Geplant war sie seit Ende der siebten Klasse, meine GFS in ITG über Betriebssysteme. In der achten Klasse dann machte ich sie mit meinem Mathe- und ITG-Lehrer aus und sie sollte wie eine Klassenarbeit in Mathe zählen. Da ich etwas Eindrucksvolles abliefern wollte, wartete ich auf meine neue Computerhardware, denn für mich war klar, dass ich darauf OSX86 und iWork mit Keynote installieren würde. Weil ich ein Sparfuchs bin, und es situationsbedingt wegen meinem Bankkonto auch sein musste, wartete ich bis Ende Mai, bis ich meine ganze Hardware (besonders die CPU) fertigkaufte. Mein PC lief sogar, und OSX86 auch wunderbar und ich begann, meine inzwischen angehäuften Konzepte zusammenzutragen und daraus eine Präsentation zu erstellen. Richtig hart arbeitete ich die letzten zwei Wochen daran und zeigte es auszugsweise Freunden, die davon ziemlich angetan waren.
Letzten Donnerstag dann war meine Präsentation terminiert. Mein Lehrer hatte die eigentliche Mittagsschule (BK) auf Freitag verlegen lassen, damit ich meine zwei Stunden bekomme. Mein Vater kam mit meinem Rechner (ich brauchte ja meinen Rechner, weil ich mit Keynote arbeitete und die Betriebssysteme auch vorführen wollte), und wir steckten ihn noch vor Stundenbeginn an den Lehrertisch mit Beameranschluss an. Groß war mein Entsetzen, als OSX86 nach dem Booten mit dem Start von Aqua kein Bild mehr zeigte und ein paar Sekunden darauf die tolle nichtssagende OS X-Kernelpanik (“Bitte drücken Sie Reset”) kam. Ich und ein Freund steckten dann wild die Kabel hinten um, probierten einmal eine Bildschirmausgabe nur auf den Lehrer-Bildschirm, dann nur auf den Beamer, gingen sogar noch in einen anderen Computerraum mit anderen Bildschirmen… Ich hatte zu Hause noch die Auflösung vorsorglich auf 1024×768 gestellt, um genau so etwas zu vermeiden.
Nichts ging, wenn ich nicht so fassungslos gewesen wäre, hätte ich vermutlich geheult. Das Ubuntu startete ohne Probleme mit Bildschirmausgabe, aber darauf konnte ich meine GFS ja nicht halten, weil ich ganz auf Keynote gesetzt habe. Nachdem ich das Problem meinem Lehrer geschildert habe, hat der gemeint, ich solle meine Präsentation halt ohne Computer halten. Das war für mich undenkbar: Ich hatte keinen Ablaufplan, keine Notizen, keine ausgedruckten Bilder… Alles war im Computer. So also seine Reaktion:”Dann gibt das mündlich eine 6.” Eine GFS besteht (bei ihm) aus einem mündlichen Teil (die Präsentation) und einer schriftlichen Ausarbeitung. Während die Anderen dann die zwei Stunden, in denen sie nicht gehen durften nutzten, um schreckliche kleine Flashspiele zu spielen, lief ich völlig zerstört von einem Tisch zum anderen und machte die Leute an, weil sie den Internet Explorer und nicht den Portable Firefox benutzten.
In der Nacht zum Freitag nahm ich dann meine Präsentation bei mir mit meiner DV-Kamera auf und weil es schon sehr spät wurde (mein Schluss war um halb drei) begann ich immer mehr zu Äh-n und Lispeln… Danach wollte ich die zwei MiniDV-Kassetten auf meinen Computer überspielen, aber der hatte nicht mehr genug Speicherplatz am Stück frei. So gab ich dann die Kassetten meinem überraschtem Lehrer am Freitag mit und hoffe nun, dass das besser als eine Drei war.
Mit dem Nachhausekommen am Freitag wurde ich dann krank, bekam Halsweh, Bauchweh und Schnupfen. Das Halsweh kann ich noch körperlich erklären: So lange, wie in der vorigen Nacht, rede ich nie am Stück. Aber das Hals- und Bauchweh ist wohl eine Methode von mir, mit der Situation fertig zu werden. Ich wollte die GFS nicht wegen der Note machen, mein Ziel war, meine Mitschüler zu beeindrucken. Natürlich bedacht zu beeindrucken, ich wollte nicht den Vollgeek ausspielen und sie gar nichts verstehen lassen. Mir fehlt in der Klasse, besonders bei den Mädchen, Respekt und Ansehen und ich fühle mich oft mies behandelt. Einige wollten sich vor meiner GFS z. B. bei meinem Lehrer schon abmelden. Mit der GFS wollte ich endlich mal sagen:”Hey, ich kann auch was sehr gut, ich habe auch meine Spezialgebiete!” Wenn ich sonst in der Schule mit meinem Wissen komme, interessiert es keinen und ich kann es nie unterrichtsbezogen einsetzen. Die GFS war als weitaus größeres, als eine kleine Notenzugabe gedacht, sie sollte ein Erlebnis werden. Genau dieses Erlebnis gab es so nicht und mir fällt alle paar Stunden noch ein Detail für die GFS ein, das ich noch in den Text schreiben, oder das ich erwähnen sollte. Das ist fast, als wäre ich ein Geist und hätte noch etwas zu erledigen oder zu verarbeiten, bis ich weg kann.
Vermutlich hat OSX86 spezielle Treiber für meinen Bildschirm installiert, die sich nicht auf die Schulhardware übertragen ließen. Die technische Seite ist relativ belanglos, hätte ich ein kleines Referat gehalten, hätte es garantiert funktioniert. Ich frage mich nun vor allem, warum mir das nicht gegönnt wurde. Ist es so falsch, den Anderen mal zeigen zu wollen, was man kann? Stimmt etwas an dieser Herangehensweise für die Beschaffung von mehr Respekt nicht? War meine Vorgehensweise zu einfach oder hätte ich ihn mir anders beschaffen sollen und wurde deshalb an dem Halten der Präsentation gehindert?
Zur Belohnung, dass Du meine Ergüsse gelesen hast, gibt es jetzt noch ein besinnliches Video…
Das gibt es übrigens auch etwas melodiöser als Audiodatei zum Herunterladen.