Ich wünsche mir einen Freund

Ich wünsche mir einen Freund.
Einen Freund, mit dem ich auf einer Wiese zu den vorbeiziehenden Wolken schauen kann.
Den Wind auf der Haut spüren, die feinen Gerüche wahrnehmen.
Die Natur erleben. Der mit mir die Natureindrücke in seine Seele aufsaugen kann.
Wir die dezenten Farbnuancen des Himmels in uns aufnehmen.
Barfuß durch das Gras streichen, und der mit mir über feuchtes Moos tapst.

Wir über die Felder rennen und kichern. Kind sein. Frei sein. Ich sein. Ich sein reinstes Du erblicken.

Auf Wolken zeigen. Dasitzen und den Abendhimmel betrachten.
Und während wir dasitzen, mich verstehend anlächelt, und uns die Größe des anderen in einem tiefen Blick offenbart wird, und das große Glück, ein Selbst zu sein. Und miteinander entdecken, wie groß das eig’ne Selbst ist.
Und wenn wir uns verabschieden, uns ein goldenes Glühen der Begegnung in der Brust liegt.

Mit dem ich die Welt erleben kann, wie sie ist, und mich in einer reinen Form. Der mir hilft, die Form herauszuschälen. Momente teilen in einer aufmerksamen Stille.
Mit dem ich tuscheln kann, weil wir uns verstehen. Verschmitzt lächeln über Vorgänge der Außenwelt, deren Einfluss nicht bis über uns reicht.

Wir sprechen nicht über Technik oder Netzpolitik, sondern über Selbsterkenntnis.
Mit dem ich Disney-Zeichentrickfilme schauen kann, und der dabei so große Augen macht wie ich.
Der mich tröstet und aufmuntert. Sagt, es ist nicht so schlimm, und Du hast ja mich, ich bin für Dich da.

Je älter ich werde, umso größer wird die Sehnsucht danach. Es auch einmal spüren zu können.
Ich wünsche mir einen Freund, der mir auch mal sagt, es ist schön, dass es Dich gibt, ich mag Dich. Und wenn wir zusammen sind, ist mir das eine kostbare Zeit, weil Du mir wertvoll bist.
Weil, wenn ich Dich hätte, würde ich Dir das sagen.

Doch – ich weiß nicht wie.

Ich will nicht so allein sein.
Ich weiß nicht, wie das geht. Ein paar nette Worte, und dann ist die Person einfach weg. Für mich verloren. Die Gelegenheit verflogen. Ich kann das nicht. Ich weiß nicht, wie das geht. Ich würde so gerne, aber weiß nicht, wie das geht. Trau mich nicht. Fühle mich so anders, unwürdig, Kontaktinteresse zu zeigen. Und Angst habe ich, dass ich es kaputt mache und Dich gleich verliere, noch bevor ich Dir näher gekommen bin. Also tu ich nichts, mache das, was ich am besten kann: Ich ignoriere Dich.

Ich wünsche mir so sehr, finde Du zu mir, denn ich bin gefangen in mir selbst. Doch ich weiß, dass Du mich nicht hörst. Vielleicht niemals, und falls doch, wirst Du verschreckt, weil ich so verzweifelt bin. Und ich weiß nicht, was ich tun soll.

Ich wünsche mir einen Freund.
Und wenn Du weiblich bist, wäre das noch umso schöner.

2 Gedanken zu „Ich wünsche mir einen Freund

  1. Benutzt Mozilla Firefox Mozilla Firefox 14.0.1 auf Windows Windows 7

    Eine ehrliche Darstellung, die wohl Vielen aus der Seele spricht… Ich wünsche Glück!

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