Da viele Entwickler mit der Führung von Novellleuten bei der Entwicklung der 3D-Erweiterung Compiz für den Xgl-X-Server für Linux, die zusammen geniale Oberflächeneffekte ermöglichen, nicht mehr einverstanden waren, haben sie einen Fork; eine Aufspaltung gemacht und sie Beryl genannt. (Ich berichtete *höhö*)

Nun habe ich mir dieses Beryl angeschaut und bin positiv überrascht. Schon die Installation gestaltet sich, jedenfalls wenn schon Xgl installiert ist sehr einfach, es müssen nur ein paar Pakete installiert werden und das Programm beryl-manager in den “Autostart” des Desktops, für den man Xgl eingerichtet hat übernommen werden. Wichtig hier für Compiz-User: startcompiz im selben Dialog zumindest temporär deaktivieren!

Das Beryl-Gnome-AppletNach einem Neustart (jedenfalls braucht’s des bei mir, denn ich kann mich nach einem Logout von Xgl nicht mehr in Xgl anmelden) des Systems startet dann Beryl wie Compiz. Gleich mal auffällig ist der Splash-Banner, der dann ausgeführt wird. Den sollte man dann gleich über das Programm beryl-settings als Plugin ausschalten. beryl-settings gleicht fast ganz dem Compic Settings Manager (CSM) und basiert auch darauf. Neu ist erstmal auch das Beryl-Icon oben in der Panelleiste, das wichtige Beryl-Funktionen per Auswahlmenü bietet, wie den Neustart von Beryl, falls er mal abgestürzt ist, oder einen Wechsel des Fenstermanagers auf etwa Metacity, oder das Starten des Themen-Editors (gleicht auch dem Pendant von Compiz), oder des Beryl-Einstellungsmanagers beryl-settings. Voreingestellt sind teils völlig andere Einstellungen als in Compiz. So benutzt zum Beispiel Scale gleich “Enhanced” als Ordnungsfunktion der Fenster und die Sondertasten sind sinnvoller belegt: So geht jetzt Minimieren mit “Alt + F5″ und Maximieren und Wiederherstellen – je nachdem, ob ein Fenster schon maximiert ist, oder nicht (übrigens sehr clever) mit “Alt + F6″. in Compiz sind die Tasten F10, F11 und F12 (standardmäßig) für verschiedene scale-Funktionen belegt. In Beryl sind das F7, F8 und F9, was den eindeutigen Vorteil hat, dass nur sehr wenige Programme diese Funktionstasten brauchen und man so mit Beryl in der Grundeinstellung in entsprechenden Programmen wie ohne Xgl mit F11 in den Vollbildmodus gehen, oder mit F12 in Blender ein Bild rendern kann.

In “Zoom Desktop” ist schon die Glättung der Pixel aktiviert und für Scale ist die Ecke unten rechts nun nicht mehr (vor-)belegt, also, es verschwinden nicht plötzlich alle Fenster, wenn man die Maus durch den Raum schubst. Allerdings gibt es nicht nur gute Voreinstellungen. So nervt mich das “werkmäßig” aktive “Window focus leaves a trail” – ich kann es nicht leiden, wenn ein Video, das ich auf ‘Im Vordergrund’ gestellt habe, blass, unscharf, oder sonst was wird. Wie Bei Compiz finde ich auch die “Animations” schlecht voreingestellt. Dieses ach so vielsagende Plugin in einem Animationseinstellungsprogramm eines 3D-Desktops regelt vor allem das Erscheinen, Minimieren und Wegtreten von Fenstern.

Beryl bringt mit dem beryl-manager, also das Applet in der Symbolleiste einen netten Mehrwert mit. Auch erscheint mir die Desktop-Erweiterung schneller als Compiz, von der Stabilität kann ich noch nichts standfestes sagen, ich benutze es jetzt erst einen Tag intensiv. Aber in dieser Zeit gab es schon etwas mehr Versagen als bei Compiz, vermutlich ist das aber nur Einbildung, oder es liegt an einem von mir unsauber eingestelltem Plugin. Ich habe übrigens schon mein Compiz von der Platte geschmissen – Novell kann ich eh nicht leiden. Einen Umstieg von Compiz auf Beryl halte ich für tragbar für jeden, die Installation setzt sich ja nur aus reinem Pakete installieren zusammen. Einen deutlichen Aufand stellt dagegen das Wiederneueinstellen seiner Lieblingseinstellungen dar, denn diese importiert Beryl nicht von Compiz. Für Neu-Xgler empfehle ich, vorerst auf Ubuntu 6.10 zu warten, das sehr bald kommen wird und wo schon AIGLX/Xgl (ich bin unsicher, welches) und Beryl mitinstalliert werden. Wenn ein Update, oder eine Neuinstallation nicht in Frage kommen sollte, dann kann man immer noch Beryl von Hand in Ubuntu 6.06 installieren, Compiz sollte man nicht mehr unterstützen.

Beryl-Installation im Ubuntuusers Wiki: http://wiki.ubuntuusers.de/Baustelle/Beryl?highlight=%28beryl%29