Microsofts Deal mit Novell – ein Packt zweier Teufel?
Ich weiß, ich komme damit wirklich viel zu spät. Aber in der letzten Zeit hatte ich wieder bisschen viel zu tun und wenig Lust, was für den WinLux Blog zu schreiben.
Vor etwa drei Wochen gab es eine Meldung in den Computernachrichten, die für viel Wirbel gesorgt hat: Microsoft hat Novell, der Firma, die 2003 SuSE Linux gekauft hat, satte 240 Millionen Dollar gezahlt. – Für Support von SUSE Linux Enterprise Server Lizenzen, die Microsoft entweder selber verwenden, verschenken, oder weiterverkaufen kann. Lustig geht es mit den Ankündigungen weiter, dass Microsoft Novell bis 2012 auch 60 Millionen Dollar für Marketing für SUSE Linux und mit 34 Millionen US-Dollar möchte Microsoft ein Team aufbauen, das Kombi-Lösungen aus Windows und Linux entwickelt. Außerdem gibt es 108 Millionen Kohle für Patentabkommen, keine Ahnung was das genau heißt, vermutlich wird Microsoft im Namen Novells bald Webseiten und Programme veröffentlichen. Allerdings will Microsoft hier bis 2012 mindestens 40 Millionen zurück. Microsoft hat sich auch verpflichtet, bis 2010 mit keinem anderen Linux-Distributor einen Vertrag abzuschließen. Den Höhepunkt stellt das Versprechen von Microsoft dar, bis 2012 keine SUSE-Anwender in irgendeiner Weise zu verklagen. Hier geht es wahrscheinlich um Softwarepatente, die Microsoft glaubt, zu besitzen. Novell und Microsoft wollen auch die gleichzeitige Virtualisierung von Windows und (SUSE) Linux auf einem Rechner verbessern und “Standards” schaffen und Novell soll einen Konverter für OpenDocument Format (ODF, u.a. Standarddateiformat bei OpenOffice.org 2x) und Microsofts Eigenentwicklung Open Office XML, die im neuen Office 2007 zum Einsatz kommt entwickeln.
Das hört sich wie Utopie an und nein, ich sag jetzt nicht gleich “April, April!”. Vielmehr steckt hinter diesen abstrusen Vorkommnissen tatsächlich System und sogar ein abartiges Geschäftkonzept von Novell und Microsoft, das man als Top-Verschwörungstheorie in Umlauf bringen könnte.
Zum ersten einmal wird sich Microsoft mit den Geldern einen gewissen Machtanteil an Novell sichern und ein Microsoftkenner vermutet stark, dass sich Novells Konkurrenzprodukte – zu mindestens erst einmal für den Desktop – auflösen werden. Damit ist das vor allem SUSE Linux für Endanwender gemeint. Novell hat auch die Hauptentwicklung an Mono, einer freien Implementierung von Microsoft .NET geleistet. Diese Bibliothek ist zwar frei, wird aber vermutlich bald die Unterstützung von Novellmitarbeitern verlieren. Microsoft und Novell wollen auch die Zusammenarbeit im Netzwerk verbessern. Hier geht es aber nur um die kommerziellen Protokolle Active Directory von Microsoft und Novell eDirectory. Ja, man mag es nicht glauben, die Firma, die früher nur mit den Novell-Netzwerkprotokollen Geld verdiente, mit Windows 3.11 für Workgroups zunehmend unterging und erst im Kauf von SuSE Linux wieder Kaufkraft gewann, arbeitet immer noch an ihren eigenen Protokollen. Ich weiß leider nicht, ob eDirectory in SUSE Server kostenlos integriert ist, schätze aber mal nicht. Von Samba, oder NFS aus der Linuxwelt ist nichts zu hören. (OK, ich kenn mich jetzt bei der Windows’schen Unterstützung von NFS auch nicht so aus…)
Da Novell riesige Mengen praktisch ausschließlich freier Software an Microsoft lizenziert hat, haben sich einige Leute des GNU free Software-Glaubens gemeldet und ihre Zweifel angemeldet. Steve Ballmer, der eigentliche Chef von Microsoft hat gesagt:”Wir wollen unbedingt, dass Kunden, die Windows und Linux kombinieren wollen, die Suse-Produktlinie wählen”, daraus könnte man jetzt folgern, dass wenn man in Zukunft (als Unternehmen) nicht die von Microsoft/Novell lizenzierte (SUSE) Linuxversion benutzt, einem eine Patentklage droht. Linus Torvald äußerte sich dazu in einer Mail an seine Kumpel:”Ich ziehe die Ansicht vor, dass nicht jeder ein Feind sein muss. Lasst uns abwarten, ob es gut läuft.”
Sicher jedoch ist schon jetzt, das Novell keines Wegs die Evolution Linux’ ein so großes Bestreben ist, wie diese Firma letztens doch so geprahlt hat. Außerdem kommen fast wöchentlich mittlerweile neue, noch nicht genannte Aspekte des Deals ans Licht.
| Dieser Beitrag wurde von Frumble am 20. November 2006 um 21:10 veröffentlicht und unter Berichte und Artikel, Linuxnachrichten, Windowsnachrichten abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
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