Weil man viel in den Nachrichten vom Frauenhofer Institut und seinem mp3-Stolz liest, der mich sehr ankotzt, und weil die Leute auch MPEG4 entwickelt haben, woraus aktuell die Spielart H.264 sehr hipp ist, wollte ich mir beweisen, dass das freie Ogg Theora ähnlich gute Ergebnisse liefert. Ich codierte dann einige H.264-720p-HD-Trailer mit ffmpeg2theora video.mov -o video.ogg bzw. mit ffmpeg2theora video.mov -a 9 -v 9 -o video.ogg nach Ogg Theora (der Parameter “a” ist für die Audioqualität, “v” für die des Bildes, beides kann man von 1-10 wählen, “o” steht für Output) und die Ergebnisse sind wirklich sehr verblüffend: Meine Theora-Dateien sind bei “a” und “v” 9 meistens gut 10 MB kleiner als die H.264-Dateien (von im Schnitt 120 MB großen Trailern) (und natürlich hatten die H.264-Dateien auch nur Stereo-Klang, wie die codierten Ogg-Videos, die Theora-Dateien sind also nicht kleiner, weil sie weniger Tonkanäle hätten). Zum Ton: Leider unterstützt Ogg Theora momentan nur Stereo-Ton. Dieser wird per Standard in den Ogg-Container als Ogg Vorbis codiert. Das Problem liegt nicht an Ogg Vorbis, das bis zu 255 Kanäle verarbeiten kann, sondern momentan noch am Theora-Aufbau. Aber ich bin mir sicher, dass das in einigen Monaten auch geht. Wenn man mit den aktuellen Versionen Mehrkanal-Ton-Filme mit ffmpeg2theora konvertiert, werden die Kanäle auf Stereo heruntergemischt, aber irgendwie ist da noch was falsch, weil der Ton dann ganz leise und blechern klingt.
Das Bild hat mich wirklich sehr für einen freien Codec überrascht, der laut Wikipedia “nur” eine patentfreie Alternative zu proprietären Niedrig-Bitraten-Video-Codecs wie RealVideo, DivX oder Windows Media Video sein will. Theora ist praktisch so scharf wie H.264 und mir Leien sind keine echt keine Unterschiede aufgefallen – bis auf einen, ja, Ogg Theora hat noch Probleme mit schwarzen Flächen, die gerne pixelig wirken. Das ist aber nicht besonders schlimm, fällt aber bei schnellen Szenen, wie sie in Trailern zu Haufe vorkommen, besonders auf. Ansonsten und von den Tonspuren abgesehen, ist der freie Codec wirklich astrein HD-tauglich und ich habe ja nicht einmal von Roh-HD-Material codiert, sondern schon von H.264-Dateien. Ich habe auch noch ein paar andere Versuche mit weniger gutem HD-Material, das schon in H.264 pixelig war gemacht, und konnte da dann überhaupt keine Unterschiede mehr in mehrmaligen Vergleichen erkennen (der vierte Trailer zum Goldenen Kompass in 550 schmutzigen p war mit “a” und “v” 10 bei gleicher Qualität sogar um 70 MB kleiner, als sein H.264-Original) Und auch bei Überhauptnicht-HD-Filmen, die aber, wenn sie nicht skaliert werden, sehr sauber sind, konnte sich Theora sehr sehen lassen.

Das ist ein zweifacher technologischer Sieg über die marktdominanten proprietären Lösungen: Zum einen ist das Bild sehr gut (hätte ich Roh-HD-Material zum Codieren gehabt, wäre es sicher noch besser gewesen) und der Ogg Vorbis-Ton übertrumpft, beziehungsweise ist nicht nur gleichwertig zu seinem offiziellen Kontrahenten mp3, sondern sogar zu AAC. Probleme die ich wie gesagt noch sehe, sind Mehrkanal-Ton-Integration von Vorbis in Ogg Theora und teilweise auftretende schwarze Pixelfehler. Aber bedenken wir dabei, dass Ogg Theora aktuell erst im Stadium einer Alpha 7 ist!

Ich werde in Zukunft meine Filme nun preferiert in Theora ausgeben oder codieren! H.264 ist out! ;)