Eine Ubuntu-Neuinstallation als Upgrade, richtig gemacht

Es gibt viele Nicht-Geeks, die sich in den letzten Jahren für Linux auf dem Desktop entschieden haben, und es ist toll, dass es sie gibt! Das zeigt, wie weit wir in Benutzerfreundlichkeit sind.
Der Ubuntu-Installationsassistent trifft, etwa bei der Partitionierung, also der Aufteilung der Festplatte, sehr undifferenzierte, pauschale Entscheidungen, wenn man ihn auf den Mach-alles-für-mich-Werten belässt, was die meisten Nutzer ja tun, weil sie sich nicht trauen, selbst über das System zu bestimmen, sondern das System bestimmen lassen.

Für wen ist diese Anleitung? Ich weiß es selber nicht so genau. Sie ist ein seltsamer Mischling zwischen persönlichem Blog-Eintrag und einer Tipp-Sammlung. Sie richtet sich sicher nicht an Ubuntu-Einsteiger, sondern eher an die, die schon mehrmals ein Ubuntu installiert haben, die sich aber immer den Vorentscheidungen des Installationsassistenten gebeugt haben und nun mal von Grund auf alles richtig machen wollen. Ich will damit keine schrittweise Anleitung, sondern Anregungen und Ideen geben und auf Möglichkeiten der Konfiguration aufmerksam machen. Der rote Faden ist ein ›Upgrade‹ auf das neue Ubuntu 9.04, das Ende April herauskam.

Meine Haltung zu Upgrades
Upgrades sind Aktualisierungen von Systemen oder Programmen auf die nächste ›große‹ Version mit größeren Änderungen. Man kann Windows, Mac OS X und Linux-Distributionen auf die nächste große Veröffentlichungsversion upgraden, ohne seine Systemeinstellungen, Programme und Dateien zu verlieren, theoretisch. Praktisch ist das unter Windows so, dass ein Upgrade ein meistens sowieso schon altes/benutztes/mit Software bespieltes und von Fehlern duchlöchertes Windows-System noch mal zerkratzt, so dass man zwar in den meisten Fällen ein benutzbares System erhält, es aber einfach nicht rund läuft.
In der Theorie ist das Upgrade eines Linux- oder sonst wie unixiiden Systems das sauberste, das man durchführen kann, weil die Systembestandteile sehr klar deklariert sind, jede Datei versioniert, die Programme dabei eher evolutionäre als revolutionäre Änderungen erfahren und außer dem Systemkern auch noch die allermeisten darauf laufenden Applikationen, da sie aus dem Paketserver-Pool der Linux-Distribution stammen, mitaktualisiert werden.
Wann sollte man also dennoch eine Neuinstallation als Upgrade in Betracht ziehen? Vier mögliche Gründe:

  • Das System läuft irgendwie nicht mehr zuverlässig, oder so, wie es sollte
  • Man hat das System ›verkonfiguriert‹
  • Man hat im Laufe der Zeit so viele zusätzliche Programmtitel zum Testen installiert, dass die Menüs prallvoll sind und man hat keine Lust, von Hand auszumisten (wobei dann auch nur die Programme selber und nicht ihre mitgezogenen Abhängigkeiten mitentfernt würden)
  • Man möchte auf eine intelligentere Partitionierung umstellen

Seht ihr eurer System in einem der Punkte beschrieben, dann rate ich euch wirklich: Macht eine Neuinstallation statt eines Upgrades. Das fühlt sich auch allein ideologisch schon besser an.

Zur Konfiguration
Ein grundlegender Unterschied zum Microsoft-System: Mit Windows hat man immer Arbeit, ein Linux dagegen läuft in der Regel, nachdem man einmal eine hohe Konfigurationshürde erreicht hat, sehr lange ziemlich gut.
Ich selbst schiebe die Installation einer neuen Version immer einige Zeit vor mir her, weil es halt wirklich Arbeit ist. Dann nehme ich mir mehrere Tage einige Stunden das System vor, für Ubuntu 9.04 habe ich geschätzte 16h gebraucht, bis alles so lief, wie auf meiner vorigen Installation. Diese Zahl ist ungeschönt, aber ich will bemerken, dass ich ein Perfektionist bin, dann der Entwickler von Fertibunti (was auch Zeit kostete), wirklich viel individuell haben möchte, und dass gerade mein Rechner (gemäß meinem Fachwissen, es darf ja nicht einfach funktionieren… Ich staune, wie toll sich die Computer meiner Freunde, die nicht so versiert sind, einer Ubuntu-Installation fügen…) mir gerne dazwischenfunkt.

Das, was wohl auf einem Windows-System am meisten Zeit verschlingt, ist die Installation von Software. Die Installation. Die Setups sind unglaublich lahm und umständlich. Die Einrichtung des Systems macht man bei Windows mehr oder weniger nebenher.

Durch die geniale Paketverwaltung von Linux-Distributionen nimmt dort die Nachinstallation zusätzlicher Programme den kleinsten Teil der Nacharbeit ein. Benutzt ihr mein Fertibunti, das automatisch alles Notwendige und noch ein bisschen mehr nachinstalliert und einrichtet, kommt ihr zeitlich wirklich gut damit weg. Auf einem halbwegs aktuellen Rechner sollte das mit DSL 16.000 nicht über eine Stunde dauern. Umgerechnet auf die Zeit, die diese Programmfülle durch den typischen Windows-Installationsweg vernichten würde, wären das sicher über sechs Stunden Arbeit, und dabei macht Fertibunti alles automatisch.

Wir sichern…
Bevor wir neuinstallieren, sollten wir natürlich die wesentlichen Dinge unseres noch laufenden Systems sichern, ein paar, die mir wichtig erscheinen:

  • /etc/fstab
  • /etc/X11/xorg.conf
  • /etc/apt/
  • /boot/grub/menu.lst

Überhaupt wäre eine Komplettsicherung des Systems auf eine andere Festplatte/Partition ratsam. Ich empfehle dafür sbackup.

Hat man /home noch nicht auf einer separaten Partition (dazu später mehr), so muss man natürlich auch alle seine sichtbaren und versteckten Dateien in seinem ›Heim-Ordner‹ sichern. Dabei kann es vorkommen, dass einige Dateien sich nicht kopieren lassen, weil etwa die persönlichen Rechte nicht dazu ausreichen. Es kann gesagt werden, dass die alle nichts Wichtiges sind, fast immer auch nur sehr klein. Einfach überspringen, das macht später nichts aus.

Woran dann fast niemand mehr denkt, sind ›Sicherungen‹ von allgemeinen Systemzuständen. Ich rate, Bildschirmfotos zu machen:

  1. Vom Desktop mit offenem Nautilus-Fenster (so hat man die laufenden Panel-Applets und die Nautilus-Lesezeichen festgehalten)
  2. Falls man ein alternatives Anmeldefenster installiert hat, den Anmeldefenstermanager öffnen und sich den Namen des Themas rausschreiben, damit man es später wieder auf Gnome-Look.org findet
  3. Eventuell schauen, wie man den Drucker konfiguriert hat
  4. Von Synaptic (-Paketverwaltung) → Ursprung → Lokal/* (unter den Subkategorien von Lokal werden alle installierten Pakete gelistet, die nicht über die System-Quellen von Apt installiert wurden)
  5. Von GParted mit den Partitionen (Mountpunkte) (Wenn noch nicht installiert: Paket gparted installieren und dann über System → Systemverwaltung → Partition Editor starten)

Die Bildschirmfotos von GParted und eine Kopie der Datei /etc/fstab legt ihr nun auf einen USB-Stick, bereit für die Installation.

64-Bit?
Das ist eine Frage, die sehr oft in Linux-Foren gestellt wird: Soll ich die 32-Bit-, oder die 64-Bit-Version installieren?
In den Foren melden sich dann oft die, die sagen, dass es sich nicht lohnt, weil man den Unterschied fast nicht spürt, oder nur in pompösen Datenbankanwendungen.

Ob man die 64-Bit-Version installieren sollte, wenn der Prozessor 64-Bit unterstützt? Ich beantworte das mit einem klaren Ja, warum nicht!, mit einer Einschränkung: Hat man unter 1 GB RAM, könnte es besser sein, noch ein 32-Bit-System zu installieren.
64-Bit bringt keine Nachteile mehr. Flash läuft gut, Java gibt es, Multimediacodecs machen seit Jahren keine Probleme mehr. Warum also sollte man auf ein bisschen Mehrleistung verzichten, wenn es die Hardware hergibt?
Auch bei der Softwareauswahl muss man keine Abstriche machen, praktisch 1:1 hat man die gleiche Fülle wie ein 32-Bit-Nutzer in den Quellen zur Verfügung.
Linux war der erste Kernel für die AMD64-Plattform (die auch heute Intel-Prozessoren implementieren, wenn sie 64-Bit-Code ausführen) und damit zum ersten Mal in seiner Geschichte die Präferenz- und Standardplattform für eine neue Rechnerarchitektur. Es läuft toll darauf.
Anders als die 64-Bit-Versionen von Windows und Mac OS X kommt eine 64-Bit-Linux-Distribution ausschließlich mit 64-Bit-Software daher und jedes Programm, das man über die Paketverwaltung nachinstalliert, ist auch für 64-Bit gebaut, abgesehen von einigen proprietären Dingen wie Flash, Adobe Air oder Zattoo, die immer noch eine Kompatibilitätsschicht benötigen, was aber auch wenig Probleme macht. Bis auf die codegeschlossenen Applikationen hat man dann tatsächlich ein massiv 64-bittiges System, ist das nicht cool? Vergleicht das mit Windows, wo noch nicht mal Microsoft seine Produktpalette wenigstens zu einem nennenswerten Teil in 64-Bit anbietet, von den Drittanbietern ganz zu schweigen!

/boot und /home als separate Partitionen
In einer Standardinstallation sind /boot und /home Unterverzeichnisse der „/“-Partition. Im Prinzip kann man jedes Verzeichnis einer Linux-Distribution aber auf eine separate Partition auslagern. Das bringt für mich vor allem Systemsicherheit mit sich: Ich weiß genau, dass der Kernel und die GRUB-Konfiguration auf dieser ersten kleinen Partition liegen, außerdem erlaubt es mir so, der übersichtlichen Konsequenz wegen, nur /boot als primäre Partition anzulegen und alle weiteren Partitionen als logische in einem erweiterten Container zu erstellen.
/home als separate Partition sollte Pflicht sein: Ist das System beschädigt und startet nicht mehr, kann man ›einfach‹ Linux noch einmal installieren und wieder die entsprechende Partition als /home einhängen und man hat sofort seine individuelle Desktop-Konfiguration und sein Heimatverzeichnis. Theoretisch ist es auch möglich, für mehrere Linux-Distributionen wie Ubuntu, Fedora und SUSE die gleiche Home-Partition anzugeben (was aber an der unterschiedlichen installierten Software dann in Menüs nicht gut aussieht). Und sowieso, weil ich so oft neuinstalliere, wäre es furchtbar umständlich, jedes mal /home zu sichern und später zurückzuspielen.

Option 1: Eine frische Installation mit ganz neuer Partitionierung
Ich will hier nicht auf die einzelnen Schritte eingehen, weil ich einfach davon ausgehe, dass ihr ein ›Upgrade‹ machen wollt und schon mit früheren Installationen Erfahrungen sammeln konntet. Nicht schaden kann es, wenn ihr euch den Wikipedia-Artikel zu Partitionen durchlest, besonders die Sache mit primären, erweiterten und logischen Partitionen solltet ihr später können.

Zunächst ein ›Insider‹: Den Computer ausschalten und ein paar Minuten vor Beginn der Installation abkühlen lassen. Das ist wahrscheinlich vollkommen sinnlos, aber es gibt einem ein gutes Gefühl; wie »Jetzt ruhst Du dich noch einmal aus und dann geht es konzentriert los.«
Auch das Zimmer mal gut durchlüften, damit man selbst genug Frischluft hat, um kühl denken zu können. Vernachlässigt das nicht, es ist ungeheuer wichtig, bei der Partitionierung keine Fehler zu machen.

Startet von der CD, wählt ›Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert)‹ aus dem Bootmenü und wartet, bis die Oberfläche geladen ist.

Bei einer vollkommenen Neuinstallation (oder eben wenn man die Festplatte komplett neu einteilen möchte) mit dem Partitionseditor (unter System → Systemverwaltung) Platz für /boot, /, /home und swap schaffen.
Legt dann 4 neue Partitionen für Ubuntu an (Dateisystem alle Ext4 bis auf Swap, da wählt ihr ›Linux-Auslagerungsspeicher‹)

  • /boot : 200 MB
  • / : 10-20 GB
  • swap : Mindestens so groß wie der verbaute Arbeitsspeicher, aber nicht mehr als doppelt so viel
  • /home : mindestens 10 GB

Zu /home : Kommt darauf an, wie ihr vor habt, eure Nutzerdateien zu verwalten. Man kann entweder wirklich /home nutzen, um dort seine Bilder, Videos und die Musiksammlung unterzubringen, spricht nichts dagegen. Ich habe, um flexibler zu sein mit anderen Distributionen, auf /home nur das Nötigste, also Konfigurationsdateien und meinen Podcasts-Ordner liegen und nutze die Partition mehr oder weniger als temporäres Abstelllager von Arbeitsdateien und speichere meine ›Eigenen Dateien‹ auf einer anderen Partition. Aber spricht wie gesagt nichts dagegen, /home für alles zu nutzen.

Bleibt zu sagen, dass ihr die Partitionierung mit GParted durchführen solltet, bevor ihr das Setup mit dem Icon auf dem Desktop startet.

Folgt dem Assistenten wie gewohnt, bis ihr gefragt werdet, wie ihr die »Festplatte vorbereiten« möchtet. Dort wählt ihr »Partitionen manuell festlegen (fortgeschritten). Darauf seht ihr eure vorhin angelegte Partitionierung und könnt den Partitionen Einhängepunkte (auch ›Mountpoints‹) und Dateisysteme zuweisen (sollte natürlich wieder alles Ext4 sein, bis auf die Swap).

Option 2: Neuinstallation über Vorgängerversion von Ubuntu
Nach dem Starten von CD (analog zur vorherigen Option, mit ›Ubuntu ausprobieren (Rechner bleibt unverändert)‹ ) den vorbereiteten USB-Stick mit den Bildschirmfotos und der fstab einstecken, dann den Installationsassistenten starten. Der USB-Stick sollte automatisch eingehängt und geöffnet werden. Der Installationsassistent wird uns gleich anbieten, den USB-Stick wieder auszuhängen, was wir aber dankend verneinen.

Fall 1: Ihr habt im vorherigen Ubuntu noch keine separate /boot- und /home-Partition gehabt. Vor der Neuinstallation sichertet ihr also euer ganzes Benutzerverzeichnis unter /home inklusive aller versteckter Ordner auf DVD oder eine andere Partition oder Festplatte. Jetzt wollt ihr diese Partitionen anlegen, das geht am besten mit dem Partitionseditor (unter System → Systemverwaltung). Der sollte noch vor dem Installationsassistenten gestartet werden.
Verschiebt, ändert Größen und löscht nach euren Wünschen vorhandene Partitionen, um, falls ihr das braucht und in der alten Installation gemerkt habt, dass ihr mehr Platz für z.B. /home benötigt, als zuvor die Partition hergegeben hat.

Fall 2: Ihr habt schon eine /boot- und eine /home-Partition und seid damit zufrieden. Bestens.

Die wichtigsten Mountpunkte gemäß meiner alten Belegung wieder zugewiesenIm Installationsassistenten dann zunächst /boot, /, /home und swp (wieder) besetzen. Zum Formatieren davon nur die /boot- und /-Partition vormerken (bei Fall 2)! Dateisystem der Wahl für /boot, / und /home (nur bei Fall 1 natürlich auch /home formatieren) ist das neue schnelle Ext4.

Jetzt kommen unsere Bildschirmfotos von GParted vom Vorsystem ins Spiel. Öffnet sie vom USB-Stick und richtet die Mountpunkte der anderen Partitionen getreu diesen Bildern ein. Dabei immer als Dateisystem das wählen, was schon im Hauptfenster in der Spalte „Verwendung“ steht. Der Mountpunkt muss mit der Tastatur eingegeben werden (etwa /media/sdb8) – eben so, wie er früher schon war, gemäß dem Bildschirmfoto.
Alle Mountpunkte gemäß meiner alten Belegung wieder zugeteilt
Übrigens: Hat man in der vorherigen Installation einigen Partitionen noch gar keine fixen Mountpunkte verpasst, bietet sich nun die Gelegenheit dazu. Heißt die Partition etwa /dev/sda10, so kann man sie als /media/sda10 einhängen lassen. (Bitte nicht beachten, dass ich in nebenstehendem Bild in den Mountpunkten immer sdb statt sda, wie das /dev-Gerät heißt, eingebe. Das hat esoterisch-unerklärliche technische Gründe, irgendwie zusammenhängend mit meinem BIOS. Einfach nicht beachten. Auch bitte im Bild nicht darum kümmern, dass zwei Partitionen im Fensterfoto des Partitionseditors vom alten Ubuntu als „unbekannt“ markiert sind; ich hatte diese schon als Ext4 benutzt, aber die dort eingesetzte Version des grafischen Partitionsmanagers unterstützte zu dem Zeitpunkt noch kein Ext4.)
Versucht nicht, meine Partitionierung zu verstehen. Macht euch nur klar, wie ihr die alten Belegungen der Mountpunkte übernehmt. Dieser Dialog ist der fordernste und gefährlichste am ganzen Betriebssystem.

Die Partitionierung, egal wie frustierend sich das Werkzeug gebärdet, unbedingt gewissenhaft und mit größter Konzentration durchführen, dabei mehrmals die Angaben auf Mountpunkte und Formatierungen überprüfen, gegebenenfalls hier sogar eine kleine Pause einlegen, wieder an den PC gehen und noch einmal alles überprüfen und überdenken; vielleicht will man ja etwas doch anders machen. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich, eine intelligente und maßgeschneiderte Festplattenaufteilung zu haben.

Sodann das erledigt ist, werdet ihr nach euren Anmelde- und Benutzerdaten gefragt. Führt ihr ein „Upgrade“ durch, dann müsst ihr natürlich euren Benutzer wieder so nennen, wie er schon zuvor hieß. Hattet ihr mehrere Konten, dann erstellt jetzt einfach eines der Konten, später im installierten System lassen sich dann noch weitere Benutzer hinzufügen (es geht dabei nur um die Registrierung beim System an sich, eure Benutzerdaten sind ja auf der separaten Home-Partition (Fall 2) oder spielt ihr später von der Sicherung zurück (Fall 1)).Die Übersichtsseite des Ubuntu-Installationsassistenten kurz vor dem Startschuss
Nachdem euch der Assistent noch gefragt hat, ob ihr von einem installierten Windows-System Benutzerdaten importieren wollt (tut’s nicht!), seht ihr auf einer Übersichtsseite noch einmal alle auszuführenden Aktionen und Einstellungen. Vergewissert euch dort erneut von der Richtigkeit der Formatierungsaufgaben. Dann sollte die CD werkeln und Ubuntu 9.04 auf eure Festplatte schaufeln.

Erste Aufgaben nach dem „Upgrade“
Fall 1: Ihr habt eine Standardinstallation vor euch, nichts ist eingerichtet.
Spielt von eurem Backup, seien es DVDs oder eine Backup-Partition, wieder eure ganzen versteckten und nicht versteckten Dateien eures alten /home/$BENUTZERNAME$ zurück, wenn ihr gefragt werdet, wie ihr mit schon vorhandenen Dateien verfahren wollt, sagt, er soll sie überschreiben.
Am Kritischten dabei sind die Benutzerrechte, dass die stimmen. Bekommt ihr Probleme dabei, fragt mich hier in den Kommentaren oder im Ubuntuusers.de-Forum.

Fall 2: Da ihr euer /home behalten habt, sollte euer gewohnter Desktop wieder vor euch erscheinen:
Die Grundausstattung - man beachte die fehlenden Programme hinter den Verknüpfungen

Fall 1+2 anschließend:
Ihr seht, dass die Panels sehr leer aussehen, oben links sind Platzhalter für einige Starter und oben rechts ist die Begrenzung der Benachrichtigungsfeld-Symbole viel zu weit links. Das kommt schlicht daher, dass noch nicht alle Programme installiert sind, die ihr/ich in eurer vorherigen Installation hattet, die liefen, und von denen ihr Starter angelegt habt.
Jetzt geht es also an das Installieren dieser zusätzlichen Pakete.
Dafür, und um überhaupt mal eine ansehnliche Auswahl von – aus meiner Sicht – unentbehrlichen Anwendungen zu bekommen, lege ich euch mein Fertibunti-Script ans Herz. Es erweitert selbständig die Paketquellen um z.B. Medibuntu, Wine und VirtualBox und installiert alle nötigen Mediacodecs, „echte“ Multimediasoftware, Internetprogramme wie Skype, Filezilla, Firefox 3.5 und Midori und eben viele Systemerweiterungen und -Programme wie VirtualBox, Compiz Fusion-Plugins, volle PulseAudio-Kontrollapplets, Envy, Gnome Do und so weiter. In meinem Freundeskreis ist das sehr beliebt und es funktioniert auch wirklich.
Außerdem konfiguriert Fertibunti ganz zart den Desktop, stellt auf das chice Gnome-Thema „Neue Welle“ um und installiert einen hübscheren Anmeldebildschirm.
Man könnte es als die eierlegende Wollmilchsau für die Neuinstallation eines Ubuntu-Systems bezeichnen.

Der fertige Desktop - so könnte es aussehen *höhö*

Einrichtungstipps
Nach Fertibunti geht es dann an die Einrichtung der Hardware (DAS ist es, was bei mir immer so viel Zeit kostet). Normal sollte alles Wichtige schon laufen, Drucker lassen sich grafisch einrichten etc.. Wenn ihr eine ATI- oder Nvidia-Grafikkarte habt, empfehle ich, zur Installation des Treibers EnvyNG zu nutzen (Anwendungen → Systemwerkzeuge → EnvyNG) , und nicht den von Ubuntu selbst vorgeschlagenen Treiber (weil EnvyNG einen neueren kennt).
Weiter geht es mit den Applikationen, die nicht in den Quellen sind, und von deren Liste ihr euch vor der Neuinstallation in Synaptic ein Foto gemacht habt (das war das unter Ursprung → Lokal/*).

Wollt ihr den Bootmanager anpassen, eignet sich der (von Fertibunti installierte) StartUp-Manager (System → Systemverwaltung → StartUp-Manager). Damit lassen sich unzählige Einstellungen komfortabel ändern, z.B. das als Standard zu startende Betriebssystem, die Wartezeit und die Bildschirmauflösung des Bootbildes. Ganz nett finde ich auch, über das Deaktivieren des Häkchens bei ›Zeige Bootmenü‹ überhaupt erst mal kein Bootmenü anzuzeigen, sondern es erst durch Drücken von Esc einzublenden, was den Systemstartprozess konsistenter erscheinen lässt.

Um nicht unnötig auf / Platz zu verschwenden, ist es klug, in Synaptic unter Einstellungen → Dateien → Temporäre Dateien → ›Heruntergeladene Paketquelldateien nach der Installation löschen‹ zu aktivieren (und einmal den Knopf ›Alle Paketdateien im Zwischenspeicher löschen‹ zu betätigen).

Wer sich noch nicht intensiver damit beschäftigt hat, sollte auch unbedingt einmal die Auswahl an Panel-Applets durchwühlen. Einfach einen Rechtsklick auf eines der Panels und ›Zum Panel hinzufügen …‹ wählen. Was ich absolut empfehlen kann:

  • Tomboy – Eine intelligente Notizenverwaltung, die für mich eines der Highlights von Gnome darstellt – ist mir absolut unbegreiflich, warum Canonical das nicht in der Standardinstallation gleich im Panel aktiviert
  • Systemmonitor – Eine Live-Systemlastenanzeige über CPU und bei Interesse auch Speicher, Netzwerk, Swap, Last und Festplattenaktivität. Wie kann man ohne eine Lastenanzeige arbeiten?!
  • Überwachen der Prozessortaktstufen – manuelle Regelung der Prozessortaktstufen. Das kann für Notebook-Besitzer zum Stromsparen interessant sein, und ist es umgekehrt, wenn der Kernel bei HD-Videos einfach nicht richtig hochtakten will, wie er es sollte (hier ein Foreneintrag zu dem Problem)
  • Netzkerküberwachung – Ein Applet, das hauptsächlich blinkt, wenn Daten übertragen werden, oder das ein durchgestrichenes Symbol zeigt, wenn man keine Verbindung hat (ich nutze an meinem Desktop-PC das, weil ich auf den großen Netzwerkmanager verzichte)
  • Medien-Applet – Superpraktisches Pulldown-Menü mit einer Liste aller verfügbaren Partitionen, und mit Aushängeknopf
  • Deskbar – Universalsuche mit individuell zuschaltbaren Plugins. Sucht nach Anwendungen, Kontakten, Dateien (über Tracker), kann auf Twitter und identi.ca veröffentlichen, kann im Web suchen und so weiter. Kann man sich vorstellen wie der Spotlight-Knopf in Mac OS X. Eine ideale Ergänzung zu Gnome Do (manches geht mit Gnome Do schneller, manches mit der Deskbar)
  • Fisch – Klickt man darauf, öffnet sich ein „Glückskeks“ mit Sinnsprüchen, Witzen oder Wissenswertem, dank Fertibunti sogar auf Deutsch. Man sollte aber unbedingt in den Einstellungen die Pause nach jedem Einzelbild der Schwimmanimation auf 10 Sekunden hochsetzen, denn sein Gezappel hält sonst keiner aus
  • Temperaturindikator – ist in der Uhr schon integriert. Klickt auf die Uhrzeit und expandiert unten ›Orte‹. Über ›Bearbeiten‹ lässt sich dann der Wohnort (oder eine Stadt nahe des Wohnorts) bestimmen
  • Zeiterfassung – Eine Art Stoppuhr mit genauer Protokollierung der Art der Arbeit. Ist leider sehr manuell und bringt nur etwas, wenn man sich auch streng an sein eingegebenes Thema hält, ohne abzuschweifen. Dann bietet es aber eine grafisch nette Analyse der Tätigkeiten und Zeiten.

Ich hoffe nun, euch einige interessante Anregungen für zukünftige Installationen gegeben zu haben. Eine Neuinstallation lohnt sich wirklich bei vielen Nutzern statt eines Upgrades, vor allem, da die Systeme oft schon einige holprige Upgrades hinter sich haben. Wenn es Probleme gibt, dann… ähm, nun ja, das ist so eine Sache. 😉 Fragt besser nicht mich, sondern im Ubuntuusers.de-Forum, da bekommt ihr schnell kompetente, nette Hilfe.

5 Gedanken zu „Eine Ubuntu-Neuinstallation als Upgrade, richtig gemacht

  1. Nutzt Mozilla Firefox Mozilla Firefox 3.0.10 auf Ubuntu Linux Ubuntu Linux

    Hi,
    ich finde diese Anleitung richtig gut. Habe meine Festplatte genauso partitioniert wie du es geschrieben hast. Klappt echt gut! Außerdem fand ich den Tipp, mit dem GnomeApplet zur Prozessortaktsteuerung super, jetzt kann ich endlich den Takt meines AMD Turion X2 steuern und somit die Lautstärkeentwicklung so niedrig wie möglich halten.

    Großes Lob für deinen Artikel!

    Gruß
    7T

  2. Nutzt Mozilla Firefox Mozilla Firefox 3.0.10 auf Windows Windows Vista

    ich hatte auch immer vor meine Festplatte zu partitionieren jedoch habe ich auch immer meine Zweifel bzw. Anwenderfehler 😉

    Deine Anleitung ist super geschreiben und vielleicht sollte ich es mal versuchen.

    Danke für diesen informativen Post.

  3. Nutzt Mozilla Firefox Mozilla Firefox 3.0.15 auf Ubuntu Linux Ubuntu Linux

    Super Beschreibung (auch wenn das Abkühlen esoterisch ist…)
    Also Upgrades klappen auch gut über Jahre hinweg: Leider ist das Ubuntu so stabil, dass ich als Normaluser fast alles über’s Installieren vergessen hatte 😉
    Also Anmerkung, wenn man nach über drei Jahren doch mal Neuinstallieren will, weil viel kleine leichte Verwurschtelungen irgendwann doch die Performance beinträchtigen:

    – Nicht zu viele versteckte Dateien aus der alten Version mit Schleppen! Manchmal ist weniger auch mehr! Aber beim Design habe ich auch viel alten Kram verschleppt, bei Email auch, aber manchmal lohnt auch ein Neuanfang oder z.B. die Lesezeichen vom Browser oder die OO-Macros (welche man noch kennt) von Hand zu übertragen!

    – Zu ergänzen ist das Software Problem: denn
    dpkg –get-selections > prog.txt oder
    dpkg -l > prog.txt oder
    packages.list
    liefern zu viel kram und sind sehr unübersichtlich und vieleim Netz Scripte zum rausfiltern können versagen (bei mir mit nur 3 selbstkompilierten Programmen oder einem 4 x upgegradeten System), so dass ich meine alte Installation zur Sicherheit einige Zeit behalte, weil ich viel nachinstallert habe und erst beim Arbeiten merken werde, dass da was fehlt!
    -> Also gut überlegen, was man noch so genutzt hat!!! Oder bei neuen alten Projekten oder Arbeitsweisen ausreichen Puffer haben und dann eben erst nachinstallieren!
    Mein Philosophie: Mut zur Lücke und so befreit ist das System trotz Upgradesprung von einem Jahr wieder schneller 😉

    Danke für die Mühe und Seite

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