Seit der Pubertät hat sich der Kontakt mit Mädchen für mich auf das Nötigste in der Klasse reduziert, seit da, wo ich es am meisten hätte brauchen können. Ich glaube, das könnte mir wirklich gut tun und heilsame Impulse geben, aber es ist eben immer die heikle Geschlechterthematik dazwischen.
Gespräche mit Mädchen zu führen erfüllt und nützt mir mehr, weil sie realistischer (nüchterner) und einfühlsamer sind, und weniger dabei konkurrieren. Das Problem ist nur, dazu zu kommen: Ich habe stets die Befürchtung, es wirke wie eine blöde Anmache. Dabei will ich doch nur reden…
Da die Frauen durch den Geschlechtstrieb der Männer beständig Anfechtungen finden, ja schon von selbst diesen entgegensehen, sobald ein Mann ihnen nahe kommt, umgeben sie sich notwendigerweise mit einer Reihe schützender Vorurteile, die sie auf Distanz und unter Kontrolle wie Bestimmtheit halten, ganz zurecht.
Daraus folgt eine schnelle Abwehrhaltung in Kontaktversuchen, eine depressive Voreinstellung, die man als Mann erst einmal per Überzeugung bezwingen muss: In die Richtung, dass sie einen interessant oder attraktiv finden und gewähren lassen, oder dass sie einen nicht als Interessenten einschätzen und als keine Gefahr sehen, oder aber sie wehren einen ab.
Bei jeder Handlung frage ich mich: Darf ich das? Ist das zu viel? Was könnte sie da interpretieren?
Ab wann ist es eine Anmache, ab wann fühlt sie sich bedrängt und belästigt, ab wann wähnt sie Gefahr und zieht sich zurück?
Ich will keine belästigen, oder das Gefühl davon aufkommen lassen und ich will nicht, dass sie in den Gattungsinstinkt fallen und sich fürchten, nicht bei mir.
Ich habe mich dazu entschlossen, dieses “Klischee” (es ist ja keines) nicht bedienen zu wollen, und bin auch geflissentlich darum bemüht, unter keinen Umständen dafür gehalten zu werden, auch und besonders unbeabsichtigt.
Ich fühlte mich dabei gewöhnlich, selbstsüchtig, berechnend, unethisch, unaufrichtig, und selbst ertappt als Lüstling, der nur nach einem strebt – so will ich nicht sein!
Ich finde die von den Männern gepflegten weiblichen Umgangsarten in diesem Bereich falsch, ich verachte das und ich will nicht für einen von ihnen, mit diesen niederen Zielen gehalten werden, auf keinen Fall, und schon beim Für-Gehalten-Werden geht es um meine Selbstachtung (“Ich habe versagt und wenn ich so offensichtlich versagt habe, dann bin ich vielleicht wirklich so wie die Gattung, dann beseele ich meine Ethik nicht, dann mache ich mir nur in Idealismus selber etwas vor!”).
Das ist, wenn ich gerne einfach reden würde. Und dann gibt’s da ja noch das andere, dass auch ich hin und wieder Interesse hätte…
Was sich da jetzt in mir auftut, ist ziemlich schwierig für mich. Ich stehe im Konflikt mit meinen eigenen Interessen: Dem weiblichen Geschöpf den vollsten Respekt erweisen (was in seiner Extremausprägung bedeutet, gar keinen Kontaktversuch zu lancieren), oder meinem persönlichen Interesse nachzugehen (oder eben auch nur dem Gesprächswunsch). Und momentan stelle ich den Respekt noch an vorderste Stelle.
Es stellt sich mir auch die Frage, soll es offensichtlich sein, darf es offensichtlich sein, oder darf es das gar nicht, und was bedeutet das im Umkehrschluss für mein erwartetes Verhalten, wenn ich nur eine Gesprächspartnerin möchte? Wie signalisiere ich meine Intention ohne Missverständnisse, besonders dasjenige, das man mich in das Männer-Klischee abstempelt – davor habe ich viel Angst und das führte dazu, dass ich mich aus Unsicherheit die letzten Jahre eigentlich gar nicht mit Mädchen außerhalb meiner Klasse zu sprechen traute.
Wie unterscheiden sich Flirt und eine respektvolle selbstbezweckte Unterhaltung in der Umgangsform?
Und wenn ich Interesse habe, wie soll ich mich verhalten, um dennoch nicht pauschalisiert werden zu können? Wie?!
Ich verhalte mich oft vielleicht auch absichtlich etwas kindisch vor Mädchen, nicht mal, wenn ich einen Gesprächswunsch hätte, sondern schon ganz ohne, um es nicht so erscheinen zu lassen, dass ich mich um ein besonders gutes Bild von mir vor ihnen bemühe und ihnen sofort gefährlich werden könnte als charmanter, heimtückischer Aufreißer, einfach um ihnen die Angst zu nehmen. (Oh Gott, die Abstrußität und Selbstbenachteiligung wird mir erst gerade beim Formulieren klar!)
Die Befürchtung beim blosen Gesprächswunsch in mir ist auch, sie denken gegen Ende des Gesprächs, ich war auf einen Flirt oder ein “Näheranschauen” aus, aber sie hätten mir dann doch nicht gefallen und würden das als Verletzung erleben und mir in Folge entsprechend heimzahlen wollen…
Oder ich habe Angst, dass ich mich, trotz aller Vorsicht, bei Interesse oder Gesprächswunsch, falsch verhielte, so dass mein Kontaktversuch als offensichtlichste Anmache gesehen und (mitleidvoll) belacht wird, denn sie alle haben ja schon viel mehr Erfahrung mit so was…
Ich würde mich in der Schule wirklich gerne mal mit ein paar Mädchen unterhalten, die ich wirklich spannende Persönlichkeiten finde, aber es geht nicht.
Aus dem gleichen Grund habe ich Komplexe davor, mit jungen Unterstuflerinnen ganz harmlosen Austausch zu führen, aus der Sorge, ich würde argwöhnisch als notgeiler Anmacher an jüngeren, oder gar Pädophiler gesehen.
Intergeschlechtliche Kommunikation funktioniert für mich nur rudimentär mit den Mädchen aus meiner Klasse, weil da mittlerweile eine Art familiäres Verhältnis herrscht.
Aber wie soll Geschlechterkommunikation überhaupt mit dem Problem der Geschlechtlichkeit unter sonstigen Normalbedingungen in der Gesellschaft funktionieren? Ist die nicht verdammt in eine Schein-Einigkeit des Fortbestehens des Systems wegen und darunter feindsame Spaltung? Ich will gerne mit nein antworten, doch exakt so erlebe ich es.
Ein Problem scheint auch meine Herzlichkeit und Offenheit zu sein: Wenn ich mich ganz natürlich und offen wie ein Kindergartenkind vor Mädchen verhalte, dann werde ich verschreckt und beängstigt angesehen und mit Rückweichung bestraft. Durch diese (für einen Jungen) unübliche Art aktiviert sich also der weibliche Gefahrenschutz.
Wie kann ich also mit Mädchen als Leutschaft sprechen? Das *ist* meine “verhalte dich einfach ganz natürlich”-Art! Die hab ich mir über die Jahre als reinste Form behalten, alles darüber sind bei mir nur aufgesetzte Schutzhüllen! Und ich will doch in solchen (und Interesse-) Situationen dann aufrichtig und ehrlich “ganz ich selbst” sein!
Wie kann ich da nur zu einer Synthese finden, ohne mich zu verstellen? Brauche ich dafür noch mehr gereiften Charakter?
Dazu kommt noch, überhaupt: wie soll ich es nur schaffen, in einer gesteigerter Verliebtheit (nein, kommt nicht oft vor) vor Begeisterung nicht völlig entzückt und überdreht aufzutreten? Fällt mir sehr schwer.
Hier sollte es bewusst mal nur um meine Sorgen und Befürchtungen vor und bei Mädchengesprächen gehen, die anderen Dinge wie Schüchternheit und fatale Unfähigkeit zum verbalen Gespräch lasse ich bewusst hier raus.
Ich frage mich immer wieder, warum es so mit mir gekommen ist, was ist da nur falsch gelaufen…
Ich habe den leisen Verdacht und Angst vor meinen Untiefen, dass manches davon nur eine Sublimation meiner Sozialunkompetenz sein könnte…
Vielleicht sind meine Einstellungen zu dem Ganzen aber auch goldrichtig, was aber nichts daran ändert, dass ich zuschauen muss, und nur das kann, wie die anderen Jungen dennoch Kumpelinen und Freundinnen haben, halten und bekommen. So komme ich ins Zweifeln und das macht es doppelt schwierig. Sie kriegen es hin und ich nicht, das ist der Punkt.
Man merkt: Ich denke ziemlich viel, ziemlich unterbewusst. Ziemlich ungut oft für mich. Gerade hier.
Das ist wieder eines dieser Beispiele, wo ich denke, ich habe des einen zu viel, während (wahrscheinlich) noch der Reife zu wenig.
Warum schreibe ich das alles jetzt? Weil ich es jetzt kann, weil es mir bewusst wurde, und weil ich es klar für mich machen und für die Fragen endlich Lösungen finden will.