Wie ich mir das Radio der Zukunft vorstelle
Durch die Podcast-Folge des CC2 zur Zukunft des Radios bin ich auf ein paar Gedanken gekommen, die ich euch mitteilen will.
Die zwei betagten Interview-Führer (nichts gegen Alter, aber langsam wird mir das zu blöd) hatten Dr. Wolfgang Hagen aus der Leitung des Deutschlandradio Kultur Berlin in ihrem lächerlichen Studio, der anscheinend ein paar festgefahrene Paradigmen vertritt. Ich will hier ein paar Lösungen zu seinen Problemen bieten:
Meine Vision des Zukunfsradios sieht so aus: Das man einfach keinen abrupten Wegfall des UKW bewerkstelligen kann, da da draußen Millionen von Radioempfängern laufen, ist klar. Man sollte einen fließenden Übergang der zwei Übertragungsarten einleiten. Als die neue Übertagungsart sehe ich ganz klar IP, also das Streamen über das Internet. UKW bleibt bis auf meinetwegen erst mal unbestimmte Zeit parallel im Einsatz, aber die neue Technologie sollte richtig und inständig beworben werden.
Dr. Wolfgang Hagens großes Unmöglichkeits-Ding war im Gespräch, dass die einzelnen, vor allem auch kleineren Sender, niemals so viel Geld aufbringen werden können, um hunderttausende Zuhörer gleichzeitig mit dem Stream beliefern zu können. Bei UKW ist das einfacher: Es gibt einen Sender und die Empfänger müssen sich nur das Signal aus der allgegenwärtigen Suppe herausfischen. Doch bei der Übertragung über das Internet muss der Sender-Server ja eigentlich an jeden einzelnen Empfänger den Stream einzeln übertragen, bräuchte also pangalaktische Bandbreiten, vor allem, wenn er größer ist.
Meine Lösung: Machts wie Zattoo – lasst die Empfänger untereinander Peer-2-Peer betreiben. Der Sender-Server verteilt den Stream direkt an ein paar wenige hundert Zuhörer – das schaffen sogar die ollen Webradios – (am Idealsten natürlich an die, mit dem schnellsten Upstream) und die senden das Signal wiederum wie bei etwa Bittorrent in der Cloud an die nächstbesten anderen Empfänger weiter, die den Stream ihrerseits weiterleiten. Zattoo schafft das mit Video so schon mit einer praktisch unerheblichen Nachhink-Latenz von maximal 10 Sekunden, technisch alles kein Problem. “Zeitkritische” Meldungen, wenn das überhaupt irgendwas im Radio ist, könnten vom Sender mit kurzzeitig erhöhter Bandbreite verteilt werden, so dass die Latenz absinkt. Wenn es Latenzschwankungen gibt, etwa, wenn man als Empfänger plötzlich ein zwei Sekunden schnelleres Signal erhält, kann der Empfänger dynamisch die Wiedergabegeschwindigkeit kurz erhöhen, um wieder aktuell zu sein, auch kein Problem.
Es sollte dabei einen möglichst internationalen Katalog-Knoten geben, der alle Radiostationen benutzbar durchsuchbar macht. Einen – nicht viele, wie bei Suchmaschinen, einen einzigen offiziellen, der von allen Radios zusammen finanziert wird. Darauf kann man dann regionale und thematisch interessante Radios finden und zu einer persönlichen Hör-Liste hinzufügen. Hier wird es spannend, jetzt kommen die neuen Radiogeräte ins Spiel: Diese Hör-Liste wird auf dem Haus-Internetrouter gespeichert, der als zentrales Mediacenter herhällt. Die neuen Radios sind WLAN-Empfänger mit kleinem Touch-Display, auf denen man sich den zu hörenden Sender auswählt. Dieser wird dann vom Router als Stream geöffnet und über WLAN an das Haus-Radio weitergeschickt. Schnuggelig: Die Sender können in Vorbis, AAC, AAC+, Flac, Speex usw. senden, der Router versteht alles (sollte er). Je nach dem, welche Codecs die Hausempfänger unterstützen, können die Signale dann in Echtzeit transcodiert werden. So kann man lange seine einmal gekaufte “Hardware” behalten und muss im Idealfall, wenn der Routerhersteller mitspielt, nur immer Firmware-Updates für diesen einspielen, um alles empfangen zu können. Ab dem Moment, da man sich in einen Stream einklinkt, sendet man diesen auch selber an andere Hörer weiter (das P2P^^).
Die neue Technik mit nun quasi unbegrenzter Bandbreite und macht zum Teil völlig neue Dinge möglich:
- Die Sender könnten ausgewähltes Programm wie Hörspiele und orchestrale Musiksendungen in Souround ausstrahlen!
- Anzeige des gespielten Liedtitels und Chronik – möglich wäre auch eine Art Programmzeitschrift, in der man die geplanten Wiedergabelisten der Sender für die nächsten Stunden einsehen kann und sich Stücke vormerken, auf die dann automatisch gesprungen wird, oder die aufgezeichnet werden sollen.
- “Mehr Informationen”-Knopf auf Radio während Sendungen lässt auf dem eigenen PC die Senderseite mit weiteren Infos öffnen, oder stellt sie in eine Liste mit Sendungsinformationslinks ein, die man dann irgendwann mal abarbeiten kann.
- Auf den kleinen Bildschirm des Radios könnten Sendungslogos oder Bilder zur Veranschaulichung von Diskussionsthemen angezeigt werden, die aber immer rein optional bleiben, die man nicht ansehen muss, um dem Geschehen weiter folgen zu können.
- Der Moderator könnte eine A-B-C-Musikabstimmung veranstalten und die Hörer “demokratisch” den nächst zu hörenden Titel wählen lassen.
- Und noch vieles, noch nie Angedachtes mehr!
Alternativ zu WLAN könnten die Daten im Haus bei fest installierten Empfängern auch gerne über PowerLAN/dLAN über das hausinterne Steckdosennetz übertragen werden, dann hat man schon weniger Elektrosmog. Ein Nachteil bei dieser Router-Geschichte wäre, dass man eben nicht mehr so mobil ist. Das Autoradio ist der Stein der Überlegungen – aber auch das ist lösbar. Hier muss dann einfach die Funktionalität des Routers als Mediacenter eingebaut werden, und mobile Datentarife werden doch wohl auch irgendwann mal erschwinglich sein. Doch wie ich schon sagte, der UKW-Funk bliebe uns noch so oder so eine lange Zeit in Verwendbarkeit und dann verzichtet man halt im Auto auf die Vorzüge der IP-Radiophonie und hört UKW oder seine abonnierten und heruntergeladenen Podcasts.
Was haltet ihr von der Idee, wo sehr ihr noch Problemzonen und was habt ihr noch für Ideen?
| Dieser Beitrag wurde von Frumble am 26. Juli 2008 um 17:15 veröffentlicht und unter Berichte und Artikel abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
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vor 3 Jahren
Ich verstehe nicht, warum du UKW abschaffen willst?
Internetübertragung verlangt einen wesentlich höheren Aufwand und ist unflexibel. Es ist auch völlig unnötig Radioprogramm so zu verbreiten. Natürlich wäre da vieles technisch möglich. Aber allein die technischen Möglichkeiten rechtfertigen keinen Wechsel der Technologie.
Zattoo ist auch keine optimale Lösung. Jedesmal wenn ich zattoo benutzen will, wird nach ein paar Minuten meine Leitung gekappt. Es ist ja auch nicht in der Kalkulation der ISPs, dass alle User Streaming anbieten
Ich finde UKW super, um Radioprogramm zu senden. Es liefert ausreichend gute Qualität, hat gute Reichweiten und ist eine ausgereifte und etablierte Technologie.
Deine Fantastereien von “Hausrouter” usw. sind aber Science Fiction. Das gibt es nicht und es ist auch nicht in Sicht, dass es das in absehbarer Zukunft geben wird. Und was ist denn so ein “Hausrouter”? Nicht alle Menschen leben in Mehrfamilienhäusern. Noch längst nicht alle Haushalte sind an ein brauchbares DSL Netz angeschlossen. Und selbst wenn das irgendwann einmal so sein sollte, rechtfertigt das immer noch nicht die Abschaffung von UKW Radio.
Ich glaube nicht, dass DeutschlandRadio Berlin “lächerliche” Studios betreibt. Ich glaube auch nicht, dass du die Qualität eines Studios nur annähernd beurteilen kannst. Ich glaube nicht, dass du auch nur die Spur einer Ahnung von den Dingen hast, über die du hier geschrieben hast.
So wie du die Herren wegen ihres langsam-ist-dir-das-zu-blöd betagten Alters in Frage stellst, kommt mir nur der Eindruck, dass du ein von-nichts-ne-Ahnung-habender Jugendlicher bist, der hier seinen spinnerten digtal-rules-the-world Unsinnigkeiten freien Lauf lässt, ohne seine Position auch nur im Ansatz überdacht oder gar in Frage gestellt zu haben.
z.B. Bei der P2P Lösung ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis gefälschte Signale von einem Peer weitergeleitet werden. Wo ein Hacker eine Lücke findet, wird er diese auch nutzen, um darauf hinzuweisen.
Ich möchte mich jedenfalls nicht darauf verlassen, dass ich ein authentisches Programm geliefert bekomme, wenn das Signal vorher schon durch hunderte private Rechner gelaufen ist.
vor 3 Jahren
Du schreibst: “Alternativ zu WLAN könnten die Daten im Haus bei fest installierten Empfängern auch gerne über PowerLAN/dLAN über das hausinterne Steckdosennetz übertragen werden, dann hat man schon weniger Elektrosmog.”
Das ist so nicht richtig. Ich, als Amateurfunker werde von den Powerline-Netzen in meiner direkten Umgebung erheblich gestört. Zumal ich in einem Mietshaus wohne und ich praktisch umzingelt von Powerline bin… Ist DAS weniger Elektrosmog?
Im übrigen finde ich deine Vorstellung vom Radio der Zukunft nicht praktikabel. – Jedenfalls jetzt und in naher Zukunft nicht, Die Technik ist noch nicht ausgereift genug, und UKW ist sehr stabil und erprobt.
Ausserdem möchte ich mit meinem Radio auch mal in den Garten, ohne WLAN gehen…
Sicher gibt es für all diese Probleme eine Antwort, aber es sind doch recht viele Dinge die da nicht so recht passen.
Gruss, Muling
vor 3 Jahren
Also wenn’s um Radio zu Hause geht wäre doch Satellit eine gute Empfangsmethode. Allgemein finde ich blöd, dass dein Konzept nur aus einem Internetradio besteht, was ist wenn man unterwegs ist, kein schnelles Internet hat oder kein Internet da hat? Du verfrachtest das Medium Radio in das Medium Internet und das ist nicht gut so. Man kann nicht mal vernünftig voipen und du willst das Internet als Alleskönner abstempeln?
Schau dir lieber mal das bereits eingesetzte, wenig bekannte DAB (Wikipedia) an, da gibt’s schon sowas wie programmbegleitende Infos, MP3 und AAC und hohe Soundqualitäten. Zumal man das System auch noch um Funktionen erweitern könnte, wenn es erst mal richtig verbreitet ist.
@Peter: Ich denke das mit den gefälschten Paketen kann man durch Prüfsummen, die direkt vom Sender kommen, verhindern.
vor 3 Jahren
Hat eigentlich irgendwer von euch den Podcast gehört?
Auf DBA bekommst du doch kein Programm. Mir geht es um etwas, das das Bisherige ersetzen kann, und das ist nicht DAB.
Alleine schon dieser Satz sollte dich nachdenklich machen: “Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten hat für das Jahr 2008 die Mittel für DAB derart gekürzt, dass davon ausgegangen wird, dass DAB als Standard für digitales Radio in Deutschland nicht länger unterstützt werden wird.”
Wenn sich das Relikt der 80er schon nicht durchsetzt, dann doch gleich neu ansetzen und was Besseres machen → übers Internet.
Man könnte es auch, etwa in Autoradios, kombinieren: Normalempfang ist UKW und “Sonderwünsche” laufen übers Internet. Ich meine einfach, da muss was passieren, so wie das Medium aktuell ist, will ich computerverwöhnter allzeitbekommener von-nichts-ne-Ahnung-habender Jugendlicher es nicht nutzen.
@Muling:
Danke, das mit dLan wusste ich nicht. OK, das kommt dann nicht in unser neues Haus.^^
@Peter
Ein “Hausrouter” ist einfach ne Fritz!Box oder ein Kollege davon, der halt als neue Zusatzfunktion auch noch das Streamen und Bereitstellen von Radioprogramm an die WLAN-Empfänger im Haus zulässt.
Die, die noch nicht am Internet hängen, die brauchen höchstwahrscheinlich auch kein IP-Radio mit seinen neuen Möglichkeiten und können noch eine Weile über UKW zuhören.
Damit meine ich das von Wolfgang Back und Rudolph, lächerlich, weil sie als einzige Audiopodcaster, die ich kenne, zum Aufnehmen ihrer, dann auch nicht mal besonders audiophilen Interviews, ein angemietetes Studio benötigen.
Hab dich auch liebt.
vor 3 Jahren
Ja, das sind ja auch professionelle Radio- und Fernsehmacher. Das hört man ja auch deutlich an der Soundquialität. Die haben nicht nur ein Professionelles Studio mit mindestens 3 Tonleuten, die haben auch nen ganzen Redaktionsstab der mit ihnen zusammen die Sachen recherchiert und vorbereitet.
Einerseits willst du hi-tech Suround Qualität, und dann kritisierst du professionelles Arbeiten.
Was hat in einer sachlichen Diskussion über den Inhalt der Sendung, der blödsinnige Hinweis auf die Art der Herstellung der Sendung zu suchen. Noch dazu wenn die Kritik so unqualifiziert ist?
Deine Schimpfereien über Rodolph und Back kommen mir eher so vor wie das kindische und neidische Gequengel gegen die Profis.
vor 3 Jahren
Internet ist kein Medium für Radio, Radio ist ein eigenes Medium. Radio zeichnet sich dadurch aus, dass der Client nur empfangen und der Sender nur sendet und das ganze auf einer Funkfrequenz, damit das ganze mobil und ohne eine DSL-Leitung und auch mit einfacherer Technik funktioniert. So kann man auch niemanden vom Radioempfang ausschließen. Internet ist keinesfalls besser als DAB, Internet ist nur ein möglicher zusätzlicher Kanal! Und außerdem, wenn sich DAB nicht durchsetzen kann, wieso dann Internet (ok, DAB hatte auch kein Marketing)? Und was die “Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten” sagt ist doch völlig egal, wenn die ARD sagt, dass sie trotzdem DAB weiter verwenden. Ich habe den Podcast übrigens nicht gehört (zumal du sagtest er sei so schlecht) und weiß trotzdem, dass du auf einem unrealistischen Holzweg bist. Von UKW zu DSL, dass kannst du mal machen, wenn es ein flächendeckendes WLAN-Netzwerk gibt.