Wie ich am Freitag schrieb, wollte ich mit der Installation von Hardy noch ein bisschen warten. Das habe ich jetzt getan und dann gestern gedacht, es reicht jetzt, um den Problemen aus dem Weg zu gehen und ich habe, rein aus Interesse, ob es jetzt auch bei mir tut, ein Upgrade von Gutsy auf Hardy versucht. Und wie klar: Es funktionierte noch mit keiner Ubuntu-Version auf meinem Rechner, die Aktualisierungsverwaltung wurde beim “Säubern der Paketliste”, oder so was, grau und “sudo top” sagte mir, dass ganz hart gzip und tar arbeiteten. Das taten sie dann, eine halbe Stunde lang. Dann wurde die Festplatte ruhig und das graue Fenster blieb. Lustig, genau so war es bei mir schon immer.
Ich lud den Torrent der 8.04 64-Bit-Desktop-CD und brannte das Abbild. Gleich beim Bootpromt öffnet sich automatisch das Sprachwahlmenü, endlich, das die Leute nicht gleich beim Bootpromt Deutsch auswählten, war der seltsame Hauptgrund dafür, dass bei vielen das System halb auf Englisch blieb. So wie ich das überblicke, ist das erste Mal jetzt in Hardy die Bootoption auf der Desktop-CD, direkt die grafische Installation ohne Gnome außen rum zu starten, was vermutlich die RAM-Anforderungen etwas heruntersetzt und die Leute nicht gleich zur Alternate-CD zwingt.
Bei der Installation gab’s keine Probleme (besonders unterhaltsam war unter Feisty und Gutsy, dass sich das Fenster mit der Fortschrittsanzeige irgendwie schloss, aber das System weiterinstallierte…), aber beim ersten Start in GRUB kam ein unglaublich fetter Fehler “ans Tageslicht”: Alle Ubuntu-Kernels verwiesen darin auf (hd0,10), waren aber auf (hd1,10)!! Mit “e” und dem Editieren innerhalb GRUBs startete das System dann auch bei mir und ich änderte gleich manuell in der /boot/grub/menu.lst die falsche Festplattenangabe. Zur Erklärung: Das System nimmt ganz einfach an, dass es auf der ersten Festplatte installiert sei und schreibt gleich mal “(hd0″ in die menu.lst bei der Installation und passt nur noch die Partitionsnummer an! So ein Fehler darf doch bei einer LTS-Version nicht passieren! Und ich dachte, da gab es eine Betaphase!
Als das System dann lief (und sogar nach einem Kaltstart di-rekt(!!) in den X-Server hineinstartete!) fiel gleich mal auf, dass keine anderen Partitionen eingehängt waren, als die, denen ich bei der Installation Mount-Punkte gab (wie hat das Gutsy gemacht?). Die anderen konnte ich Doppelklicken und mit meinem Passwort dann auch mounten, wobei die erste Angeklickte /media/disk wurde, die zweite /media/disk-1 usw.. Sehr unchic, letztendlich habe ich die /etc/fstab editiert.
Interessantes Neues in Gnome 2.22:
- Beim Klicken auf einen Programmstarter im Panel zoomt und blendet der sich dabei aus, wie schon der Anklick-Effekt im Konqueror seit einiger Zeit. Irgendwie passt das aber nicht in Gnome.
- Die Anzeige der Ressourcen in der Systemüberwachung ist nun sehr hübsch in Cairo gerendert und macht jetzt auch auf Mehrkernsystemen was her (Foto gibt’s bei Suzan).
- Cheese ist überraschenderweise nicht in Hardy vorinstalliert, obwohl es seit Gnome 2.22 mit Gnome gebundelt werden sollte, findet sich aber in den Quellen und hat bei mir meine Samsung Pleomax SamPwc3800N-Webcam das erste mal ohne manuelle Treiberinstallation erkannt (was aber nicht an Cheese, sondern der verbesserten Hardwareerkennung liegt)
- Die Deskbar lässt sich auch endlich wieder “im Panel ankleben”, was dann wie Spotlight aussieht, aber leider hat ihr Rahmen dann eine fixe Größe, wird also nicht länger und man muss mit dem Mausrad durch die Liste scrollen (nur, wenn Tracker nicht läuft…).
Neues beim System:
- Hardy ist eine Geschwindigkeitsakete, es bootet schneller, als mein OSx86, braucht also gefühlte 20 sec bis zum Anmeldebildschirm. Gnome 2.22 ist auch noch mal bedeutend schneller geworden.
- Durch die verbesserte automatische Hardwareerkennung und -einrichtung in X.org 7.3 wurden alle Sondertasten meiner Razer Diamondback und Logitech G3 sofort nutzbar gemacht, echt cool. Die ließen sich ohne weiteres mit Compiz-Befehlen (mit ccsm) belegen. Klar ist dabei, dass ich nicht auf jede Maus andere Funktionen mappen kann, die Belegungen sind also bei beiden automatisch gleich (auch, wenn die Tasten dann real anders am Gehäuse angeordnet sind).
- Ja, ja, ja!! ENDLICH hat jemand das Problem mit dem ruckelnden H.264-GStreamer-Plugin auf 64-Bit-Systemen gelöst!
- Auch die “fortunes-de” (deutsche “Glückskeks-Sprüche”) sind wieder nicht-abgeschnitten und mein Wanda-Fisch-Applet lebt wieder, wie in Feisty (natürlich mit 10 sec Pause nach jedem Einzelbild).
- Auch endlich, hosianna, ist die Tracker-Suche ernsthaft benutzbar.
Was mich weiters stört:
- Der aufgefrischte Anmeldebildschirm verlangt von den Nutzern immer noch ab, Passwort UND Benutzername einzutippen. Warum?! In den Anmeldefenstereinstellungen (aus Gnome heraus) lässt sich ohne Nachinstallation ein sogar noch schöneres Thema wählen, das eine Benutzerliste bietet.
- Die Tracker-Suche richtet sich offenbar wieder nicht automatisch ein, so dass man, wenn man sie benutzen möchte, erst in ihren – wenigstens grafischen – Einstellungen herumputschen muss.
- Zwar installiert sich offenbar gleich das ganze Compiz Fusion mit (bei Gutsy nur compiz-core) aber es fehlen “wichtige” neue Plugins wie Freewins und ccsm zum Einrichten der Effekte wird immer noch nicht mit dem System installiert.
- Das Totem-Youtube-Plugin muss erst in Totems-Plugin-Verwaltung aktiviert werden und ich glaube nicht, dass es dann so leicht von Leien in der Seitenleiste gefunden wird. Sehr schwach, wenn man bedenkt, dass Canonical mit diesem Plugin wirbt. Das Teil, das eigentlich aus Gnome 2.22 kommt, ist auch nicht der Bringer, man kann keine Kommentare lesen, keine schreiben, sieht keine Text-Beschreibungen, kann nicht im Video zeitlich herumspringen und kann keine Wiedergabelisten mit YouTube-Videos anlegen.
- Ich dachte, man kann jetzt in den Müll geworfene Dateien wieder in ihren Ursprungsordner wiederherstellen?
- Viele Programme sind bei weitem nicht auf dem aktuellsten Stand! Transmission und gPodder sind die Paradebeispiele.
- Die sehr gute Seite getdeb.net, die aktuelle Versionen von guten Gnome-Programmen anbietet, die oft noch nicht in die offiziellen Ubuntu-Repos aufgenommen wurden, hat kein eigenes Repos, man muss immer auf die Seite gehen. Dafür gab es zu Gutsy-Zeiten ein inoffizielles Repos, das immer alle .DEBs bei sich spiegelte und das ich auch in fertibunti benutzte, um ein paar hervorragende Programme nachzuinstallieren. Die Jungs haben mit Hardy offenbar keine Lust mehr, das Repos zu pflegen, sehr schade.
- Wie man die neuen Features von Pulse Audio nutz, z.B. die Lautstärke einzelner Applikationen anpassen oder die gesamte Tonausgabe auf einen anderen Rechner verschieben, habe ich noch nicht herausgefunden.
- Dank eines falschen Kernels “ruckelt” oft schon bei wenig Auslastung die Tonausgabe (ähm, ich habe einen Athlon64 X2 5200+ EE und 2 GB RAM, aber egal^^). Matthias hat da in Z! auch was darüber gesagt.
- Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, mit PolicyKit ganz einfach mir als Normalbenutzer die Rechte zum Installieren von Paketen und Nutzen der Paketverwaltung zu geben… Geht nicht.
- Wenn man in Fedora das root-Passwort eingibt, beginnt ein Zeitraum, in dem man alle Admin-Werkzeuge ohne erneute Passwortabfrage nutzen kann. Warum gibt es das nicht in Ubuntu?! Das nervt gottes (nehme ich zurück, das wurde durch ein Update wieder nachgeliefert).
- Ich finde in den Quellen kein Sun Java-Browser-Plugin in der 64-Bit-Version (aber Java 1.6/6). Das 1.6er/6er-Plugin gab es schon in Gutsy nicht, weil es anscheinend Probleme mit dem Code auf 64-Bit gibt, aber man konnte sich dann immer noch ein Java 1.4-Plugin installieren. Jetzt gibt’s gar kein Java mehr im Browser, bis auf das Frickelzeug IcedTea, das sich in den Quellen befindet.
- Das Medibuntu-Repos installiert mir Skype 2.0 mit lustigen Tricks, damit es auf 64-Bit läuft. Zumindest haben die Freaks es hinbekommen, dass meine Webcam darin erkannt wird (war unter Gutsy nicht so, wenn ich 2.0 von skype.com installiert hab, obwohl der Treiber lief), aber wie in der “offiziellen” Version, sehe ich auch in der “Medibuntu-Version” keine Avatare. Spitze.
- Alle paar Stunden hängt Compiz so, dass ich zwar noch Veränderungen auf dem Bildschirm sehe und die Maus bewegen kann, aber nicht mehr eingreifen. Dann hilft, sich auf einer Textkonsole anzumelden (Strg + Alt + z.B. F1) und einmal “killall compiz” durchzujagen. Dann kann man wieder (mit Strg + Alt + F7) auf X.org wechseln und sollte wieder die Macht über das System haben. Das Problem hatte ich zuletzt mit Feisty, es liegt aber vermutlich nicht an Ubuntu, sondern an der Compiz-Version.
- Ein Bug von 2005 kehrt wieder: Man kann Esperanto nicht als Gnome-Sprache festlegen.
- Und noch ganz, ganz viele kleine andere Probleme, die ich teilweise irgendwie gelöst und schon verdrängt habe.
Ansonsten, wenn man das so sagen kann, bin ich mit dem System zufrieden.
Ich bin aber der Ansicht, dass Canonical noch eindeutig mehr Zeit in den Raum vergehen lassen hätte sollen, um das System anwenderfreundlich zu machen. In dem jetzigen Zustand habe ich ernsthafte Bedenken, es Freunden zu empfehlen.
Fertibunti ist jetzt schon größtenteils auf Hardy angepasst, was mich noch von der Veröffentlichung zurückhält, ist das getdeb.net-Repos und die nun fehlenden Pakete, die ich gerne auch damit installieren lassen würde. Vielleicht kommt das ja doch noch für Hardy… Ich gebe den Jungs bis Sonntag Zeit, es sich noch mal zu überlegen, dann gibt es, mit oder ohne die getdeb-Extras, fertibunti 3.8 in einer leichten und fetten Version, jeweils für 32- wie 64-Bit-Systeme. Tim hat mich auch noch auf die Idee gebracht, eine speziell auf eeebuntu zugeschnittene Version zu erstellen, mal sehen, ob und wann ich dazu komme.
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00:30 um 3. Mai 2008
Ich hab es auch mit Ubuntu auf meinem Notebook versucht.
Ich bin dann an der Installation vom WLAN gescheitert
Benutzt19:17 um 3. Mai 2008
Hast Du mal einen Blick in einschlägige Foren wie http://forum.ubuntuusers.de oder http://www.ubuntu-forum.de geworfen? Dort kann Dir auch sicher jemand helfen.
Benutzt20:39 um 20. September 2009
Hallo Maximilian,
ich möchte an meinem Ubuntu 8.04 eine Webcam betreiben. Ich fand bei http://mxhaard.free.fr/spca5xx.html die Samsung Pleomax SamPwc3800N-Webcam als sehr gut eingestuft… und Du hast sie ja auch …
Bitte, wo bekommt man das Teil ??
Herzlichen Gruß Reinhard
Benutzt16:09 um 3. Oktober 2009
Finde die Webcam auch nicht mehr bei Online-Händlern, da hatte ich sie damals her. Aber es muss auch wirklich nicht die sein, sie macht zwar ganz brauchbare Bilder, aber selbst die verbaute im EEE-PC halte ich für besser. Schau doch mal unter den USB Video Class-Webcams; die sind höherwertig und teurer, unterstützen aber den neuen Standard und machen viel bessere Bilder und Videos: http://linux-uvc.berlios.de/
Benutzt