Wer mir auf Twitter oder über status.net folgt, bekam seit einem Jahr enorm viel von mir mit, aber hier auf meinem Blog wurde es immer stiller.

Nun bin über was hinweg gekommen, glaub ich.
Ich will wieder schreiben.

Ich will wieder schreiben, es tut mir gut. Die Person, die mich so lange blockierte, soll keine indirekte Macht mehr über mich haben.
Sie hatte zu nicht geringem Teil indirekt über zwei Jahre das Programm meines Blogs bestimmt – jetzt hab ich das überwunden und bin wieder geistig frei.

Ich habe mit diesem Blog durch brutale Selbstdisziplin immer wieder meine Grenze überschritten und die Latte höher gelegt, aber zu welchem Preis? Für die kläglichen zehn dieses Jahr veröffentlichten Beiträge habe ich viel zu viele Stunden gebraucht, meistens über Tage hingeggezogen. Das kann man auch anders machen. Davon abgesehen, dass diese letzten Beiträge sehr komplexe Introspektionen erforderten und waren (horrendes Beispiel), und mehr wissenschaftliche Auseinandersetzungen als Blogbeiträge, glaube ich, lässt sich das Sprachniveau auch mit weniger Bemühen erreichen, setzt man sich nur häufiger mit Schrift auseinander.
Das möchte ich probieren: Mehr schreiben, und daran evolutionär wachsen, nicht mehr in revolutionären Sprüngen, wie ich es bisher unter großen Gehirnverrenkungen tat. Das ist der bessere Weg und auch der Weg, durch den man eher total lernt, als beim revolutionären, bei dem man sich meist auf seinen einen Text und dessen steife Bedingungen verengt. Durch den evolutionären Weg kristallisiert man mit der Zeit situationslosen Charakter (und kein “System” wie beim revolutionären) aus seinen Anlagen, er ist viel mehr natürlich, er ist der Lernweg des Lebens.

Ich bin mit meinem Blog an einem Punkt, an dem es nicht mehr weiter geht. Ich will das so nicht mehr.
Recht häufig bekomme ich kleine Ideen für Blogbeiträge, die ich aus Mangel an “Tiefe” und “Relevanz” nicht weiter verfolge. So habe ich viele Dinge, die mir auf dem Herzen lagen, verdrängt. Ich habe mich auf diesem Blog in einen wahnsinnigen Selbstanspruch getrieben, der letzten Endes nur der verzweifelte und verstörte Wunsch war, jemandem zu gefallen und etwas umzuschreiben.
Jetzt habe nicht mehr die Absicht, damit vor wem Bestimmtes zu imponieren oder mich zu beweisen, was es einfacher macht, über Kleinigkeiten, Banalitäten, kompaktere Gedanken und Erlebnisse zu berichten, ganz nach Lust. Ich habe vor, den Blog neu zu erfinden.

~Hiermit lege ich den zwanghaften Brutal-Perfektionismus ab und sage mich von ihm los~

Ich mache mir zur Zeit, auch gerade wegen Twitter, viele Gedanken darüber, wie und warum ich so viel Privates und Intimes von mir ins Netz stelle.
Ich habe wenig Freunde, im realen Leben verdammt wenige. Microblogging ist eine Strategie von mir, “unter Menschen zu kommen”, und auch völlig neue Charakterbilder kennen zu lernen, denen ich im normalen Leben niemals begegnet wäre.

Auf Twitter, fällt mir immer stärker auf, möchte ich mich als tolle Person darstellen und möglichst viele “Freunde”, Sympathisanten, um mich scharen (was sie mir geben und was ich ihnen zurückgebe ist noch mal eine ganz andere Geschichte, die mir auch zuweilen schlechtes Gewissen bereitet).
Ich fühle mich alleine, möchte nette Antworten, möchte doch im Grunde nur mit *Freunden zusammen sein* – das ist es. Ich gebe in naher Verzweiflung so viel von mir preis, damit sie mir näher sein können, und damit mir jede ihrer Reaktionen näher vorkommt.
Das ist so traurig, ich will da was an meinem Leben ändern.
Ich schreibe auch allgemein zu viel auf Twitter. Nur wirklich verdammt Guten mit so viel Tweets wie ich über den Tag folge ich selber, meinen Account wollte ich mit diesem ganzen gelangweiltem Geplänkel eigentlich keinem Fremden zumuten. Ich will schauen, wie ich das verbessern kann.

Was kommen wird, ist auch ein neues Blog-Design, dazu hatte ich noch nicht die Zeit und werde sie mir noch eine ganze Weile lassen, denn so was will gut gewählt sein. Das jetzige dumdum-Thema hielt hier mit der Umbenennung von WinLux-Blog auf Frumble201 im Juli 2008 Einzug und jetzt ist es Zeit für etwas Neues.

An meinem Schreibstil muss ich weiter arbeiten. Wenn ich z. B. @verdachtsmoments Twitter-Account und Blog lese, und sie ist erst 16, wird mir ganz anders. Der muss nicht nur besser werden, der muss auch natürlicher und schneller werden. Den Handlungsbedarf seh ich da so herb, weil Schreibenkönnen noch eines meiner kleinen raren Stolzreliquien ist.

Ich will jetzt also versuchen, nachdem ich es jetzt kann, keine so große Selbstdarstellung mehr zu betreiben, sondern meine Texte ohne unterschwellige Angeberei (die ich aus Unsicherheit nötig hatte, im Grunde rede ich mir selbst dabei etwas ein) für sich sprechen zu lassen.

Die kommenden Beiträge auf diesem Blog werden erst mal noch Verarbeitungen von Themen sein, die mich schon lange Zeit belasten und die ich endlich rauslassen möchte. Danach wird es hier dann Formatänderungen geben.

Langsam erkenne ich, was mir wirklich wichtig ist, wo meine Stärken liegen, und was meine Herzenswünsche sind. Ich möchte in stärkerem Bewusstsein leben, glücklich werden, ich möchte darauf zuarbeiten.

Ich will mich neu erfinden,
Ich will mein Leben verändern und fange mit meinem Online-Leben an, weil das einfacher ist.

Ich möchte mehr gute private Blogs ohne Tech-Zeug lesen und dafür Tech-Zeug aus meinem Feedreader rausschmeißen. Überhaupt, mein Feedreader ist eine Katastrophe: So ungelesen, dass ich ihn schon kaum mehr öffne.
Ich will mehr Bücher lesen.
Ich will vom Autor wieder zum Blogger werden.

Ich möchte vieles ändern.
Parallel zu dem hier Genannten will ich versuchen, das auch außerhalb des Internets und meines Zimmers zu tun.

Das ist ein Neustart und ich begrüße euch bei meinem Versuch eines erfüllteren Lebens.