr und vor meinem Microbloggingbeginn noch nicht getraut.
Ich habe Angst um meine Reife. Große. Ich weiß nicht, wo das mit mir hinführt. Andere, die auch wenig für die Schule machen, und andere, die sich auch so selten in Gesellschaft wie ich befinden, beschäftigen sich zumindest, sind sie intelligent, noch mit gewissen Bereichen in extremer Form. Ich nicht. Ich kann mich mit nichts Erreichtem von mir identifizieren, kann auf fast nichts von mir stolz sein.
Es ist mir oft, als sei ich zu intelligent, wahrlich zu “reif”, um mich auf Dinge einzulassen, mich für sie voller Herzen zu begeistern, oder sie konsequent zu verfolgen.
So, als wüsste ich zu viel, als sähe ich, unbewusst und ohne Anstrengung, geradezu instinktiv, zu weit auf den kommenden Verlauf. Ganz komisch.1
Zu viel offenbar, um ein erfülltes Leben zu führen. Gleichzeitig fasse ich es dann nicht, wie dumm und einfältig ich bin, oder mich eben dadurch so verhalte. Es ist ein ambivalentes Gefühl, ich weiß nicht, was ich von mir denken soll, ist das nun extreme, katastrophal fehlgeleitete Intelligenz, oder große Torheit, und wo ist da noch der Unterschied?

Nicht mal im Microblogging, wovon ich sagen könnte, ich betreibe es exzessiv, bin ich wirklich gut. Meine überschaubare Follower-Anzahl macht mir dabei nicht so viel aus; ich bin mit meinem Stil unzufrieden. Es gibt viele, die nicht weniger sensibel als ich zu sein scheinen, und sich ebenfalls in ihrer aktuellen Lebenssituation unwohl fühlen, aber sie bringen trotzdem noch eine irre Sprachpoesie, Beobachtungsleistung und Realphilosophie auf die Reihe. Das ist dann wieder das, wo ich mir Vorwürfe mache.

Ich weiß, dass ich ziemlich intelligent bin, aber ich nutze die Gabe nicht, und was bringt mir ungeübte Intelligenz; sie muss geschliffen werden durch das Leben zu einem funkelnden Edelstein. Ehrlich, ich sehe das so, dass ich die letzten Jahre verschenkt habe, mich mental und emotional weit nicht so weit entwickelt habe, wie es in meinen Möglichkeiten gestanden wäre – ich muss auch so hart zu mir selbst sein und zugeben, dass ich nicht für alles meine unglückliche Schulsituation verantwortlich machen kann, die hängt dabei mit einer ganzen Menge zusammen, aber ich hätte viel früher aus der Lähmung erwachen können.
Wie ich in meinem Schulleidensbericht2 schon erzählte, habe ich die dritte Klasse wiederholt und bin seitdem mit einen Jahr Jüngeren zusammen. Das Prekäre liegt dabei darin, dass ich außerhalb der Schule nicht unter Menschen bin, die Schule also der einzige Ort ist, an dem ich in Sozialkompetenz und Charakter eine Lernmöglichkeit habe (ein sehr ungünstiger Ort; wie ich *dieses* Jahr langsam mitbekam, verhalten sich junge Leute außerhalb der Schule komplett anders).
Nun ist es so, dass ein Jahr einen großen Unterschied in Intellektsentwicklung ausmacht, ein Gebiet, auf dem ich sowieso weiter als so einige bin. Wir haben also keine gleiche Basis im Verstehen und Auffassen von Dingen, aber sie sind dafür weiter in allem Nachaußentragenden. Eine komische Situation, wenn man das so bedenkt. Es führt dazu, dass mir mein Verstand nicht möglich macht, quasi verbietet, ihren gewöhnlichen Weg des Aufbaus von Kompetenzen in den Gebieten nachzumachen (denn um Selbstbewusstsein, Charakter und stützendes Ego in jungen Jahren aufzubauen, braucht es immer eine bestimmte Verengung und Verkrümmung des Sichtfelds).

Da ich mich dort auch noch zusätzlich in meinen Schulleistungen als schlecht empfinde (→an diesem Ort also, an dem ich Sozialkompetenz und Charakter lernen könnte; erkennt ihr meine Verbindung?), kommt als psychisches Gesamtergebnis ein erwürgender Minderwertigkeitskomplex heraus. Hinein spielt, dass mir durch meine Reflexionsgabe allzeit klar ist, wie falsch ich mich verhalte, wie wenig ich weiß, und was von mir erwartet wird. Der Hauptgrund meiner Depression. Wäre das Bewusstsein darum nicht, ich könnte wenigstens als großes Arschloch noch glücklich leben.

Mein bester Schulfreund seit vier Jahren, der herausragend gut im Leben steht, und an sich markant clever ist, spielt hier auch eine Rolle. Er hat mir sehr oft, bewusst oder unbewusst, ehrlich und ohne Beschönigungen, ganz sachlich meine Unfähigkeiten aufgezeigt, wofür ich ihm dankbar bin, aber dann, das werfe ich ihm vor, mich meistens einfach auf den Erkenntnissen sitzen lassen, ohne mir psychisch zu helfen (wenn auch ich nicht wüsste, wie genau man das könnte, aber vielleicht einfach mit etwas mehr Sensibilität…).
Was er sagte, davon spürte ich, dass es stimmte.
So jemanden Speziellen dann in der eigenen Klasse zu haben, bei dem man die Reifeprozessprozedur in quasi Zeitraffer miterleben kann, zog mich runter und nahm mir Motivation (auch ganz sicher, weil ich gewisse Dinge eindrücklicher verstand als andere). Für meine so kleinen Schritte bekam ich dann, gerade von ihm, was mir wichtig gewesen wäre, weil ich so viel von ihm halte, auch äußerst wenig Lob, was mich weiter niedergeschlagen machte. Das ist schlicht eine ungünstige Zusammenstellung. Ich wage die Behauptung, dass es solche Höhenflieger-Ego-Reife-Typen lange nicht in jeder Klasse gibt, ich hatte hier einen echten “Nachteil”; natürlich ergeben zusammen mit meinen Minderwertigkeitskomplexveranlagungen.

Die Depression geht so weit, dass ich mir viele, viele Dinge da draußen nicht zutraue, dass ich mich für *unwürdig* für eine Menge Dinge halte, mich auf manches nicht konzentrieren kann, selbst wenn ich es will. Da wird das allgemeine Unterlegenheitsgefühl zur Depression.

Mein Gott, ich bin 18! Was gibt es nicht für weitentwickelte 18-Jährige da draußen; ich habe weder Selbstbewusstsein, noch wahren echten Charakter, noch ein (stärkendes und stützendes) Ego. Ich bin eine Null.
Ich habe mich die letzten sechs Jahre in die Parallelwelt der IT verkrochen, sie fast vollständig mein Leben ausfüllen lassen, habe mich tumb machen lassen, bin geflohen vor dem Leben und seinen Herausforderungen, nahm mich oft nicht wahr als freier Geist mit Selbstentscheidungsprivileg, ließ mich in nebliger Wonne apathisch treiben von meiner Tagesbeschäftigung, nicht handeln zu müssen, nicht an mich zu denken, nicht um mich, vergessen können, immer allein, daheim in meinem Zimmer, sechs Jahre, dabei immer mit der dumpfen Ahnung, ja schon in diesem zugeflüchtetem Asyl quälend störend, da ist noch mehr, da ist noch viel mehr in dir.
Was andere als ihre minderjährige Jugend erlebten, da las ich IT-Nachrichten, dokterte an meinen Betriebssystemen herum, und hatte Verständigungsprobleme in der Schule. Bis zur neunten Klasse lässt sich darauf mein Leben reduzieren. Dann mit dieser Klasse und meinem 16. Lebensjahr wurde es besser, ich erkannte zunehmend meine Möglichkeiten und begann, sie zaghaft auszutesten. Doch dann kam etwas, was mir über ein halbes Jahr lang alles düster vernebelte, die zehnte Klasse, in der es lag, war die schlimmste meiner bisherigen Schulzeit (ihr hab sicher schon eine Idee, was so was auslösen könnte). Als ich mich aus der geistigen Klammer entwand, begann ich immer mehr zu verstehen, aber Handeln vermochte ich noch nicht.
Das wird jetzt die Zeit werden, ich will es anpacken, ich will mein Leben ändern, ich will es glücklich machen, und jetzt bin ich fähig dazu.
Und das ist mir so viel Bewusstes, ich weiß gar nicht, wo anfangen.

Um wieder den Bogen zu schlagen zu der Angst um meine Reife und Entwicklung: Oft spüre ich Gedankenblitze aufkommen, die ich beachten, verarbeiten, bearbeiten und Resultate nutzen möchte, aber mir fehlen dazu Informationen, gesellschaftliche, verhaltensbezogene, soziale, mir fehlen sogar Wörter, und ich bleibe mit stotterndem Motor verloren und hilflos in dem Versuch zurück. Man kann das auch so formulieren, dass ich meine Eindrücke nicht in Ergebnisse oder Ausdrücke zu überführen vermag. Meine Intelligenz ist wesentlich höher als meine Reife, das spüre, und das belastet mich seit langem.3 Es macht mich tief unglücklich. So, jetzt ist das raus.

  1. Das macht es auch schwer, Wörter dafür zu finden – ich weiß es aus einem inneren Gefühl heraus, es ist erst mal keine Logik, die Logik darin muss ich erst selbst suchen und dann versuchen, allverständlich zu vermitteln. (Wobei hier nun gefragt werden darf, ob jene mit viel Anstrengung gefundene Logik alles ist, oder nur das Offensichtlichste, ob in manchem Gefühl nicht ein allumfassendes Verständnis liegt: das irritiert mich, denn wenn ich tiefer in diesen Eindrücken bohre, erkenne ich mehr Details, Beweggründe und Zusammenhänge der Menschen, wie aus einer ewigen Quelle, es gibt selten ein Stopp, es ist ein Denkmodell, das sich aus der Rationalität heraushebt -  es ist, als lägen die Informationen in mir, nicht in den Dingen – die Diskussion, die sich nun hierüber wieder auftut, lasse ich mal aus.) []
  2. Für die Stelle im Schulleidensbericht suchen nach “Was ich vor allem in der Schule bräuchte” []
  3. Bitte bekommt das mit der Intelligenz nicht in den falschen Hals, ich will nicht angeben und habe auch durch meine objektiven Leistungen keinen Grund dafür, aber ich muss das hier in dieser deutlichen Form schreiben, weil es stets vernachlässigter Part des Problems ist. []

Wenn das Alte nicht mehr soll, muss was Neues sich entwickeln

1

Wer mir auf Twitter oder über status.net folgt, bekam seit einem Jahr enorm viel von mir mit, aber hier auf meinem Blog wurde es immer stiller.

Nun bin über was hinweg gekommen, glaub ich.
Ich will wieder schreiben.

Ich will wieder schreiben, es tut mir gut. Die Person, die mich so lange blockierte, soll keine indirekte Macht mehr über mich haben.
Sie hatte zu nicht geringem Teil indirekt über zwei Jahre das Programm meines Blogs bestimmt – jetzt hab ich das überwunden und bin wieder geistig frei.

Ich habe mit diesem Blog durch brutale Selbstdisziplin immer wieder meine Grenze überschritten und die Latte höher gelegt, aber zu welchem Preis? Für die kläglichen zehn dieses Jahr veröffentlichten Beiträge habe ich viel zu viele Stunden gebraucht, meistens über Tage hingeggezogen. Das kann man auch anders machen. Davon abgesehen, dass diese letzten Beiträge sehr komplexe Introspektionen erforderten und waren (horrendes Beispiel), und mehr wissenschaftliche Auseinandersetzungen als Blogbeiträge, glaube ich, lässt sich das Sprachniveau auch mit weniger Bemühen erreichen, setzt man sich nur häufiger mit Schrift auseinander.
Das möchte ich probieren: Mehr schreiben, und daran evolutionär wachsen, nicht mehr in revolutionären Sprüngen, wie ich es bisher unter großen Gehirnverrenkungen tat. Das ist der bessere Weg und auch der Weg, durch den man eher total lernt, als beim revolutionären, bei dem man sich meist auf seinen einen Text und dessen steife Bedingungen verengt. Durch den evolutionären Weg kristallisiert man mit der Zeit situationslosen Charakter (und kein “System” wie beim revolutionären) aus seinen Anlagen, er ist viel mehr natürlich, er ist der Lernweg des Lebens.

Ich bin mit meinem Blog an einem Punkt, an dem es nicht mehr weiter geht. Ich will das so nicht mehr.
Recht häufig bekomme ich kleine Ideen für Blogbeiträge, die ich aus Mangel an “Tiefe” und “Relevanz” nicht weiter verfolge. So habe ich viele Dinge, die mir auf dem Herzen lagen, verdrängt. Ich habe mich auf diesem Blog in einen wahnsinnigen Selbstanspruch getrieben, der letzten Endes nur der verzweifelte und verstörte Wunsch war, jemandem zu gefallen und etwas umzuschreiben.
Jetzt habe nicht mehr die Absicht, damit vor wem Bestimmtes zu imponieren oder mich zu beweisen, was es einfacher macht, über Kleinigkeiten, Banalitäten, kompaktere Gedanken und Erlebnisse zu berichten, ganz nach Lust. Ich habe vor, den Blog neu zu erfinden.

~Hiermit lege ich den zwanghaften Brutal-Perfektionismus ab und sage mich von ihm los~

Ich mache mir zur Zeit, auch gerade wegen Twitter, viele Gedanken darüber, wie und warum ich so viel Privates und Intimes von mir ins Netz stelle.
Ich habe wenig Freunde, im realen Leben verdammt wenige. Microblogging ist eine Strategie von mir, “unter Menschen zu kommen”, und auch völlig neue Charakterbilder kennen zu lernen, denen ich im normalen Leben niemals begegnet wäre.

Auf Twitter, fällt mir immer stärker auf, möchte ich mich als tolle Person darstellen und möglichst viele “Freunde”, Sympathisanten, um mich scharen (was sie mir geben und was ich ihnen zurückgebe ist noch mal eine ganz andere Geschichte, die mir auch zuweilen schlechtes Gewissen bereitet).
Ich fühle mich alleine, möchte nette Antworten, möchte doch im Grunde nur mit *Freunden zusammen sein* – das ist es. Ich gebe in naher Verzweiflung so viel von mir preis, damit sie mir näher sein können, und damit mir jede ihrer Reaktionen näher vorkommt.
Das ist so traurig, ich will da was an meinem Leben ändern.
Ich schreibe auch allgemein zu viel auf Twitter. Nur wirklich verdammt Guten mit so viel Tweets wie ich über den Tag folge ich selber, meinen Account wollte ich mit diesem ganzen gelangweiltem Geplänkel eigentlich keinem Fremden zumuten. Ich will schauen, wie ich das verbessern kann.

Was kommen wird, ist auch ein neues Blog-Design, dazu hatte ich noch nicht die Zeit und werde sie mir noch eine ganze Weile lassen, denn so was will gut gewählt sein. Das jetzige dumdum-Thema hielt hier mit der Umbenennung von WinLux-Blog auf Frumble201 im Juli 2008 Einzug und jetzt ist es Zeit für etwas Neues.

An meinem Schreibstil muss ich weiter arbeiten. Wenn ich z. B. @verdachtsmoments Twitter-Account und Blog lese, und sie ist erst 16, wird mir ganz anders. Der muss nicht nur besser werden, der muss auch natürlicher und schneller werden. Den Handlungsbedarf seh ich da so herb, weil Schreibenkönnen noch eines meiner kleinen raren Stolzreliquien ist.

Ich will jetzt also versuchen, nachdem ich es jetzt kann, keine so große Selbstdarstellung mehr zu betreiben, sondern meine Texte ohne unterschwellige Angeberei (die ich aus Unsicherheit nötig hatte, im Grunde rede ich mir selbst dabei etwas ein) für sich sprechen zu lassen.

Die kommenden Beiträge auf diesem Blog werden erst mal noch Verarbeitungen von Themen sein, die mich schon lange Zeit belasten und die ich endlich rauslassen möchte. Danach wird es hier dann Formatänderungen geben.

Langsam erkenne ich, was mir wirklich wichtig ist, wo meine Stärken liegen, und was meine Herzenswünsche sind. Ich möchte in stärkerem Bewusstsein leben, glücklich werden, ich möchte darauf zuarbeiten.

Ich will mich neu erfinden,
Ich will mein Leben verändern und fange mit meinem Online-Leben an, weil das einfacher ist.

Ich möchte mehr gute private Blogs ohne Tech-Zeug lesen und dafür Tech-Zeug aus meinem Feedreader rausschmeißen. Überhaupt, mein Feedreader ist eine Katastrophe: So ungelesen, dass ich ihn schon kaum mehr öffne.
Ich will mehr Bücher lesen.
Ich will vom Autor wieder zum Blogger werden.

Ich möchte vieles ändern.
Parallel zu dem hier Genannten will ich versuchen, das auch außerhalb des Internets und meines Zimmers zu tun.

Das ist ein Neustart und ich begrüße euch bei meinem Versuch eines erfüllteren Lebens.

Frumble's RSS Feed
nach oben