Archiv für Oktober 2008

Kinoeindrücke zu WALL·E

Vorgestern zog es mich, nachdem der Film jetzt doch schon seit Ende September läuft, ins Kino in Pixars achten Animationsfilm WALL·E. Prinzipiell widerstrebt es mir, in einen Film zu gehen, der so viel Fernseh- und Plakatwerbung bekam, die, so witzig sie ist, doch mit der Zeit auch ziemlich genervt hat. Mit Werbung will ich weitermachen: Es war ein sehr großer Fehler von mir, alle veröffentlichten Trailer schon lange vor dem Kinogang gesehen zu haben. Die Charaktere und ihre Bewegungsweisen überraschten mich keinen Deut mehr, das wurde mir deutlich, als die “Mitinsassen” der Vorstellung zu Momenten ge-oht und ge-wowt haben, die mir nur noch den Kopf schräg legten und in meinem Gesicht ein erwartendes Lächeln hervorriefen.
Das Kino: Seit dem in tiefem Christentum braven Prinz Kaspian hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr in das Reutlinger Cineplex zu gehen. Das Bild war grauenhaft verzerrt, hatte viele Fehler und der Ton war viel zu leise. Halten konnte ich mir den Vorsatz nur bis über Batman – The Dark Knight, für den ich mit meiner Mutter nach Stuttgart ins Cinemaxx fuhr – ein komplett anderes Kinoerlebnis, wenn es jetzt noch digital wäre, könnte man das die Perfektion nennen. Für WALL·E war mir dann doch der Weg alleine nach Stuttgart zu umständlich und ich hätte dabei die irre Bahn bemühen müssen (Gott bewahre) und so reservierte ich mir online eine Karte für 18:30, sprintete um 18:34 von daheim los, kam um wohl 18:40 am Kino an und hatte noch Zeit, auf’s Klo zu gehen, ehe der Vorfilm, Presto (den ich Schelm natürlich auch schon kannte) begann. Also, fände ich mich um mein Zeitmanagement nicht cool, wäre ich der Werbung wegen dem Kino ja sauer… Die Tüte billiges Supermarkt-Popcorn unter der Jacke wurde ebenso wenig ausgemacht, wie der HD-Camcorder; ne, das war jetzt Spaß. ;) (Ja, das war Spaß! Ehrlich!)
In dem Saal war zwar das Bild erträglich, aber mal so was von klein (geschätzte 12m-Leinwand waagrecht) und der Ton wieder erstaunlich leise und absolut unspektakulär, dass ich mich frage, wohin diese Kino-Kette ihr Geld aus den Wucher-7€-Karten und Wucher-Fressalien pumpt.
Zur Handlung an sich will ich nicht viele Worte verlieren, da gibt es die zugemüllte Erde und die Menschen, die vor 700 Jahren in einem Luxus-Freizeit-Raumschiff das Weite gesucht haben (unter ihnen sind übrigens nur Weiße und Schwarze, aber keine Mischungen und keine Gelbhäuter) und die Erde einer Schar “Waste Allocation Load Lifter”, kurz WALL·E, zum Aufräumen überlassen haben. Nach dieser Zeit ist der einzige übriggebliebene dieser Roboter so weit, dass er ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat, und sich die Abende über Filme auf einem iPod Video (5G?) ansieht. Anscheinend reicht ihm seine Kakerlake als Kumpane nicht und so hält er seine eigenen Hände bei “Hello, Dolly!” – bis ein Erkundungsschiff mit der anfangs noch recht aggressiven Roboterdame EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) die Erde besucht – und er sich spontan in sie verliebt. Dann wird sie natürlich wieder abgeholt, nachdem sie etwas auf der Erde gefunden hat, und WALL·E klemmt sich mit an den Transporter, bis er schließlich auf den Spaceliner zu einer Horde anderer Roboter kommt und er diverse kleine irrwitzige “Abenteuer” mit EVE gegen das Zentralorgan des Schiffes, die HAL 9000-Humage “OTTO”, der die Menschen nicht zurück zur Erde lassen will, besteht, als dann der von Übereifer gepackte Kapitän es gegen OTTO aufnimmt und die Menschheit irgendwie gerettet ist – denn sie kann jetzt zurück zur Erde…

Die Handlung spielt bei WALL·E eindeutig eine untergeordnete Rolle und kommt narratorisch lange nicht an einen Ratatouille oder Nemo heran. Die ersten dreißig Minuten kommt der Film ganz ohne Worte aus, eine beeindruckende Leistung für einen Animationsfilm. Die künstlerische Perfektion der Landschaften, Roboter und des Alls so wie der Mimik der Roboter – was sich alleine schon unglaubwürdig und fast unmöglich anhört – sind die Ausmachungen des Films. Action gibt es verhältnismäßig wenig, dafür eine Menge Slapstickeinlagen und, in einem für Pixar bis dato ganz neuem Verhältnismaß, bezaubernd viel Liebe. Die Liebe ist hier Handlungsmotor, wie ich es zuletzt bei einem Disney-Film wie Die Schöne und das Biest (1991) erlebt hatte. Vielleicht gerade darum, sollten sich Eltern auf den ein oder anderen Gähner ihrer Kinder während denn tiefen LCD<->Fernglas-Blicken gefasst machen, grundsätzlich sollte man schon etwas mit dem Thema Liebe anfangen können.
Interessant für Geeks: Jonathan Ive von Apple (Pixar gehört ja quasi Steve Jobs) durfte an EVE mitbasteln, macht man sich das bewusst, sieht das spitze, weiße, eigerförmige Wesen aus wie ein (retro-)futuristischer iPod. Auch bei jedem “Neustart” von WALL·E und dem dann ertönenden Mac-Startsound musste ich wiehern und erbrachte mir so unverständnisvolle Blicke meiner Nebensitzer ein. Den in einem Pixar-Film obligatorischen Pizza-Planet-Truck konnte ich diesmal nirgends sichten, vielleicht irgendwo in all den Schrottbergen auf der Erde?
Ein Logikfehler, der mich nicht loslässt: Warum bitte entschied die Firma “Buy’n Large”, die das Luxus-Raumschiff gebaut hat und der offenbar auf der Erde alles gehörte (Resident Evils Umbrella Corp. lässt grüßen), schon vor 700 Jahren, dass die Menschheit nie auf die Erde zurückkehren dürfe? Wurde da etwa geschnitten? Ich verstehe es nicht, das ist sinnlos. Ich hatte eine KI-Verschwörung größten Ausmaßes in Erinnerung an “I, Robot”s V.I.K.I. erwartet, aber hier sind die Roboter nur die Sklaven-Diener der verfetteten und durch die schwache Gravitation unbeweglich gewordenen Menschen ohne echten eigenen Standpunkt. Das mag auf Kinder vielleicht weniger komplex und verstörend wirken (immerhin bedeutete ein eigener Standpunkt der Roboter schlussfolgerichtig, dass sie sich gegen die Menschen richten könnten und das hat Angst-Potenzial) aber für mich fehlt so der Ausmacher des Roboter-Genres und einmal mehr begriff ich den Film als für Kinder gemacht. Ja, wäre da nicht das Ding mit der Liebe, paradox, nicht wahr? Das Thema der Umweltverschmutzung wird eher komödiantisch vorgesetzt, als für Ratatouilles Gourmet “Ego” raffiniert zubereitet. Da hätte ich doch wirklich mehr erwartet, es hätte die Geschichte exzellent hergegeben. Etwas verwirrt bin ich über das Ende, als die inzwischen lebensfernen Menschen auf die immer noch vermüllte Erde (OK, SPOILER-ALARM! Aber gebt’s zu, Leute, darauf wärt ihr auch selber gekommen) zurückkehren und das als glückliches, erstrebenswertes Ziel sehen – für mich ist das ihr sicherer Tod, aber na gut. Die Wikipedia “schreibt”, im Abspann sähe man, wie sich die Körper der fettleibigen Monster zurückentwickelten und wie die Erde wieder ein Paradies würde; ich blieb bis nach dem Abspann im Kino, nach der diesmal sehr übersichtlichen Aufzählung der deutschen Synchronstimmen ging direkt das Projektorlicht aus und der Vorhang fiel.

Unter’m Strich bleibt ein fantastischer Familienfilm mit Stoff für alle Altersgruppen, der Erwachsene über die zahlreichen Anspielungen auf Klassiker der Science-Fiction zum Schmunzeln bringt und Kinder über WALL·Es tollpatschig-süßes Verhalten zum Lachen. Ansonsten bietet “WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf” eine, wie von Pixar gewohnt, erneut maßstabheraufsetzende Optik und erstmals eine Spur Dystropie.

Für Interessierte empfehle ich noch drei Blog-Artikel, die ich sehr erhellend fand und aus denen ich ganz frech ein paar Ideen für mich klaute:

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Das neue MacBook hat kein FireWire mehr – seht, welche Macht ein Gerätemonopolist hat

Die am Dienstag vorgestellten MacBooks sind ja erst mal sehr, sehr lecker anzusehen. Aus einem Guss hergestellter Rumpf, Oberteil mit Bildschirm komplett überzogen mit Glas, auch an den Seiten, Multitouch-Trackpad, schnelle Graka, dünner als die letzen und natürlich ein neues edleres Design machen schon einiges her. Ich will hier nicht auch noch die Details aufzählen, das können andere besser als ich (und haben es eh schon getan), ich will auf was anderes nur kurz hinweisen:
Die neuen MacBooks haben keinen FireWire-Port mehr. Das hat nur noch das um 600€ teurere MacBook Pro. Apple waren die ersten, die den BUS Mitte der 90er in Endanwenderprodukten verbauten und bald wurde er zum Standard für Kameras, externe Festplatten und sogar der iPod >4G konnte nur FireWire. USB kam etwas später um ’98 in die Standard-PCs und wurde der de facto-Standard für Druckeranschlüsse, Webcams, Fotokameras, Scanner und so weiter. Was die Masse nicht weiß, ist dass USB nicht einfach eine Konkurrenztechnologie zu FireWire von Intel und Microsoft ist, USB ist FireWire technisch weit unterlegen. USB ist nur eine Gerät-zu-Wirt-Leitung, einzelne Geräte können sich ohne Tricks nicht untereinander unterhalten und der Wirt muss pro Sekunde zig hundertmal eine Anfrage an das Gerät schicken, ob es was Neues zu sagen hat, weil es selber nicht autark raussenden kann. Das hat seinen Vorteil im Chipherstellungspreis für die Geräte, aber sonst auch irgendwie gar keinen. FireWire-Geräte können untereinander Ad hoc-Netzwerke aufbauen, senden selbständig, haben eine stabilere Leitung, eine effektiv höhere Übertragunsleistung und sehen als Stecker schöner aus. Und es fällt im Computer der Rechenaufwand weg, den die CPU bei USB hat, die Geräte anzufragen und die Antworten auszuwerten. (Mehr zu USB vs. FireWire bei MacTV und Chaosradio Express.)

Jetzt lässt also Apple FireWire bei den “billigen” MacBooks für 1200€ und 1500€ komplett weg und zwingt alle, die auf FireWire gesetzt haben, das teurere MacBook Pro zu kaufen. Vielleicht, weil die Rechenleistung des MacBooks mittlerweile zu üppig ist, und um trotzdem noch die Pro-Nutzer für das teurere Gerät gewinnen zu können? Das erinnert mich gerade sehr an Microsofts Ankündigung seiner neuen Programmiersprache “M” im nächsten Visual Studio, wahrscheinlich auf der Sprache “D” aufbauend, die Modelle nur auf dem Microsoft SQL-Server ablegen kann. Das entspricht unter ferner liefen “embrace, extend and extinguish” (“annehmen, erweitern und auslöschen”) und schafft dabei sehr clever ein neues Zwangsmonopol (da Zwangsabhängigkeit). Die Strategenabteilung ist die am grandiosesten besetzte bei Microsoft, keine Frage.
Zurück zum MacBook: Seht ihr, was ein Monopolist für Macht hat? Apple ist einer, weil nur sie OS X auf ihren Rechnern verkaufen und es gibt viele Leute, die von OS X abhängig sind oder einfach nicht mehr anders arbeiten wollen. Die Macs im Speziellen hatten mit FireWire auch immer eine sogenannte “Target Disk Mode”-Funktionalität, über die sich die Festplatte des Rechners extern über FireWire auslesen lassen konnte, auch wenn der Mac beschädigt war. Dieses für Firmen wohl bislang recht herausstechende Alleinstellungsmerkmal der Macs gegenüber anderen Computern fällt damit beim günstigen MacBook weg. Auch ich empfehle allen Leuten, die eine FireWire-Schnittstelle in ihrem Computer haben, wann immer möglich FireWire-Geräte zu nutzen, etwa als externe Festplatte oder als Kamara-Überspielkabel. Gerade bei zeitkritischen Dingen wie Echtzeitvideo ist der Scheduler in FireWire USB um Äonen voraus (schafft also mehr ab und erzeugt weniger fehlerhafte Bits) – was bei externen Festplatten die Übertragungsqualität und -Geschwindigkeit erhöht. Für mich ist das keine ideologische Frage, sondern ganz klar Techniküberlegenheit.

Der Type im schwarzen Rollkragenpulli übrigens schon dazu: “Actually, all of the new HD camcorders of the past few years use USB 2.” und “The new HD camcorders start around $500.”. Oh yeah! Diesmal zieht sein reality distortion field aber nicht ganz. Bald ein halbes tausend entrüsteter, bis vor dieser Detailbekanntgabe potenzieller Käufer, lehnen sich gegen diese Entscheidung Apples schon im offiziellen Apple Support-Forum auf.
Warum mich das so als Nicht-Mac-Nutzer aufregt und bewegt? Ich sehe Apple als den Gründer von FireWire und den Quasi-Standard in der professionellen Medienproduktion. Wenn Apple FireWire nicht mehr verbaut (was ich mir durchaus auch in zukünftigen Pro-Modellen vorstellen kann), dann wird der Rest der Industrie garantiert nachziehen und das wäre so unglaublich schade, weil wir dann ein weiteres Mal bessere Technologie zugunsten von billigerer und schlechterer aufgeben und verlieren.

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Ein Pferd und ein Stachelschwein – werden wir poetisch!

»In einem Traumland kam von 50 Jahren ein kleines Pferd zur Welt. Es verliebte sich in ein Stachelschwein, dann bekamen sie kleine Esel. Es waren fünf Stück. Eines war so groß wie ein Hochhaus, das andere so klein wie ein Atom; die anderen sind gestorben, das war traurig. Die Mama war so traurig, dass sie sich einbetonniert hat, der Papa ertrank in Tränen.«
Nennt es was ihr wollt, interpretiert hinein, was ihr wollt.
Danke an Sunna aus meiner Klasse, es hier einem Weltpublikum präsentieren zu dürfen. Die objektive Schöpfungshöhe dieser Prosa ist es einfach wert. ;)