Ubuntu 8.04 ist raus – und warum man mit der Installation noch warten sollte
Das neue Ubuntu hört auf den Codenamen Hardy Heron (kühner Reiher) und kommt anders als noch Ubuntu 7.10 mit deutlich weniger neuen Funktionen daher. Dafür ist’s eine LTS-Version mit drei Jahren Updates auf dem Desktop und fünf Jahren auf dem Server. Die Aufzählung der Veränderung möchte ich mir ersparen, das hat Golem ganz schön zusammengefasst. Die Highlights sind wohl Pulse Audio und PolicyKit, mit dem man nun feingranular Rechte für Dinge wie die Aktualisierungsverwaltung oder Druckereinrichtungen an Nicht-Roots vergeben kann, es erinnert dabei ein bisschen an Vistas User Account Control. Die beiden hielten schon zuvor in Fedora 8 Einzug. Firefox 3 Beta 5, ein intelligenteres, sich mehr selbstkonfigurierendes X.org 7.3, und das Gnome-Brennprogramm Brasero sowie Transmission für Bittorrents kamen ebenfalls dazu. Daneben gibt es das neue Gnome 2.22 und daraus den Photo Booth-Klon Cheese, einen schöneren grafischen VNC-Betrachter und mit GVFS ein paar längst überfällige Dinge wie das Wiederherstellen von in den Müll geworfenen Dateien an ihren Ursprungsort und künftig nur noch einem Datei-Kopie-Fenster, egal, wie viele Vorgänge laufen. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer globalen Vorschrittsanzeige über alle Applikationen hinweg, wie ich sie mir wünsche und man in diesem Gnome-Mockup auch oben rechts ganz schön sehen kann.
So viel dazu. Jetzt mein gut gemeinter Ratschlag an alle Interessierten und Upgradewilligen: Wartet noch ein paar Tage mit der Installation. Das Gleiche, was ich schon bei Ubuntu 7.10′s (der hässliche Apostroph muss hier glaub ich sein
) Erscheinen schrieb: Da gibt’s noch einige härtere Fehler, die ihr Euch nicht antun müsst und gerade jetzt aktualisiert die halbe Ubuntu-Nutzerschaft auf die neue Version, das zieht alle Server runter und diese Leute überschwemmen jetzt die einschlägigen Foren mit Problemen. Kommt ihr da auch noch dazu, findet niemand mehr Zeit für Euch. Und Euch entgeht gar nichts, wenn ihr noch bisschen mit der Installation wartet, ein bis zwei Wochen, so werde ich es auch halten. Dann bekommt ihr direkt nach der Installation die neuesten Fehlerbehebungen als Updates und habt auch sicher keine Probleme mehr mit Euren “Drittanbieter”-Repos, die vielleicht noch nicht ganz auf Hardy aktualisiert wurden.
Ob ihr ein Upgrade oder eine Neuinstallation machen sollt, müsst ihr selber entscheiden. Ich, der sich innerhalb jeder Ubuntu-Version mindestens zwei Mal durch mystische und mysteriöse Probleme sein System zerschießt, mache wie immer eine Neuinstallation. Ist auch aus einem anderen Grund bei mir sinnvoll, dann leert sich nämlich wieder mal die Ubuntu-Partition, die sich mit der Zeit auf wundersame Weise mit viel Programmüll, den ich nie nutze, aber den ich halt mal installiert habe, aufgefüllt hat. Einige Tipps, wie ihr partitionieren könnt, habe ich in meinem Artikel über meine abenteuerliche JFS-Installation geschrieben. Und wenn ihr einen 64-Bit-Prozessor habt und vor der Entscheidung steht, ob ihr die 32- oder 64-Bit-Version installieren sollt, kann ich Euch nur empfehlen, auf 64-Bit zu setzen. Die verschrienen Probleme damit werden immer weniger und sind mit Hardy vermutlich auch ein gutes Stück weiter reduziert worden, und wenn es keine Nachfrage nach (vor allem) proprietären Programmen auch in einer 64-Bit-Version gibt, dann kommen sie auch nicht. Zur Not lassen sich Dinge wie Flash auch über “linux32″ betreiben, was doch relativ problemlos funktioniert (und Ubuntu sogar automatisch bei der Flash-Installation mit nspluginwrapper einrichtet).
Eigentlich war geplant, dass mein fertibunti kurz nach Hardys Erscheinen, also die nächsten zwei Wochen, in einer grandiosen Version 4 fertig wird, bei der man dann auch mehr oder weniger grafisch nichtgewünschte Paketvorschläge abwählen können soll/wird. Da ich extrem faul bin, hat sich da bisher noch nicht viel getan, und so wird es dann demnächst erst mal eine Version 3.8 geben, die noch auf dem 3er-Generation-Code aufbaut, aber dann auf Hardy abgestimmt ist. Vielleicht mache ich mit Version 3.8 provisorisch eine fertibunti-leicht, -vernünftig und -fett (oder “-pro”? Klingt so schön nach Apple
) -Spielart, um meine Stammnutzerschaft nicht mit der immer größer gewordenen Programmanzahl zu verärgern…
Wer’s nicht weiß: Fertibunti ist ein kleines Bash-Script von mir, das mit einer recht ausführlichen Installationsroutine von mir für wichtig gehaltene Zusatzpakete nachinstalliert. Das sind dann Multimedia-Codecs, Java, das volle Compiz Fusion, Amarok, gPodder, Kooka, Liferea, ein paar Spiele usw., was wirklich erstklassige Programme sind, aber worauf der nicht so Netzaktive vielleicht nur sehr schwer kommen würde und sich stattdessen mit minderwertigem Zeugs wie Gnomes Rhythmbox abärgert, obwohl es wesentlich bessere Lösungen (behaupte ich mal in die Nacht hinaus) für den Zweck gäbe.
Noch was Privates (denkt Euch nichts dabei):
@Christoph: Hab Dich auch lieb.
Update vom 27. April 2007: Jetzt ist die neue Ubuntu-Seite online, und es lohnt sich wirklich, da mal vorbei zu schauen. Besonders chic ist die Produkt-Tour, die ein bisschen an die Konkurrenz aus Cupertino erinnert und die neue Hardy-Firefox-Startseite.
| Dieser Beitrag wurde von Frumble am 25. April 2008 um 22:53 veröffentlicht und unter Linuxnachrichten abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
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vor 3 Jahren
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