Linux-Kernel 2.6.20 bekommt Hypervisor-Schnittstelle
Der neue Kernel 2.6.20 wird eine Hypervisor-Schnittstelle für virtuelle Maschinen enthalten.
Firmen wie XenSource, oder VMware mit ihren Virtualisierungslösungen wollten schon lange ihre Kernel-Module gleich fest im Linux-Kernel integriert sehen. Die Kernel-Entwickler lehnten aber beide Lösungen ab, weil sie entweder zu ClosedCode, oder zu umständlich waren. Schließlich setzten sich die Konkurrenten zusammen und verfeinerten den schon auf dem Ottawa Linux Symposium 2006 vorgestellten Kernel-Patch paravirt_ops so weit, dass er nun von den Kernel-Leuten in den 2.6.20er Kernel aufgenommen werden wird. Mit paravirt_ops kann man einen Kernel nach Beliegen entweder nativ auf einem Rechner, oder in einem Hypervisor ausführen. Der Hypervisor ist ein Programm auf einem nativen System, das über eine im Kernel integrierte Funktion direkt auf die Hardware zugreifen kann, ohne, dass der eigentliche Kernel etwas machen müsste. So kann man mehrere Betriebssysteme gleichzeitig mit sehr geringen Leistungseinbußen betreiben. Ein freies Programm dafür ist etwa Xen, mit dem man dann ähnlich wie mit einem virtualisierenden (also eine virtuelle Machine) VMware arbeiten kann. VMwares Produkte haben mittlerweile aber auch schon die Hypervisor-Technik integriert und setzen sie ein, wenn es die CPU des Hostrechners erlaubt. Bisher brauchten VMware-Programme und Xen immer noch ein eigenes Kernel-Modul, das man selbst einrichten musste. Das soll nun über paravirt_ops entfallen: Die Programme greifen einfach immer auf diese Schnittstelle zu, die direkt im Kernel sitzt und dann “unter” den Kernel auf die Hardware zugreifen kann.
Es ist erstaunlich, mit wie großen Schritten der Linux-Kernel in jeder Version seine Scheinkonkurrenz aus Redmond um Entwicklungsjahre übertrifft. Microsoft will erst im Windows Longhorn Server, der frühestens 2008, eher 2009 kommen wird, eine Hypervisor-Schnittstelle integrieren, und das sogar vermutlich erst als Service Pack nachgereicht. Selbst dann braucht man für einen schnelles Hypervisor den verdammt teuren Windows (Longhorn) Server.
Update vom 16. Dezember:
Wie Golem berichtet, wird Linux 2.6.20 auch KVM enthalten, das eine virtuelle Maschine direkt im Kernel implementiert und auch die Hardware-Virtualisierungstechniken von AMD und Intel nutzt. Das Design ist ähnlich wie das eines Hypervisors, nur mit dem Vorteil, dass man so auch beliebige Betriebssysteme wie Windows virtualisieren kann, für die man für einen Hypervisor einen modifizierten Kernel bräuchte.

