Das neue MacBook hat kein FireWire mehr – seht, welche Macht ein Gerätemonopolist hat
Die am Dienstag vorgestellten MacBooks sind ja erst mal sehr, sehr lecker anzusehen. Aus einem Guss hergestellter Rumpf, Oberteil mit Bildschirm komplett überzogen mit Glas, auch an den Seiten, Multitouch-Trackpad, schnelle Graka, dünner als die letzen und natürlich ein neues edleres Design machen schon einiges her. Ich will hier nicht auch noch die Details aufzählen, das können andere besser als ich (und haben es eh schon getan), ich will auf was anderes nur kurz hinweisen:
Die neuen MacBooks haben keinen FireWire-Port mehr. Das hat nur noch das um 600€ teurere MacBook Pro. Apple waren die ersten, die den BUS Mitte der 90er in Endanwenderprodukten verbauten und bald wurde er zum Standard für Kameras, externe Festplatten und sogar der iPod >4G konnte nur FireWire. USB kam etwas später um ’98 in die Standard-PCs und wurde der de facto-Standard für Druckeranschlüsse, Webcams, Fotokameras, Scanner und so weiter. Was die Masse nicht weiß, ist dass USB nicht einfach eine Konkurrenztechnologie zu FireWire von Intel und Microsoft ist, USB ist FireWire technisch weit unterlegen. USB ist nur eine Gerät-zu-Wirt-Leitung, einzelne Geräte können sich ohne Tricks nicht untereinander unterhalten und der Wirt muss pro Sekunde zig hundertmal eine Anfrage an das Gerät schicken, ob es was Neues zu sagen hat, weil es selber nicht autark raussenden kann. Das hat seinen Vorteil im Chipherstellungspreis für die Geräte, aber sonst auch irgendwie gar keinen. FireWire-Geräte können untereinander Ad hoc-Netzwerke aufbauen, senden selbständig, haben eine stabilere Leitung, eine effektiv höhere Übertragunsleistung und sehen als Stecker schöner aus. Und es fällt im Computer der Rechenaufwand weg, den die CPU bei USB hat, die Geräte anzufragen und die Antworten auszuwerten. (Mehr zu USB vs. FireWire bei MacTV und Chaosradio Express.)
Jetzt lässt also Apple FireWire bei den “billigen” MacBooks für 1200€ und 1500€ komplett weg und zwingt alle, die auf FireWire gesetzt haben, das teurere MacBook Pro zu kaufen. Vielleicht, weil die Rechenleistung des MacBooks mittlerweile zu üppig ist, und um trotzdem noch die Pro-Nutzer für das teurere Gerät gewinnen zu können? Das erinnert mich gerade sehr an Microsofts Ankündigung seiner neuen Programmiersprache “M” im nächsten Visual Studio, wahrscheinlich auf der Sprache “D” aufbauend, die Modelle nur auf dem Microsoft SQL-Server ablegen kann. Das entspricht unter ferner liefen “embrace, extend and extinguish” (“annehmen, erweitern und auslöschen”) und schafft dabei sehr clever ein neues Zwangsmonopol (da Zwangsabhängigkeit). Die Strategenabteilung ist die am grandiosesten besetzte bei Microsoft, keine Frage.
Zurück zum MacBook: Seht ihr, was ein Monopolist für Macht hat? Apple ist einer, weil nur sie OS X auf ihren Rechnern verkaufen und es gibt viele Leute, die von OS X abhängig sind oder einfach nicht mehr anders arbeiten wollen. Die Macs im Speziellen hatten mit FireWire auch immer eine sogenannte “Target Disk Mode”-Funktionalität, über die sich die Festplatte des Rechners extern über FireWire auslesen lassen konnte, auch wenn der Mac beschädigt war. Dieses für Firmen wohl bislang recht herausstechende Alleinstellungsmerkmal der Macs gegenüber anderen Computern fällt damit beim günstigen MacBook weg. Auch ich empfehle allen Leuten, die eine FireWire-Schnittstelle in ihrem Computer haben, wann immer möglich FireWire-Geräte zu nutzen, etwa als externe Festplatte oder als Kamara-Überspielkabel. Gerade bei zeitkritischen Dingen wie Echtzeitvideo ist der Scheduler in FireWire USB um Äonen voraus (schafft also mehr ab und erzeugt weniger fehlerhafte Bits) – was bei externen Festplatten die Übertragungsqualität und -Geschwindigkeit erhöht. Für mich ist das keine ideologische Frage, sondern ganz klar Techniküberlegenheit.
Der Type im schwarzen Rollkragenpulli übrigens schon dazu: “Actually, all of the new HD camcorders of the past few years use USB 2.” und “The new HD camcorders start around $500.”. Oh yeah! Diesmal zieht sein reality distortion field aber nicht ganz. Bald ein halbes tausend entrüsteter, bis vor dieser Detailbekanntgabe potenzieller Käufer, lehnen sich gegen diese Entscheidung Apples schon im offiziellen Apple Support-Forum auf.
Warum mich das so als Nicht-Mac-Nutzer aufregt und bewegt? Ich sehe Apple als den Gründer von FireWire und den Quasi-Standard in der professionellen Medienproduktion. Wenn Apple FireWire nicht mehr verbaut (was ich mir durchaus auch in zukünftigen Pro-Modellen vorstellen kann), dann wird der Rest der Industrie garantiert nachziehen und das wäre so unglaublich schade, weil wir dann ein weiteres Mal bessere Technologie zugunsten von billigerer und schlechterer aufgeben und verlieren.
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| Dieser Beitrag wurde von Frumble am 19. Oktober 2008 um 13:23 veröffentlicht und unter Mac OS X(86) und Apple abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
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vor 3 Jahren
Ich finds auch scheiße, dass apple den firewire port rausgenommen hat. Ich hab noch das weiße MacBook und nutze den FW-Port regelmäßig, aber ich würde schon sagen, dass diese Entscheidung nicht sonderlich verwunderlich ist, weil heutzutage der Markt eher zu USB hingeht (wenn man sich mal so einen durchschnittlichen Computereinsteiger anguckt, wird man viele finden, die FW überhaupt nicht mehr kennen, und deshalb nur USB haben wollen (bzw. glauben, nur USB zu wollen.)). Das wird vermutlich ua. auch daran liegen, dass USB geräte so viel billiger sind.
Außerdem (ich weiß nicht ob ich vielleicht einfach noch zu jung bin) ist mir FireWire eigentlich bis jetzt ernsthaft nur in der Mac-welt begegnet (ich glaub ich hab in meinem leben erst 1 firewireport an nem nicht-mac gesehen).
Ich würde also sagen: Ja, firewire ist besser, aber es war schon irgendwie klar, dass es sterben wird.
vor 3 Jahren
FireWire war bei Normalnutzern nie bekannt, für die gab es immer nur USB. Billiger und nicht billiger ist auch eine Knobelfrage, die Chips kosten vielleicht 2€ mehr, aber die Geräte werden gleich 20€ teurer wegen der kleinen Nachfrage.
An “PCs” ist es an jedem 2. seit gut drei Jahren dran: http://www.hardwareschotte.de/hardware/preise/catid_3001171/preis_AMD+-+Sockel+AM2 – Du musst wohl mal intensiver schauen
Außerdem gibt es keinen Ersatz für FireWire bei Geräten, die wirklich Durchsatzrate brauchen (Stichwort FireWire 800 und das neue S3200) – USB 3 schafft gerade mal bei günstigem Wind 350 MByte/s.
FireWire war *immer* für die Pros, wenn es ihnen nun weggenommen wird, ist das katastrophal. (“Die Pros kaufen sich doch eh das MacBook *Pro* – haha”)
vor 3 Jahren
“– Du musst wohl mal intensiver schauen ” Das sollte eigentlich gar keine Tatsache sein, sondern nur eine subjektive Wahrnehmung. Dh: es kann ja meinetwegen in den “meisten” PCs drin sein, aber ich habs noch nie gesehen, weil in den Pc’s in meinem umfeld immer nur usb drin war, wie gesagt.