Kurzgeschichte: Die Hast in das Haus (doofer Titel)
Reinhardt hielt es hier draußen nicht mehr aus. Kurzentschlossen griff er mit der rechten Hand auf den links gelegenen Campertisch und riss seine Dienstwaffe an sich. Bevor seine Kollegen sich sein Vorhaben noch hätten erklären können, rannte er die 10 m, die sie noch von der brüchigen Villa trennten, auf die Eingangspforte zu. Dann immer weiter, durch den noch mal 20 m lang wild wuchernden Vorgarten mit viel Fallobst und Streuchern bis zur Haustüre. Als er den verzierten und verrosteten Knauf berührte, knarrte die Tür und schwang mit einem Mal auf. Es knackte in seinem Ohr. “Was tust du da, du lebensmüder Vollidiot? Das Sondereinsatzkommando muss jede Minute hier sein!” Reinhardt schaute hastig in die überschaubare Diele, anscheinend ungefährlich, und wagte sich einen Schritt hinein, drehte sich und drückte sich gegen die Innenwand neben dem Türrahmen. “Jede Minute ist eine zu viel. Ich kann das, ich war zwei Jahre beim Millitär.” Keuchend wand er seinen Kopf aus der Eingangstüre, hinunter zu Frederick und Matthias, die entsetzt und gebeugt immer noch vor der Eingangspforte nach links und rechts in Dienstanzügen neben dem Wagen sprangen, als hätten sie einen Schlaganfall. Die Szene war in tiefrot-oranges Licht der hinter den beiden weiter unten im Tal sich verabschiedenden Sonne getüncht. “Du warst nicht einmal im Einsatz und hattest keine SEK-Ausbildung! Meine Fresse, Reinhardt, überschätz dich nicht schon wieder!” Matthias flehte fast. “Komm zurück, lass die Profis das machen!” Reinhardt brachte seinen Kopf wieder zurück in das Zimmer, keuchte aus, wobei er seinen Kopf kurz fallen lies. Dann studierte er den Raum; von der Türe und den halbkaputten Fenstern her wuchs Efeu in das Haus, Moose breiteten sich auf dem Boden aus. Aber nur in der Diele, das Folgezimmer, das er durch eine störrsche Naturholztür betrat, machte schon einen weitaus menschgewollteren Eindruck. Nur noch hier und da Spinnweben in den Ecken und eine Menge Staub. Staub ohne Spuren. Wie waren sie hier so gespenstergleich eingedrungen? Sie mussten einen anderen Eingang benutzt haben, aber das Peilsignal kam eindeutig aus diesem Haus. Reinhardt zog aus einer kleinen Skepsis heraus noch einmal seinen UMC aus der breiten Jackentasche, faltete die phosphoriszierende Folie viermal auseinander und tippte die Fläche an, die sich aufgraute und mit einer Seitwärtsanimation das Peilprogramm erneut zeigte. “Ich bin hier richtig.”, murmelte er zu sich selbst. “Das ist Wahnsinn, der reine Wahnsinn! Komm da raus!” Reinhardt faltete den UMC wieder zusammen und schaute sich im Zimmer um. Eine breite Empfangstreppe mit Edelholz-Geläder führte nach oben. “Wir lassen hier gerade das Bioradar laufen, dann wissen wir, wo sie sind. Das dauert aber noch eine Weile, du weißt, es scannt vertikal.” “Und findet dann einen Haufen Ratten.”, erwiderte Reinhardt vom Nichttatendrang seiner Kollegen genervt. Er rannte, so leise es in dem alten Haus ging, mit entriegelter Waffe in das Obergeschoss und schaute in jeden der fünf daliegenden gigantischen verlassenen Räume. Es gab keine Spuren im Staub und er konnte nichts hören. Am Ende des Ganges zwischen den Zimmern erreichte er einen Aufzug. Kein moderner, ein sehr, sehr alter, an Eisenketten an der Decke eingehängt mit verrosteten, aber ursprünglich wohl sehr schönen Ornamenten und einer käfigartigen Fahrgastkabine. Mit dem Ding will ich nicht mehr fahren, dachte sich Reinhardt schaudernd. Aber hier war ein Aufzug, – für nur zwei Etagen? In dem düsteren Schacht konnte er nichts erkennen. Da hatte er einen Einfall. Er rannte nach unten und suchte das Vorzimmer mit der breiten Treppe nach einem Folgegang ab. Da war er, rechts der Treppe, leicht versteckt unter einem Spinnwebengewirr. Angeekelt stapfte Reinhardt zur verschlossenen Tür und musste all seine Kraft aufbringen, um sie aufzuziehen. Das Quietschen war ihm nicht recht. Es offerierte sich ihm ein noch relativ heller und recht langer Raum mit Steinboden. Die einstigen Monumentalfenster links waren nur noch in einzelnen Bruchstücken an den Seiten zu erahnen und so wuchsen auch hier großzügig allerlei Pflanzen auf dem Boden. Am Ende des Gemäuers erkannte Reinhardt den Aufzugsschacht, wie ein schwarzes Loch alles Licht absorbierend. Irgendwo hier, ganz nah, mussten die zu allem bereiten Terroristen und Staatserpresser mit dem EU-Kanzlenten sein. Reinhardt schauderte es und er blickte um sich und durch die Fensterrahmen gen Himmel. Entfernt, ganz entfernt, meinte er, Hubschrauber zu hören, aber das konnte er sich auch nur eingebildet haben. Und wenn das SEK jetzt da war, dann brauchte es bis hier her immer noch gute fünf Minuten. Galt die Drohung der Erpresser nicht… Er zog seinen UMC hastig heraus und klatschte ihn sich als Armband um, die Oberfläche zeigte nun eine Digitaluhr. Er hatte noch gute zwei Minuten. Was wollte er eigentlich machen, wenn er sie gefunden hatte? Für Pläne blieb jetzt keine Zeit. Er haschte zum Aufzugsschacht und sah hinunter. Da ging es eindeutig noch weiter herab, aber er konnte nirgends im Raum eine hinunterführende Treppe erblicken. Obwohl… Dort drüben war eine Mauerecke, die sah komisch aus, er zog seinen UMC vom Handgelenk und auseinander, “Licht!”. Dort war anscheinend ein weiterer Gang zugemauert, recht neu musste der Zement sein, er war noch auffällig hell. Reinhardt kam näher, um sich die Ränder der Zementschicht anzusehen, achtete nicht auf den Boden – und verlor ihn unter den Füßen. Er war auf eine Falltür getreten. Er glitt an ihr eine schreckliche Sekunde lang herunter, während sie sich öffnete und er versuchte, sich mit den Händen am Boden festzuhalten, doch irgendwie drückte der Mechanismus jetzt wieder mit einer schmerzenden Kraft in Reinhardts Rippen von hinten, dass er sich doch fallen lies. Die Arme über dem Kopf, stürzte er mit den Beinen auf eine Pelzdecke. Der Schmerz der unerwarteten Belastung in seinen Knien ließ ihn zusammengekrampft auf den Rücken fallen. “Reinhardt, das SEK ist hier!”, erzählte eine begeisternde chrispelnde Stimme in Reinhardts Ohr. “Geh da raus, sie schaffen es noch! Die sind schon über dem Haus! Und das Bioradar hat sie gefunden: Sie müssen im ersten Keller sein, nördlich, ziemlich weit nördlich.”
Reinhardt öffnete mit endlich nachlassendem Schmerz die Augen. Ein breit gebauter Mann mit nur wenigen gelockten braunen Haaren über den Ohren stand mit hasserfülltem Gesicht und einem Fallbeil in der Hand vor ihm.
In Musik, abermals Musik, das kommt so, als ob das mein großes Thema wäre, hatten wir in der Klasse Projekttage zum Thema “Fallen”, ein Kamerateam kam, hat uns irgendwie begleitet (das wird aber nie im Fernsehen kommen) und unter anderem gab es die Aufgabe, ein Gedicht oder eine Geschichte zu schreiben, die instrumentalisiert und schauspielerisch dargestellt wurde. Zur Inspiration ging ich von mir aus ein paar Stunden hinaus in die echte Welt (und konnte das gleich mit dem geplanten Naturanschauen verbinden, ja, war recht hell und warm und grün^^) und fing dann in der Nacht vor der Gruppenarbeit um 11 Uhr mit dem Text an da oben an.^^ Fertig wurde ich um etwa halb drei und am Morgen gab’s wie zu erwarten Probleme mit dem Drucker, so dass ich eine gute Stunde zu spät zur Schule kam. Ja, was soll’s. Die Kurzgeschichte ist vielleicht etwas verwirrt, unstimmig, die Fall-Wörter mögen arg konstruiert klingen und man könnte meinen, ich hätte Halluzinogene genommen, aber außer Pfefferminzbonbons hatte ich grade nichts hier.

Der “UMC” ist ein “Ultra Mobile Computer”, in Anlehnung an Microsofts “Origami” UMPC. Ich kam auf die Idee durch eine Designstudie von Nokia, den Morph aus Nanoröhrchen, die mich begeisterte.
Ursprünglich wollte ich ja was ganz anderes schreiben, aber ich dachte mir dann, dass ich es mir nicht anmaßen kann, über Dinge dieser Art zu sinnieren, es wäre ein Gedicht geworden, bei denen mir die Selbsterfahrung fehlt, so wurde Konzept B mit Reinhardt umgesetzt, das jetzt eher fantastisch und fast schon Science-Fiction ist.
Meinen lustigen Gruppenkollegen war die Geschichte dann aber viel zu lang und langweilig, dass sie mich sie nicht mal ganz vortragen ließen und den Gesellen, dessen Eltern… lassen wir das, einen Haufen verunglückter Worte in 20 Minuten zusammenschreiben ließen, die dann unser peinlicher Text wurden. Bravo. Nun, zwar wollte unsere Lehrerin mein Werk auch noch interessiert haben und fand es anscheinend recht gut, aber damit die Arbeit nicht völlig sinnlos war, stell ich das mal auf meinen Blog, dass es doch noch seine Bewunderer und seine Ehrerbietung erfährt, die ich eigentlich in der Klasse mit dem Werk einstreichen wollte.

