Ich laufe gerade in die Stadt, mache nur eine Pause, um das hier zu notieren.
Was ist geschehen?
Mir ist schwindelig, ich taumle. Mein Mund, voll mit Pfeffer, der nicht nach Pfeffer schmeckt. Aber er fühlt sich so an, irgendwie. Aber mein Mund ist leer. Ich huste.
Ich kneife meine Augen zusammen; ich huste noch mal.
Ich bekomme einen Rechtsdrall, schleife an einer Hauswand entwang, trete mich schließlich mit dem rechten Fuß von der Mauer los.
Ich komme in ein Kaufhaus mit vielen Spiegelungen, ich wende meinen Kopf von ihnen ab, sie schmerzen mir.
Ich schwitze, und doch ist mir kalt.
Ich betrete eine Rolltreppe, fahre nach oben – da ist der Ausstieg, die Begleitlichter an den Seiten machen zwar korrekt den Steigungswechsel mit, fahren aber doch weiter gerade aus; nach oben.
Dieser Pfeffer!
Ich hatte mich dazu gezwungen, in die Stadt zu laufen, alles andere wäre naives Denken gewesen, ich hätte mich zu Hause, in meinem Zimmer, schon wieder davon erholt.
Ich bin wieder draußen, Lichter! – Reflektionen! Warum fallen mir so viele Farben auf? Sie sind wässrig, Aqua. Apropos Apple: Da! ein iPhone? Nein, nur eine Hausklingel, die mit weißem Papiereinschub und greller Hintergrundbeleuchtung rechts von mir abstrahlt. Ob die Bedienung in der Bücherei was gerochen hat? Ich war das nicht! Nein, nein!
Ich stehe an dem Ausgang eines Weges, der zu einer vor ihm gelegenen Autostraße führt. Da fahren Autos, sie haben ihre Lichter an, die auf mich gerichteten Schatten der Lichter, die durch die am Straßenrand geparkten Autos entstehen, lassen den Eindruck eines Kreisels aufkommen, ein komischer Kreisel. Aaah! Ich kneife die Augen zu und packe meinen Kopf mit zwei Händen von hinten und beuge mich rückwärts, weg von diesem Kreisel.
Ich laufe eine Straße entlang. Da, da erlosch doch eine Straßenlaterne, wo ist der Deluminator? Nein, das war doch in Harry Potter.
Ich komme wieder zu Hause an.
Was war geschehen?

Ich bin seit drei Tagen nachmittags 90 Minuten bei einer, durch meine Mutter unter meinem Zeitdruck meines schnellen Bedarfs in der Zeitung gefundenen, neuen Mathe-Nachhilfelehrerin. Die Frau ist gerade noch so erträglich, aber ihre winzige Wohnung stinkt nach Rauch. Das war so schlimm, dass ich am ersten Tag schon in der Wohnung Kopfweh bekam, daheim mussten wir alle meine Klamotten wechseln. Gestern dann war es besser, wie sie selber sagte, hatte sie den ganzen Tag noch keine Pause. Aber heute. Als ich ankam, war es noch annehmbar. Wir fingen an, und sie gab mir, etwa zur Halbzeit, eine Aufgabe, und verzog sich auf’s Klo, gleich nebenan. Ich hörte erst ein Belüftungssystem, dann einen Wasserhahn und dann ein Geräusch entflammenden Feuers. Sie kam zurück, und nein, unbeschreiblich, der Gestank. Das tat sie später noch einmal. Ich verlor meinen Boden, fühlte eine Leere im Bauch. Und in meinem Kopf begannen wilde Zeichentrickfilmfetzen auf Mittelerdelandschaften abzulaufen. Mathe?
Meine Backen hiengen herunter, wurden schwer, meine Lippen hatten kein Gefühl mehr. Trotz meines Zustands bemerkte ich jeweils den Eintritt in ein neues Stadium des regressiven Bewusstseins.
Erlösung, die Sitzung war beendet. Ich schleppte mich aus der Wohnungsdiele, torkelte, verabschiedete mich höflich. Doch die erhoffte Frischluftwelle, die alles wegpusten sollte, kam nicht an. Mein Zustand blieb, verbesserte sich nur geringfügig. Ich hielt meinen Kopf, wollte mich an den Straßenrand kauern, rannte dann aber doch los, los, den Hügel hinab. Dieser schreckliche Nicht-Geschmack in meinem Mund, Wüste; Pfeffer! Ich musste Husten; das war eindeutig Pfeffer. Ich bin gerade so wie so schon erkältet, aber dieser Hustreiz war kein gewöhnlicher, er wurde von etwas anderem ausgelöst.
Ich rannte die Straße hinab, ernüchterte mich, es würde mir nicht helfen, lief normal weiter. Diese Zeichentrickfetzen, was sollte das? Mein Handrücken war rau und feucht.
Die Frau tut mir leid, ehrlich. Was muss das für ein erbärmliches Leben sein, wenn man sich schon an so etwas gewöhnt hat. Ich werde sie zum Ende der Woche absetzen.
(Geschrieben Anfang Februar, jetzt veröffentlicht.)