Beagle statt Tracker als Desktopsuche

Ab Ubuntu 9.04 empfehle ich diese Anleitung nicht mehr! Die Tracker-Suche ist besser geworden und jetzt sogar ressourcenschonender als Beagle!

In Ubuntu wird seit 7.10 die Tracker-Suche vorinstalliert. Mehr als vorinstalliert wird sie zwar befremdlicherweise nicht – der Nutzer muss sie selbst einschalten und konfigurieren – aber sie ist die Standard-Desktopsuchmaschine. Bis 7.10 hatte ich Beagle benutzt und bin dann mit 7.10 auf Tracker gewechselt, weil Beagle damals mehr an der Leistung zehrte. Aber nicht nur das war der Grund, warum Canonical Tracker und nicht Beagle vorinstallierte: Während Tracker in C++ geschrieben ist, ist Beagle ein Mono/C#-Programm, es war also auch eine politische Entscheidung.

Nun hörte ich in der letzten Zeit vermehrt in Foren, dass Beagle in den neueren Versionen und auch durch ein beschleunigtes Mono schneller geworden sei als Tracker. Heute hatte ich dann mal die Eingebung, ihn noch mal auszuprobieren, weil Tracker wirklich nicht toll ist: Das Ding frisst unfassbare Ressourcen und indexiert anscheinend täglich einmal die Festplatte neu. Und tatsächlich: Beagle ist die schnellste Desktopsuchmaschine, die ich kenne, schneller noch als Spotlight (Google Desktop zählt mal nicht, obwohl es das auch für Linux gibt, das ist aber böhöhöse) und findet auch alles. Momentan ist er noch an der Erstindexierung, aber schon da fühlt sich das System nebenher benutzbarer an als mit laufendem Tracker. Gut, Tracker hat mich nie am Arbeiten gehindert, aber ich habe die Systemlastanzeige im Panel und wenn ständig, auch wenn ich nur schreibe und ein paar kleinere Apps offen haben, da der Pegel auf 100/50% springt, trifft das bei mir einen empfindlichen Nerv. Die Rechenleistung schenke ich lieber BOINC und dem World Community Grid, denn der Rechner ist ja mit dem Athlon64 X2 5200+ EE und 2 GB RAM nicht unbedingt langsam – aber nicht einer Systemsuchmaschine die eigentlich nur funktionieren soll. Mir kommt es auch sonst so vor, als wäre Beagle die reifere Software. Es nutzt z.B. inotify vom Linux-Kernel, wovon ich direkt bei Tracker nichts gefunden habe, wird also wie Spotlight vom Kernel über Dateisystemänderungen benachrichtigt und kann so schnell neue Dateien erfassen und gelöschte aus dem Index entfernen, sehr fein. Genauso wie Tracker lässt sich auch Beagle komfortabel in die Deskbar einbinden, die modulare Allzwecksuchmaske von Gnome.

So installiert und konfiguriert ihr Beagle auf einem Ubuntu Hardy:

  1. Zwei Desktopsuchmaschinen sollten nie gleichzeitig laufen, darum löscht zu erst Tracker: sudo apt-get purge tracker tracker-search-tool
  2. Installiert Beagle aus den Paketquellen: sudo apt-get install beagle python-beagle
  3. Neu anmelden.
  4. Über Anwendungen ? Zubehör ? Suchen die grafische Oberfläche starten und über Suchen ? Einstellungen in seine Einstellungen gehen.
  5. Im Reiter Indizierung (müsste eigentlich korrekt „Indexierung“ heißen, da indiziert keiner was) unter Allgemein noch weitere zu indexierende und überwachende Pfade angeben und unter Datenschutz falls gewünscht Pfade oder Dateimuster, die nicht indexiert werden sollen.
  6. Im Reiter Backends reichen mir die Plugins „Files“, „NautilusMetadata“, „Pidgin“, „Tomboy“ und „applications“. Eventuell brauche ich Tomboy und applications nicht noch mal, weil ich meistens eh über die Deskbar suche und dort auch entsprechende Suchmodule für diese Dinge laufen habe, aber mal schauen.
  7. Falls man es nicht braucht, über System ? Einstellungen ? Sitzungen das „Beagle Search Tool“ aus dem Autostart nehmen, der Such-Daemon läuft trotzdem (das nicht da rauslöschen!), dann vielleicht zur einfacheren Erreichbarkeit, und wenn man die Deskbar nicht nutzt, den Starter aus Anwendungen ? Zubehör zusätzlich auf das Panel ziehen.
  8. Neu anmelden (oder Beagle neustarten, aber neu anmelden ist schöner).
  9. Ganz lange warten. Wenn der Such-Daemon einschlafen sollte/(sich killt? ? Systemüberwachung, da sollte er, wenn er läuft, mit 19 Nice sitzen), über das „Search Tool“ suchen und den Daemon, wenn aufgefordert, über den angebotenen Knopf neu starten.

Damit wär eure Konfiguration fertig und ihr könnt irgendwann, wenn der Index mal was hergibt, damit Suchen und Finden. Über beagle-status auf der Konsole lässt sich übrigens die aktuelle Beagle-Operation mitverfolgen. Demnächst werde ich noch probieren, die aktuelle Version 0.3.8 von der Projektseite selber zu compilieren, die wird wohl nicht mehr in Hardy eingepflegt und soll einige Fehler beheben.

Nachtrag vom 31. August 2008: Beagle ist wirklich viel schneller als Tracker und braucht beträchtlich weniger Ressourcen. Er macht das, was man von einer Desktop-Suchmaschine erwartet und so habe ich ihn auch gleich in Fertibunti mit aufgenommen.
Wer die aktuelle Version 0.3.8 und nicht die veraltete 0.3.3 aus Hardys Quellen nutzen möchte, kann sich auf getdeb.net die 0.3.8 schön vorcompiliert ziehen. Trotzdem sollte „python-beagle“ aus den Quellen installiert werden (da ist es egal, dass die veraltet sind), wenn man nachher die Deskbar als Frontend nutzen will.

Ein Gedanke zu „Beagle statt Tracker als Desktopsuche

  1. Benutzt Mozilla Firefox Mozilla Firefox 3.0.5 auf Ubuntu Linux Ubuntu Linux

    Oh je, das ist noch ein weiter Weg (mit beagle):
    während beagle (bei gleicher Datenbasis) z.B. mit dem Suchbegriff JACIND genau 1 Dokument findet, zeigt COPERNICUS unter Windows mindestens 6 Dokumente an.

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