Eines meiner größten Probleme ist, dass ich im “Real Life” nicht flüssig frei reden kann. Ich stottere nicht, sondern setze mir selber Felsen in den Redefluss, in dem ich so reden möchte, wie ich schreibe. Das kann ich sehr gut und bin stolz darauf, mich so gewählt und exakt ausdrücken zu können. Aber das ist etwas anderes, als zu sprechen: Im Gespräch hat man nicht die Freiheit, mehrere Sekunden über seinen Satzaufbau nachzudenken und dann sich genau zu fragen, was man an welcher Stelle für ein Wort braucht, um sein Denkgefühl für das Auszudrückende am präzisesten den Lesern mitzuteilen. Hört sich jetzt sehr langsam an, ist es aber nicht unbedingt, ich schreibe etwa gleich schnell wie andere.
Wie kommt es dazu, dass ich im Sprechen Probleme habe? Gehen wir ein Weilchen zurück. Schon im Kindergarten wohnten meine Freude (wenige) Kilometer von mir entfernt. Ich konnte also nur, wenn ich meine Faulheit überwund, die zum Spielen erreichen, oder war auf meine Eltern angewiesen. Noch schlimmer wurde es dann auf meiner ersten Grundschule: Ich wohnte unten am Hügel und die Schule und meine Klassenkameraden waren auf ihm. Ein Zu-Fuß-Masch zu denen hätte schon mal eine halbe Stunde gedauert. Zugespitzt hat sich dann meine Situation mit meiner zweiten Grundschule, die in einem Vorort von Reutlingen lag. In dieser Zeit lernte ich, mich gut mit mir selbst zu beschäftigen und damals schaute ich noch Fernsehen. Über die doch relativ guten Sendungen, die ich sah (wir hatten nur Antenne und daher nur ARD, ZDF und SWR) versuchte ich, mich sprachlich weiterzubringen. Ich hatte schon zu Kindergartenzeiten die Affinität, meine Sätze gerne präzise gestalten zu wollen. Ich lehnte Wörter, die mir meine Eltern “anboten” ab und ersetzte sie durch andere, die ich besser geeignet fand, wurde Perfektionist in der Sprache. In diesem Zuge lernte ich auch kein richtiges Schwäbisch, sondern Hochdeutsch, oder eher Schriftdeutsch.
Meine wenige Erfahrung im Umgang mit anderen Kindern brachte mich dann auf dem Gymnasium in eine beinahe soziale Isolation. Mir fehlte das Wissen, wie ich mich unter anderen und mit anderen richtig verhalte, was viele Missverständnisse und weitere Probleme aufwarf. Es war, als ob die anderen mich über die letzten zwei Jahre auf der Grundschule in meiner Entwicklung deutlich überholten.
Aktuell meine ich, das im Groben aufgeholt zu haben. Was jetzt mein Problem ist, ist das versucht-erzwungene Schriftdeutsch mit seinen Tücken beim Sprechen. Ich habe nie richtig gelernt, wie ich mich flopsig und “cool” ausdrücken kann, was, wie ich finde, aktuell doch ziemlich auffällt.
Ein guter Freund spricht gerne in vielen Sparwitzen und Insidern und passt sich an sein Publikum an. Er sagt nichts, was sein Publikum nachdenklich machen oder bewusst provozieren würde. Das ist eine Methode, die gut funktioniert, aber mir ist sie zu “schmutzig”.
Meine Sprechart ist zur Zeit ein ziemliches Problem für mich in der Klasse, denn während wir viele darin haben, die cool sprechen (und dabei die meisten nicht den Ghetto-Stil nutzen), komm ich mir sehr komisch vor. Ich weiß, dass viele dieser Leute, sobald sie eine Tastatur bedienen oder schriftlich arbeiten müssen, mich um Leistungsjahre unterbieten, aber das hilft mir nichts… Aktuell lerne ich am meisten von den Computer-Nachrichtenseiten, die ich lese. Also Golem, Heise, PC-WELT, derStandard…
Ich hoffe, dass sich das in absehbarer Zeit für mich ändert. Eine neue Chance für mich mögen die vielen Podcasts sein, die ich mir mittlerweile begeistert aus Spaß reinziehe.
Ich schreibe diesen Blog-Eintrag, um das endlich mal los zu werden und mein jetziges Empfinden einmal schriftlich für meine kommende Entwicklung zu haben und meinen Blog gleich mal wieder etwas persönlicher zu machen.