Ich bin auf ein geniales Projekt gestoßen: Das Elisa Media Center. Entwickelt wird es von Fluedo, der Firma, die sich auch sehr für die GStreamer-Entwicklung einsetzt. Zwar noch recht früh in der Entwicklungsphase und es gibt hin und wieder Abstürze, aber man kann es schon gut benutzen.
Was ist nun das Besondere an Elisa, es gibt doch schon duzende Media-Center-Lösungen für Linux? Es ist die Einfachheit. Ich will keine Brummi-Software mit zig Möglichkeiten, TV-Aufnahmemöglichkeit und so weiter, nein, ich will schnell und schick meine Filme starten und meine Sammlung durchsuchen können. Wer FrontRow von Mac OS X kennt, weiß, was ich meine. Diese Möglichkeit gibt einem Elisa nun auch auf Linux – und nicht schlecht. Anders als FrontRow, das sich nur an der iTunes-Datenbank bedient, kann ich mit Elisa meine gut gepflegte Ordnerstruktur sehr nett grafisch durchforschen. (OK, das ist vielleicht nicht für jeden gut, aber ich mache mir lieber nicht die Mühe und tagge alle meine Mediendateien sondern sortiere sie “nur” ordentlich ein). Das Programm ist in Python und vermutlich Cairo Pigment geschrieben und braucht ein paar Bibliotheken zum Compilieren – es gibt zwar ein Ubuntu-Repos, aber die Versionen darin sind uralt. Am Besten, Du gehst die Anleitung im Ubuntuusers-Wiki durch, danach hat es bei mir perfekt geklappt. Was nicht im Wiki steht: Du musst natürlich die zwei Archive von der Elisa-Seite herunterladen und entpacken. *höhö* Dann zuerst diese ganzen Abhängigkeiten, die im Wiki aufgelistet sind installieren, dann “Pigment” compilieren (normaler Dreisatz ./configure, make, sudo make install – oder sudo checkinstall make install, wenn checkinstall installiert ist, wird dann von Pigment ein Debian-Paket erstellt, dass sich sauber installieren und löschen lässt) und danach im entpackten Elisa-Archiv-Verzeichnis sudo python setup.py install eingeben (da lässt sich meines Wissens kein checkinstall verwenden). Dann muss man noch seine Pfade in die Konfigurationsdatei wie im Ubuntuusers-Wiki beschrieben von Hand eintragen, die grafische Oberfläche kann das leider noch nicht. Weil ich da eine Weile selber probieren musste, hier ein Beispiel:
[base:audio_activity]
# the audio media locations
locations = ['file://media/hda5/Eigene Dateien/Eigene Musik']
[base:image_activity]
# the picture media locations
locations = ['file://media/hda5/Eigene Dateien/Eigene Bilder']
[base:video_activity]
# the video media locations
locations = ['file://media/hda5/Eigene Dateien/Eigene Videos']
Ja, ich benutze noch meine Eigenen Dateien.
Schlagt mich nicht. Ich hab aber kein Windows mehr drauf und die Partition ist in FAT32.
Ich brauch halt was, wo ich aus so vielen Betriebssystemen wie möglich Schreibzugriff drauf hab und habe noch zu meinen Windows-Zeiten mit dem Sortieren in Ordner angefangen, also benutze ich die Namen jetzt so weiter, ist ja nicht schlimm. ![]()
Zurück zum Thema: Du siehst, ich habe nur die Grundordner angegeben, mit Elisa kann man sie dann samt Unterordnern durchbrowsen. Noch ein Tipp: Suche in der Konfigurationsdatei nach start_fullscreen = ‘0′ und setze es auf 1. Damit startet Elisa dann immer gleich im Vollbildmodus. Apropos: Als Compiz Fusion-/Beryl-Anwender hat man immer die Angst, dass Vollbildanwendungen nicht mit dem Würfel zusammenspielen. Elisa lässt sich 1a in Vollbild auf einen Desktop legen und man hat immer noch den Würfel, um parallel noch was Anderes zu tun.
Ein kleiner Überblick noch, was man wissen sollte:
- Die Musikwiedergabe ist bisher noch sehr lieblos. Die Dateien haben alle das gleiche Icon und es werden keine Visualisierungen oder Cover angezeigt.
- Das Browsen durch die Videos ist grafisch sehr nett gemacht, alle Videodateien haben ein Vorschaubild, aber leider nur ein Bild, sie bewegen sich nicht.
- Sehr cool: Drückt man, während ein Video läuft die Leertaste, wird es verkleinert und man kann im Menü nach einer anderen Datei suchen.
- Blendet man so das Menü aus und drückt die Eingabetaste, pausiert das Video oder die Musik und zeigt einen Fortschrittsbalken vom Abspielen an.
- Das Ding ist s c h n e l l! =)
- Sollte es nicht schnell sein, so könnte das am verwendeten 3D- Fenstermanager liegen. Zwar kann ich in Compiz Fusion gut damit arbeiten, aber die Entwickler geben noch Probleme mit solchen Fenstermanagern an. Dann sollte man einfach kurzzeitig auf Metacity oder Kwin wechseln (z.B. mit metacity –replace).
Wenn Elisa seine Kinderkrankheiten überwindet und ein paar Features mehr bekommt, könnte es zu einer echten Killerapplikation für Linux werden, vielleicht liefern es die Distributionen ja bald sogar mit.
Apropos Killen: Wenn Elisa abstürzt, hilft xkill.
Nachtrag vom 11.05.2008: Mit Elisa 0.3.5 hat sich die Konfiguration der Medienpfade geändert; statt den drei audio_activity, image_activity und video_activity gibt es nur noch eine Selektion:
[xmlmenu:locations_builder]
locations = ['file:///media/sdb9/Meine Dateien/Filme', 'file:///media/sdb9/Meine Dateien/Musik', 'file:///media/sdb9/Meine Dateien/Bilder']
auto_locations = 1
Suche in der ~/.elisa/elisa.conf die Zeile mit
[xmlmenu:locations_builder]
locations = []
auto_locations = 1
und pass sie für Dich an. Auch das ganze Gedöns mit dem Selbst-Compilieren ist seit spätestens Ubuntu 8.04 Hardy Heron unnötig geworden, einfach Elisa aus den Standard-Ubuntu-Quellen heraus installieren.
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09:28 um 29. August 2007
Sehr guter Artikel. Leider habe ich leider noch ein paar Probleme bei meine(m)(r) Elisa
.
Sie (es) startet noch nicht, allerdings habe ich die aus den Ubuntuquellen. Ich werde sie später mal selbst kompilieren.
Ich bekomme immer die Fehlermeldung:
/usr/bin/python2.4: symbol lookup error: /usr/lib/pigment-0.1/libpgmrendergl1.so : undefined symbol: glXGetProcAddress
das fing aber erst an nachdem ich den glxtreiber installiert habe.
Naja werde mich später mal darum kümmern bis dann.
Gruss Dom
Benutzt20:53 um 29. August 2007
Versuch mal, die Abhängigkeiten, die man eigentlich nur für das Kompilieren von Elisa braucht zu installieren. Ich habe selber da auch schon irgendwas gemerkt, dass da was fehlt.
Benutzt Swiftweasel 2.0.0.6.1 aufEs lohnt sich wirklich, sich das Ding selber zu Kompilieren. Es ist schon so nicht sonderlich stabil, die alte Version im Repos wird in Relation dazu dann sicher unbenutzbar sein.